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Gießener Anzeiger

Anzeige- und Amtsötatt für den Kreis Hießen

1872

Samstag den 19. October

Nr. 246

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^montane Blatt schreibt über denselben wie folgt:Wenn der Brief echt ist, so ist !er ein Beweis dafür, welch' schweren inneren Kumpf der Herr Bischof hat Ourch- käwpfen müssen, um sich den Entscheidungen des vatikanischen Eoncils schließlich 'roch zu unterwerfen. Die liberale Presse spricht hierbei viel von der GesiunuvgS-

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DretS vtertrljLhrig 1 fl 12 h. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fL 39 ft.

Die Welt kann das nicht fassen, weil ihr Geist eben ein dem katholischen Geiste diametral entgegengesetzter ist. Eigentlich hat auch die Welt gar keinen Geist, denn sie besteht nur aus Fleischklumpen." Die wohlbekannten Bäuchlein der katholischen Herren Pastoren beweisen, daß sich die Fleischklumpen nicht gerade bei der sündigen Welt allein finden. Was aber den katholischen Standpunkt anbe- langt, so ist er nach den Worten derGermania" kein anderer als der des Knechtes gegen den Despoten. Bischof Hefele hat seine Mannesehre verkauft; die Ultramontanen werden sagen, der heilige Geist habe cS gethan, Vernünftigdenkende aber behaupten, daß der Geist der Erleuchtung, der ihm und den anderen charakter­losen Kirchenfürsten zu Theil geworden, mehr aus dem Brodkorb als von oben

In Frankreich wendet sich das öffentliche Interesse bereits den bevorstehen- ' " In den meisten Departements sind die Aussichten für die . Es wird daher, wenn sich auch der

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Berlin, 18. Oct. Kaiser Wilhelm ist heute Vormittags 1OV4 Uhr von Baden-Baden hier wieder eingetroffen. Zum Empfange desselben waren auf dem Bahnhose erschienen der Kronprinz, säwmtliche hier befindliche Prinzen und der Herzog von Sachsen-Meiningen. Vom Bahnhofe begab sich Cer Kaiser mit dem Prinzen Albrecht nach dessen Palais, wo die Großherzogin-Mutter und die Her­zogin Wilhelm von Mecklenburg anwesend sind.

München, 18. Oct. Der König hat die Neuformation der bayerischen Artillerie, jener der preußischen Armee entsprechend, genehmigt. Die Veröffent­lichung der betreffenden Anordnung findet nächstens statt.

Stuttgart, 17. Oktober. Das heutigeDeutsche Volksblatt" enthält eine Erklärung des Bischofs Hefele von Rottenburg bezüglich seines in derAachener Zeitung" veröffentlichten Briefes.Er habe so heißt es in der Erklärung jenen Britt geschrieben zu einer Zeit eigenen inneren Kampfes, da er ein Schisma für das größte Unglück hielt, und andererseits glaubte, das Vaticanvm nicht mit innerer Zustimmung verkünden, wohl aber dieser Lage durch Resignation entgehen zu können. Der Kampf habe noch fünf Monate gedauert, bis es ihm gelungen fei, in aufrichtiger Unterwerfung feiner Subjektivität unter die höchste Autorität sich mit dem vatikanischen Deere» zu versöhnen. Dieser Schritt habe ihm Ver­folgung, aber auch die innere Ruhe gebracht und fei erleichtert worden durch die Wahrnehmung immer deutlicherer fchismatischer Bestrebungen der Gegenpartei." Schließlich citirt Hefele eine Stelle aus dem Briefe des Dr. Bauerband, worin das Versprechen enthalten sei, ohne Genehmigung Hefele'S nichts von dessen Ant­wort zu veröffentlichen.

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Belgien.

Brüssel, 16. Oktober. Ein Mensch überlieferte sich den Behörden mit der Aussage, er sei ein Mitschuldiger des Mörders Troppmann und habe als Officier der Commune das Peloton zur Erschießung der Geißeln befehligt.

Frankreich.

tvu rt ff werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch bei allen Post-

SBcftlHUnflCn (Ulf ben (Siebener Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für das IV. Quartal zu I fl.

Brodpreise vom 19. bis 23. October 1872,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

2 Kilo gemischte« Brod 20 kr. i Kilo gemischtes Brod 10 fr. 2 Kilo Roggenbrod: erste Sorte 17 kr., zweite Sorte 15 kr.

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Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

tritt gegen denselben in die Schranken. Dit . und wird gerächt werden. Wer noch bis jetzt un lebt, daß Oie Bischöfe selbst an '

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worden und er muß sehen, vor welchem Abgrunde er gestanden hat, da er solchen Deutfchlano. Führern gefolgt ist. Den Bischöfen ist aber die Maske vom Gesicht gerissen.

Darmstadt. 17. Oktober. Ja ihrer heutigen Sitzung lehnte die zweite.Sie sollen jetzt nur noch wagen, von ihrer Liebe und Anhänglichkeit zur Kirche Kammer d>- Rrgierung-proposition zur Erhöhung der Psarrgehalte, so wie sie zu reden, die sie gegen die Anfeindungen rer weltlichen Machte in Schutz nehmen gestellt war, zu, Zett ab, -eewilligte aber für die wirklichen inländischen -van., muffen! Nicht Kinder werten mehr thoricht genug sein, ihren B.th-uerung-n -e Ück-n und katholischen Pfarreien, welche unter 800 st. dotirt sind, für das Glauben zu schenken, jede- Wort wird wie -in- G-fahr bringend- Lug- -rschein-n, Jab^l872"die Summe von 20M0 fl. Di- für die Abhaltung der evangelischen jeder ehrlich- Mansch wird ihn-n au- d-m W-ge gehe». Wer di- Ruh- °-s Land-Ss-node geforderten 12,000 fl. wurden definitiv ve,willigt. Bei der Debatte E-wiff-n« geopfert, der rst gerichtet auf immerdar. . (D- Pr.)

über den ersteren Gegenstand, welche, wa« die Nothwentigkelt der Erhöhung Berlin, 15. O-t. Der Brief de- Bischof- v. Hefele wird h-u^ von der Vilser gering dotirt-n Pfarreien anlangt, ein- völlig- Ueb.r-instimmung allerGermanm" zwa,e nicht abgedruckt, aber wenigsten« b-elaufig erwähn . Da- ultra. Meinungen ergab, opponirt- eine Anzahl Redner, wie Kraft, Metz und W-rnher, über denselben wie kolat: ..Wenn der Bries echt ist, ,0 ist

nur darum gegen eine ständige Berwilltgung der geforderten Summe, weil man dadurch, daß man die Sache in der Schweb- halt-, aus -ine baldige Regelung der Verhältnisse Oer evangelischen Kirche Orangen unO ven Staat nicht mit Lasten 0 - - cm ü

beladln wolle. die, wenn diese Ordnung der kirchlichen Verhäl.niffe vollzogen ist, loflgkeit des Bischof-, und von ihrem Standpunkte au- ha, st-Rechn W.r haben der Kirche anheim fallen müßten. Nicht ohne Inter-ff- sind einig- A--rung-n,ab-r schon neulich erklärt, daß bezüglich de-Verhalten- d-n-nigen Bl chofe, welche :cr rrJL-l JL KiniUtU, ter Kummer. Oer in auf 0em Eoncil opponirt haben, nicht Oer liberale, sondern Oer katholische StanO-

'punkt meßgebcnd ist, unO von diesem aus heißt es: Demuth und Unterwerfung!

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pes Abg. Curtmann, eines der hervorragendsten Finsterlinge der Kummer, Oer in, seinem Eifer für Oie Trennung von Kirche und Staat so weit ging, daß er bei feiner Radikal-Trennung der Kirche Alles zurückerstatten will, was ihr der Staat genommen, darunter auch die 50 unter Philipp dem Großmüthtgen in Hessen säkularisirten Abteien und Klöster und die im Jahr 1803 eingezogenen Kloster Marienschluß und Abtei Seligenstadt. Die Ausführungen Curtmann's, den die Lorbeeren eines Stahl und Gerloch zu verlocken scheinen, trugen nicht wenig zur Erheiterung der Kammer bei; aus diesem Grunde verzichtete auch Oer Bericht- crstatter Abg. Kraft auf eine Erwiderung und constatirte nur, daß an dem Abg. Curtmann, dessen Anschauungen aus früheren Jahrhunderten Oatirten, das Jahr 1848 und da- Wehen der neuen Zeit spurlos an ihm vorübergegangen fei.

Berlin, 15. Oktober. Der grade zur rechten Zeit fernem Wortlaute nach bekannt gewordene Brief des Bischofs Hefele von Rottenburg erregt allgemeines Aufsehen. Die meisten großen Blätter stellen einen Vergleich an zwischen früher und jetzt, zwischen dem Briefe vom 11. November 1870 und der Denkschrift vom 20 September 1872, unter deren Unterzeichnern der Bischof Hefele ebenfalls figurirt. In der That ist auch eine solche Parallele geeignet, wie kein andercS Mittel, die unglaubliche Verlegenheit jener Männer darzuthun, die im Kampfe gegen die Staatsgewalt, als die Vorkämpferin für Aufklärung und Civilifatlon gegenüber der von Nom in Schutz genommenen Finsterniß, m# Oen fuir aUe anderen Menschen heiligsten und theuerstcn Gefühlen das frevelhafteste Spiel treiben. Unter dem Deckmantel der Religion verfolgen sie die verwerflichsten Zwecke, unter dem Vorwande, daß der heilige Geist entschieden, heucheln sie Demuth und unterwerfen sich den vatikanischen Beschlüssen, die sie früher mit aller Entschiedenheit als die Kirche fchadigende Irrlehren bekämpft haben. Ihre heftigsten Gegner hätten niemals die innere Unwahrheit und Unhaltbarkelt ihrer ganzen Stellung mit so schlagender Ueberzeugung bloszulegen vermocht, wie ein Vergleich Oer beiden Schriftstücke, zwischen deren Abfassung ein Zeitraum von kaum zwki Jahr-n mitten inne lirflt. Noch nie haben di- Feind- de« h-u"g-n Rom« da- zum Himmel schreiende G-bahr-n der von den Jesuiten beherrschien und geleiteten Eure- so treffend geschildert, noch nie ist eine s° «""echtende Krtttk gegen da- Dogma der Unsehlbarkeit und die aus demselben sich »g-bente Der- aewaltiaung der Kirch- g-übt w°rd-n, wi- in d-m Bri-f- des Beschoss «°n Roitenburg. Da spricht noch da« empörte G-fuhk de« ehrlichen und ausricht gen Sohnes t8er Kirch-, dem die größte Schandthat, die Verleumdung de« laut ru,enden Gewissen« zugewuthet wird und der diese Zumuthung mit Absehen und sittlicher Entrüstung von sich weeßt.Ich will lieber den Stuhl al« die Ruhe de" Gewissen- verlieren» rüst er au».Ich kann mir in Rottenburg so w-n.g gl« in Rom verhehlen, daß da« neue Dogma einer wahren, wahrhaftigen, biblischen und traditionellen Begründung entbehrt und »i- Kirche in unberechenbarer W-. e b-schädiat, so daß letztere nie einen herberen und todllicheren «ch^g erlitten hat, al« nm 18 Juli d. I." So schreibt der Bischof Hefele am 11. November 1870, also nicht vor Verkündigung de« Dogma«, sondern nachdem bereit« der heil ge Geist gesprochen hatte, nachdem die große Majorität der blind so'genden Prälaten zu d.nP'°p°sit,nenderJ^J^^ ter ten Wahlen zu. In den meistenDepa

Folgen bleiben a cht au« g z si @en,n(lact Rom« getroffen undlrepublikanischen Candidaten sehr günstig,

ewigen Veinunst gehorcht, suh» sich durch d n gin.(ln<n« fofl von dem osfi-iösen Organ de« Herrn Thier« angekund.gte Uebergang de« orleamsti.

. i,=e"nkfcuMa genug in dem Wahne sehen rechten Centruw« in da« Lager der Regierungspartei nicht realistren sollte.

Inchr-V- Wandlung glauben,8 ta^e sich aufrichtig dennoch in der demnächst wieder zusamm-ntretend-n Nationalversammlung zunächst i unt-rwors-n haben, dem sind die Augen geöffnet eine sehr -ompaete ministerielle Mehrheit vorhanden fein; e« fragt sich aber, ob