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7) Dienstentlassung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 31. Juli den Hofkutscher Jakob Seipel auf sein Nachsuchen und mit vem Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit aus dem Hofstalldienste zu entlassen.

Darmstadt, 18. August. DieDarmstädter Zeitung" meldet aus Peters, bürg, daß auch Fürst Gortschakoff sich zur Monarchen. Zusammenkunft nach Berlin begeben werde, desgleichen Graf Berg.

Berlin, 16. Aug. Hinsichtlich der Besprechungen, welche im CultuSministe- rium über das legislative Vorgehen der Regierung auf dem kirchenpolitischen Ge- biete stattfandeu, hört dieKr.-Ztg." noch, daß das gesawmte Gebiet der Fragen, welche während der letzten Sessionen des Land- und Reichstages berührt worden, den Gegenstand des eingehendsten Meinungsaustausches gebildet haben. Es ge- hören dahin die Abgrenzung der Eompetenz der weltlichen und geistlichen Macht, das Verhältniß des Staates zu den Lehranstalten, welche auf Ktrchenstiftungen beruhen, die Klosterfrage u. f. f. Es ist bereits gemeldet worden, daß zur Zeit noch nicht entschieden ist, wie weit das legislative Vorgehen auf dem Gebiete des Reiches oder nur für Preußen erfolgen solle. Es gewinnt indessen jetzt den An- schein, als ob vorläufig diese Fragen doch der Reichsgesetzgebung nicht unterbreitet werden möchten, da das in manchen Bundesstaaten theils durch Concordate, theils durch andere Abmachungen bestehende Recht den bezüglichen Absichten entgegensteht. Man darf nicht verkennen, daß diesen Umständen gegenüber die Wege zur An­bahnung der so dringend erforderlichen gesetzlichen Klarstellung der Verhältnisse in Preußen mehr geebnet sind, als in den meisten übrigen Staaten. So ist denn zu erwarten, daß dem preußischen Landtage eine ganze Gruppe von Vorlagen als

Jede Nation hat ihre Tage des Ruhms und wir neiden sic keiner; rs verletzt uns nicht, wenn man dieselben feiert, selbst wenn wir die Opfer der einstigen Siege waren; aber wir, die wir 1870 in den Krieg zogen, ohne Uebermuth, jeder an seiner Stelle mit dem vollen Bewußtsein, was die Entscheidung über ihn verhängen würde, je nachdem sie ausfiel; dennoch aber unverzagt, vielmehr in der gemeinsamen Noth den Antrieb zu gemeinsamem Handeln findend: wir haben nicht blos ein Recht, wir haben die Pflicht, die Gedenktage unserer Siege zu feiern, weil wir mit ihnen die Erinnerung an die nationale Wiedergeburt feiern.

Und grade jetzt ist diese Erinnerung mehr als je am Platze.

Unseren Kampf fochten wir allein; inmitten argwöhnischer, wo nicht feind- selig gesinnter Zeugen; auf Wohlwollen hatten wir höchstens nach einer Seite hin zu rechnen, wie wir dankbar anerkannten; unser Sieg ist aber der ganzen Welt zu statten gekommen.

Nachdem durch die Erfahrungen des Krieges lang genährte Illusionen zerstreut worden sind, nachdem man sich überzeugt hat, daß Deutschland den Krieg nur zum Zweck der Vertheidigung führte und dieses sich der Verlockung entzog, seine Siege zu mißbrauchen, wendet man sich dem wieder aufgerichteten Deutschland mit dem Vertrauen zu, daß alle auf Erhaltung des Friedens und der Freiheit der Nationen gerichtete Politik an ihm ihren sicheren Rückhalt finde.

Dieses Vertrauen wird demnächst einen feierlichen Ausdruck finden und Niemand kann cs dem deutschen Volk verargen, wenn es mit freudigster Erinnerung die Stege sesthält, welche der Befriedigung und dem Vertrauen der Gegenwart die nöthige Voraussetzung geben.

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Resultat jener Besprechungen zugehen möchten, welche umfassende Debatten in dem» selben Umfange in Aussicht stellen, wie sie durch die verschiedenen Petitionen in ven letzten Jahren bereits hervorgetreten sind. Die Vorlagen werden jetzt bereits ausgearbeitet und dem Staatsministerium nach der Rückkehr sämmtltcher Minister und mit dem Wiederbeginn seiner Plenarsitzungen zugehen. Nicht ohne Spannung sieht man der Stellung entgegen, welche das Justizministerium den Vorlagen gegen- über einnehmen wird.

DieNewyorker Handelszeitung" schreibt: Die Auswandererfrage wird den nächst zusammentretenden deutschen Reichstag wieder beschäftigen. Unter den bei dieser Gelegenheit zu bcrathenden Vorlagen wird auch der Umstand ins Auge ge­faßt werden müssen, ob den Rhedern noch fernerhin erlaubt fein solle, Segel­schiffe mit Passagieren ohne diplomirte Aerzte zu expediren. Wir hoffen und erwarten von der Einsicht und Humanität der ReichStagSabgeordueten, daß die bisherige Praxis in Zukunft nicht mehr geduldet werden wird. Es find dem Geiz und der Gewinnsucht mancher Rheder schon zu große Opfer gefallen und jeder Menschenfreund wird mit Schaudern an die Ereignisse auf demLeibnitz" und vielen anderen Segelschiffen zurückvenken, auf welchen der Mangel an Aerzten Veranlassung zum Umsichgreifen von Epidemien war. Wenn eine uns vor­liegende Brewer Zeitung gegen die Erlassung eines solchen Gesetzes polemisirt und als wichtigsten Grund anführt,daß auf Segelschiffen durchschnittlich die arm* Üen und schmutzigsten Leute der Billigkeit wegen fahren" und in ihrem Lamento ob einer solch' drohenden Gefahr fortfährt:wollte der Reichstag ein Gesetz erlassen, wonach auf allen Passagierschiffen studirte Aerzte sein müßten, so hieße dies die Segelschiffsexpeditionen verbieten", so müssen wir gestehen, daß uns diese Beweisführung nicht überzeugt. Die ärmsten und schmutzigsten Leute haben ein eben so begründetes Recht auf den Schutz des Staates, wie der reichste Mann, dessen höhere Intelligenz und dessen VermögenSumstände ihm schon eo ipso einen Schutz gewähren, auf welchen die Vorerwähnten ohne ihr Verschulden verzichten müssen. Und ist die Expedition von Passagieren auf Segelschiffen nicht einträglich genug, um die Anstellung und Bezahlung eines Arztes zu ermöglichen, so mögen die Herren Rheder derartige Expeditionen ganz aufgeben, daEines sich nicht für Alle schickt." Das Surrogat, welches gegenwärtig dadurch geboten wird, daß die Schüler der Navigationsschule einen Cursus in der praktischen Heilkunde durch* machen, um dann al- Capitäne Kranken Hilfe leisten zu können, ist ein höchst unzureichendes, wie wir in diesem Frühjahr bei zwei deutschen Fahrzeugen wahr­nehmen konnten, wo die Capitäne von den UntersuchungSeommisstonen von allem Tadel freigesprochen wurden, die Todtenbeschauer (Coronersjury) jedoch nicht um­hin konnten, die Regierung zu tadeln, welche Segelschiffe mit einer großen Anzahl von Passagieren ohne graduirte Aerzte absegeln ließ. Die Leitung des Schiffes beschäftigt den Capitän an den meisten Tagen während der Ueberfahrt in so hohem Grade, daß ihm für ärztliche Praxis wenig oder gar keine Zeit übrig bleibt und seine Kenntniß ist außerdem so oberflächlich, daß er in Fällen, wo die Krankheit einen epidemischen Charakter annimmt, ganz rathlos ist. Wenn daher auf der einen Seite der Gewinn einiger Rheder, und auf der andern das Wohl und Wehe vieler Tausende, wenn auch armer Leute in Betracht kommt, so ist es nach unserer Ansicht gar keine Frage, wessen Rechte zu wahren sind. Die Zeiten, woin Menschenfleisch gemacht wurde," sind, Dank der fortgeschrittenen Civilisation, vor- über, und die Regierungen, ob in Republiken oder Monarchien, sind zur Ueber- zeugung gelangt, daß der Mensch daö kostbarste Material de- Staates ist.

Die Exkommunikation des Professors Reinkenö in Breslau kann sich noch immer nicht auf dessen fluchwürdiges Haupt entladen. Wie dieSp. Ztg." aus Breslau erfährt, hat nun auch der Justizminister entschieden, daß das Stadtgericht nicht verpflichtet ist, der Requisition des Fürstbischofs Dr. Förster, betreffend die Insinuation des Excommunicationerlasses, zu genügen.

Berlin, 16. August. Unter den Todten des letzten Krieges befinden sich: 9 Generale, 135 StabSofficiere, 357 Hauptleute, 1305 Lieutenants, 40 Aerzte, 10 Zahlmeister, 3 Division-Pfarrer und 1863 Militärs mit OsficierSrang ; ferner 38,880 Unterofficiere und Mannschaften, im Ganzen 40,744 Personen. Der Rest kommt auf die Marine, auf Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege je.

Nach einer mit den Postverwaltungen von Bayern, Württemberg und Luxemburg getroffenen Verständigung sollen fortan auch im Verkehr zwischen dem deutschen ReichSpostgebiet einer- und den genannten Staaten andererseits zwei- und einmonatliche Postabonnement- auf Zeitunzen unter denselben Bedingungen, wie im internen Verkehr des ReichspostgebieteS zugelaffen werden.

Berlin, 17. August. DerReichs. Anzeiger" erklärt die Nachricht von der beabsichtigten Stiftung des neuen deutschen Ordens anläßlich der westpreußischen Jubiläumsfeier als jeder thatfächlichen Begründung entbehrend. Derselbe ver­öffentlicht ferner die ConcessionSurkunve, betreffend den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Frankfurt durch das Lorsbacher Thal nach Kronberg, sowie einer Eisenbahn Mainz-WieSbaden, an die hessische LudwigS-Eisenbahn-Gesellschaft.

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Deutschland.

Darmstadt, 16. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 36 enthält:

1) Summarische Uebersicht der Rechnung der Großherzoglichen Landes- Waisenanstalt zu Darmstadt für 1871.

2) Bekanntmachung der Großherzoglichen Commission für Postangelegen- heilen, Veränderungen im PostcourSwesen der Provinzen Oberheffen und Rhein- Hessen betreffend.

3) Abwesenheitserklärung.

4) Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

5) Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 21. Mai dem im Großherzoglichen Kriegsministerium ge- standenen Jutendanturrath i. P. Ludwig Friedrich Dauber mit Beibehaltung seine- seitherigen Titels und Ranges die Stelle des SecretärS bei der Großherzoglichen Generaladjutantur zu übertragen; am 23. Juli den Hauptsteueramtsassistenten 2. Klaffe bei dem Hauptsteueramte Gießen, Friedrich Kröll, zum HauptsteueramtS- assistenten 1. Klaffe bei dem Hauptsteueramte Bingen zu ernennen; den Haupt- steueramtsasststenten bei dem Hauptsteueramte Mainz, Heinrich Daniel Rausch, in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Worms zu versetzen; den Finanz­aspiranten Ludwig Müller aus Darmstadt zum Haupisteueramtsassistenten 2. Klaffe bei dem Hauptsteueramte Gießen; den Steueraufseher Carl Gengenbach zum Haupt- steueramtSasfistenten 2. Klasse bei dem Hauptsteueramte Mainz zu ernennen und dem Schulamtsaspiranten Georg Beichert aus Bechtheim, im Kreise Worms, die 1. katholische Schulstelle zu Obertshausen, im Kr. Offenbach, zu übertragen; am 25. Juli den Zeichner bei der Centralwerkstätte der Main-Neckar-Eisenbahn, Robert Bauer, zum Werkführer bei dieser Centralwerkstätte zu ernennen und dem Schulamtsaspiranten Friedrich Keilmann aus Hechtsheim, im Kr. Mainz, die kathol. Echulstelle zu Gießen, im Kr. Gießen; am 27. Juli dem Schullehrer an der evang. Schulstelle zu Esselborn, im Kr. Alzey, Adam Wolf, die 1. evang. Schulstelle zu Odernhetm, im Kr. Alzey, und am 29. Juli dem bisherigen Diener des physiologischen Instituts der Landesuniversität, Johann Heinrich Kloos, die Stelle eine- Anatomiedieners bet der Landesuniversität zu übertragen.

6) Characterertheilung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 29. Juli dem Professor am Conservatorium der Musik, Friedrich Gernsheim zu Köln, die Erlaubntß zur Annahme und zur Führung des ihm von Sr. Hoheit dem Herzoge von Sachfen-Coburg-Gotha verliehenen Charakters Professor" zu ertheilen.

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Nom. Das Gerücht, daß Cardinal Antonelli feine Demission gegeben habe, gewinnt an Boden.Le Nord" hält den etwaigen Rücktritt des Cardinals für verhängnißvoll für den heiligen Stuhl, denn Antonelli habe bisher durch feine Mäßigung den extremen Rathschlägen der Jesuiten das Gleichgewicht ge­halten, und der Papst könne sich ohne dasselbe leicht dazu drängen lassen, den Rubikon zu überschreiten und Rom zu verlassen. Die Gerüchte des Rücktritts knüpfen sich unmittelbar an die Niederlage der Clerikalen bei den Wahlen, und nimmt man an, daß Antonelli es war, welcher den Papst zu bewegen gewußt hat, die Tbeilnahme an den Wahlen anzuempfehlen, in der Absicht, vielleicht hier­durch eine Annäherung zu Italien herbeiführen zu können. Den Mißerfolg machen sich seine jesuitischen Gegner zu Nutzen, um ihn zu verdrängen.

England.

London, 17. August. Die am 15. b. zu Belfast stattgefundenen Demon­strationen zwischen Orangisten und Katholiken führten Unruhen und ernstliche Zusammenstöße zwischen beiden Parteien herbei. Mehrere Personen wurden ver­wundet. Die Polizei war zum Einschreiten genöthigt und griff die tumultuirende Menge an, wobei zahlreiche Verhaftungen stattgefunden.

London, 17. August. Nach neueren Nachrichten aus Belfast von heute Morgen 2 Uhr dauert der Kampf zwischen der Polizei und den tumultuirenden Volk-Haufen fort. Eine Polizei-Kaserne und mehrere Häuser wurden demolirt. Ein Polizeicommiffär wurde verwundet.

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^estage nicht verbleichen lassen, wenn auch verständliche Rücksichten die offictelle Feier nicht empfehleuswerth erscheinen lassen.

Wir feiern nicht die Niederlage des einstigen Gegners; wir feiern keine eitlen Stegesfeste, derenGlorie" der Ueberhebung Vorschub leisten soll; wir könnten durch die freudige Erinnerung an unsere Siegestage nur dann eine ^sremde Empfindlichkeit verletzen, wenn diese noch immer an der Präteusion sesthält, ' 7 daß jede freie nationale Entwicklung als eine unzulässige Beeinträchtigung ihres wfer. f Prestige angesehen werden müsse.