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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Erscheint täglich, mit Aus- f!

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Expedition: Canzletberg, Lit. B. Nr. 1. M'

Preis vierteljährig 1 fl. 12 Fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Nr. N.

Mittwoch den 10. Januar

1872

Tüthz. eutschland m 1871

Bestellungen auf den Gießener Anzeiger NmÄ e^e^'X«*16'19 ®-a,s au*Bei

't sowie der lonats Mai )in ich jeder- igsbank f. D.

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Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben pro I. Quartal zu 1 fl.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

In dem Landeszuchthause Marienschloß wird für die Stelle einer Aufseherin im weiblichen Arbeitszimmer ein gebildetes, über 25 Iabre altes Frauenzimmer, welches ledig oder kinderlose Wittwe ist und am 20. März 1872 eintreten kann, gesucht. Außer guten Leumundszeugnissen Gesundheit und sittlich festem Charakter wird von den Bewerberinnen verlangt, daß sie in weiblichen Handarbeiten gewandt sind, auf einer Nähmaschine arbeiten können und alle Haushaltungsgeschäfte verstehen, ferner so viele Schulkenntnisse besitzen, daß sie die vorgeschriebenen Bücher führen und die sonst vorkommenden schritt- lichen Arbeiten besorgen können. 1

Der Gehalt berechnet sich auf 302 fl., wobei sich 185 fl. baares Geld befinden, ferner freie Mittags- und Abendkost nebst 1 Pfund Brod täalich im Anschlag von zusammen 65 fl. jährlich, sowie freie Wohnung, Feuerung und Licht. 9

Die Bewerberinnen haben sich bis längstens zum 29. Februar 1872 bei der Großherzoglichen Landeszuchthaus - Direction zu Marienschloß die zu jeder Auskunftsertheilung erbötig ist, anzumelden und nötigenfalls vorzustellen.

Die Herren Geistlichen und Bürgermeister werden um geneigte Bekanntmachung dieses Ausschreibens in ihren Gemeinden ersucht.

Gießen, am 5. Januar 1872. Großherzogliche Provinzial-Direction Oberhessen.

v. Röder.

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Theil.

Deutschland.

Darmstadt, 8. Jan. Bei der demnächst stattfindenden Generaldebatte über daS Budget wird die Frage über den Umfang der zu gewährenden Besoldungs- Erhöhungen zu lebhaften Diskussionen Veranlassung geben. Die Ansichten darüber gehen selbst innerhalb der zweiten Kammer weit auseinander und sind nur darin einig, baß Etwas geschehen müsse. Der Abg. Backe hat neuerdings den Antrag gestellt, daß auch die gegen Tagegelder beschäftigten HülfSarbeiter nach denselben Grundsätzen wie die definitiv angestellten Beamten aufgebtssert werden. Der größte Theil dir auf Hessen entfallenen französischen Kriegsbeute, als Waffen und Fahrzeuge jeglicher Art, auch nicht unbedeutende Munitionsvorräthe, wird dem- nächst veräußert werden. Die Chassepotgewehre sind hiervon jedoch ausge­schlossen.

Von der Bergstraße, 7. Jan. Die sämmtlichen 30 Geistlichen des LandeS- capitels Heidelberg haben eine Erklärung veröffentlicht, worin sie sich dem Protest des Bischofs Kübel zu Freiburg zu Gunsten der Jesuitenaus vollster Seele und innigster Ueberzeugung" anschließen, und zugleichdie unqualificirbaren Am griffe des Protestanienvereins gegen die Väter der Gesellschaft Jesu und ihre Affi- liirtcn als eine beispiellose Anmaßung und eine unbefugte Einmischung in unsere katholischen Angelegenheiten mit höchster Entrüstung und tiefstem Abscheu zuiück- weisen." Erreicht haben sie damit noch nicht die letzthin zu Aulendorf in Ober» schwaben abgehaltene Bauernversammlung, deren Präsident in seiner Eröffnungs­rede ausrief:Die Jesuiten, die find wir!" wofür ihm Alle nicht endenwollcnden Beifall votirten. Aber ein edler Wetteifer in dir Jesuitenvergötterung ist von Oben und von Unten entbrannt und wird noch interessante Früchte zu Tage fördern.

Berlin, 7. Jan. Die Osts.-Ztg. bringt nachstehendes Pröbchen ultramon­taner Weltanschauung aus der in Baltimore erscheinenden Katholischen Volks­zeitung:Warum sich lächerlich machen und mit einem Fetzen Papier, worauf eine weinerliche Petition geschrieben steht, vor diesen vergoldeten Kälbern nieder- kniecn und dcmüthig beten: Baal erhöre uns? Sind wir nicht alle gründlich überzeugt, daß gerade die regierenden Fürsten die Diebe und hartgesottenen Spitz^ buben sind, und daß einer dem anderen zum Diebstahle verhilft? Hätte Victor, Emanuel Rom einnehmen oder es einen Augenblick behalten können, wenn nur j rin einziger von diesen Hallunken Protest gegen den Raub erhoben hätte? O,! über die Judasschaar! Und nun werden allerunterthänigst gebuckelte Petitionen^ von Katholiken an diese Würgengel gemacht, aber die besten und wirksamsten Pe-^ titionen sind Pulver und Blei, Säbel und Kanonen. Völker der Eide, ihr habt sie in den Händen, euer ist der Triumph, wenn ihr nur ernstlich wollt. Brechen die Fürsten ihre Eide und wollen sie die heiligsten Rechte mit Füßen treten, so thut wie Christus den Käufern und Verkäufern im Tempel zu Jerusalem! Po­saunt das großeHalt" in die Welt hinaus, ruft euren Söhnen zu, die jetzt diese Schufte bewachen müssen:Die Waffen umgekehrt!" Ihr werdet sagen, daß ich Revolution predige, die gegen das Gewissen eines Katholiken ist. Was? Re­volution? Wenn ich das Recht vertheidige und der Wahrheit Zeugniß gebe, das soll Revolution sein? Kann Jemand so verrückt sein, es Revolution zu nennen, Wenn ich oder du unser gestohlenes Eigenthum zurückverlange? Die Prinzen tiefer Welt sind Abkömmlinge vom alten Lucifer, und deshalb dienen sie ihrem Großvater so treulich. Diese Menschen haben ihre Pferde und Hunde lieber als dich; die Pferde bekommen die beste Aufwartung und die Hunde werden geltebkost, während du zu Tode gemartert wirst. Und nun wollen sie dir auch noch deinen katholischen Glauben und das himmlische Königreich rauben; du sollst auf Erden

das Fegfeuer für sie erleben und dann wollen sie dich auch noch als Gesellschafter in der Hölle haben. Deshalb versuchen sie Alles, um dir die Religion zu nehmen ; Vie Gebote Gottes fhiD in die Rumpelkammer der Verachtung geworfen. Jetzt ist's noch Zeit! Schreibt eure Petitionen nicht mehr auf Papier, sondern auf Schwerter, erlaßt den letzten Mahnruf an die Fürsten, gebt ihnen kurze Frist. Wollen sie uns unsere angestammen Rechte garantiren, so sollen sie den Räuber aus Rom verjagen thun sie es nicht, dann greift zu den Waffen!" probatum est!

Berlin, 8. Januar. DerSchl. Ztg." wird von hier geschrieben: Wenn sich die in sonst unterrichteten Kreisen verbreiteten Gerüchte bestätigen, so dürfte .in Wechsel in der Person des Herrn CultuSministerö denn doch in näherer Zeit bevorstehen, als man bisher allgemein angenommen hat. Als Symptom für die obwaltende Si.'uation, so wird dieser Nachricht hinzugefügt, steht man es an, daß der Consistorialpräfident Dr. Mommsen aus Kiel in neuester Zett an ent­scheidender Stelle Unterredungen gehabt hat, welche die Möglichkeit feiner Be­rufung zum Nachfolger des Herrn v. Mühler wenigstens nicht ausgeschlossen erscheinen lassen. Es heißt, daß ter Wechsel, wenn ein solcher eintritt, zugleich eine andere Abgrenzung der Reffortverhältniffe der Ministerien im Gefolge haben werde, welche die Abgabe der das Verhältniß des Staats zur Kirche betreffenden Angelegenheiten an das Justizreffort herbeizusühren bestimmt wären. Das bis­herige Cultusministerium würde dann im Wesentlichen nur die Schul- und Kunst- disciplinen zum BcarbeitungSgegenstande haben, während die Medicinalaugelegen- heiten, sofern ste nicht mit den Universitäten und öffentlichen Lehranstalten zusam- menhängen, an das Ministerium des Innern, soweit ste die Landwirthschaft be­rühren aber im landwinhschaftlichen Ministerium zur Bearbeitung gelangen würden. Bon einer Auflösung des letzteren im Sinne der jüngsten Landtagsdebatten, ins­besondere dem des Abgeordneten Struve, verlautet noch nichts.

Nachdem sich nun die gesammte TageSpreffe Frankreichs in erbittertster Weife Über die Biömarck'sche Depesche vom 7. Dccember v. I. geäußert hat, bemächtigen sich jetzt natürlich auch die monatlich erscheinenden Zeitschriften desselben Themars. Dabei ist es denn beachtenSwerth, daß die neueste Nummer derRevue des deux Mondes", wenn sie auch in einzelnen Wendungen ihrer Kundgebung der allge- toeinen Stimmung Frankreichs Rechnung trägt, doch daS Geständniß ablegt, daß in dem Erlaß des deutschen Reichskanzlers große und beherzigenSwerthe Lectionen für Frankreich . enthalten feien. Die Depesche fei äußerst beredt und es würde nicht unnütz fein, wenn man ste in Frankreich täglich einmal durchlefen wollte, ehe man sich Parteileidenfchaften und eitelen Besprechungen hingebe.

Aus Befürwortung des Kriegsministers ist angeordnet worden, daß für den binnen Kurzem bevorstehenden Transport der zur Cowpletirung der in Frankreich stehenden OccupationStruppen bestimmten Rekruten nicht sogenannte Militä'rtranS- portwagen, d. h. zum Transport eingerichtete Güterwagen, sondern durchweg Per­sonenwagen dritter Klaffe zur Benutzung gestellt werden sollen.

Berlin, 8. Jan. Abgeordnetenhaus. Richter stellt eine Interpellation, be­treffend die aus dem letzten Kriege vermißten Angehörigen der preußischen Armee. Der Kriegsminister v. Roon erklärt, die Zahl der Verwißten der norddeutschen Bundesarmee, einschließlich Badens, jedoch ohne das sächsische Corps, betrage gegenwärtig 3241 Mann. Hierin seien inbegriffen die nach Verlust der Requist- tionsmarke Gefallenen, sowie ein großer Theil der in der Gefangenschaft Ver­storbenen. Der Kriegsminister erkennt an, daß unsere Gefangenen und Verwun­deten theilweife mit schöner Humanität behandelt wurden und spricht gleichzeitig seinen Abscheu über die nachweisbare bestialische Ermordung Einiger derselben aus. Nachforschungen hätten ergeben, daß in den Pyrenäen und auf der Insel