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heilige Kirche straflos mitKoth zu bewerfen, während die armen Geistlichen gleich mit Gefängniß bedroht würden, sobald sie ihre Stimme erheben."
München, 6. Juli. Gestern Abend ist der Erzbischof von Utrecht, von einem CanomcuS begleitet, hier eingetroffen und am Bahnhöfe vom königlichen Oberceremonienmeister Grafen Moy, Oberstaatsanwalt Wolf, Professor Friedlich und anderen hervorragenden Altkatholiken empfangen worden.
Oesterreich.
Wien, 3. Juli. Etwa 400 beim Baue des Weltausstellungspalastes im Prater beschäftigte Arbeiter rotteten sich am 2. d. Nachmittags um 5 Uhr vor der Cantine des Paul Schwarz nächst der Rotunde zusammen und drohten unter vielem Gelarme die Cantinbaracke zu demoliren. Es blieb auch nicht bei der bloßen Drohung, sondern nach wenigen Minuten drang eine Anzahl der Tumultuanten in das Local und zertrümmerte den größten Theil der Gläser. Der Leiter der PolizeidirectionSabtheilung im Prater, Obercommiffär Stryskal, erschien alsbald mit einer Anzahl SicherheitSwachleuten auf dem Platze und nur dem taktvollen und besonnenen Vorgehen des genannten Beamten ist es zu danken, daß die aufgeregte Menge von ihrem Vorhaben, das Local ganz zu demoliren, abließ und sich nach und nach beschwichtigte. Die sofort vom Obercommissär SteySkal eingeleiteten Erhebungen über die Ursache des Aufstandes ergaben, daß dieselbe in der gerechtfertigten Unzufriedenheit der Arbeiter liege. Der Bauunternehmer Harkort, dem diese Arbeiter unterstehen, hat sich einen eigenen Can- tineur in der Person des obgenannten Paul Schwarz beigestellt und zwang die Arbeiter durch Auszahlung der Vorschüsse in Blechmarken, die nur bei Schwarz für Speisen und Getränke anstatt des Geldes abgegeben werden konnten. Nun wurden aber den Arbeitern für solche Marken stets kalte und nicht besonders schmackhaft zubereitete Speisen, sowie das Bier um einen höheren Preis verabreicht, weßwegen die Unzufriedenen ihrem Unmuth durch diesen Tumult Luft machten.
Wien, 6. Juli. Die Gerüchte von dem bevorstehenden Rücktritt Stremayr's, entbehren, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, jeder Begründung; ebenso bezeichnen Pester Nachrichten die Ausstreuungen über Spaltungen im ungarischen Ministerium und über eine Zersetzung der Daekpartei als unrichtig und als Partei- mauöver der Opposition.
der Präsident durch Herrn Darthelemy Sainte-Hilaire dem Marschall mittheilen, daß er ihm den früher erbetenen Urlaub bewillige und ihm gestatte, solchen so» fort anzutreten. Damit wäre der praktischen Ausführung des Complotts die Spitze abgebrochen. Es heißt ferner, Herr Thiers fei nicht entfernt davon, den Marschall Mac Mahon binnen Kurzem durch den General Chonzy im Oberbefehl der Versailler Armee zu ersetzen, ob als zeitweiliger Stellvertreter oder definitiv, hinge von Umständen ab. Eben so solle die Stellung des in Paris befehligenden Generals Ladmirault bedroht sein. Der Präsident ist ziemlich erbittert und erregt durch die Haltung der Majorität und will ihr zeigen, baß er das Haupt der Exekutivgewalt ist. Auf die Unterstützung der Linken und des linken Centrums kann er rechnen.
Heute Morgen war Rsmufat in der Commission mit den anderen Ministern, welche den Vertrag mit Deutschland zu prüfen hat, und gab ungefähr die näm» lichen Erklärungen wie in der Kammer. Thiers ließ sich um 1 Uhr vor der Commission vernehmen. Es bestätigt sich, daß Thiers dem Vorstande der repu» blikanischen Linken erklärt hat, daß er aus der Steuerfrage keine RegierungS- frage machen, aber mit aller Energie feine Ideen vertheivigen, bis zum Schluß seine Pflicht erfüllen und sich an der Diskussion betheiligen, dann aber der Kammer die Verantwortlichleit für den von ihr gefaßten Beschluß überlassen werde. Die royalistischen Jntrtguen, sagte er, seien ihm bekannt, man brauche sich deßhalb nicht zu beunruhigen, Mac Mahon könne sich unmöglich zu solchen erbärmlichen Dingen hergeben. Was die Rechte anbelangt, so ist es vollständig richtig, daß dieselbe alle Maßregeln getroffen hat, um Thiers zu stürzen, falls er sich dazu hinreißen lassen sollte, die Cabinetsfrage in der Steuerfrage zu stellen. Die Sache ist am letzten Dienstag in einer Versammlung bei Johnston abgemacht. Das Triumvirat soll aus Mac Mahon, Ladmirault (Gouverneur von Paris) und Broglie bestehen. Alle Parteien der Linken berathen über die Maßregeln, welche zu ergreifen sind. Die royalistischen Blätter, darunter das Journal de Parts, läugnen freilich, daß die Royalisten ein Complott angezettelt hätten. Die Mitglieder der Rechten scheinen in Folge der allgemeinen Entrüstung, die ihr Auftreten hervorgerufen, Furcht bekommen zu haben; besonders unangenehm ist ihnen die Bloßstellung Mac Mahon's und Ladmirault'S, deren Absetzung von den Mitgliedern der Linken verlangt worden ist. Gerüchtsweise heißt es übrigens, Mac Mahon begebe sich auf vier Wochen in ein Seebad.
Frankreich.
Rußland.
Der „Allgemeinen Zeitung" wird geschrieben:
In den
Asien.
Amerika.
ihrer heutigen einstimmig an.
Paris, 6. Juli. Einer Note des „Journal officiel" zufolge bat die Regierung Maßregeln ergriffen, daß die deutschen Truppen auf keinen Fall bei den Einwohnern einquartiert werden. Die Regierung wird sich bemühen, die Occupatio« durch finanzielle vertragsmäßig zulässige Combinationen abzukürzen.
Versailles, 6. Juli. Marschall Mac Mahon hat den gestrigen Abend bet dem Präsidenten der Republik zugebracht. Die Beziehungen zwischen Letzterem und dem Marschall sind die herzlichsten.
Versailles, 6. Juli. Die Nationalversammlung nahm in Sitzung den Vertrag mit Deutschland ohne Discussion beinahe Die Minderheit bezifferte sich nur auf drei oder vier Stimmen.
Newyork, 5. Juli. Es sind im Ganzen 1000 Menschen vom Sonnensitck ballen worden, wovon, 200 starben, hauptsächlich Kinder. Die Sterblichkett in zu jenen Zahlen Newyorks. Jetzt fängt
Den indischen Posten zufolge haben sich die Hoffnungen auf eine gute Ernte am persischen Golfe erf llt und Getreide ist gegenwärtig auf
Preise herabgesunken. Im Innern jedoch sind die Verhältnisse noch äußerst kläglich In Teheran unv Zspahan leidet die Bevölkerung noch stark an t’e?j.^U<.n8er6"0^' Au« Buschlie wirb einem in Bombay erscheinenden Blatte geschrieben, daß das Elend dort noch ganz unbeschreiblich groß sei, und daß w'-c°rum von den vor Hunger dem Wahnsinne nahen Armen in verschiedenen Fallen Menschen gelodttt und verzehrt worden seien. Ein Berichterstatter der Le- »ant Time« macht ähnliche Mit,Heilungen. 1 "
Nach der Bombay Gazette bleibt die Hitze in Indien aan, ^r'- 3" Altahabad stand das Thermometer auf 115 und ®n Hyderabad auf 16 Grab Fahrenheit ,m Schatten. Am letztgenannicn Ort- verlor bas 15 Ulanenregiment einen Offikier, vier Mann und zwölf Svlbatenlindcr durch den Sonnenstich. In und um Puna im Dekan sind die Quell'n vertrocknei das Bieh stirb, hin und die Einwohner find froh, einige Meilen weit um echen Trunk Wasser zu wandern. Die Aussichten würden sehr trübe sein wenn ntrfct h* Periode des Monsunwindes unmittelbar bevorstände. ' ” ” $ 6 e
Paris, 3. Juli. Die Einmüthigkeit der legitimistischen, clericalen, orleanisti- schen und bonapartischen Blätter, des Univers, der Union, des Monde, des Fan^aiS, des Constitutionnel, des Ordre, der Patrie u. s. w. gegen den Räumungs- Vertrag ist rührend: weil Thiers im Namen der Republik den Vertrag abgeschlossen, ist dieser nichts werth; weil Deutschland dem Präsidenten der französischen Republik Concesstonen gemacht hat, sind diese Concessionen nichts alt Fußangeln und Fallstricke! Das ist allerdings ein höchst bornirter Standpunkt, derselbe ist aber für ganz Europa ein Fingerzeig, was von diesen Menschen zu erwarten ist, wenn ihnen nicht der Daumen aufs Auge gehalten wird. Die Anhänger des Einsiedlers von Froschdorf, diese Schlauköpfe des Hauses Orleans, diese schwarzen Ränkeschmiede, welche Deutschland Haffen, weil es sich ihrer Schlingen zu erwehren 3nfaffrn von Chifelhurst, sie eifern gegen den Vertrag, mu» vic Anleihe zu eqepwcrYu tloer in oen ’-UMnoeirt zu erfflcken. Das Siecte äußert über diese Umtriebe: „Während die reaktionären Blätter täglich berunruhigende Gerüchte verbreiten, um dem Nationalcredite zu schaden, thun die Feinde der Republik in der National-Versammlung Alles, um den Vertrag, dessen Annahme sie nicht verhindern können, in Mißachtung zu bringen. Diese Umtriebe zeigten sich gestern m den Bureaux, wo die Angriffe auf die jetzige Regierungsform sich ungezwungen breit machten." Saint Marc Girardin hat ein Manifest im Journal de Paris erlaffen, worin er ganz im Sinne der Patrie und des Univers für die Thesis in die Schranken tritt: Republik und Petroleum sind eins und dasselbe oder das eine führt doch nothwcndig zu dem anderen. Um solche Sätze zu er- finden, braucht man nicht zur französischen Akademie zu gehören, meint das Siecle; das kann freilich jeder politische Narr. Cuvillier-Fleury hatte wahrlich Grund sich über diese Leute und über ihren Styl lustig zu machen. Der Herzog von Aumale hat sich beeilt, für Broglie und Girardin einzutreten, indem er durch die Blatter bekannt machen läßt, er habe den Brief Cuvillier-Fleury's im Journal des Gebots bitter getadelt. Das Univers giebt indcß zu verstehen, die Prinzen des Hauses Orleans dächten nur daran, sich auf die Seite des Stärkeren zu stellen und die Situation auszubeuten. Das Bien Public will die Beweise in Händen haben, daß der Herzog von Aumale bereits ein Cabinet fertig habe, das TylerS ersetzen soll; die Schwierigkeit besteht nur noch darin, ihn zu stürzen. , Das Univers meldet: „Rom, 2. Juli. Hier eine ernste Nachricht. Gestern hat der Cardinal von Neapel die Pfarrer aufgefordert, die Katholiken zu bestimmen, sich bei den Gemeinderathswahlen zu bctheiligen. Heute Morgen har der Papst rn einer Rede an die Gemeinde-Pfarrer diesen gesagt, daß es nothwcndig sei, bei den Gemernveralhswahlen zu interveniren, um christliche Gemeinderäthe an die Stelle der gegenwärtigen Gemeinderäthe zu setzen, welche gottlose Lehrer damit betrauen, die Jugend zu verderben." - Diese Nachricht ist jedenfalls ernst, da der Papst offenbar Conflicte Hervorrufen will und die italienische Regierung nicht dulden kann, daß der Papst, dessen religiöse Freiheit sie in jeder Beziehung achten mochte, durch eine offene Einmischung in die weltlichen Angelegenheiten neue Ruhestörungen hervorruft. Privatschreiben aus Rom, welche ein solch-s Vorgehen des Papstes in Aussicht stellen, drückten bereits die Befürchtung aus, daß. wenn der römische Hof sich auf dieses Feld wagte, es zu ernsten Dingen kommen könne, da die italienische Regierung entschlossen sei, selbst zu den äußersten Maßregeln ihre Zuflucht zu nehmen, da sie durch die Jntriguen des Vaticans Italien nicht in eine neue Krisis stürzen lassen dürfe.
Mn. kurz-, aber trichlige Nachricht! Der Marschall
bitt, ^latzmann für den Präsidenten auScrschen
hatte und dem bereit« ernstliche Anerbieten gestellt wurden, ist im Begriff, einen Urlaub zu nehmen und auf zwei Monate zu Saint-Malo in der Normandie ®«baoet zu nehmen. So weit die Thatsache. Wa« sich zugetragen hat, ist bmi^'IIln7VUema|h8tr ®e’te wird, Folgende« : „Vor einiger Zett
khn/V« rTr *$?7°n>e,nen Urlaub »"langt. Derselbe wurde damals abge.
® r* n‘LaCta 3" Folg- der monarchisch-klerikalen Conspira- Ermangelung des" Marschall«°Mbil "h 1 o."’l"' unB tie- ln befallen worden, wovon 200 starben,
ret „Allgemeinen Zeitung" wird geschrieben: „In den russisch ortho- voxen Kirchen (Cerkiew) sind weder Orgeln erlaubt, noch darf in jenen gevrcdiat »crttn. So tfj znmai vie Predigt In den katholischen Kirchen Polen« und in Litthauen, Volhynien und Podolien den russischen Popen und der mit diesen verbündeten Polizei ein Dorn im Auge rou5cn tle der katholischen Geistlichen vorerst dte
polizeiliche Censur passtren, wa« viele Priester bestimmt, ihre Predigten aus da« gering e Maß zu beschränken. Vor ungefähr acht Tagen Ä Pfarrer SBlocj9n«ti im Dorfe Kryniee wieder einmal eine Predigt halten und trug da« Manuscr.pt derfelben ,um rufstfchen Polizeimeister Zagoszkin in Tomaszow. Die enthielt selbstverständlich auch nicht ein verfängliche« Wort, und so hoffte der Pfarrer fein Manuscript unbeanstandet zurückerhaltcn zu können. Allein auf Cit Weisheit der russischen Polizei lassen sich keine menschlichen Schlüffe ziehen Leim Durcylesen de« Manuscript« ward der Polizeimeister plötzlich purpurrotb vor Zorn. „Was," — schrie er dem verblüfften Pfarrer zu — Sie waaen n'Vo\?9riU^^n?! 3Biffen ®'e nil6t' »aß darauf Sibirien, ja," die Todes" strafe steht? Sie erfrechen sich hier zu sagen, daß Christus am Krcu,e für die Freiheit der Menschen gestorben? St- Pole, Sie Hochverräther! Damit wollen Sie wohl zu »erstehen geben, daß Christus für die Freiheit der Polaken sein Leben geopfert? Das mag meinetwegen euer lateinischer Christus gethan haben aber unser rujflsch.°rth°dor-r Christus ist am Kreuze gestorben, damit sich Alle« in schuldiger Ehrfurcht vor unserem allergnädigsten Czaar beuge." Und in dieiem Sinne ward auch wirklich die betreffende Stelle des Manuscript« vom Poli ei- meister eigenhanvtg corrigirk." » 1


