Paris, 3. Mai.
herein bekanntlich einer verschiedenen Auffassung begegnet war.-
stand eine Spaltung. Die Anhänger der Rückzahlung blieben mit ihrem Führer Drouyn de Lhupg in ter Minderheit; letzterer legte die Präsidentschaft nieder, die er bisher bekleidet, und trat aus der Gesellschaft aus. Die Bleibenden aber wollen versuchen, nicht etwa die Sammlungen fortzusühren, sondern diejenigen, welche bedingungsweise gezeichnet hatten, zur Zahlung der versprochenen zu vermögen, auch ohne daß das gesteckte Ziel der 500 Millionen erreicht wäre. Die so zu erhal-
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sitäts-Scandalen; die wieder Allianzen mit Berus!"
Berlin, 4. Mai. Dem BundeSrathe rst eine Denkschrift über die bei den Maßregeln zur Bekämpfung der Rinderpest gemachten Erfahrungen zugegangen, welche der Reichskanzler in Folge der Resolution des Reichstages vom 9. November 1871 hat ausarbeiten lassen. Die Darstellung beruht auf Materialien, welche diejenigen Bundesregierungen gesammelt und dem Reichskanzler zur Verfügung gestellt hatten, in deren Gebieten während der Jahre 1870 und 1871 die Rinderpest aufgetreten und das Gesetz von 1869, über die Maßregeln gegen die Rinderpest, zur Anwendung gelangt ist. Diese Materialien sind ergänzt durch die Beobachtungen und Erfahrungen, welche bei der Centralinstanz des Reiches gemacht worden sind. Die finanzielle Seite der Sache hat hierbei keine Berücksichtigung finden können, weil die Durcharbeitung von 20,000 Rechnungsbelägen noch nicht vollendet ist. Aus allen Beobachtungen geht hervor, daß Rußland als der eigentliche Herd der Seuche angesehen werden muß; Rußland ist auch nach allgemeiner Annahme das Land, in welchem die im ganzen übrigen Europa nur auf dem Wege der Ansteckung entstehende Krankheit sich später entwickelt, dort auch continuirlich mehr oder weniger verbreitet herrscht und das übrige Europa bedroht. Fast gleichgestellt mit Rußland ist in Bezug auf die Gefahr einer Rinderpest- einschleppung nach Deutschland: Oesterreich-Ungarn und namentlich Galizien. — Die Denkschrift erwähnt am Schluffe, baß auch der Wiener internationalen Con- ferenz von deutscher Seite eine Vereinbarung unter den dort vertretenen Staaten über wechselseitige direkte Mittheilungen aller in ihren Gebieten mit Bezug auf Die Rinderpest verkommenden Ereignisse von Interesse, sowie die ergriffenen Maßnahmen angeregt worden ist, damit jedes Land die Bedeutung der ihm drohenden Gefahr rechtzeitig erkennen und darnach die geeigneten Schutzmaßregeln schleunig ergreifen kann.
Aus Posen wird der „Schl. Z." geschrieben: Wie ich von unterrichteter Seite höre, hat der Erzbischof Graf Ledochowskt in einem Schreiben an den Erzbischof von Köln seinen Beitritt zu den Beschlüssen der Fuldaer BischofSconferenz erklärt und dadurch die Verpflichtung übernommen, dieselben in der Diöcese Posen- Gnesen zur Ausführung zu bringen. Seine persönliche Zurückhaltung hatte lediglich ihren Grund in der Rücksicht-nahme auf die polnische Nationalpartei.
Hamburg, 4. Mai. Nach Nachrichten, welche am 3. d. M. in BrownS- ville aus Mexiko etngetroffen sind, haben die Insurgenten die Belagerung von Matamoras aufgegeben und werden dieselben durch die Regierungstruppen verfolgt.
nationalen Söhne der Alma Mater Prags werden also Bäckerlehrlingen schließen. Zeder nach Geschmack und
mit dem Deutschen Reiche zu gelangen, bereitwillig ergreifen werde. Hatte der Vatican wirklich den Frieden mit d m Reiche im Auge, hier war die GelegenheA' denselben herzustellen, dargeboten, allerdings mit dem diesseits festgehaltenen Pro-
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gramm des Gegensatzes zu den ultramontanen Ucbergriffen. Diese Erwartung hätte sich also nicht erfüllt. Der Papst lehnte den Cardinal Hwhenlohe als deutschen Botschafter ab. Dies gewährt nun allerdings dem Reichskanzler die vor- theilhaste Position, daß er ein Entgegenkommen gezeigt hat, welches von der anderen beteiligten Seite zurückgewiesen wurde. Der Schritt erhält jetzt den Werth einer Demonstration, die dem Reiche nicht zum Schaden gereichen, dem Clerus dagegen unmöglich vortheilhäft sein kann. Zu der Ernennung eines deutschen Gesandten in Rom wirb eS nun wohl so bald nicht kommen, und man wird sich darüber um so weniger beklagen, als die Ansichten über die Frage, ob die Wahl des Cardinals Hohenlohe eine sehr glückliche war, in liberalen Kreisen von vorn-
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anzeig!n lassen, daß in Folge des jetzt ausgebrochenen Aufstandes geheime Privatdepeschen (in Chiffern, einzelnen Buchstaben oder verabredeter Sprache abgefaßte Depeschen) zur Zeit auf den spanischen Linien nicht zugelaffen werden. Nach einer Mitthetlung der kaiserlichen General-Telegraphen-Direction können etwa'ge nach Portugal gerichtete Depeschen demnach bis auf Weiteres nur über die Linie Falmouth-Lissabon zur Beförderung gelangen.
Frankreich.
Das Univers bringt „Briefe aus Preußen", worin die
Zesuitenfrage für Deutschland erörtert wirb. Die Absicht, den deutschen Katho- Itfen Angst zu machen, damit sie sich wehren, spricht aus jeder Zeile. Hier eine Probe: „Ich sage eS Ihnen, ohne Prophet zu sein, man wird Vie Jesuiten vertreiben. Das jetzige Deutschland ist ihrer nicht würdig. Die Jesuiten waren der Blitzableiter der Kirche. Sind sie fort, so wird Vas Gewitter gegen die übrigen katholischen Einrichtungen losbrechen. Da Vie Kirche sich nicht „liberalistren" lassen will, so wird sie die Verfolgung erleiden, eine Verfolgung gleich jener des Iulianus Apostata. Wie wir meinen, wird die Kirche gereinigt und befestigt daraus hervorgehen, und unsere Germanen, Vie zum Theil in Folge der Neuerungen des 16. Jahrhunderts vom rechten Wege abgewendet wurden, werden echte Katholiken werden."
Paris, 3. Mai. Das heute an der Börse verbreitete Gerücht, daß ThierS wieder kranker geworden sei, ist nicht begründet. Derselbe ist beinahe vollständig hergestellt und machte heute Nachmittags eine Promenade im Versailler Park.
Paris, 3. Mai. Wie es heißt, sollen außer Bazaine auch noch Wimpffen, der die Capitulation von Sedan unterzeichnete, Uhrich, welcher Straßburg übergab , und die Commandanten von Neubreisach und Schlettstadt vor die Kriegsgerichte gestellt werden. Das Gerücht von der Demission des Kriegs-Ministers, Generals de Ciffey, ist bei dieser Gelegenheit wieder verbreitet. Man behauptet nämlich, er werbe zurücktreten, weil er das Dekret Betreffs Bazaine'S nicht unterzeichnen wolle, unter dem er in Metz gedient.
Deutschland.
Berlin, 3. Mai. Wie von gewöhnlich unterrichteter Seite versichert wird, hat der Papst die Annahme des Cardinals Hohenlohe als deutschen Botschafters abgelehnt. Die klerikalen Blätter waren also mit der Behauptung im Recht, daß die Ernennung ohne die übliche vorgängige Anfrage erfolgt war. Wahrscheinlich geschah dies in der bestimmten Voraussetzung, daß die Annahme nicht wohl verweigert werten dürfte, die Curie vielmehr die Gelegenheit, zu einer Verständigung
Oesterreich.
Wien, 2. Mai. Die „Presse" schreibt: „Nachdem die Feudalen ihre Rolle ausgespielt, kommt die Reihe wieder an die nationale Agitation, die mit dem Fortschreiten der schönen Witterung ihre alten Lazzaronigelüste neu erwachen fühlt. Vorläufig wird die Entsendung des Prager Rectors zur Einweihung der Universität Straßburg und .die aus diesem Anlaß abgeschickte Adresse zur Hetze gegen die deutschen ÜniversitätS-Professoren ausgebeutet, und haben sich, wie schon gemeldet, czechische Studenten nicht entblövet, einen telegraphischen „Protest" nach Straßburg abzusenden, der dort jedenfalls die tiefste Bestürzung und Niedergeschlagenheit Hervorrufen wird. Damit noch nicht zufrieden, droht der ultramontane „Czech", das Organ des Prager Erzbischofs, unverblümt mit neuen Univer-
StaatSwänner aller Schulen so ganz Unrecht nicht hatten, wenn sie die „Anarchie der öffentlichen Meinung" für bas schrecklichste aller Uebel erklärten, welches Frank- reich betreffen könnte
Dieselbe Unruhe, die im Inneren täglich eine neue brennende Frage schafft, verhindert die Franzosen auch, ihre Beziehungen zum Auslande klar und nüchtern aufzusaffen. Sie leben, wie ihre gallischen Vorfahren, von Gerüchten, und haben eine unüberwindliche Abneigung, die Dinge so zu nehmen, wie sie wirklich liegen. Es ist ihnen nicht genug, mit dem Auslande in Frieden zu leben, sie verlangen noch Allianzen, und bei ihrer Unkenntniß der europäischen Verhältnisse glauben sie Jedem, der ihnen solche in Aussicht stellt.
Daß die Regierung diesen Illusionen nicht immer mit dem nöthigen Nachdruck entgegengktrcten ist, daß Herr ThierS dieselben vurch leichtfertig hingeworfene Aeußerungen sogar genährt und.dadurch seine Aufgabe, die Gemüther zu beruhi- gen, sich selbst erschwert hat, haben wir im Allgemeinen schon früher ausgeführt. Charakteristisch ist in dieser B-ziehung das Verhalten der Regierung in der sogen. Optionöfrage. Man bildete sich in Frankreich alles Ernstes ein, daß es jevem Bewohner der abgetretenen Provinzen freistehe, die französische Nationalität zu wählen, eine Übersiedelung nach Frankreich zu fingiren, in der That aber als französischer Bürger in seiner alten Heimath weiter zu leben. Man malte sich den Zustand, der daraus hervorgehen würbe, so schön aus: Vie Preußen würden das Land, aber nicht die Bewohner — denn daß alle Elsaß-Lothringer für Frankreich optiren würben, galt als ausgemacht — beherrschen. Die deutschen Behörden würden sich um die Wege, Posten und andere gute Dinge zu bekümmern haben, aber den Bewohnern würden sie als Fremde gegenüderstehen; und von einer Verpflichtung zum Kriegsdienst zumal könne natürlich gar nicht die Rede sein.
So reizend man sich dies Bild einer französischen Colonie auf deutschem Boden auSgemalt hatte, so wenig entsprach eS den Bestimmungen des Vertrags, nach welchem die wirkliche Verlegung des DomicilS nach Frankreich von denjenigen, welche die französische Nationalität wählen, gefordert wird; die Verlegung des DomicilS erscheint nach dem Wortlaut des Vertrags eben als selbstverständliche Folge der Option für Frankreich. Nach der Verlegung des DomicilS kann der Ausgewanderte selbstverständlich sich wieder in feine frühere Heimath begeben und dort als Fremder sich aufhalten, aber ohne die Rechte des Bürgers, und unter dem Damoklesschwert eines Ausweisungsdecretes. Daß es sich so verhält, sah auch die französische Negierung im Grunde von Anfang an ein. Statt aber VieS einfach und bestimmt auszusprechen und mit einem Worte allen Illusionen ein Ende zu machen, äußerte sie sich, als sie vor einiger Zeit wegen dieser Angelegenheit inkerpellirt wurde, 'so gewunden, daß im Grunde Niemand so recht wußte, woran er war. Am 30. April ist denn auch von Neuem eine Interpellation in dieser Angelegenheit erfolgt. Scheurer-Keffner stellt bezüglich der Option der Minderjährigen in Elsaß-Lothringen, sowie Ver domicilirenden Franzosen an die Regierung Vie Anfrage, ob es nicht möglich sei, neue Verhandlungen mit Deutschland anzuknüpfen, um diese Punkte klar zu stellen. Als ob es in einer so klaren Angelegenheit noch einer Klarstellung bedürfte! Graf Nemusat erklärt, diese Sache müsse mit Reserve behandelt werden. Die Regierung, deren Gesinnungen und Absichten bekannt seien, werde Alles Varansetzen, um Vie für Vie Rechte der Eingeborenen günstigste Interpretation des Frankfurter Vertrages zur Geltung zu bringen.
Das heißt Vie öffentliche Meinung nicht beruhigen, sondern ihrer Aufregung neue Nahrung bieten. Und zu welchem Zwecke? Herr v. Nemusat will doch offenbar den Bewohnern von Elsaß, die Franzosen bleiben wollen, eine Erleichte- rung verschaffen. In der That aber erschwert er ihr LooS: er flößt ihnen Hoffnungen ein, die, wie er selbst doch wissen muß, keine Aussicht auf Erfüllung haben. Wie Mancher wird sich unter dem Eindruck dieser trügerischen Hoffnungen zu einem Schritt verleiten lassen, den er schwer bereuen wirb, wenn er seines Irr- thums inne geworden sein wirb. Aber nicht blos im Elsaß selbst wird Herr v. Nemusat leere Hoffnungen erwecken, seine zweideutigen Aeußerungen werden auch in Frankreich die Optionssrage wieder auf die Tagesordnung setzen, sehr zum Nachtheil der Regierung, die Alles aufbieten müßte, um die Gemüther an eine ruhige, feste Stimmung zu gewöhnen. Wie kann Herr ThierS sich über die maßlose Reizbarkeit der öffentlichen Meinung beklagen, wenn Vie Regierung nicht den moraltschen Muth hat, dem Lande eine unangenehme Thatsache offen und unumwunden einzugestchen?
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Lackd^bictes rn Scene gesetzt wurde. Wer damals nicht an den Erfolg de- UnternehmenS glaubte, galt als Verräther an der Sache des Vaterlandes und war der moralischen Steinigung unwiderruflich verfallen. Seitdem hat sich gezeigt, daß diese Befrjüung durch schöne Phrasen und wohlklingenden Maul-Pa- triotismvs nicht herbslzgführen ist. Das klägliche Resultat der Sammlungen mußte auch die kühnsten Tremor mit innerer Zerknirschung erfüllen. Die baar eingegangenen Beträge rvtzren^ nicht der Rede werth; die bedingungsweise gezeichneten Summen (erst zahlbar ^nachdem die Sammlung 500 Millionen erreicht!) überstiegen kaum den iöar^ von 50 Millionen. Da kam man denn in der gestrigen General-Versammlungz auf die vernünftige Idee, das baar gezahlte Geld den Subscribenten zurückzuzahlen, da ein nennenSwertheS Ergebniß doch nicht zu er-
„ zielen fei. Davon aber wollte ein großer Theil der Anwesenden nichts wissen,
Berlin, 3. Mai. Die spanische StaatSrcgierung hat auf geordnetem $ßeg|j>a ihm das „Nehmen" immer noch seliger als das „Geben" erschien. Es ent-
r, MMs, 4. Mai. Man erinnert sich noch der Trompetenstöße, mit denen ; .N.^twnal^Subscription der Frauen Frankreichs zu Gunsten der Befreiung des


