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Kreiling.
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Gießmer Anzeiger.
OrriS vierteljährig 1 fL 12 kr seit BringerLohn. Durch die Bost b«ogen vierteljährig 1 fl. 29 ft.
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Erscheint täglich, mit ftue» nähme Sonntags.
Expedition: Eanzleiberg.
Bit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen. _
Mr. 2Gi~ Mittwoch dkll 6. November 1872.
'»Wnfhl'htnAdtt Sott tttroßonor werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Eanzleiberg B. 1, als auch bei allen Post.
Bestellungen aus OCH VNlelleNer /inzelger Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate November und
December zu 40 kr.
Amtlicher T h e i l.
Gießen, am 5. November 1872. Betreffend: Die Wahlen für den XXL Landtag.
Das Großhkr»«glicht Krkisamt Gieße»
an die Großherzoglichm Bürgermeistereien zu Allendorf a. d. Lda., Burkhardsfelden, Eberstadt, Ettingshausen, Holzheim, Klein-Linden, Mainzlar, Nieder-Bessingen, Ober-Hörgern, Oppenrod, 'Reiskirchen, TreiS a. d. Lda., Watzenborn lind Wieseck. Wir erinnern Sie an Erledigung der Verfügung vom 31. October 1872 binnen 3 Tagen bei Meldung von 1 fl. Strafe.
v. Röder.
Polit »scher T b - t i.
Deutschland.
Aus Oberhessen, 2. Novbr. In Voraussicht, daß unsere erste Kammer dem revidirlen ständischen Wahlgesetz ihre Zustimmung geben würde, hat die Re- gierung bereits die Vorarbeiten zu der bevorstehenden Wahl, die jedenfalls im Teccwber statlfinden wird, angeordnet. In unserer Provinz ist eine neue Ein- theilung der Wahlbezirke erforderlich, da der aus d.n 1866 an Hessen gefallenen zerstreuten kurhessischen, nassauischen und frankfurtischen GebictStheilen gebildete Wahlbezirk in Wegfall kommt und diese Orte anderen Wahlkreisen zugethetlt werden müssen. Obwohl das neue Wahlgesetz die seitherigen Beschränkungen der Wählbarkeit aufhebl, möchte sich durchaus kein Ueberfluß an geeigneten Candi- taten für die zweite Kammer ergeben, da unter den Männern, welche neben dem öffentlichen Vertrauen die erforderlichsten Eigenschaften besitzen, gar viele einer landständtschen Wirksamkeit abhold sind, weil bet der seith rigen höchst umständlichen Geschäftsordnung oder langwierigen Sitzungsperioden die Opfer, die der einzelne Abgeordnete an Zeit und Mühe bringen mußte, mit den durstigen Resultaten beö Landtags in keinem Verhältniß stand. Es muß daher die erste Aufgabe des nächsten Landtags sein — eine dahin ziclcnde Regierungsvorlage ist in Aussicht gestellt — den Geschäftsgang zu vereinfache« und die Sessionen abzukürzen, was um fo leichter möglich, als ja ein großer Theil der früheren landständischcn Bcfugnlsse durch die Reichsgesetzgebung adsorbirt worden ist. Da das indtrecte Wahivcrfahren beibehalten wurde, werden wir, wohl mit Ausnahme der con- fessionell gemischten Bezirke, eine besonders heftige und aufgeregte Wahlbewegung kaum zu erwarten haben. Indessen wird doch die Wichtigkeit der diesmaligen Wahlen in der besonderen Lage, in welcher sich unser Land gegenwärtig befindet, nach Gebühr gewürdigt und steht zu erwarten, daß, sobald die liberale Partei ihre LandSbergversammlung gehalten und die Parole ausgegeben hat, das Interesse für die Wahlhandlung überall lebendig werde. Es ist anzunehmen, daß das jetzige Ministerium sich einer Wahlbeeinflussung enthalten wird und die Herren KreiSrärhe v esesmal darauf verzichten müssen, ihren Apparat zu Gunsten ultramontaner und reactionärer Wahlen spielen zu lassen. Particularistcn, Ultramon- tane — in Mainz vielleicht auch die sog. Volkspartei — bilden diescsmal die Opposition, wahrscheinlich in süßer Vereinigung, sie werden in den gemischten oder vorwiegend katholischen Bezirken alles baransctzen, um eine Anzahl ihrer Candivaten durchzubringen. Die liberalen Wähler haben daher allen Grunv sich zu rühren, um tüchtige, unabhängige und charalterfiste Männer in die Kammer zu wählen und auch dem Ministerium kann eine freisinnige Kammermehrheit nur höchst erwünscht sein, da bei seiner jedenfalls schwierigen Stellung es ihm nicht leicht werden möchte, die eingerosteten Uebelstände zu beseitigen und mit entschiedenen Reformen vorzugchen, wenn eS darin niht durch die Volksvertretung gestützt und angespornt wird.
Darmstadt, 2. Novbr. Die hessische Fortschrittspartei wird Sonntag den 10. l. MlS. in Frankfuit eine LanVeSversammlung zur Frststillung ihres den heutigen staatlichen und politischen Verhältnissen entsprechenden Programms und Be- rathung der Wahlagitation abhaltcn. Voraussichtlich wird die Versammlung zahlreich besucht werden.
Für die bevorstehenden Wahlen zur evangelischen Landessynode hat der Vor- stand des ProtestantenvereinS und die Friedberger Eonferenz (eine vermittelnde kirchliche Partei) eine Eandldatcnliste vereinbart, welche voraussichtlich die große Mehrheit der Stimmen erhalten wird. Der Eompromiß ist um so freudiger zu begrüßen, als hierdurch eine der evangelischen Kirche kaum förderliche Agitation vermieden und zugleich das orthodoxe Element von der Synode ausgeschlossen wird. — Im III. Quartal 1872 sind im Gioßherzogthum Hessen katholischen Kirchen und Anstalten 14,000 fl. durch Stiftungen und Vermächtnisse zugewendet worden.
Berlin, 2. Novbr. Nach den Beschlüssen des Bundesraths soll bekanntlich am 10. Januar f. I. im Gebiete des deutschen Reiches eine allgemeine Viehzählung statifinden. Die zur Ausführung derselben erforderlichen Instructionen sind jetzt vom Minister des Innern den Behörden zugestellt worden. Das Verfahren bet der Zählung schließt sich im Allgemeinen demjenigen an, welches für die Volks- zählung des Jahres 1871 vorgesehen war. Jedoch ist natürlich die Arbeit der Zähler eine weit leichtere, und es steht daher zu erwarten, daß sich solche finden werden, welche auf eine Remuneration keinen Anspruch machen.
Wie man hört, begibt sich der Gcneralpostdirector Stephan in nächster Zett nach England, und zwar im Interesse der von ihm geleiteten Verkehrsanstalt, die er auch, wie verlautet, für den überseeischen Verkehr dem Publikum möglichst nutz- und dienstbar machen will.
Berlin, 3. Novbr. Auf eine Anfrage Bancroft's an das hiesige auswärtige Amt, betreffend die Kosten und Auslagen der vtiffeitigen Regierung tn der SchicdSsprachfrage, erging gestern die Antwort an die amerikanische Gesandtschaft, worin unter Dank für das Anerbieten der Rückerstattung erklärt wurde, daß diesseits keine Kosten oder Auslagen zu llquidiren sind.
Berlin, 4. Novbr. Verschiedene Blatter berichten von einem Widerstande, welchen bas Gesetz über die Eivilehe im Cabinettt des Königs finde. Das Gesetz, welches den Titel „Gesetzentwurf, betreffend die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung", führen soll, ist jedoch noch gar nicht dorthin gelangt, sondern erst in diesen Tagen unter die einzelnen Minister Ressorts vertheilt.
Das Ministerschiff „Die Palme", der Basler MissionSg-sellfchaft gehörig, war während des beutsch.französtschen Krieges von einem französischen Kriegsschiff gekapert worden, und das Gericht von Bordeaux hatte diesen Fang gut geh ißen, weil das Missionsschiff unter deutscher Flagge segelte. Allein der französische Staatsrath hat diesen Beschluß für null und nichtig erklärt, da die Missivnsge- scllschaft ihr Schiff nur wegen ihrer Verbindungen mit oen MissionS - Anstalten unterhalte. Dieser erfreuliche B schloß erspart der Basler MissionSgesellschaft einen Verlust von über 100,000 Francs.
Die Agitation der deutschen NordfchleSwiger gegen den Art. V. des Prager Friedens hat bet der dänischen Bevölkerung dieses Grcuzdistrictks große Aufregung hervorgerufcn. Das Organ der letzteren, das HaderSlebener „Danevirke", droht den deutschen Staatsbürg.rn mit einem Kaufstrike ihrer bäuerlichen Kunden. Gleichzeitig setzt die Kopenhagener Presse ihre Bekämpfung der eventuellen deutschen Garantieforderungen zu Gunsten der eventuell mit abzutrctenden deutschen Norv- schleswiger fort. Wie weit die Erbitterung dieser Organe gediehen ist, ergiebt sich z. B. daraus, daß „Fävrelandet" meint, wenn in der Zett von 1850- 54 eine Unterdrückung und ein Sprachzwang stattfanden, sic gegen die Dänen ausgeübt wurden. Das andere tonangebende Organ der dänischen Nationalyartei „Dag- bladet", beschäftigt sich nach wie vor in besonders gehässigem Geiste mit den socialen Verhältnissen der deutschen Hauptstadt und hat sogar zu einem schadenfrohen Artikel Über den lütttcher Scanval den Raum gefunden.
Kassel, 4. Novbr. Die (bereits telegraphisch gemeldete) Entgleisung, welche gestern auf der Strecke Warburg-Ltebenau der Hessischen Nordbahn vorgekommen, gehört zu den bedauerlichsten Eisenbahn-Unfällen, die man seit den letzten Jahren zu beklagen hat. Auf telegraphische Anfrage gehen uns heute Abend von Ort und Stelle folgende Details zu: „Kaum hatte der letzte Perfonenzug, der fahrplanmäßig um 8 Uhr Abends von Warburg abfährt und um 9*/2 Uhr tn Kassel eintreffen soll, die Station Warburg verlassen und in schnellem Laufe den sog. Dtemelsdamm erreicht, als die Locomotive aus einer zur Stunde noch nicht aufgeklärten Ursache entgleiste uud mit Tender, Packwagen und fast sämmtlichen Per- sonenwagen — nur zwei Wagen 4ter Claffe blieben im Geleise — den Abhang htnunterstürzte. Der Locomotivfühicr ist von kochendem Wasser und glühenden
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