und Verwüstungen geschändet haben! Als nun eure Trompeten und Trommeln in der Kirche von St. Denis von Neuem widerhallten, da jauchzte mein Herz vor Freude, denn eure Anwesenheit wäscht die Schmutzflecken der Invasion des grausamen Barbaren aus! Wenn im Mittelalter der Engländer trotz seiner Mach, auf seine Insel zurückgedrängt wurde, so mögt ihr überzeugt sein, daß früher odcr später, recht bald sogar, wenn wir nur einig sein wollen, auch der Deutsche trotz seiner kaltblütigen Grausamkeit in seine Höhle verjagt sein wird!
Dieser Abb6 Testory war, wie man sich vielleicht erinnert, Almosenier en chef der französischen Armee in Mexico und mit Marschall Bazaiue sehr be- freundet. ,
Paris, 2. Mai. Das osficiöse „Bien Public" sagt über die erste Zusammenkunft des Grafen v. Arnim mit Herrn Thiers: Der Präsident der Republik empfing gestern den Grafen v. Arnim, Botschafter Deutschlands. Die Ergebnisse dieser Zusammenkunft waren, wie man sagt, sehr befriedigend, und lassen keinen Zweifel über die Unrichtigkeit der beunruhigenden Gerüchte, welche kürzlich von englischen Blättern, namentlich dem Daily Telegraph, verbreitet wurden. Ein anderes osficiöseS Blatt, der National, drückt sich in dieser Beziehung folgender- maßen aus: Der Botschafter Deutschlands ist mit den besten Absichten Preußens, betreffs Frankreich, zurückgekommen. Die Unterhaltung hatte einige Zeit lang die Nachrichten des Daily Telegraph zum Gegenstand, und Herrn v. Arnim wurde es sehr leicht, darzuthuu, daß sie nicht die geringste Begründung hätten. Er fügte hinzu, daß die Berliner Regierung eben so viel Bedauern darüber habe, als die französische. Herr v. Arnim schreibt dieses Gerücht dem Umstande zu, daß der englische Journalist sich zu« Echo der Befürchtungen einiger deutscher Chauvinisten gemacht habe, welche erschreckt seien, daß Frankreich sich wieder so schnell reconstituirt. Im Augenblicke wünscht Preußen, so bald als möglich die drei Milliarden bezahlt zu sehen, und zeigt für jetzt die wohlwollendsten Gesinnungen. Die Unterhandlungen werden mit dem deutschen Botschafter, der es ebenso eilig hat, diese große Angelegenheit sobald als möglich zu beenden, als wir, alSbalo ihren Anfang nehmen.
Das Organ Gambetta's veröffentlicht folgende Depesche: An das Journal „Republique Francaise" in Paris.
Prag, 1. Mai, 11 Uhr 35 Min. Morgens.
Wir, slavische Studenten an der Prager Universilät, protestiren feierlich gegen die Usurpation, welche von denen begangen wurde, welche behaupten, diese „Alma atque anliquissima mater“ heute in Straßburg zu vertreten. Der sog. Rector unserer Universilät repräsentirt dort nur die sehr kleine Minorität, die ger- manische Partei, zu welcher er gehört. Das Herz der slavischen Nation in Böh- men gehört Frankreich ganz an, überall und für immer.
Die slavischen Studenten der Prager Universität.
Die französische Regierung hat Verstärkungen an die spanische Grenze gesandt. Es scheint, daß man glaubt, daß die Carlisten binnen Kurzem in Masse auf französisches Gebiet übertreten werden.
Paris, 3. Mai. Die „Union" empfing die als osficiell bezeichnete Nachricht, daß Karl VII. den spanischen Boden betreten habe. — Der „Temps" veröffentlicht eine Correspondenz aus Ciudad-Real, nach welcher durch eine republikanische Bande am 30. April die Eisenbahn zwischen Madrid und Cordova unter- krochen worden sei. Eine andere republikanische Bande ist bei ValdepenaS erschienen.
Paris, 4. Mai. Eine Depesche aus Bayonne vom 3. d. M. Abends und Briefe aus San Sebastian vom 2. d. erwähnen der Gerüchte, daß Don Carlos beim Schalle der Glocken in Vera (Spanien) eingezogen und vom General Ruda empfangen worden sei. Eine starke Colonne unter dem Commando des Generals Rivera ist vom Marschall Serrano abgesandt worden, um San Estaban, links von Vera in der Richtung auf Pampeluna, zu besetzen. In San Sebastian gelandete Truppen halten Oyarzun, gleichfalls links von Vera in der Richtung auf Jrun, besetzt. Die Ankunft des Prätendenten Don Carlos dürste, vorausgesetzt,
und verlangten die nämlichen Lohnsätze und Arbeitsstunden, wie die feiernden Collegen.
Aus Bombay vom gestrigen Tage trifft folgendes Telegramm ein: „Der Dampfer „Abydos" ist von Zanzibar angekommen. Er bringt die Nachricht, daß Dr. Livingstone wohlbehalten bei Stanley ist. Die Nachricht kommt durch Eingeborene." Stanley ist ein Correspondent des „Newyork Herald", welcher zu dem besonderen Zwecke nach Afrika gegangen ist, um den fast verschollenen Reisen- oen auszusuchen. Die letzten Mittherlungen von Kirk aus Zanzibar ließen von Stanlry's Bemühungen nicht viel erwanen; doch ist zu hoffen, daß diese neueste Nachricht, wenn sie auch durch Vermittlung der nicht sehr zuverlässigen Eingeborenen nach Zanzibar gekommen ist, sich bestätigen möge.
London, 4. Mai. Aus Bombay wird telegraphisch gemeldet, daß in der Nacht des 1. Mai ein heftiger Orkan die Stadt Madras heimgesucht hat. Stadt und Vorstädte erlitten schwere Beschädigungen, 11 Schiffe kamen zum Scheitern und eine Anzahl Personen ist in den Wellen umgekommen.
Windsor, 2. Mai. Die Deutsche Kaiserin Augusta traf um 3 Ubr 20 Min. Nachmittags hier ein und wurde von der Königin und dem Hofe am Bahnhofe empfangen, woselbst eine Ehrengarve aufgestellt war. Eine große Zuschauermenge hakte sich eingefunden. Erne berittene königliche Leibgarde eScortirte die Allerhöchsten Herrschaften zum Schlosse.
Rußland.
Petersburg, 28. April. Die russische „St. Petersburger Ztg." hört, daß tm Ministerium oer Volksaufklärung eine besondere Commission errichtet ist zur Erörterung der Frage über Vorlesungen für das Volk. B s zur Lösung derselben werden alle diese Vorlesungen tm Reiche untersagt. Ausgenommen ist nur die Hauptstadt.
Aus Tambow erfährt die „Ruff. Ztg.", die Zahl der Bettler habe derart zugenommen, daß dieselbe ernstlich die Ruhe und den Frieden der Stadt bedrohe. Nicht einzeln, sondern haufenweise durchziehen sie die Stabt, überfallen förmlich die Vorübergehenden und überschütten dieselben mit den gemeinsten Vchimpfreven, wenn man sie zurückweist. Kommt man ihrer Bitte nach, so raufen sie sich bei der Theilung, wobei auch die Vorübergehenden nicht selten ihren Thei! erwischen. Sie haben, wer weiß woher, volles Bürgerrecht in der Stadt erlangt und sind unter dem Namen des „barfüßigen Bataillons" bekannt. Besonders scharf und stark sind die Ueberfälle diese- Bataillons an Festtagen; an Werktagen haben sie als thätige Bürger ihre Geschäfte, sitzen in Trinklocalen, schreiben den Bauern Bittschriften, Quittungen und zuweilen auch falsche Pässe, ober veranstalten in Compagnie irgenv einen namhaften Diebstahl, zuweilen auch eine Räuberei, von welchen in letzter Zeit ziemlich oft zu hören ist.
Amerika.
Newyork, 3. Mai. Die von allen Unionsstaaten beschickte Convention in Cincinnati stellte Horace Greely als Candivaten für die Präsidentschaft, und Brown, Gouverneur von M ffouri, als Candivaten für die Viceprästbentschast auf. Die Convention nahm ferner Resolutionen in Betreff der Ertheilung einer General- amnestie, der Reform der Staatsdienstverwaltung und der baldigen W.ederauf- nahme der Baarzahlung an unv mißbilligte jede Idee einer Repudiation der Staatsschulden.
(Eingesandt)
Wieseck, den 5. April. Schon seit längerer Zeit bietet «in Theil der hiesigen Israeliten den Bewohnern unseres Dorfes Samstags den Anblick großartigen Scandals. ES werden darin sämmtUche Titel des Complimentirbuchg rc. erecutirt, so daß die Leute sich staunend fragen, ob das auch zur Heiligung des SabbathS gehört. So war eS anch gestern wieder der Fall, daß namentlich zwei Judenfamilien in Zank und Hader derart gerieten, daß derselbe zum größten Aerger der ruhigen Bewohner Wiesecks mehrere Stunden dauerte. Sollte die hohe Obrigkeit den betreffenden Leuten nicht einmal einen Dampfer aufsetzen können?
daß sie sich bestätigt, die Carlistenbewegung neu beleben.
Italien.
Nom, 30. April. Die Kammer nahm heute den ersten Artikel des Ge- seh'S an, welches die Abschaffung der theologischen Facultäten ausspricht. — Der Papst empfing etwa 3000 Römer. Er sagte, die Geißel ber movernen Zeit sei der Unglaube, welcher aber unmöglich die Herrschaft behalten könne, ba Gott gerecht sei. Die Mächte, welche mit ber Revolution spielten, würben früher ober später von ihr verschlungen werden. Die Voce della Verita führt die weitere Aeußerung an: „Möge Gottes Gnade die Guten immer behüten, in Gemeinschaft mit einer Regierung zu treten, welche kein Vertrauen verdient."
Rom, 3. Mai. Der Ausbruch des Vesuvs hat seit gestern vollständig aufgehört.
Nom, 3. Mai. Die „Fanfulla" meldet, daß auf ärztlichen Rath der fonntäglkche Empfang im Vatikan bis zum Herbste eingestellt wurde. — Der Papst soll in rem am Montag abzuhaltenden Consistorium eine Encyclica publiciren, worin er sich namentlich über die Beziehungen des päpstlichen Stuhles zu Portugal ergehen werbe.
Spanien.
Madrid, 4. Mai. Die amtliche Zeitung bestätigt, daß sich Don Carlos bei der Banbe Rada's, welche von dem Brigadier Primo Rivera lebhaft^verfolgt wird, befinde.
Die spanische Regierung hat sich in Versailles beklagt, daß die an der spanisch-französischen Gränze commanbirenben Generale und Offiziere sich fast alle den Carlisten günstig zeigen und deshalb der Zuzug, welchen die Aufständischen erhalten, ziemlich bedeutend ist. Die Zahl der Carlisten, welche von ven sran zösischen Behörden verhaftet und internirt werden, ist ungeachtet dessen ziemlich bedeutend. Unter denen, welche vorgestern nach der Unter-Präsectur von Bayonne gebracht wurden, befanden sich auch acht Priester.
England.
Vermischtes.
Der Börsen-Wochenbericht deS „Ulk" notirt u. A.:
„Der fällige Eoupon ber Roya l-V icto ria-Kronprinz-Stiftun g ist in voriger Woche glücklich und zu allseitiger Freude eingelöst worden."
Dir vereideten Makler deS „Ulk."
Bßncanachrichtcn.
4. Mai 1872.
Preuas. 47z% Oblig. 103
Frankf. 3‘/a0/o Obi. 88'/g
Nasa. 47z % Obi. 997*
Kurhesa. 4% „ 94>/4
Gr. Hess.' 5<V0 Obi. 1033/4
» „ 4% „ 98-/2
n „ 3t/,v/o » 921/a
Bayer. 5% „ 1003/b
„ 4i/z % 1jährige 1004-/2
„ 40/0 1jährige 947g
Würtemb. 47z% Obi. 997«
Raden 4V2% Obl.o. E. L. 1007g
Oeaterr. Silberrente 6IV4
„ Papierrente 58
Spanier, neueat. 3°/o 29
Amerik. Bonde 1881r 100
„ „ 1882r 96i/8
„ „ 1885r 977g
„ „ 1887r 9774
Aetlen.
Frankf. Bank 1427z
Frankf. Vereins-Kasse 135
Darmat. Bankact. 470
Wien Bankactien 872
Oest. Creditaot. 350
Galizien 2661/3
Actkn.
50/g öatr. F.St.E. B. 382‘/2
Lombard. Bahn 209
Ludwigah.-Bexbaoh 2057g Maxbahn 148
Bayer. Oatbahn 1457z Rhein-Nahebahn-Act. 49
Heaa. Ludwigeb.-Aot. 1797»
Oberheesen w 84_____
Prioritäten«
50/g öster. Stab.-Prior. 597g
3°/o öst. e. Lombard 51
30/g Livorneeer 40
5% Toecaner 621/2
5% Elleabeth.-Prior. 83
do. II. Emiee. —_________
Anlehenelooee»
Korh. 40 Thlr. Loose 727-
Nassau 25 fl. 431/2 Braunschweiger —
30/g Oldenburg, ä 40Thlr. 393/4
40/g bayr. Präm.-Anl. ^137s Ansbacher 7 fl. —
40/g badische Loose 112 Badische fl- 35 Loose — Oestr. fl. 250 v. 1854 847« 1858r Prioritätsloooe 1957z 1860r Loose 93 1864r „ 155
Stadt Florenz —
Weelieel.
Amsterdam k. 8. 987g
Augsburg k. 8. 993/4
Berlin k. 8. 1047g
Bremen k. 8. 967g
Brüssel k. 8. 933/4
Hamburg k. 8. 87 7<
Leipzig k. 8. 105
London k. S. 1187a
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 937«
Wien k. 8. 1047g
ditto m. 8. —
ditto 1- 8. 1047g
Dlsconto 4 0/0
tieldsorten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 57—58 Pistolen . . 9 40—42
„ doppelte 9 40—42 Holl. fl. 108t. 9 53—55 Ducaten . . 5 33—35 20 Frankenst. 9 21—22 Engi. Sover. 11 48—50 Ruse. Imper. 9 40—42 Dollar in Gold 2 26—27
London, 2. Mai. In Liverpool haben die an den Werften und von den Spediteuren beschäftigten Fuhrleute, etwa 2500 an der Zahl, Sirike gemacht, und die Folge davon ist, daß außer ihnen etwa 6000 Arbeiter in ven Docks und Lagerhäusern müßig gehen. Die Arbeitgeber haben versucht, andere Kräfte zu gewinnen; «s traf auch eine große Anzahl Fuhrleute ein, als man ihnen aber ihre Arbeit wies, weigerten sie sich fast ohne Ausnahme, ihren Contract zu halten,
Frankfurt a. M. — Neben einer großen Anzahl der renommirtesten in- und ausländischen Zeitungen, als deren bedeutendste, hinsichtlich der Verbreitung, wohl der Kladderadatsch genannt werden darf, ist neuerdings der seit langen Jahren in Frankfurt a. M. erscheinende „Frankfurter Beobachter" in den Annoncen-Pacht der in Frankfurt a. M- domictlirten. allgemein bekannten Firma Rudolf Mosse übergegangen. Es darf dieses als neues Aequivalent für das der genannten Firma allgemein entgegengetragene Vertrauen bezeichnet werden-


