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daß der Herr Erzbischof Melchers darauf aufmerksam machen lasse, daß, da ein Ex-Priester vorgestern in der St. Pantaleonskirche Gottesdienst abgehalten, jeder Katholik, der einem solchen Gottesdienste beiwohne, hiedurch von selbst aus der katholischen Kirche ausgeschlossen sei.
Bonn, 4. Febr. Die Professoren Hilgers, Knoodt, Reusch und Langen sind, der „Bonner Ztg." zufolge, durch ein Ultimatum des. Kölner Erzbischofs unter Androhung der formellen feierlichen Excommunication ausgefordert worden, sich dem UnfehlbarkeitSdogma zu unterwerfen.
Weißenthurm, 30. Ian. Die zu Vallendar verstorbene frühere Oberin des St.. JohanniShclpitals zu Bonn, Augustine Amalie v. Lasaulx, hatte vor ihrem Tode gewünscht, daß sie auf der FamiliengrabeSstclle hierstlbst neben ihren Eltern beerdigt werde. Ihr Vater, der frühere Bauinspector v. Lasaulx zu Eoblenz hatte nämlich diese Familiengrabesstelle dadurch erlangt, daß er dem Bau der hiesigen, durch Frescogemalde geschmückten Kirche nicht bloS uneigennützig, sondern auch mit erheblichen Opfern sich gewidmet hatte. Wegen der Nichtanerken- nung des UnfehlbarkeitsdogmaS, wodurch sie ihrer Stelle als Oberin enthoben worden, war ihr seitens des hier zuständigen Hrn. Pastors ein kirchliches Be- gräbniß verweigert worden; die heutige Beerdigung erfolgte deshalb ohne geist- liche Ceremonien. Als Leidtragende hatte sich indessen zunächst Ihre Durchlaucht die zeitweise zu Bonn residirende verwittwete Fürstin zu Wied eingesunven, welche sich den Sarg öffnen ließ und in tiefster Rührung der Leiche einen Trauerkranz beilegte; demnächst erschien eine große Anzahl von Herren und Damen mit Trauerkränzen aus Bonn, /worunter der UniversitätScurator Beseler mit einem Theile der Universität-Professoren. Da die Verwandten der Verstorbenen zur Vermeidung von Kollisionen eine Leichenrede nicht wünschten, so beschränkte sich der Hr. Prof. Reusch aus Bonn, unter dem Hinweise, daß der Verstorbenen Wirken einer GrabeS- rede nicht bedürfe, auf drei Gebete — für die Verstorbene — ihre Eltern — und den zuerst Sterbenden aus der Mitte des durch viele Ortseinwohner, im Gefühle der Dankbarkeit gegen den Vater der Verstorbenen verstärkten Leichengefolges. So verlief ebenso unangefochten als einfach und doch rührend die Begräbnißfeier für eine Verwandte des kirchlich-berühmten Professors Joseph Görres aus München, welchem in dem Gorresdau zu Eoblenz ein monumentales Baudenkmal errichtet ist. (Die Verstorbene nahm vor ihrem Hinscheiden die Sterbesakramente von einem altkatholischen Priester entgegen und kurz vor ihrem Tode sagte sie die inhaltschweren Worte: Ich will nicht mit einer Lüge von hinnen scheiden.)
München, 4. Febr. Verschiedene Blätter haben sich von hier berichten lassen, daß der Ministerpräsident Graf Hegnenberg-Dux aus Gesundheitsrücksichten in allernächster Zeit seine Entlassung fordern werde. In unterrichteten Kreisen ist von einer bevorstehenden Demission des Ministerpräsidenten nichts bekannt.
Aus Elsaß-Lothrmgen, 1. Febr. Trotz des sehr religiösen Sinnes unse- rer Bevölkerung hat man bis vor Kurzem von Glaubensstreitigkciten bei uns wenig oder gar nichts gehört. In vielen Dörfern haben Protestanten und Katholiken eine gemeinschaftliche Kirche, in welcher sie abwechselnd ihre Gottesdienste abhalten und, obgleich die Schulen fast überall confefsionell getrennt sind, weiß man nur in wenigen Orten von katholischen und protestantischen Schulhäusern; denn man verstand immer, sich zu vereinen. Bei der Uebertragung von öffentlichen Aemtern wurde nur ganz selten nach der Religion gefragt; so ist uns z. B. eine Gemeinde bekannt, in welcher der Maire Israelit ist, obgleich seine Glaubensgenossen weitaus die Minderzahl bilden. Sind in letzter Zeit Glaubensstreitigkeiten entstanden, so sind sie von außen hereingetragen worden, und zwar durch ultramontane und pietistische Zeitschriften und Flugblätter. Das Deutschthum hat in Elsaß-Lothringen keinen größeren Feind als den religiösen Fanatismus, sowohl Seitens der protestantischen als der römischen Kirche. In Bezug auf den Elementarunterricht kann ich Ihnen nur befriedigende Mittheilungen machen. Die Verzeichnisse der Schul- Versäumnisse weisen seit einem Vierteljahre im Elsaß eine Verminderung von 70 bis 90 und in Lothringen von 40 bis 70 Procent nach. Das will für den, welcher die früheren Verhältnisse kannte, sehr viel sagen. Erfreulich ist auch, daß gegenwärtig bereits eine ziemliche Anzahl von Gemeinden um die Erlaubniß zur Errichtung von Realschulen nachsucht. Was die Massenauswanderungen betrifft, von denen noch immer einige Blätter fabeln, so ist davon auch fast keine Spur mehr zu bemerken. Selbst viele junge Leute, die, um dem deutschen Militärdienste zu entgehen, auSgewandert waren, kehren theilweise wieder zurück, und eSistThat- sache, daß, seit man zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß die deutsche Regierung durchaus die erbetenen Zugeständnisse verweigert, man sich mit dem Gedanken an das Tragen der deutschen Pickelhaube mehr und mehr befreundet. Die Burschen singen bereits mit süßsauern Gesichtern die deutschen Soldatenlieder, und der alte Uhland würbe sich gewiß freuen, wenn er hörte, daß sein Lied vom „gleichem Schritt und Tritt" bei uns zu Ehren gekommen ist.
Oesterreich.
Wien, 1. Febr. Gras Beust begibt sich nach Italien, aber nicht in poli- tischen Angelegenheiten, sondern um seine Familie, die den Winter im Süden zubringen wird, dorthin zu begleiten. Graf Beust wird die Reise demnächst von Salzburg aus antreten und auf seiner Rückfahrt nach London den Umweg durch Italien nehmen.
Das in ossiciöser Weise constatirte Einvernehmen zwischen den Grafen An- draffy und Beust ist neuestens auch fast demonstrativ dem großen Publikum zur Anschauung gebracht. Der Minister des Auswärtigen und fein Amtsvorgänger sind neben einander in der Loge erschienen und haben dann zusammen den „Siu- dentenball" besucht.
Schweiz.
Bern, 5. Febr. Französische Gendarmen haben aus Frankreich ausgewiesene Communarden der Schweiz zugeschoben. Der Bundesrath proteflirte in Paris gegen dieses Vorgehen, als das Völkerrecht verletzend.
Belgien.
Brüssel, 3. Febr. Die Langrand',che Angelegenheit scheint wieder in ein neues Stadium getreten zu sein; die Anklagekammer des Appellationsgerichtes von Brüssel hat Lanzrand wegen betrügerischen Bankerottes vor das Geschworenen- gericht verwiesen.
Frankreich.
Paris, 5. Febr. Das „Journal officiel" meldet den Rücktritt Casimir Psner's von dem Ministerium des Innern. |
Rumänien.
Bukarest, 1. Febr. Der Fürst hat eine größere Anzahl höherer Offiziere plötzlich entlassen.
Das Projekt einer Mitteldeutschen Ost-Westbahn.
Es wird im Nachstehenden das Projekt einer Eisenbahn empfohlen, welche son Fulda nach Meiningen, von da über Grimmentha! nach Suhl, dann nach Ilmenau, dann nach Saalfelb, dann nach Weida und von da in einer Richtung nach Grra und in anderer Richtung nach Werdau führen soll, mit gleichzeitig anzulegenden Zweigbahnen von Ilmenau nach Arnstadt und Saalfeld nach Eichicht. Dabei handelt es sich also um Heranziehung, bezüglich Fusionirung folgender schon projektirten und durch Comit^s und Gesellschaften betriebenen Eisenbahnunternehmungen :
1) des Projekts einer Eisenbahn von Fulda nach Meiningen,
2) deS Projekts einer Bahn von Meiningen, bezüglich Grimmenthal nach Suhl,
3) des Projekts einer Bahn von Suhl nach Ilmenau,
4) des Projekts einer Bahn von Ilmenau nach Arnstadt und von Ilmenau nach Saalfcld,
5) des Projekts einer Bahn von Weida nach Werdau.
Hierzu würde aber noch kommen
6) der Ankauf oer schon gebauten und schon im Betrieb begriffenen Bahn von Eichicht über Saalfeld nach Weida und Gera.
Das Bild der projektirten großen Bahn, für welche der Name „Mitteldeutsche Ost Westbahn" vorgeschlagen wird, ergiebt die Karte.
Zur Motioirung des empfohlenen Projekts ist Folgendes auszuführen:
Seitdem durch die Erbauung der Thüringischen und der Werra-Elfenbahn die längs der nördlichen und westlichen Grenzen des Thüringer Waldes gelegenen Theile der verschiedenen Thüringischen Staatsgebiete dem großen Verkehr aufge- schlossen und in das allgemeine Netz der deutschen Eisenbahnen ausgenommen sind, hat sich für die zum großen Theil von Wald und Bergen umschlossenen zahl- reichen und wichtigen und industriellen Unternehmungen, welche der Thüringer Wald in seinem Schooße birgt, von Jahr zu Jahr lebhafter das Bedürfniß geltend gemacht, möglichst unmittelbar mit jenem Netze verbunden zu werden. Dieser Wunsch erschien längst schon gerechtfertigt, da die zum Theil massenhaften zum Export geeigneten Urprodukte des Walde« die Vertheuerung der Frachten durch Landtransporte und mehrfache Verladung nicht vertragen, insbesondere aber die Zufuhr von Kohlen zu den entfernt von der Eisenbahn gelegenen Industrieplätzen mit so unverhältnißmäßigem Aufwande verbunden ist, daß die Industrie des Waldes sich in der Möglichkeit oer Concurrenz gegenüber günstiger situirten gleichartigen Unternehmungen mit Grund bedroht glaubt. Es erklärt sich unter diesen Umständen leicht, daß seit einer Reihe von Jahren fast in allen irgend bedeutenden Industrieplätzen des Thüringer Waldes sich Comitös gebildet haben, welche durch Vorstellungen bei ihren Territorialregierungen und durch Verhand» lungen mit den Verwaltungen der Thüringischen und der Werraeiscnbahn, sowie mit Privatunternehmern ihrem Verkehr einen Anschluß an eine der nächstgelegenen Eisenbahnstationen zu schaffen suchen. So sind sie auch wirklich durch die Zweig- bahnen von Coburg nach Sonneberg, von Fröttstedt nach Waltershausen, von Dietendorf nach Arnstadt für einzelne Orte Verbindungsglieder hergestellt worden, denen demnächst wahrscheinlich eine Zweigbahn von Wernshausen nach Schmalkalden hinzutreten wird. Allein abgesehen davon, daß diese kleinen Bahnen, so lange sie den Charakter von Sackbahnen behalten, eine entsprechende Rente für die Unternehmer schwerlich in Aussicht stellen, sind die durch sie gewährten Vortheile auf einen engen Kreis beschränkt und nicht geeignet, dem Bedürfnisse der tiefer im Walde gelegenen Industrieplätze obzuhelfen. Allen bisherigen Projekten, welche zum Theil einander entgegcntreten, fehlte eine einheitliche und im Zu- sammenhange wirkende Leitung, und wenn auch alle in Betracht kommenden Territorialregierungen gern geneigt waren, die Abfassung von Vorarbeiten und Projektirungen selbst durch StaatSzuschüsse zu unterstützen, so stellen sich doch in der Zerstückelung der von den projektirten Linien berührten Staatsgebiete, sowie m dem Kampfe lokaler Interessen, verbunden mit der Schwierigkeit, welche der Eisenbahnbau im Gebirge darbietet, der Ausführung eines Durchgangsverkehrs durch den Thüringer Wald ermöglichenden Eisenbahnunternehmens bisher nicht zu überwinden gewesene Hindernisse entgegen.
Von günstigerem Erfolge sind die unter kgl. preußischer Leitung geführten Verhandlungen über den Bau der Gera-Eichichter Eisenbahn begleitet gewesen. Diese Bahn ist seit Kurzem eröffnet und hat den industriellen Gegenden nicht nur des Neustädter Kreises, sondern auch des Thüringer Waldes an feinen südöstlichen Grenzen Freiheit des Verkehrs nach Osten und Norden verschafft, während die bereits im Rau begriffene Saalbahn in mehr nördlicher Richtung einen neuen Verkehrsweg öffnen wird. Beide Bahnunternehmungen sind in ihrer Entstehung wesentlich durch die sichere Hoffnung unterstützt worben, daß von Saalfeld bezüglich Eichicht ab eine Fortsetzung der Bahn, sei dies nun in der direkten Rich- tung nach Baiern — Kronach oder Stockheim — oder in der Richtung nach Sonneberg, oder in der Richtung nach Ilmenau, nicht allzu lange auf sich warten lassen werde. Obgleich jedoch die Fortsetzung sowohl nach Baiern als nach Sonneberg, je nach Verschiedenheit der lokalen Interessen, eine lebhafte Agitation von Seite der betreffenden Ortskomit^S stattgefunden hat, so läßt sich doch bis jetzt kein Erfolg rühmen, welcher die Ausführung der einen oder der andern dieser beiden Concurrenzlinien in irgend sichere Aussicht zu stellen geeignet wäre. Soweit die nach beiden Richtungen vorgenommenen technischen Erfahrungen hier bekannt sind, können die Schwierigkeit.n des Terrains und die damit zusammenhängenden Kosten als annähernd einander gletchkommend angesehen werden und die Beschaffung der Baukapitale wird ohne Zweifel manchen Schwierigkeiten begegnen.
Ist es hiernach zweifelhaft, ob und in welcher Zeit auf einen der vorhin angedeuteten Wege der Zweck der Durchführung der Gera-Eichichter Bahn durch den Wald ausführbar fein wirb, so drängt sich die Erwägung auf, ob nicht in anderer Weise dem Bedürfnisse der industriereichsten Gegend des Waldes sowie dem correspondirenden Interesse der Gera-Eichichter und der Saalbahn entsprochen werden konnte. Und dies scheint in der That möglich, wenn die Zwecke und Interessen dieser Bahnen mit dem bereits vorliegenden und von den betheiligtrn Regierungen im Allgemeinen als zulässig erkannten Projekte einer Eisenbahn von
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