Herzen scheiden sie nicht. Unser Gegner ist nur, wer, unseres Ursprungs vergessend um des eitlen Flitterstaats Napoleon'scher Lorbeern willen, noch j tzt im Liede die eiserne Ruthe fügt; unser Todfeind ist, wer eine frevelnde Hand an das Heiligthum unserer Nationalität legt. Unsere Meistersänger müssen die Wurzel der wahren Freiheit in unserer Deutschheit zu finden wissen."
Darum also: die Schule muß deutsch sein. Das gilt von ihrer breltesten und tiefsten Grundlage, die als Volksschule in der Masse des Volkes ruht; es gilt von den mancherlei Arten der humanistischen und realistischen oder den sonstwie combinirten Lehranstalten in Stadt und Land, es gilt von der Universität, welche nicht mit Unrecht al- Hochschule den Gipfelpunkt der geistigen Bilbungs- mittel einet Lande-, einer Provinz sich bezeichnet. Darum auch ward noch unter Schwerterklang und Kanonendonner der Entschluß ausgesprochen, daß die verstörte Hochschule nach Straßburg zurückkehren, im deutschen Straßburg als deutsche Schule neu und blühender erstehen müsse; eine Universität, das ist ein Inbegriff alles geistigen Besitzes, alles idealen Strebens; eine Hochschule, das ist eine hohe Warte und feste Burg, darinnen sich Männer und Jünglinge sammeln sollen, um zu lehren und zu lernen, was die Menschheit an ewigen inneren Gütern sich errungen hat, an jenen Gütern und Kräften, welche geräuschlos und langsam, aber wirksamer und dauernder als alles andere in die Seele des Volkes dringen und sie aus all des Lebens Kampf und Noth und Zwiespalt zum Edlen, Wahren und Schönen hinleiten. Und vor Allem soll diese neue Hochschule werden eine hohe Warte und feste Burg für deutschen Geist, deutsche Bildung, deutsche Sitte.
ewig reizenden Idyll gestaltet.
Nur die höchsten Namen aus dieser Stadt Vergangenheit haben wir hler geflüstert, aber jeder von ihnen in seiner Art weist auf Deutschland hin, kann nur als Deutscher gefaßt und begriffen werden. „Mit Recht", ruft der Humanist Jacob Wimpheling aus Schlettstadt, „mit Recht hat eure Stadt die römische Freiheit ergriffen und beschirmt sich, und sperrt sich dagegen, in die Dienstbark.it der Franzosen zu fallen"; und „es hat nie ein geborener Franzose über deutsche Nation regiert, Gott behüt' unt vor solchen Tyrannen!" sagt der Elsässer Derler von Ruffach in seiner Chronik.
Keine hundert Jahre sind cs, daß die innere An- und Einwelschung begonnen hat. Die Universität Straßburg ist berufen, diese hundert Jahre wieder gutmachen zu helfen. Hier wird es nicht gethan fein_mit gewöhnlichem Pro
fessoren- und Kathederthum; im höchsten und freiesten Sinne werden die Lehrer ihr Amt zu erfassen und zu üben haben. Nicht um Deutschthümelei und darnach etwa zugeschnittene Doctrinen handelt es sich, am allerwenigsten in der neuerdings so viel gefährdeten ernsten Wissenschaft der Geschichte. Verletzungen der echten reinen Wissenschaft werden scharf beobachtet und rasch erkannt werden und baS ganze Werk gefährden. Freie Forschung und Lehre, unbeirrt von jeder Rücksicht, hoher Sinn, siitliche Würde, mit einem Worte, deutsche W.ssenschast — diese allein kann, diese muß aber auch das Feld wieder gewinnen und behalten gegen- über einer Nation, deren höchste wissenschaftliche Größen in der neuesten Zeit wieder offenkundig gezeigt haben, daß ihnen auch die ernsteste Muse nur eine Dienerin ist für die Leidenschaften dcS Augenblicks, nicht aber die Göttin, welche mit der leuchtenden Fackel der Menschlichkeit unserem stets irrenden Geschlechte zu einem ewigen Ziele voranschreitet.
Wir rufen der erstehenden Hochschule Straßburg, ihren Lehrern und Schülern und jedem ihrer Söhne entgegen das alte herzliche akademische Vivat Crescat Floreal!
ner, die aus allen deutschen Gauen, uuu, wm , **■•*••**• -......
sind als die Hüter der Burg, als die Verkündiger des deutschen Geistes. Sie stehen auf keiner unwürdigen Stätte, denn sie treten ein in dar Erbe einer rubnv vollen Vergangenheit und haben dieses Erbe zu verwalten und zu mehren. Soweit geschichtliche Kunde reicht, ist Straßburg allezeit ein Punkt gewesen , auf welchen die Blicke von weitem Umkreis her gerichtet waren, wenn auch in gar verschiedenem Interesse. Argentoratum, die silberne Burg — so haben vor zweitausend Jahren schon die Kelten ihre Stadt dort genannt. Wir wissen nicht warum, aber wir wissen, daß auch die Römer, als Besieger und Nachfolger der keltischen Stämme, einen hohen Werth auf dieses Standquartier ihrer Legionen, auf den Knotenpunkt ihrer Militärstraßen legten, deren eine dann der Stadt ihren deutschen Namen schuf. Als erste Stadt des fränklsch-alemannlschen Elsaß wuchs sie fürder herauf, erhob sich in späterer Zeit zur freien Stadt des deutschen Reiches und entfaltete nun Jahrhunderte hindurch eine Fülle von Kraft und Geist, welche den Namen Straßburg weit über die Grenzen des deutschen Ruches hinaustrug Eine der herrlichsten Schöpfungen mittelalterlicher Dichtkunst preisen wir „Tristan und J'olde" und ihr Schöpfer war Meister Gotfried von Straßburg. Ihm gleich an Geist und Sprachgewalt, überlegen an Witz, weit hinter ihm in der schmeichelnden Glätte der Form, hoch über ihm an sittlichem Ernst und ethischer, nationaler Wirkung trat im 16. Jahrhundert Johann Fischart hervor, ein Sohn der Re- formation und auf lange hinaus der letzte bedeutende Vertreter einer schon damals sinkenden deutschen Literatur. Die Geschichtschreibung zählt die Straßburger Chroniken zu ihren classischen Aufzeichnungen in deutscher Sprache; die großen geistigen und Culturbewegungen des 15. und 16. Jahrhunderts fanden in Straßburg Vertretung und Wiederhall wie in wenigen Städten, und die deutsche Baukunst hat in Erwin'- Münster ein ewiges Denkmal gesunden. Und dieses Denkmal ist als deutsches Werk wieder erkannt worden und zu Ehren gekommen, als vor nunmehr 100 Jahren der junge Wolfgang Göthe als Student die Stadt betrat. Deutschlands größter Dichter hat im Elsaß, im damals noch fast rein- deutschen Elsaß unvergängliche Erinnerungen geschöpft und hat eine derselben zum
Berlin, 1. April. Die Angelegenheit wegen Ermäßigung des Portos für die Corresponvenzkarten ist am 29. d. vom BundeSrathe dem betrlffenden Ausschüsse zur Dorberathung überwiesen worden. Dieser wird schon heute Bericht erstattet haben und auch heute schon das Plenum darüber berathen. Außer der Ermäßigung des Portos für die Corresponvenzkarten wird auch beabsichtigt, denselben ein handlicheres Format zu geben.
Die Diskussionen bet der ersten Berathung des Militärg'setzes haben zu Erörterungen geführt, ob die Strafe des strengen Arrestes nachtheilige Folgen für vie Sehkraft und für die Gesundheit im Allgemeinen habe und ob Fälle zu con- statiren seien, in denen Mannschaften lediglich in Folge der Verbüßung „strengen Arrestes" Ausnahme im Lazareth hätten finden müssen. Das Kriegsministerium, Abtheilung für Armee-Angelegenheiten, hat sich, wie der „K. Z." a^s Thüringen berichtet wird, veranlaßt gesehen, in Gemeinschaft mit der Abtheilung für Medt- cinalwesen in eingehendster Weise Material zu sammeln und die Gutachten der Truppen - Oberärzte und sämmtlicher Compagnie-, Escadron- und Batteriechefs, als derjenigen Offiziere, welche den Mannschaften am nächsten stehen, eingefordert.
Deutschland.
Berlin, 1. Ma'. Dir am 28. v. M. vom Kaiser vollzogene StistungS- urkunke der Univcrsität Straßburg ist in künstlerischer Ausstattung und mit dem großen Siegel versehen am 29. nach Straßburg abgegangen. Gleichzeitig ist, wie der „Rchsanz." meldet, die Elnennung des ersten Rectors der Universiiat durch S. M. erfolgt. Die „D. RchS.-Corr." erfährt, daß die Wahl des Kaisers für diesen Posten auf den Professor der Theologie Dr. Bruch gefallen ist. Dieselbe Corresponvcnz meldet auch, daß das Schreiben, weiches der Präsident des Reichstages Namens dieser Körperschaft zur Eröffnungsfeier der Universität Straßburg am 29. abgesendet hat, sich fern von jeder Politik hält und einfach die Glückwünsche des Reichstages zu dem bedeutungsvollen Ereigniß Varbringt.
volle Ernte beschieden sein.
Bonn, den 25. April 1872.
Rector und Senat der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Unlversttät. An die Kaiserliche Universität zu Straßburg.
Straßburg, 1. Mai. Nach einer Ouvertüre „Zur Weihe des Hauses" hielt der Oberpräsident v. Möller eine kurze Ansprache und verlas die Stiftungsurkunde, die er dem Rcctor Bruch überreichte. Dann verlas der Oberpräsident ein Begrüßungstelegramm des Kronprinzen und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Rector Bruch dankte in warmen Worten dem Kaiser, dem Reichskanzler, dem Oberpräsioentcn, Hrn. v. Roggenbach, dem Maire und der Stadt und verlas oann eine Begrüßungsadrrsse des Präsidiums des deutschen Reichstags. Nach Absingung des Chors: „Die Himmel erzählen" rc. begann Professor Springer die Festrede. Nach Schluß derselben erfolgte die Ansprache der drei Vertreter der auswärtigen Deputationen, worauf der Rcctor Bruch nochmals eine kurze Ansprache hielt. Der Festsaal war von Theilnehmern dicht gefüllt.
Straßburg, 2. Beim Festdiner toastirte der Gouverneur der Festung, Hartmann, auf den Kaiser, der Oberpräsident v. Möller auf die Universität, Präsident Braun (Bayern) auf Fürst Bismarck, Rector Bruch auf Roggenbach, dieser auf bas Reichsland. Graf Türkheim-Beaumartin antwortete in sehr beutschge- sinnter Rede, Professor Renaud brachte den letzten osficiellen Toast auf Straßburg aus. Den osficiellen folgten mehrere nicht osficielle Toaste. An den Kaiser und Hürst Bismarck wurden Telegramme gerichtet. Das Fest verlief in sehr würdiger Weise. Seitens des elsässischen Publikums fand eine achtungsvolle Bctheiligung statt. Die Beleuchtung des Münsters war eine sehr gelungene.
Italien.
Neapel, 1. Mal, Morgens 1 Uhr. Das Auswerfen von Asche und Schlacken- stücken aus dem Krater des Vesuvs hat nachgelassen und scheint dem Ende nahe. In einiaen Ortschaften hat die Bevölkerung die Arbeit wieder ausgenommen.
Neapel, 1. Mai. Professor Palmieri, der auf dem Observatorium des Vesuv zurückgeblieben und von der Lava eingeschlossen ist, telegraphirt von dort, daß der Ausbruch nachläßt. Die ausgeworfenen Steinmassen erreichten nur noch die Höhe von 500 Metern. Das Donnern hat fast aufgehört; dec Rauch vermindert sich, die Erdstöße sind noch häufig, aber nicht mehr gefährlich. Der Aschenregen läßt nach und der Ausbruch scheint zu Ende zu gehen. In einigen Dörfern haben die Bewohner die Arbeit wieder begonnen.
Türkei.
Die am 3. April durch ein Erdbebcu zum großen Theile zerstörte Stadt Antiochia in Syrien ist am l l. April durch einen neuen fürchterlich.'» Skvß voll- üändig in Trümmer geworfen worden. Im Jahre 1822 hatte ein gleiches Ratur- ereigniß sie schwer betroffen.
Amerika.
Nach den mit der westindischen Post eintreffenden Berichten aus Mexico batte sich die Armee der Aufständischen nach ihren verschiedenen Niederlagen in Räuberbanden aufgelöst, welche der Regierung nicht viel weniger Arbeit machten, als eine reguläre Militärmacht. Zwischen Mexico und Puebla waren mehrere Güterzüge angehalten und geplündert worben. Doch hofft man, daß die siegreiche Armee bei ihrer Rückkehr aus dem Norden im Stande sein wird, die Marodeure gründlich zu züchtigem
Bonn, 29. April. Die Adresse, welche bet der Eröffnungsfeier der Straß- burger Universität im Namen unserer Universität von deren Deputirten überreicht werden wird, hat folgenden Wortlaut:
Der Schwester-Universität Straßburg bringen zu ihrem Wiegenfeste Rector vww... __ ____u ......... und Senat der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universttät zu Bonn ihre aufrtch-
Es ist dieser ÄufrrstehungStag des ersten Mat ein ernster Tag für die Man- tigen und herzlichrn Glückwünsche dar, in dem Bewußtsein, daß beide Hochschulen auch aus dem elsässischen, berufen worden Dur$ stärksten Bande mit einander verknüpft sind. Beide sind gleichen Ur- sprunges und gleiche Ziele sind ihnen gesetzt. Die Universität Bonn bildet ein Denkmal der Befreiung unsercS Volkes von der Napoleonischen Gewaltherrschaft, und es ward idr die Aufgabe, den wiedergewonnenen Rheinlanden die Fackel deutscher Wissenschaft voranzutragen. Die wiedergeborene Universität Straßburg ist ein Denkmal der Einigung des gesammten deutschen Volkes unter seinem Kaiser und der Wiedergeburt des deutschen Reiches, das köstliche Angebinde für die in glorreichem Kriege wiedererrungenen Reichslande Elsaß und Lothringen. Ihre Ausgabe ist, das angestammte deutsche Wesen mit frischem Athemzuge zu durchbringen und die während langer Trennung und entfremdeten Gemüther durch geistige Zucht und wissenschaftliche Pfl ge wieder unser zu machen. Es ist eine ernste, schwierige Arbeit, zu welcher die Lehrer der neu erstehenden Hochschule sich vie Hände reichen. Aber der treuen Hingebung ist der Lohn gewiß, und der Hinblick auf die ehrwürdigen Denkmale deutscher Art und Kunst, auf die hohe Bedeutung, welche Straßburg für die Entwicklung des deutschen Geisteslebens im Laufe von Jahrhunderten bis in Göthe's Lebensjahre behauptet hat, wird be- geisternd und erhebend auf die Meister wie auf die Jünger der Wissenschaft wirken. Ganz Deutschland schaut mit Vertrauen und Hoffnung auf das neu beginnende Werk. Möge Gottes Segen cs begleiten und der frischen Aussaat eine reiche,


