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Preis vierteljährig 1 st- 12 fr. mit Brtngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 ft. 27 kr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags, a |

Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kietzen.

Nr. sol Samstag den 3. Februar W72.

/ittf werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch bei allen Post-

ioqicuungcn Hilf oen ^Nlepener <iNzeiger. Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate Februar und März zu 40 kr.

Brodpreise vom 3. bis 9* Februar 1872,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

2 Kilo gemischtes Brod 22 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 11 fr. 2 Kilo Roggenbrod 19 kr. 1 Kilo Roggenbrod 9y2 kr.

Deutschland.

Berlin, 30. Jan. Der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses hatte man mit gespannter Erwartung entgegengcsehen und die Tribünen waren unge­wöhnlich gefüllt. Den Nebeln, welche die Interpellation zur Sprache brachte, ist gründlich nur abzuhelfen durch Beseitigung des ganzen Instituts der Beschlag­nahmen, wie der Abg. Braun das heute aussprach. Bezüglich der Verhandlungen zum CuliuS-Etat wurden alle Erwartungen übertroffen durch das durchaus un­verhoffte Eingreifen des Minister - Präsidenten Fürsten Bismarck in die Debatte. Die heutige Auseinandcrsttzung zwischen ihm und dem Centrum, zu welcher eine sehr aufreizende Klage des Abg. Windthorst über Mangel anParität" in Preußen ihn veranlaßte, laßt an Klarheit und Unzweideutigkeit nichts zu wünschen übrig ; die Ultramontanen wissen nun jedenfalls, woran sie sind. Bismarck trägt für sie Frieden oder Krieg in seiner Toga; sie können wählen. Auch Herr Falk gab ein sehr einfaches und unzweideutiges Programm; er konnte sich glänzender kaum in die neue Amtstätigkeit einführen, als er es mit feiner rortrefftichen Rebe that, in welcher er sich als Beschützer der staatlichen Rechte, unabhängig von jeder Rück­sicht auf Bekenntniß, aussprach. Damit eroberte sich derselbe die vollen Sym- pathiern des Hauses; eine solche unparteiische und unbefangene Sprache im Munde des CultuS-MinisterS war ungewohnt geworden in Preußen. (Wir werden die Rede Bisrnarck's in einer späteren Nummer ausführlich bringen. D. R.)

Berlin, 31. Jan. Durch allerhöchste Cabinetsordre Sr. Maj. des Kaisers und Königs ist angeordnet worden, daß die gesamwte FestungSartiverie mit In- santeriegcwehren bewaffnet und mit den entsprechenden AuSrüstungSgegenstanden versehen werden soll. Demzufolge ist mit der Ausrüstung dieser Truppe mit Zünd- nadelgewehren begonnen worden.

Berlin, 1. Febr. Die DarmstädterAllg. Mil.-Ztg." enthält über die Uebernahme des großherzoglichen hessischen OfficiercorpS in den Verband der preußi- fchen Armee einen Artikel, dessen Schlußsatz lautet:Schließlich darf angeführt werden, daß die preußische Anciennetätsliste als genügender Beleg dafür gelten kann, daß die Einrangirung der hessischen Officiere im großen Ganzen mit all jener Rücksicht und Genauigkeit erfolgt ist, welches jeden Zweifel über die thun- lichste Berücksichtigung bestehender Verhältnisse und persönlicher Interessen be­

seitigt."

Würzburg, 31. Jan. Auf eine Darstellung derNeuen Würzb. Ztg." über die hier vorgekommenen Excesse erhält das genannte Blatt eine amtliche Be­richtigung, der wir Folgendes entnehmen:

Richtig ist, daß von einem Polizeisolbaten, der zwei Jahre im Dienste des Stadtmagistrates steht und bis in die alleijüngste Zeit in Bezug auf sein dienst­liches Verhalten einen Anlaß zu Klagen nicht gab, in der Nacht vom 25. auf den 26. !. M. in höchst bedauerlicher Weise ein schwerer Gewaltmißbrauch gegen zwei wegen Straßenunfugs durch Wegnahme einer Firma und Schlagen an Läden vorgeführte Studirende der Hochschule begangen wurde. Die hierüber von den Polizeiorganen selbst erstattete Anzeige wurde vom Stavtmagistrat sogleich der Staatsanwaltschaft zur zuständigen Einschreitung abgegeben, der betreffende Polizei- soldat aber sofort vom Dienste suspendirt und durch Beschluß vom Heutigen seines Dienstes entlassen. Was dagegen die Behauptung betrifft, es sei die polizeiliche Einschreitung in der Nacht vom 25. auf den 26. l. M. ohne alle Veranlassung erfolgt, so ist zu bemerken, baß nach den aus inneren Gründen nicht zu bezwei­felnden Angaben der Polizeimannfchaft bei dem Vorfälle in der Nähe des Hahnen- Hofes eine von etlichen 20 Stuvirenden verübte fortgesetzte Ruhestörung und thät- licher Angriff auf die Polizeimannschaft deren Einschreiten veranlaßt hat. Die über die Vorgänge im Jourzimmer in dem Eingangs bezeichneten Artikel enthal­tenen Angaben wurden von dem dem Magistrate als durchaus verlässig bekannten Jourhabenden auf das Bestimmteste in Abrede gestellt. Durchaus unwahr ist die Behauptung, man habe den Stuvirenden Leitschuh 11/2 Stunden im Polizei­gebäude in seinem Blute liegen lassen. Der genannte Studirende wurde vielmehr sofort nach seiner Verwundung auf das im Jourzimmer befindliche Ruhebett ver­bracht, demselben während seiner Anwesenheit dortselbst von einem Polizeisoldaten, der früher längere Zeit Krankenwärter war, unausgesetzt Wafferüberschläge ge­macht und derselbe mit aller Aufmerksamkeit behandelt. Wiederholt wurde dem ic. Leitschuh vom Jourhabenden angerathen, er möge sich in das Spital ver­bringen lassen, was derselbe jedoch ablehnte. Schließlich erklärte derselbe, er wolle mit dem Stuvirenden Schafsteck in seine Wohnung gehen, worauf sich Beide, unter Ablehnung der ihnen angebotenen Begleitung, aus dem Jourzimmer ent­fernten. Bezüglich des angeblichen Gebrauches scharfgeschliffener Säbel wird be- merkt, daß die sämmtlichen Säbel der Mannschaft, mit Ausnahme eines an das

Gericht abgegebenen, bei welchem diese Untersuchung nicht möglich war, untersucht wurden, und sich hierbei ergeben hat, daß nicht cm einziger Säbel in der letzten Zeit scharf geschliffen wurde, sich vielmehr sämmtliche Säbel noch in dem näm­lichen Zustande befanden, in dem solche von dem Schwertfeger an den Stadt­magistrat abgeliefert wurden. Die Behauptung endlich, daß jeder Polizeisoldat vor 10 Tagen vom Stadtmagistrate einen Todtschläger eingehändigt erhielt, ist gleichfalls nicht richtig. Mit Rücksicht auf die vor mehreren Wochen stattgesunde- nen Raubanfälle in hiesiger Stadt wurde die Verrichtung dcS Sicherheitsdienstes zu bestimmten Stunden der Nacht durch Polizeimannschaft in Civilkleidung ange- ordnct und wurden an die für diesen Dienst bestimmten Polizeisoldaten, welche als CinzUpostkn auf entlegenen Plä'tzcn den Sicherheitsdienst zu versehen haben, lediglich zu ihrem persönlichen Schutze Todtschläger abgegeben, wie dies bei den in anderen Städten bestehenden Schutzmannschaften auch der Fall ist."

Abgesehen von einigen wenigen thatsächlich berichtigenden Angaben und meh­reren Behauptungen, welche stärkeren Beweises bedürfcn, als die eigenen Angaben der SicherheitS-Organe, läßt die amtliche Kundgebung des Würzburger Magistrats mindestens einen Punkt bestehen, der für die dortigen VerwaltungSgrundsätzc gra- virlich ist, der nämlich, daß ein höchst übel beleumundetes und schon mehrfach bestraftes Subject fortwährend polizeiliche Functionen ausübt, weilsein dienst­liches Verhalten einen Anlaß zu Klagen nicht gab". Des Weiteren übergeht die amtliche Berichtigung mit bezeichnendem Schweigen den Umstand, daß die Todt­schläger, welchebloß in Civil verkleideten, auf entlegenen Posten vereinzelten" Polizeimannschaften gegeben worden sind, sich im Besitze der uniformirten Poli­zisten in der belebten inneren Stadt befanden und von diesen nicht zu ihrer eige­nen Sicherheit, sondern zur Vergewaltigung wehrloser Studenten verwendet wor­den sind. Wie dieHoffm. Corr." meldet, soll übrigens von der Würzburger Stadtbehörde für ferner vorkommende Fälle militärische Hülfe requirirt wor­den sein.

Oesterreich.

Wien, 30. Januar. Aus Linz meldet dieN. Fr. Pr.", baß die Unter­suchung gegen Pater Gabriel eingestellt worden. Dasselbe Blatt aus Constan- tinopel: Kianly Pascha wurde Justizminister, Sami Pascha Marineminister, Mu­stafa Pascha Großmeister der Artillerie. Weitere Aenderungen im Ministerium sind bevorstehend.

Frankreich.

Versailles, 1. Febr. Der Finanzminister hat gestern an die deutsche Re­gierung 80 Millionen abgcsührt.

England.

London, 2. Febr. DieDaily News" schreibt: Die Regierung hat die feste Absicht, die soso tige und eingehende Revision des Washingtoner Vertrags zu verlangen.

Spanien.

Madrid, 1. Febr. Die in Barcelona durch die Wiederherstellung der Ver­brauchssteuer verursachte Bewegung ist zu Ende. Dieselbe ist nie von Bedeutung gewesen. In den Philippinen bemächtigten sich am 20. Dec. v. I. 200 ein­heimische Soldaten des Forts S. Felipe zu Cavite. Die Festung wurde rasch von den Truppen eingenommen. Die Bestrafung der Schuldigen ist hart und energisch gewesen. Der Generalcapitän steht für Die Ruhe. Sonstige Nachrichten über andere Ruhestörungen sind durchaus unbegründet.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 2. Februar. Damit die Hausse nicht zur Epidemie werde, sorgt das Schicksal mitunter für ein Purgirmittel, und sei es auch nur in Gewalt von pessimistischen Zeitungsauslassungen. So kam gestern Abend eine Depesche, wonach englische Zeitungen die Lösung der Alabama-Frage für schwierig halten und siehe da die Cour s c fingen an, Purzel­bäume zu schlagen. Dazu noch die Nachricht von Zwangsverkäufcn in Berlin, was brauchte es mehr um die ohnedies auf so ungewisser Basis stehende Speculation aus der Fassung zu bringen. Freilich dauerte die Constcrnation nicht lange, und heute schon erholten sich die Course wieder.Der Bien muß!" sagt der Russe, unddie Hausse muß!" sagt der Boursier. Ergo gingen die Speculationspapiere, nachdem sie gestern Abend nicht unbedeutende Einbußen erlitten, wieder wacker in die Höhe: Creditactien 358 nach 355/2, Staatsbahn 420 nach 419, Bank­aktien 894 nach 890, und Lombarden 22674 nach 224. Doch waren die Umsätze mit Ausnahme des letzteren Effects nicht besonders umfangreich. Silbcrrente ziemlich lebhaft und mit 64 ge­handelt , also 74 % besser als gestern Abend. In Nebenpapicren weniger Geschäft wie dann überhaupt nach solchen Anstößen nach unten das Geschäft gleich stiller wird. Von österreichischen