Deutschland.
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ch d„ Mann der Situation; das ist eine,len jetzt von oben eingeschritten wirv. In einzelnen Mädchenschule», so tautet
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Berlin, 31. Oct. Durch den Kampf, welchen die Regierung letzt gegen das Herrenhaus führt, ist dem öffentlichen Interesse der zwischen dem Staat und der katholischen Kirche schwebende Streit etwas entrückt woiden. Die Waffen, deren sich der Staat bedient, sind bekanntlich in Gesetzen zu suchen, deren Vorlage bevorsteht. Doch scheint die Regierung es nicht zu verschmähen, sich anderer Waffen zu bedienen, welche den Feind zwar nicht Niederschlagen, aber immerhin unangenehm berühren. So deutet eine Circularverfügung des Oberprasidlums der Provinz Schlesien an, daß durch die PtterSpfennigsammlungen tn den Schn-
hintertreiben.
Das Streben der Radikalen geht dahin, auf legalem Wege sich der Herr- schäft zu bemächtigen. Als einziges Mittel, um ihr Ziel ohne Revolution zu er» -eichen, betrachten sie die Ernennung Gambetta’s zum Dtcepräsidenten. Hätten Die Radikalen Aussicht, der Versailler Versammlung diese Ernennung abzuzwingen, so würde auch ihr Widerstand gegen das Programm des „Bien publik" vielleicht aufhören.
Frankreich steht jedenfalls vor einem Entscheidungskampf, dessen Ausgang sich um so weniger Vorhersagen läßt, da Niemand weiß, welchen Entschluß Thiers im kritischen Augenblick fassen wird. ThierS ist der Mann der Aus- kunftsmittel, aber nicht der festen Entschlüsse. Heut tritt er für die Ver- sammlung ein; morgen läßt er sich durch irgend einen Zwischenfall wieder nach Links drängen. Licht und Ordnung in bas Chaos zu bringen, dazu ist er nicht der Mann.
gestatten würden. Thiers ist eben no
Thatsache, die alle Parteien anerkennen müssen: seine Präsidentschaft steht für jetzt noch ganz außerhalb beS Parteikampfes. Von viellkicht entscheidender Be- Deutung für die Zukunft ist dagegen die Frage, wer Herrn ThierS als Vicepräsident an die Seite gestellt und damit als sein Nachfolger, wenn auch zunächst nur für Die Zeit des Provisoriums, welches einer etwaigen plötzlichen Erledigung des Präsidentenseffels folgen würde, designirt werden soll.
Es ist einleuchtend, daß bei dem hohen Alter des Herrn ThierS die Wahl Des Vicepräsidenren eil Act von ganz eminenter Bedeutung ist. Wer von der Majorität für dies Amt tn Aussicht genommen ist, darüber schwanken noch die Mittheilungen. Wahrscheinlich dürfte die Wahl auf Grevy oder Casimir Perier fallen. Jedenfalls aber ist Gambetta überzeugt, daß sie nicht auf ihn fallen wird. Und das ist der Hauptgrund, weshalb die Radikalen Alles daran setzen werden, um die Constituirung der Republik durch die Versailler Versammlung zu
Französische Constitutionsentwürfe. :
ES handelt sich in Frankreich nicht blos um die Frage: wie soll der Staat constituirt werden? sondern auch: wer soll ihn constituiren? und grade letztere Frage ist ganz besonders dazu angethan, um die Leidenschaften auf S Aeußerste zu erhitzen. Das Interesse an Grundsätzen und Verfaffungstheorien ist i «einer ( achtzigjährigen Periode des Wechsels und der beständigen Veränderung erschöpft; die Bedeutung der Personenfragen ist in gleichem Maße gesti.gen. Gegenwärtig ist die Republik eine Thatsache, die in dem jetzigen Stadium der Entwicklung Niemand auch nur den Gedanken fassen kann, rückgängig zu machen. Die Frage ist nur: soll die Republik einen konservativen oder radikalen Charakter tragen. Aber bet der Neigung, überall das persönliche Element in den Vordergrund treten zu lassen, faßt man allgemein diese Frage so: soll die Republik ThierS oder die Republik Gambetta das endgültige Resultat der gegenwärtigen Bewegung fein < — oder, noch persönlicher gesatzl: soll Gambetta der deflgnirte Nachfolger de« Herrn Thier« «erben, dessen Herrschaft für den Augenblick alle Parteien al» eine Nothwenviglelt dulden, in die man sich fügen muß. .
So wird also, im schneidenden Gegensatz gegen das republikanische Prmcip, für daS man sich einbildet, begeistert z» sein, schon die Frage nach dem Was zu einer Personenfrage, während die Institutionen der Republik von der Presse nur im Vorübergehen anstandshalber diScutirt werden. Wie das Derfaffungsibeal der Gambettisten beschaffen ist, davon hat man bis jetzt noch sehr wenig erfahren. Nur darüber herrscht fein Zweifel, daß sie unter der radikalen, oder, wie sie lieber sagen, unter der wahren Republik eine solche verstehen, an deren Spitze Gambetta steht; dem Namen nach als Präsident, in der That als Diktator. Denn das fühlt man sehr wohl, daß es einer eisernen Hand bedarf, um die wider einander ringenden elementaren Kräfte im Zaum zu halten. c
Hier kommt nun aber sofort die Frage nach dem Wie, d. h. nach den zur Gründung der Republik berufenen Persönlichkeiten ins Spiel. Denn da die gegen, wärtige Nationalversammlung, wenn sie sich auch unter dem Druck der Verhältnisse in Diesem Augenblik wohl für die definitive Constituirung der Republik entscheiden möchte, doch jedenfalls in ihrer überwiegenden Mehrheit von Gambetta Nichts wissen will, ihn vielmehr mit dem glühendsten Haffe verfolgt, so ist es bet den Gambettisten unumstößlicher Glaubenssatz, daß die Versailler Versammlung für jede constituirende Tätigkeit absolut unfähig ist, daß sie sobald als möglich beseitigt werden muß, und daß die Organisation der Republik einer neu zu wählen- Den constituirenden Versammlung anzuvertrauen ist. Aus Neuwahlen hofft man __ vielleicht voreilig — eine entschieden radikale Versammlung hervorgehen zu sehen, die vor Allem dafür Sorge tragen würde, Herrn Gambetta die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten, wenn auch vielleicht zunächst nur als Adjutanten des nominellen Präsidenten, in die Hände zu legen. Die neuerdings vollzogenen Neu- wählen scheinen den Radikalen von guter Vorbedeutung zu sein und in der Thal scheint ja aus ihnen hervorzugehen, daß in diesem Augenblick die radikale Strömung in Frankreich überwiegend ist, woraus allerdings noch keineswegs folgt, daß tn Drei Monaten noch dieselbe Stimmung hervorgehen wird.
Der ganze innere Conslict hat sich also seit Jahresfrist immer bestimmter i» einem Entscheidungskampfe zwischen der radikalen Partei und der Versailler Nationalversammlung zugespitzt. Der Radikalismus betrachtet es, und von feinem Standpunkt aus mit Recht, als seine wichtigste und nächste Ausgabe, den Versaillern Die Constituirung des Staates aus der Hand zu winden. Die Furcht, daß die Versailler die Monarchie wiederherstellen könnten, ist allerdings geschwunden. Sie habe« durch ihre eigene Unfähigkeit und Uneinigkeit die alte wie die orleanistt che Monarchie fürs erste unmöglich gemacht und die napoleonische Agitation wirkt aanz außerhalb der osficiellen Sphäre. Die Nationalversammlung muß sich für die Republik entscheiden, weil sie sich nicht für die Monarchie entscheiden kann. Aoer eben so gewiß ist es, daß sie Alles, was in ihren Kräften steht, thun wird, um Dem Emporkommen Gambetta's ein Hinderniß in den Weg zu werfen. Daher Denn die Agitation Gambetta's gegen die Republikaner der letzten Stunde, das Element, das er, feit die monarchischen Bestrebungen sich in ihrer Fruchtlosigkeit
ju ^lieben. Trotz der mündlichen Aeußerungen des Kaisers und
trotz der noch verständlicheren Drohungen der offikiösen Presse verharrt das Herrenhaus in feiner Opposition. Das Schicksal der Kreisordnungs- Vorlage ist entschieden. Die Regierung ist nach Den Angaben hiesiger Correspondenten aus- »artiger Blätter auf zwei Fälle vorbereitet: Lehnt das Herrenhaus die Kreis- ordnung im Ganzen ab, so erfolgt der Schluß der Session und findet in Der kurzen Pause bis zur Eröffnung der neuen der Pairsschub statt, worauf die Kreis- ordnung dann als neue Vorlage Den Weg durch beide Häuser zu machen hatte. Wird die Vorlage dagegen, wenn auch bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt, angenommen, so daß sie in das Abgeordnetenhaus zurückgeht, so wird die Ernennung der neuen HerrenhauS-Mitglieder erfolgen, während das Abgeordnetenhaus feine Beschlüsse wiederherstellt, und das Herrenhaus in der neuen Gestalt wird diese
enthüllt haben, ausschließlich fürchtet.
Die Gambettisten sind aber keineswegs sicher, ihr Ziel zu erreichen, wenn es ihnen nicht gelingt, ThierS auf ihre Seite zu ziehen oder zu beseitigen. Letzteres gelingt ihnen nicht, da sie durch jeden Angriff gegen ThierS bisher immer nur Den Confervativen in die Hände gearbeitet haben. Es handelt sich also darum, ihn zu gewinnen. Dazu war allerdings die Aussicht sehr günstig, so lange die Majorität in ihren monarchischen Jntriguen verharrte. Seit aber das rechte Centrum dem linken sich genähert hat, sieht ThierS die Verhältnisse natürlich von einem ganz anderen Gesichtspunkte aus an. Bietet sich ihm die Möglichkeit, aus Den mittleren Parteien eine Majorität zu bilden, die sich ganz seinen Plänen zur Verfügung stellt, weshalb sollte er eine Agitation begünstigen, aus der möglicher- weise eine Versammlung hervorgehen könnte, die nicht auf die Republik ThierS, sondern auf Gambetta schwört? ,
Es wäre daher durchaus nicht zu verwundern, wenn ThierS grade tn der gegenwärtigen Versammlung eine Stütze gegen Gambetta suchte. Und wie es scheint, hat er wirklich den Entschluß gefaßt - wie lange er Dabet verharren »ird, muß freilich Dahingestellt bleiben — mit Der definitiven Constituirung der Republik sofort vorzugehen. DaS „Bien public" bezeichnet als die dringendsten Fragen, Die sofort nach Der Budgetberathung von Der Nationalversammlung zu erledigen sein würden: die definitive Constituirung der Republik, die Ernennung ThierS zum Präsidenten der Republik auf vier oder fünf Jahre mit gleichzeitiger Er- flärung seiner Wiederwählbarkeit, die Ernennung eines Vicepräsidenten der Republik, Die Errichtung einer zweiten Kammer, ein Wahlgesetz, welches das Wahlrecht an ein Lebensalter von 25 Jahren knüpft. Daß das „Bien publik" hier daS Programm des Präsidenten selbst aufstellt, ist wohl nicht zu bezweifeln.
Daß Die gambettistischen Journale Die« Programm auf’« Heftigste angreifen würden, ließ sich erwarten. Von Der ziemlich überflüssigen und voraussichtlich wirkungslosen Beschränkung des Wahlrechts abgesehen, ist in Den Augen Der Radikalen offenbar der Grundfehler des Programms das Verlangen, daß die gegenwärtige Versammlung überhaupt mit constituirenden Arbeiten behelligt werden soll. ES ist möglich, ja wahrscheinlich, daß auch eine neue Versammlung Herrn Thier« die Präsidentschaft übertragen würde, da die Beziehungen zu Deutschland eine sofortige Uebertragung Der höchsten Gewalt in Die Hande Gambetta's kaum
Berlin, 30. Oct. Wie wir au« einem Schreiben des Bischofs Crementz an das in Gent erscheinende ultramontane „Bien Public" ersehen, haben Die belgischen „Katholiken" das Bespiel, welches ihnen die französischen bezüglich des „Bischofs von Gens" gegeben haben, nachgeahmt und Sammlungen für Den Bischof von Ermeland veranstaltet. In einem vom 23. October Datirten Sch reihen an das „Bien Public" spricht Der Bischof von Ermeland seinen Dank für Die Geldspendungen und seine Freude über „diese Offenbarung der Einheit, Der Liebe und des Glaubens aus, welche alle Glieder der göttlichen Kirche verbindet." „Aber, weil ich hoffe", fährt der Bischof fort, „daß die Maßregeln, welche Die bürgerliche Gewalt gegen mich ergriffen hat und welche allgemein ($.) als mit Den Gesetzen des Landes im Widerspruch stehend beurteilt werden, von Den Gerichten nicht anerkannt werden, so bitte ich Sie, da ein unmittelbares Bedürsniß nicht vorhanden ist, die Gaben, welche Sie für meine Diocese gefam* melt haben, vorläufig zu reserviren. Sollte meine Erwartung getäuscht und ich Durch die Noth gezwungen werden, so würden die belgischen Katholiken sich ohne Zweifel geehrt fühlen, wenn ich über die Opfer ihrer Freigebigkeit verfügte.
Berlin, 31. Oct. Herrenhaus. Graf Brühl erklärt, Die Mittheilung Der Presse über seine Unterredung mit Dem Kaiser sei im Wesentlichen richtig, aber , unvollständig. Darauf wird der Rest Der Kreisordnungs-Dorlage fast Debatten- > los nach Den Commisstonsvorschlägen angenommen. Vor Der Schlußabstlmmung > erklärt der Minister des Innern, Graf Eulenburg: Wenn Das Herrenhaus Die Vorlage gänzlich ablehnt, so würde das Ministerium unter anderen Verhältnissen leine Demifston einreichen. Unter den obwaltenden Umständen stehe das Mmt- stcrium naeon ab. Denn da« neue Mimst-rium würbe ganz bieselbe Aus,ab- vor sich haben. Die Ueberzeugung des Kaisers von der unabweislichen Nothwendig- feit des Zustandekommens einer Kreisordnung auf Den Principien De« RegierungS- entwurf« fei unverändert. Im Falle der Ablehnung Der Vorlage werde da« Ministerium die Session sofort schließen und eine neue einberufen, der als erpe Vorlage Die Kreisordnung zugehen soll. Das Ministerium werde die verfassungsmäßigen Mittel anwenben, die Vorlage alsdann zum Gesetz werden zu lassen. Kleist Retzow erklärt, das Interesse des Lande« stände rhm über Dem Ministerium, oeßhalb würden er und (eine Freunde gegen Die Vorlage stimmen. Auch Graf Münster und Haffeibach erklären, gegen Die Vorlage zu stlmmen, w"l dieselbe Durch Die Commissions-Anträge verstümmelt sei. In namentlicher Abstimmung wurde Darauf Die Vorlage mit 145 gegen 18 Stimmen abgelehnt.
Berlin, 31. October. Der Schluß de« Landtag« erfolgt morgen Nachmittag 2 Uhr in gemeinsamer Sitzung der beiden Häuser im Saale ^^orDnetcn- hauses mittelst königlicher Botschaft, welche Den stellvertretenden Dorsitzenden DeS LtaatSministeriumS, General v. Roon, ermächtigt, Die gegenwärtige LanDtagSfefston


