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5049) Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leih­kasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:

matten. (Heiterkeit.) Die Vertheidigung der Vorlage vom Bunde-rathstischc sei nicht von einem Minister, sondern von einem Parteimanne geführt. Wenn cs in Bayern brenne, so lösche man doch in Bayern und lasse uns in Ruhe. (Heiter- keit.) Die katholische Kirche erstrebe keine Herrschaft über den Staat, ste wolle nur Herr snn im eigenen Hause. Sr. Excellenz der Herr Minister v. Lutz haben gesagt, sie hätten noch viel Material. Wohlan Excellenz, produciren Sie! (Heiter­keit.) Mit Feuer und Schwert könne man vielleicht versuchen, die katholische Kirche auszurottcn, aber er sage: werfe man dieselbe in die Katakomben und man werde sehen, daß sie siegreich daraus hervorgehe. (Bravo im Eentrum.) Der Antrag sei ein Angriff auf die katholische wie die protestantische Geistlichkeit. In den Kämpfen an der Loire hätten nicht die Liberalen gesiegt, sondern die Ultramon- tancn (große Heiterkeit), weil die Mehrzahl der bayerischen Soldaten ultramontan sei. (Lachen.) Redner bezeichnet die Vorlage als einenUnsinn" und wird da­für vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. (Beifall.) Der Redner empfiehlt schließlich seine Anträge.

Abg. v. Ksrdorff behauptet ebenfalls, daß die ultramontane Partei sich außerhalb des Staates gestellt habe, dies beweise ihre Verbindung mit den Steuer. Verweigerern, mit Jacobi und den Anhängern des Welfenthums in Hannover, sowie ihre Bestrebungen gegen die Einigkeit Deutschlands. Die Vorlage setze derartigen Bestrebungen einen Damm entgegen.

Dr. Meyer (Thorn) tritt der Annahme entgegen, als schaffe die Vorlage rin Ausnahmegesetz gegen die Geistlichkeit, und belegt dies mit längeren juristischen Ausführungen. Es sei ein großes historisches Ereigniß, diese Strafbestimmung zu erlassen, dieselbe Regierung, welche vor 200 Jahren T'lly und seine Schaaren nach dem Norden schickte, um die Freiheit zu unterdrücken, für wclche der Abg. v. Ketteler so warme Anerkennung hatte. Es sei dadurch entschieden, in welcher Richtung das Reich sich verhalten wolle gegenüber gewissen hier gekennzeichneten Bestrebungen. (Lebhafter Beifall.)

Graf Kleist für die Vorlage.

Minister v. Lutz (Bayern) will nicht in den Ton der Spässe und persönlichen Angriffe einfallen, der hier angeschlagen, sondern nur einzelne Beweise für seine früheren Behauptungen erbringen. Es stänvcn ihm eine Fülle von Stellen aus der Literatur zu Gebote, er wolle aber nur darauf Hinweisen, daß cs in einer dem jüngsten Conci! gemachten Vorlage heißt: die Kirche stehe hoch über dem Staat, sie habe dre oberste Gewalt, sie habe darüber zu entscheiden, was die Fürsten um die öffentlichen Angelegenheiten zu thun und zu lassen haben. (Hört!) Der Bischof von Passau habe ihm (Redner) ausdrücklich erklärt, die Kirche werte immer nach der Herrschaft im Staate streben, nachdem mit dem Absolutismus und dem ConstitutionaliemuS nichts mehr anzufang-n lei, werde cs die Kirche mit der Demokratie versuchen und sich mit den Massen verbinden.

Nachdem noch Dr. N egoleIski (Polen) gegen die Vorlage g'sprochen, wird dieselbe nach einigen redaktionellen Aendcrungen in namentlicher Abstimmung mit 479 gegen 108 Stimmen angenommen.

Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Montag 10 Uhr.

©regor ebenfalls einige wuchtige Hiebe auf das Bein. Der Vater und fein Sohn Joseph erstat- teten von dem scandalofen Benehmen Gregor'S der Stadlbehörde die Anzeige, welche sofort die J!? u"b ten Beklagten rufen ließ und nach erfolgtem Verhör Letzteren detenirte. Der im ^tadthsuse unter Bewachung stehende Gregor bat am 14. d., Morgens um 5 Uhr, den Wächter um bte Erlanbniß, auf den Flur hinauSgehen zu dürfen. Dies wurde ihm gestattet. AIS er aber längere Zeit nicht zurückkehrte, gewahrte der Wächter, daß er entflohen fei. Gregor war erst zu seiner Gattin geeilt, die am 12. d. aus dem Haufe ihres Gatten in da« ihrer Eltern überaefübelt von seiner Gattin 2 fl., intern er vorgab, daß er heute zum Stuhlrichterarnte

udechihrt we'de und nicht ohne Geld sein wolle. Er steckte das Geld zu sich und eilte von dannen,

jetocö n'cht zum Stadthause zuruck, sondern zum Hause seines Vater-. Hier warf er fein Ober, » en ftrre' das Halstuch lind Stiefeln ab, nahm ein großes, starkes, spitziges und fckarf-

geschliffeneS Messer zu stch und schlich sich geräuschlos in die Stube, wo die Gattin seines Bru­

ders beim Lampenschein spann, *bie Uebriqen aber in ihren Betten schliefen. Hier stürzte er sich zuerst auf seinen Bruder, fetzte sich auf ihn, schlitzte ihm den Bauch auf und brachte ihm zwei Nefe Stiche ln'6 Herz beu Durch das Geräusch und die ängstlichen Hilferufe der spinnenden Frau, welche mit ihrem Kinde, d. neben ihrem ermordeten Gatten im Bette schlafend lag sich rasch zu retten suchte, erwachte die alte Mutter; und als sie aus dem Bette sprang stach ihr der Sohn das Messer in den Bauch und dreimal in die Brust. Währenddem war auch der Vater a-U8memn <ttc Sprüngen und hatte seinen Sohn erfaßt, welcher ihn jedoch bald mit Stichen in bte Brust ugd den Bauch tödtete. Der Wüthende wollte nun auch sich selbst ermorden und brachte sich mehrere lebensgefährliche Verletzungen bei. Während dieser seiner That bat ihn die Mutter röchelnd, er möge sie nicht länger leiden lassen und ganz umbrinqen, worauf der Mörder seiner Mutter das Messer in'ö Herz stach. Die Wunden, die er sich selbst beigebracht, konnten ihn ob­zwar er das Messer gegen die Mauer und sich selbst gegen dass-lbe stemmte, nicht sofort tödten- er hörte Schritte auf dem Flur, die immer näher kamen, man öffnete schon die Küchenthüre da bekam et Furcht, versteckte In der Küche das Messer und sperrte sich mit den ermordeten Eltern sein Bruder Joseph war auö dem Bette gesunken und hatte sich mühsam auf den Flur hinauS- geschleppt, im Zimmer ein. Da tauchte er die Finger in daS Blut, das seiner Brust ent­strömte und schrieb an die Wand folgende Worte:Onkel Alexander'. Meiner Gattin geschehe kein Leid', denn sie war mir ein gutes Weid!* Da er aber sah, daß seine Wunden nicht den sofortigen Tod zur Folge batten, ergriff er ein Taschenmesser und erweiterte mit demselben die Wunden, die er sich mit dem versteckten Messer schon früher beigebracht hatte. Jetzt wmde die Thür eingeschlagen und man fand den Mörder auf dem Bette feines Bruders besinnungslos liegen ES wurde dem Stuhlrichteramte sofort die Anzeige erstattet, welche zufolge der Stuhlrichter Karl Hivesi mit dem BezirkSphysicuS sich allsoqleich an den Thatort verfügten, wo die Secirllng der Leichen sofort vorgenommen Visum repertum festgeftellt wurde. Der Stuhlrichter verhörte den Mörder, der wieder zur klaren Besinnung kam vier Stunden lang und in diesem Verhör gestand der Unglückliche alle obigen auf die That bezüglichen Details ein Der Mörder lebt noch, doch ist nur wenig Hoffnung für fein Aufkommen vorhanden.

Ein englisches Blatt hatte fälschlich mitgetheiit, daß Kaiser Wilhe.m in seiner Jugend die Buchdruckerkunst erlernt habe, und war von demJournal f. Buchdruckerkunst" »adin berichtet worden, daß nicht der Kaiser selbst, sondern der Sohn, der Kronprinz, zu Gutenberg geschworen habe. ES wurde erzählt, daß der Kronprinz als Knabe die lyv»,graphische Schwarzkunst gründlich erlernt habe und hierin von einem Setzer der Hänel scheu Druckerei unterrichtet worden fei. Als nun aber die Wahrheit dieser Mittheilung angezweifelt wurde. wandte sich die Redaction deS Journals für Buchdruckerkunst" direct au den Kronprinzen selbst und erhielt von ein-m Kammer­herrn desselben die Antwort, daß alle die den Kronprinzen persönlich betreffenden Angaben auf der Wahrheit beruhen. Der zukünftige Deutsche Kaiser ist adso in der That ein Jünger Gutenberg's.

Local-Notizen.

Beschlüsse

au- drr Sitzung dcS Gemeinderaths vom 16. November 1871.

Anwesend waren: Der Großh. Bürgermeister Vogt, die GemeinderathSmitglieder Berg Bücking, Felsiug Gail, Haustein, Heß, Körber, Löber, Nagel, Pietsch, Ricker, Rosenberg Silbereisen, Wallenfels und Wenzel. d'

1) Die Lazarethbaracken, welche im September d. I. wegen der zu befürchtenden Blattern­epidemie von Großh. MilitärfiScuS der Stadt zur Aufnahme von vorkommenden Kranken über­lassen worden sind, sollen als für diesen Zweck jetzt entbehrlich, an die Militärverwaltung wieder zurückgegeben werden.

2) Die Anschaffung eines feuerfesten Schranks zur Aufbewahrung der Hypotheken- und Grundbücher von Gießen wurde beschlossen.

B e r m i sch t e s.

Eine schreckliche That wurde dieser Tage im ungarischen Marktflecken Füze» - Gyarmath

Berlin, 26. November. Heute Mittag brach im BundeSrcrthzimmer ocS ReichStagsqedäudes Feuer aus, welches indeß sofort gelöicht wurde.

Brüssel, 27. November. DerMoniteur" meldet die Annahme des Ent- lassungsqesuches DeDccker'S als Gouverneur von Limburg.

Rom, 26. November.Fanfulla" meldet: Die Oberen der hiesigen geist-i lichen Eorporationen haben dem Papste eine Collectivbitte ühk7reicht, dahin gehend, daß er den Vatican nicht verlassen möge, da feine Anwesenheit die bevorstehende Ausführung des Gesetzes über die geistlichen Corporationen milb.r gestalten könne. Die Bittschrift besagt ferner, daß der Papst außer dem Wohlwollen der Mächte Europas aus die Sympathien vieler Italiener rrchnen könne.Fanfulla" ver- sichert, daß der Pupst in Folge dieser Vorstellung die Idee, den Vatican zu ver­lassen, aufgegeben habe.

3) In der Gemarkung Gießen längs des herrschaftlichen WaldeS zieht ein schmaler, circa 13 Morgen haltender, die herrschaftliche Heege benannter Geländetheil her, auf welchem der ForstsiScnS noch das Jagdrecht besitzt. Da daS Jagdrecht auf dem übrigen G.lände die Stadt schon besitzt, so hält eS der Gemeinderath im Interesse der Stadt, auch auf diesem Theil die Jagdberechtigung durch Ablösung für die Stadt zu erwerben und hat diese beschlossen.

4) Auf Vorschlag Großh. Oberförsterei Gießen wurde beschlossen, für den erkrankten Forst, wart Göbel in Rödgen, den Holzsetzer Karl Brück von da als Gehülsen anzunehmen und diesem die vereinbarte Vergütung aus der Etadtkasse bezahlen zu lassen.

5) Verschiedenen Grundbesitzern deren Gelände zur Sttaßenanlagc auf der StephanSmark » .. - , , , nöthig und durchschnitten wird, sollen 4 fl. Vergütung per Q Klafter geboten werden.

verübt. Peler B. Kovacs und seine Gattin Rebeka, Ersterer 77, Letztere 64 Jahre alt, lebten j 6) Die Fertigung von Laden an die Dienstwohnung deS OctroierheberS Frech am SelterS- mit ihren beiden verheiratheteu Söhnen, dem 43jährigen Joseph und dem 28jährigen Reservisten thor wurde beschlossen.

Gregor, in einem Hause, und oft geschah es, daß die Eltern mit den Kindern oder Letztere mit 7) Dem Andreas Weidig III., Pächter des Kellers unter dem städtischen Schulhause in der einander zankten. Auch am 12. d. hatte Joseph mit seinem Bruder Gregor einen Wortwechsel, Echulstraße soll eröffnet werden, daß ihm nicht gestattet werden könne, denselben fernerhin als in dessen Folge der Letztgenannte mit einer eisernen Heugabel auf Joseph zustürzte. Dieser erfaßte, Eiskeller zu benutzen.

ein Messer, um sich zu wehren, allein sein Angreifer entwaffnete ihn bald und stach ihm die Gabel 8) Die von dem Schulvorstande angeregte Anschaffung eines Schranks in die neu gebildete durch den Arm. Der Vater, welcher seine ringenden Söhne beschwichtigen wollte, erhielt von >5. Stadtmädchenschule wurde beschlossen.

Allgemeiner Anzeiger

Besondere Bekanntmachungen.

5071) Im Firmen-Register des unter-- zeichneten Gerichts sind folgende Einträge vollzogen worden:

Am 7. November l. I.:

1) Gustav Brünet, heimathsberechtigt zu Daubhausen, Kreis Wetzlar, gegen­wärtig zu Gießen wohnhaft, betreibt dahier seit 10. Juli d. I. ein Agentur- Geschäft und seit 7. l. Mts. auch einen Spirituosenhandel. Beides unter der Firma:Gustav Brünet."

Am 27. I. Mts.:

2) Wilhelm Schlabach, Bürger zu Hom­berg an der Ohm, gegenwärtig zu Gießen wohnhaft, betreibt dahier seit 6. l. Mts. eine Landesproductenhand- lung unter der Firma:W. Schla­bach," und hat seiner Ehefrau Helene, gebornen Güngerich, Procura ertheilt.

Gießen, den 27. November 1871.

Großherzogliches Stadtgericht Gießen Muhl.

1) Samstag den 2. December,

2) Dienstag 5.

3) Mittwoch 6.

4) Donnerstag 7.

5) Samstag 9.

6) Dienstag 12.

7) Mittwoch 13.

8) Donnerstag 14.

9) Samstag 16.

10) Dienstag 19.

11) Mittwoch 20.

12) Donnerstag 21.

13) Samstag 23.

14) Mittwoch 27.

15) Donnerstag 28.

16) Samstag 30.

Die Interessenten werden daher aufge­fordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vor­zeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.

Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die In­teressenten der Stadt Gießen, dagegen die auf Dienstag, Mittwoch und Samstag fal­lenden Zahltage für die Auswärtigen be­stimmt sind.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, d'eses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu ldssen.

Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr.

ZZerfkeigerungen.

5005) Mittwoch den 29. November, Vormittags 9 Uhr, werden im Hause des Herrn Gastwirths Schnell am Markt dahier die zum Schulden- mesen des Nathan Simon von hier ge­hörigen Gegenstände, bestehend in 1 Dreh­bank nebst Werkzeug, Pfeifen, Pfeifenköpfen und dahin einschlagenden Waaren, Regen­schirmen, Stöcken und Hausmobilien, öffent­lich versteigert.

Gießen, den 26. November 1871.

Der Massccurator.' M. Pilger-

ArbeitSversteiqerung zu Lollar.

5068) Donnerstag den 30. d. Mts., Morgens um 9 Uhr,

soll auf dem Rathhause zu Lollar die Un­terhaltungsarbeit am Wege Hinterm Han­gelstein durch öffentliche Versteigerung in Aceord gegeben werden, als:

1) Steinbrechen, veranschlagt zu 8 fl.

2) Steinanfahren, 16

3) Steinsetzen, 4

4) Stkinschlagen und Decken, ver­anschlagt zu.......80

Gießen, den 27. November 1871.

Körner, Bezirksbauaufseher. I

5082) Donnerstag den 30. November d. I., des Vormittags um 9 Uhr,

soll die Lieferung von 15 Mltrn 1 Smr. Korn und 1 Fuder 516 Pfund desgl. Stroh, der hiesigen Schule zuftehend, wenigst- nehmend vergeben werden.

Rödgen, am 27. November 1871.

Großherzogliche Bürgermeisterei Rödgen.

I n d e r t h a l.

Kett gebotenes.

Respiratoren

nach Dr. Jeffrey empfiehlt

(5017) I. Schellenberg,

Univ.-Instrumentenmacher.

5087) JvttfdK Cf-cviioitfcr Schellfische und Bückinge zum Backen empfehle»

I. 91. Busch Söhne.

5008) Haararbeiten

jeder Art weiben schnell und billigst besorgt, sowie fertige Zöpfe, Locken-Touren und Nollen, sind stets vorräthig bei

Georg Petri, Neuenweg.