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Der Bischof von St. Pölten hat gegen den Professor Dr. Michelis aus> Brauneberg folgende Surrende erlassen:

Warnung. E- treibt sich ein fremder, aus Preußen hergekommener, vom, wahren katholischen Glauben abgefallener Priester in meiner Diöcese herum, wel­cher darauf auögeht, das Volk an seinem Glauben irre zu machen und die Schwachen und Unwissenden zum Abfalle von der alleinseligmachenden katholischen Kirche zu verführen, durch falsche Darstellung der katholischen Lehre und ihrer Folgen die Gemüther zu beunruhigen und gegen die kirchlichen Obern aufzuregen, was dann, wie es scheint, von anderen für ihre politischen Zwecke auSgebeutet wird. Der Name dieses Mannes ist Dr. Michelis. Eingedenk meiner oberhirtlichen Pflicht, die mir von Gott anvertrauten Gläubigen im wahren katholischen Glauben zu erhalten, sie auf die dem Glauben drohenden Gefahren aufmerksam zu machen, sie vor der Verführung zum Abfalle ernstlich zu warnen und so die öffentliche Ruhe nach Kräften zu sichern, erlasse ich hiermit an die gesammte Geistlichkeit der Diöcese den Auftrag, dort, wo eS nöthig scheint, das Volk vor diesen, dem Seelen­heile wie der öffentlichen Ruhe gefährlichen Umtrieben in geeigneter Weise zu warnen, mit Belehrung und Ermahnung und Hinweisung auf die Nothwendigkei« des wahren Glaubens zum ewigen Heile, an dem für den Menschen Alles gelegen ist- Zugleich wird das strengste Verbot beigefügt, zur Verhütung sacrilegischen Frevels dem vorbenannten abtrünnigen Priester Michelis an irgend einem Orte der Diöcefc das Messelesen oder irgend eine andere priesterliche Function zu ge- statten. Ordinariat St. Pölten, 13. August. Joseph, Bischof."

Die Demonstrationen gegen die Deutschen in Paris nehmen wieder zu. Das Beispiel dazu hat derEercle Commercial" gegeben. Derselbe besteht aus den Pariser Mehl-, Oel- und Spiritus-Händlern. Dieselben haben in einer Versamm­lung, die sie heute abhielten, beschlossen, auch fernerhin keine Deutsche, selbst solche nicht, die sich naturalisiren lassen, in ihren Verein aufzunehmen. Dieser Beschluß ist insofern bemerkenswerth, als sich in den Händen dieses Vereins das ganze Pariser Oel-, Mehl- und Spiritus-Geschäft befindet und in Paris Niemand, der nicht zu diesem Vereine gehört, fortlaufende Geschäfte in diesen Artikeln machen kann. Dieser Verein hält täglich zwei Börsen ab, nämlich des Morgens von 10 bis gegen 1 Uhr in seinem Locale, das dem Louvre gegenüber liegt, und des Abends von 4!/2 bis 6 Uhr in dem Garten der Effecten-Börse. Die Geschäfte auf Lieferung gehen allein durch seine Hände, und die Mehl-, Oel- und SpirituS- Course, die von hier abgesandt werden, rühren von ihm her. Wie es heißt, veröffentlicht der Ex-Kaiser Napoleon III. dieser Tage eine Broschüre über die sranzöfische Armee - Reorganisation. Am 15. August ließ derselbe eine größere Summe an die Armen von Paris vertheilen.

In dem zu Newyork erscheinendenAmerican Register" läßt ein Franzose nachstehende Frechheit los, welche die Redaction ohne jedwede Reserve zum Abdruck bringt:Es scheint, als ob wirklich das Volk an den Ufern der Spree nicht die­selben Begriffe von Ehre wie andere civilisirte Völker hat. Von allen Seiten hörten wir von der Gemüthsruhe, mit welcher preußische Offiziere welche in dem letzten Feldzuge den Beinamen emballeurs (Einpacker) sich zugezogen in ihre Taschen und Koffer all die werthvollen Gegenstände packten, welche sie in den Häusern der friedfertigen Einwohner fanden, bei denen sie sich einquartirten. Jene Menschen scheinen nicht zu wissen, daß solches Verfahren, worüber die Kriegs» gefetze nur zu nachsichtig sind, strengstens von hohen militärischen Autoritäten ver­dammt wird. Lassen Sie mich Ihren Lesern einige bemerkenswerthe Beispiele von Gewissenlosigkeit geben, welche zu meiner eigenen Kenntniß gekommen. Auf dem herrlichen Landsitze der Rothschilds in Ferrieres bei Paris befindet sich eine Muster- wirthschaft, bekannt durch die schöne Sammlung von Vieh, welche mit großen Kosten zusammengebracht war. Der König von Preußen und Herr v. Bismarck, wie wohl bekannt, blieben dort während eines Theils der Belagerung (von Paris). Da der König die Familie des reichen BanquierS persönlich kannte, und da der Banquier seine Gäste zu kennen glaubte, so ängstigte ihn die Bequartirung seines Landsitzes nicht. Seine Gäste rechneten jedoch ohne den Wirth, denn der König sandte die schönste Heerde Kühe nach Preußen, und Herr v. Bismarck, seinem königlichen Gebieter nacheifernd, expedirte 300 Schafe heimwärts, welche heute ruhig auf den sandigen Weiden Pommerns grasen, gewiß die saftigeren Kräuter der Brie vermissend." In der That, man muß staunen über die bodenlose Frechheit dieses französischen Lügners. Gerade in Ferrieres wurde das Eigenthum des Barons mit einer Peinlichkeit respectirt, die Rücksicht gegen die Bediensteten des Besitzers und gegen die übrigen Bewohner des Dorfes so weit getrieben, daß der 21 tägige Aufenthalt auf Schloß Ferneres den Offizieren und Mannschaften des kaiserlichen Hauptquartiers zur fast unerträglichen Qual wurde. Der Intendant des Rothschild'schen Gutes stellte dem Kaiser bet seiner Ankunft dortselbst das ganze Schloß zur Verfügung, was jedoch entschieden abgelehnt wurde, ebenso auch die Offerte der unbeschränkten Disposition über den wohlgefüllten Weinkeller. Ein Tagesbefehl untersagte jedwede Requisition auf den Rothschild'schen Besitzungen, die unumgänglich nothwendigen Pferderationen mußten ganz gegen den Kriegs- gebrauch baar bezahlt werden, auf den Aeckern standen Posten, um die Entnahme von Felvfrüchten seitens der Soldaten zu verhindern, und am Tage vor der Der- legung des Hauptquartiers fand im Beisein des Intendanten eine allgemeine Auf­nahme des Pferde- und Viehbestandes statt, um zu constatiren, daß nicht ein Stück desselben fehlte. Wenn irgendwo, so wurde gerade in Ferrieres dir deutsche Occu- pation von den Habitants gründlich ausgebeutet, denn jedwede Gefälligkeit mußte nach vielem Bitten mit Geld ausgewogen werden. Freilich sah der Hochmuth der Franzosen in dieser Schonung nur die Bestätigung der Unantastbarkeit der grande nation, man nahm die Milde als ein selbstverständliches Recht hin und moquirte sich über dieselbe. Die Folgen davon sind jetzt die schamlosesten Ver­leumdungen.

t Berlin, 25. August. Der preußische Special - Eommissär Schreiber ist jetzt von hier nach Paris bcputirt worden, um die Angelegenheit der Entschädigung an die aus Frankreich vertriebenen Deutschen zu regeln. Der Berliner Polizei- Präsident v. Wurmb wird in derselben Angelegenheit sich Mitte September nach Paris begeben. Bisher sind 100,000 Thaler vertheilt worden.

Wie wir in Erfahrung bringen, waltet in maßgebenden Kreisen die Absicht ob, ein einheitliches deutsches Kriegs- und Marine-Mtntsterium zu bilden. Gleich­zeitig ist die Frage angeregt worden, ob es nicht für das Wohl Gesammtdeutsch- landS ersprießlicher wäre, überhaupt ein deutsche- Gesammt - Ministerium zu con- stituiren. Dasselbe soll vorläusig nur Handels-, Justiz-, Kriegs- und Marine-, sowie auswärtige Angelegenheiten betreffen.

Die wissenschaftliche Welt hat wieder einen herben Verlust erlitten. Am 22. d. starb plötzlich in Folge eines Gehirnschlages der in wissenschaftlichen und künstlerischen Kreisen durch seine großen Verdienste, namentlich um die Ausgrabungen von Herculanum und Pompeji weithin bekannte preußische Professor Zahn, nach­dem er am Tage vorher sein 71. Lebensjahr vollendet hatte.

Berlin wird nächstens der Mittelpunkt der altkatholischen Agitation werden. Mehrere hervorragende Gegner der Jnsallibilitätslehre, darunter Professor Friedrich und Professor Michelis, werden in wenigen Tagen hier eintreffen, um hier in der Reichshauptstadt energisch für eine vollständige Trennung der Altkatholiken von den Ultramontanen und für die Bildung einer deutschen Naitonalkirche zu wirken.

Der frühere Beschluß des Vereins der deutschen Privat-Eisendahnen, dem deutschen Reichskanzler einen Salon - Eisenbahnwagen zum Geschenk zu machen, wird demnächst realisirt werden. Dieser höchst luxuriös und comfortabel herzu« richtende Wagen, der so construirt werden soll, daß er alle deutschen Bahnen, so« wie die GebirgS- und elsaß-lothringischen Bahnen zu befahren im Stande ist, soll auf allen deutschen Bahnen kostenfrei befördert werden, sobald derselbe von dem Fürsten oder der Fürstin Bismarck benutzt wird. Ferner soll der Wagen einer Controle nirgends unterworfen werden und der Reichskanzler die Station bestim­men können, wo der Wagen aufgestellt werden soll.

Da in verschiedenen Häfen des Ruisischen Reiches und des an dasselbe grenzenden Preußischen Staates Fälle von Cholera vorgekommen sind, hat der Hamburger Senat beschlossen, die Ostseehäfen des Russischen Reiches und der daran grenzenden Preußischen Küste südlich bis einschließlich Königsberg für der Cholera verdächtig zu erklären und aus alle von diesen Häfen auf die Elbe kom­menden Schiffe die Vorschriften Quarantaine-Verordnung in Anwendung zu bringen. Auch die englische Regierung hat auf Grund der Gesunvheitsacte von 1866 eine Reihe von Maßregeln gegen Einschleppung der Krankheit festgesetzt.

Berlin, 26. August. Mehrere Abendblätter enthalten Übereinstimmend einen Artitel, worin hervorgehoben wird, baß die jetzige zweifelhafte Haltung der Ma- jorität der französischen Nationalversammlung die Eventualität der Erschütterung der Stellung Thiers' in den Vordergrund rücken und unser Vertrauen schwächen müsse. Die Parteien, welche jetzt an der Stellung Thiers' rüttelten, vermehrten die Unsicherheit der Zukunft Frankreichs.

München, 23. August.Endlich (schreibt man derAllg. Z.") sollen sich die Professoren der Theologie Thalhofer, Reithmayr, v. Haneberg, Schmid, Silber- nagl und Bach aufgerafft haben, um an das CultuSministertum einen motivirten Antrag auf Absetzung der Professoren v. Döllinger und Friedrich und auf Wieder­besetzung der hierdurch in Erledigung kommenden Professoren zu stellen. Man sagt: Professor Reithmayr sei der Verfasser der bereits erfolgten Eingabe, und die Motivirung enthalte ein entsetzlich langes Sündenregister Döllinger's. Auf den Ton, welcher den der Erklärung vom 3. Juli wett hinter sich lassen soll, kann fast mit Sicherheit aus der Thatsache geschloffen werden, daß Prof. Reischl unter diese- neueste Aktenstück eines infallibilistischen Fanatismus seinen Namen zu setzen sich nicht mehr entschließen konnte. Die Hoffnung Dr. Hergenröther'S, an Stelle v. Döllinger's berufen zu werden, beruht auf dem Erfolg dieser nicht ohne derartige Intention abgefaßten Eingabe. Wir denken, die Herren haben sich die richtige Antwort auf ihren Antrag bereits selbst gegeben, als ihnen die ministerielle Bestätigung der Rcctorwahl Döllinger's und die ganz und gar nicht ultramonta» gefärbte Motivirung der Nichtbestätigung von Prof. Friedrich'- Senatorenwahl zu Ohren gekommen ist."

München, 26. August. Sämmtliche Handels- und Gewerbekammern Bayerns, mehrere davon einstimmig, haben ihren Beitritt zu der von der oberbayerischeu Handelskammer heute Morgen eingereichten Protestvorstellung gegen die Auflösung des Handelsministeriums gegeben.

Straßburg, 26. August. Der Generalgouvcrneur macht bekannt, daß füt das laufende Jahr eine Militär-Aushebung in Elsaß-Lothringen nicht in AuSsichl genommen ist. Mit der Gymnastalabtheilung des hiesigen LyceumS wird eint Realschule erster Ordnung verbunden werden. Die Directorstellen der Lyceen in Straßburg, Metz und Colmar sind besetzt worden. Die amtlicheStraßburgei Zeitung" sagt, die Regierung werde zukünftig auch auf demonstrative Aeußerlich- feiten, Bänder, Ruse rc., die erfahrungsgemäß Unvernünftige zu wirklichen Ordnung-- störungen reizten, ein schärferes Auge richten.

Versailles, 25. August. Sitzung der Nationalversammlung. Die National­versammlung nahm mit 503 gegen 133 Stimmen das Gesetz, betreffend die Aus­lösung der Nationalgarde in der Gesammtheit, an. Es folgte hierauf die Be- rathung des Gesetzes, betreffend die Erhöhung der indirekten Steuern. Der Finanz- Minister entwickelte die Finanzlage Frankreichs und betonte die Nothwendigkeil einer Vermehrung der Einnahmen, welche am sichersten bei den indirekten Steuern erreichbar sei.

Literarisches.

Selten hat ein Werk eine so allgemeine Beachtung gefunden, als dieLieder zu Schutz und Trutz." Gaben deutscher Dichter aus der Zeit des Krieges in der fahren 1870 und 1871. Gesammelt und herausgegeben von Franz Lipperheide Das nun, nach der Rückkehr der Sieger in die Heimath, zum Abschluß kommende Werl enthält im Ganzen gegen 300 Gedichte, etwa 100 (darunter auch die berühmten älteren Lieder:Sie sollen ihn nicht haben den freien deutschen Rhein" von Nicolaus Becker Die Wacht am Rhein" von Max Schneckenburger;In Frankreich hinein" öot E. M. Arndt) in der getreu nachgebildeten Original-Handschrift der Dichter, du übrigen mit dem Namenszug derselben.

Im Großen und Ganzen bietet die Sammlung eine Reihenfolge von Gedichten, die nach Form und Inhalt den schönsten Blüthen unserer Literatur sich zur Seite stellen können. Allenthalben ist denLiedern zu Schutz und Trutz" das beste Lob er- theilt worden, und in vielleicht noch höherem Maße verdient ein solches die vor Kurzem erschieneneAuswahl für Volk und Heer", welche über ^«1^ @6^^6, 0110 etwa ein Drittel der großen Sammlung bringt, und die bei sehr hübscher Ausstattung zu dem beispiellos billigen Preise von 2'/2 Sgr. verkauft wird, wahrend die große Sammlung (mit den Handschriften) bekanntlich 4 Thlr. kostet.

Mit dieser billigen Ausgabe wird es Jedem, ermöglicht, sich in den Besitz cmes der schönsten Denkmäler unserer Zeit zu setzen. Einen wie lebhaften Anklang dieselbe auch bereits gefunden, beweist der Absatz von 30,000 Exemplaren, der in wenig« Wochen erreicht wurde. Der Herausgeber sieht dabei von jedem Gewinne ab; wie e aus den Erträgen der großen Sammlung bereits dreitausend Thaler für die Verwun­deten abliefert, so läßt er allen ferneren Erlös seines Werkes, darunter auch den aus der kleinen «usgabe, der Kaiser-Wilhelms-Stiftung für deutsche Invaliden zufließen-

Whckerönnen nur Jedem, der nicht im Stande ist, die große Ausgabe -um Prell von 4 oder in Prachtband zu 5 Thlrn-, sich anzuschaffen, dieAuswahl sur

Volk ^cer" empfehlen; die Verlagshandlung hält außer der billiaen Ausgabe zu 2w auch Exemplare auf feinerem Papier und in elegantem Pappband zu 5 Vgr>

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