als Abt des DeneDictinerklosterS in Metten zurückzukehren. Als Thatsache wird es von unterrichteter Seite bezeichnet, daß der Erzbischof in den letzten Tagen nach Rom berichtet, er habe den unwioerlegbarsten Beweis in den Händen, daß das Vorgehen Döllinger'S und der sogenannten Altkatholiken die begeistertsten Anhänger in der Nähe des Papstes habe, und daß er den noch zu befürchtenden Hauptschlag der Gegner der Unfthlbarkeitslehre gegen die Kirche Christi von Rom ausgehend erwarte."
Die „Internationale" hat durch ihr infernalisches Debüt während verletzten Pariser Insurrcction einen so allgemeinen Abscheu gegen ihr blutgieriges Treiben in Europa hervorgerufen, daß selbst Mazzini Veranlassung nimmt, in seinem „Roma del Popolo“ die italienischen Arbeiter auf's Eindringlichste vor den Irrlehren dieser socialdemokratischen Demagogie zu warnen. „Ihr müßt die Internationale nach dem Ziele beurtheilen, auf welches sie hinarbeitet, und nicht nach der Zahl ihrer Anhänger", ruft der alte Revolutionär den italienischen Arbeitern zu. „Ihr wißt wie ich, daß keine Gewalt von Dauer ist, wenn sie sich nicht auf Wahrheit und Gerechtigkeit gründet; die von den Führern und den Hauptmitgliedern der Internationale gepredigten Lehrsätze sind aber: 1) die Verleugnung Gottes, das heißt der einzigen, ewigen und unerschütterlichen Basis eurer Pflichten und Rechte; 2) die Verleugnung des Vaterlandes und der Nation, das heißt des Stützpunktes, dessen ihr euch allein bedienen könnt, eure Interessen und die der Menschheit zu retten; 3) die Verleugnung jedes persönlichen Besitzes, das heißt jede- Anreizes, mehr zu erzeugen, als gerade für das tägliche Leben unumgänglich nothwendig ist. Das Eigenthum, wenn es Ergebniß der Arbeit ist, repräsentirt die physische Thätigkeit, wie der Gedanke die der Intelligenz repräsentirt." Die Seele der Internationale, Karl Marx, schildert Mazzini wie folgt: „Deutscher von Geburt, ist er ein intelligenter Mensch, aber wie Proudhon ein zersetzender Geist, von gebieterischem, auf jeden Einfluß eifersüchtigen Charakter, ohne besondere philosophische und religiöse Überzeugungen, und dessen Herz, wie ich fürchte, mehr Haß als Liebe zur Menschheit birgt." Für die fanatischen Pseudo-Arbeiterfreunde in Deutschland wird dieser Mahnruf allerdings umsonst erklingen; wir erleben eS vielleicht noch, daß Mazzini von ihnen ein „Nationalliberaler" gescholten wird.
^Leihgestern. Der Erlaß des preußischen evangelischen Ober. KirchenratheS in Sachen des Dr. Hanne hat bei Ihrem -s-Correspondenten das größte Befremden erregt.^ Darüber könnte man sich wundern, denn bei einigem Nachdenken muß sich doch Jedermann sagen, daß der Ober-Kirchenrath gar nicht anders entscheiden konnte. Aber nachzudenken ist eben nicht Jedermanns Ding; die Meisten begnügen sich damit, die Phrasen der liberalen Zeitungen nachzuveten.
Zunächst erlauben Sie mir eine thatsächltche Berichtigung. Es ist nicht wahr, daß es nach der Meinung des evangelischen Ober - Kirchenraths „auf die moralische Befähigung, auf die Hingebung für die höchsten Ziele des menschlichen Daseins, für die idealen Güter, auf die werkthätige Liebe" nicht oder doch nicht in erster Linie ankommt; es ist nicht wahr, daß der evangelische Ober-Kirchen- rath „den Glauben, den blinden Autoritätsglauben", für „das erste Erforderniß eines Dieners der Kirche" erklärt. Nicht auf den Glauben allein sieht die preußische oberste Kirchenbehörde bei Anstellung der Geistlichen, aber allerdings — sie sicht auch auf den Glauben, und das mit vollem Recht. Wenn man einen
Schreiblehrer anstellt, fo vergewissert man sich erst, ob der Bewerber auch schreiben kann. Und wenn man einen Prediger des Evangeliums anzustellen hat, sollte man nicht berechtigt sein, zu fragen, ob der Bewerber das Evangelium, oas er predigen soll, auch glaubt?
Nach der Meinung Ihres Correspondenten freilich, soll die Kirche den Glauben vollständig freigeben; denn wenn eine Kirchenbehörde verlange, daß die Geistlichen sich nach den evangelischen Bekenntnissen richten, so sei das gerade so vicl, wie wenn der Papst seine Aussprüche für unfehlbar erkläre. „Wo bleibt der Unterschied zwischen dem unfehlbaren Ober-Kirchenrath und dem unfehlbaren Papst?" so schließt der Artikel Ihres Correspondenten.
Wir meinen, der Unterschied wäre doch ein sehr großer. Der Papst nimmt für seine eigenen Aussprüche Unfehlbarkeit in Anspruch; die preußische oberste Kirchenbehörde denkt überhaupt nicht daran, Unfehlbarkeit zu beanspruchen; und es handelt sich auch bei ihrer Entscheidung nicht um Lehren, die sie selbst aufgestellt hat, sondern um die Lehren der evangelischen Bekenntnisse, und für diese nimmt sie auch nicht — Unfehlbarkeit in Anspruch, sondern sie verlangt nur, daß die Diener der Kirche diese Grundgesetze der Kirche respectiren. Und sie thut damit einfach ihre Schuldigkeit, wie der Iastizminister seine Schuldigkeit thut, der von den Richtern des Landes verlangt, daß sie nicht nach eigenem Gutdünken, sondern nach den bestehenden Gesetzen Recht sprechen.
Aber — wird man erwidern — ein Pfarrer kann doch ohne Heuchelei nicht nach den Bekenntnissen predigen, wenn er ihren Inhalt nicht glaubt. — Aller- dingS; aber eben deshalb sollte ein Mann, dessen Glauben nicht mit den Bekenntnissen harmonirt, ehrlicher Weise nicht ein Amt begehren, bei dessen Uebernahme er daS Predigen nach den Bekenntnissen geloben muß, und wenn er cs doch begehrt, ist die Kirchenbehörde berechtigt, wie verpflichtet, ihn zurückzuweisen.
Wohin soll es denn führen, wenn jeder Geistliche predigen darf, was er will? Jene tapfern Streiter gegen die päpstliche Unfehlbarkeitslehre, ein Döllinger, ein Friedrich, ein Michelis u. A., denken gar nicht daran, daß die Lehre inner- halb der katholischen Kirche soll freigegeben werden; sie wollen keine neue, sondern die alte katholische Lehre, und sie wehren sich gegen das Unfehlbarkeits- Dogma, gerade deshalb, weil ein unfehlbarer Papst jeden Augenblick der Kirche irgend einen neuen Einfall als göttliche Wahrheit aufladen kann. Sie nennen sich ja deshalb auch A l t katholiken. Wenn aber in unserer evangelischen Kirche die Lehre völlig freigegeben wäre, dann wären unsere Gemeinden schlimmer daran, als die katholische Kirche unter dem unfehlbaren Papste. Da könnte heute ein Harrer kommen, der predigt: Der Hcrr Christus ist Gottes Sohn, hat Wunder auferstanden und gen Himmel gefahren; morgen einer, der da? gerade ,8, ’ l l wahr erklärt; es könnte heute einer kommen, der bekennt: Ich moraen °einer ""mächtigen Schöpfer Himmels und der Erden, und
Naturkrast 'llnh hV ' ma« gewöhnlich Gott nennt, das ist eigentlich die «„v- L ( J dttsem verwirrenden Durcheinander ständen die Gemeinden voll- mußten sich alles gefallen lassen, was ihre Herrn Pfarrer ich mir doch h/jS e Nein, einem solchen Willkürzustande gegenüber lobe UL « ^rrL4aft bf6 Petzes, wie sie - Gott Lob! - noch in un-l (ercr evangelischen Kirche, vorab in Preußen, besteht. Mag es auch oft genug!
vorkommen, daß evangelische Pfarrer anders lehren, als sie sollen (wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter): wenn, wie in dem Hanne'schen Falle, Gemeindeglieder gegen einen Pfarrer, der offenbar den Glauben der evangelischen Bekenntnisse nicht
, protestiren, oder wenn sie gegen einen Pfarrer, der unevangelisch lehrt, Klage erheoen, so kann keine evangelische Kirchenbehörde in der ganzen Welt wenn sie ihre Pflicht thun will, anders urtheilen, als der evangelische Ober-Kirchen- -alh B-rl.n gkurttz-M hat. Eckstein, Pfarrer.
H-ralllsurt, 27. Juli. Unter Begleitung einer entsprechenden Anzahl Schutz. Mannschaft trafen gestern wieder 6% Millionen Thaler Kriegskosten aus Straß, bürg hier ein. Bei Der Uebernahme in Straßburg und hier wird jetzt ganz genaue Controle gehalten, ob nicht irgend ein Wagen defect ist. Von den abhanden gekommenen 12,000 Francs ist auch noch nicht eine leise Spur vorhanden.
Jugenheim, 26. Juli. Seine Majestät der Kaiser von Rußland und Ihre Kaiserlichen Hoheiten die Großfürsten Wladimir und Alexis nebst hohem Gefolge sind gestern Abend 7 Uhr von Jugenheim über Berlin und Warschau nach St. Petersburg zurück gereist.
t Berlin, 26. Juli. Im Reichskanzleramte ist nunmehr desinitiv entschieden worden, daß die oberste Leitung des Eisenbahnwesens in Elsaß, Lothringen und Luxemburg einer selbstständigen, dafür einzusetzenden, vom Reichskanzleramte un- mittelbar ressortirenden Central-Dtrection anvertraut werden soll.
Zu Räthen beim Bundes - Oder-Handelsgericht zu Leipzig sind neuerdings ernannt worden: 1) Der k. bayerische Rath Hr. Johann Wernz zu München- 2) der k. bayerische Advokat Dr. Marquard-Barth zu München; 3) der k. wirrt- tembergische Professor der Rechte Dr. Robert Römer zu Tübingen; 4) der großh. ^bische Kreis- und Hofgerichts - Director Dr. Ernst Sigismund Puchelt rü Karlsruhe. 8
Auch die 2. Emission der fünsprocentigen Schatzanweisung des Norddeutschen Bundes im Betrage von 51,000,000 Thlr. ist nunmehr gekündigt worden. Ihre Einlösung gegen Zahlung des Nennwerthes erfolgt vom 1. Februar 1872 ab und ihre Verzinsung hört mit diesem Tage auf.
T>er Bau des Sitzungssaales des provisorischen ReichstagSgebäudes ist nun- mehr so weit vorgeschritten, daß bas Gerüst zum Ausstellen der Dachba'nder er- richtet werden konnte. Der Saal wird ein Oberlicht von 40 Fuß Breite und 60 Fuß Länge erhalten und durch 660 Gasflammen erleuchtet werben können welche über der bas Oberlicht bewirkenden Glasbedachung angebracht sind. Der Saal für den Bundeörath ist im Rohbau ziemlich vollenvet.
Bei der Wohnungsnoth, der man zum nächsten Umzugstermin hier wieder entgegensieht, blicken einige Optimisten wieder auf den Mann, der vor langer, langer Zeit den Anlauf nahm, ein zweiter Peabody zu werden, seitdem aber das Wohl des Volkes auf seltsamen Gebieten suchte, auf welchen für ihn gefüllte Taschen und einige Bagatellprozesse, für die vertrauensseligen deutschen Kleinbürger aber rumänische Kopfschmerzen resultirten. Schon 1866, als Dr. StrouSberg noch auf der Höhe des Mannes stand, „der Alles kauft", wurde er bestürmt, Arbeiter- Wohnungen nach englischem Muster Herstellen zu lassen, doch ist es damals bei einigen allgemeinen Höflichkeitsphrasen geblieben. Jetzt wird derselbe Versuch ae- wagt, voraussichtlich aber mit demselben Erfolge. Die Frage des „Soll und Habens« scheint j-tzt die einzige Stelle zu sein, wo der Millionen - Doctor sterb- lich ist!
München, 22. Juli. Das Handschreiben des Königs an die Kaiserin Auguste, welches Generalabjutant Spruner an seine Adresse zu überbringen hatte lautet wie folgt: '
„Durchlauchtigste, großmächtigste Fürstin, freundlich liebe Schwester und Muhme! In freudiger Rührung über die liebevolle werkthätige Theilnahme, welche während des letzten Feldzugs hülfsbedürftigen bayerischen Kriegern von allen Gauen Deutschland- cntgegengctragen wurde, hatte Ich beschlossen, für hervorragende Leistungen dieser Art eine besondere Auszeichnung unter dem Namen „Verdienst- kreuz für die Jahre 1870 und 1871" zu errichten. Nachdem nunmehr die Vorbereitungen für Vertheilung dieser Dekoration ihren Abschluß gefunden haben wäre es Mir eine reine Freude und hohe Genugthuung, wenn Eure kaiserl. und königl. Majestät als leuchtendes Vorbild hingebender Fürsorge für die Heldensöhne Der Nation Dem neugestifteten Ehrenzeichen durch dessen Annahme erhöhte Weihe verleihen würden. Indem Ich diesem Wunsch Ausdruck gebe, drängt es Mich, zugleich Den tiefgefühlten Dank zu erneuern, welchen Ich Eurer Majestät für alle den bayerischen Truppen erwiesenen Licbeswerke aus ganzem Herzen zolle und be- wahre. Empfangen dieselben zugleich die Versicherung der vorzüglichen Hochachtung und Freundschaft, womit Ich verbleibe Eurer kaiserl. und königl. Majestät freundwilliger Bruder und Vetter. Ludwig. Schloß Berg, 16. Juli 1871."
Paris, 26. Juli. Die Commission für die Reorganisation Der Armee hat folgende Fundamentalbasis als endgültig angenommen: Alle Franzosen sind vom 20. bis 40. Jahre dienstpflichtig. Sie Dienen vier Jahre in Der achten Armee, fünf m Der ersten, Drei in der zweiten, acht in Der Dritten Reserve. Alle National- garDen werden aufgelöst. Der Staatschef ist berechtigt, die erste Reserve Durch Dekret einzuberufen, Die übrigen Reserveclassen nur durch Erlaß eines Gesetzes. — In Bourges wüthete eine heftige Feuersbrunst. Der bischöfliche Palast ist ein Aschenbaufen. '
London, 25. Juli. Aus Versailles wird gemeldet, daß Thiers Die antt- cipirle Zahlung Der zweiten halben Milliarde angeboten habe, um Die Räumung mehrerer neuer Departements zu erreichen. (Presse.)
Frifchbäckrr ju Gießen.
den 30. Juli. Georg Busch am Kreuz, Heinrich Plank in der Neustadt und Hermann Spies in der Wallthorstraße.
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Kirchliche Anzeige
Der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
, ) Morgens: Pfarrer Landmann.
Am 30. Jul r: (Feier des heil. Abendmahls.)
\ Nachmittags: Mitprediger Drescher.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 30. Juli bis 5. August besorgt Pfarrer Landmann.
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