Gießener Anzeiger
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen
Nr. 223
Donnerstag den 28. September
1871
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Die Redaction.
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PrM tUrteil ä^rig 1 fl. 12 fr. mit Bringerloh«. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 ft.
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Zliie oerlchtet wird, ist bezüglich der neuen Uniformirung der hessischen Truppen nach preußischem Vorbilde nunmehr definitive Entschließung erfolgt und sind die betreffenden Muster den einzelnen Regimentern und Eorps zur Darnach- achtung zugefertigt morden. Schnitt und E)radabzeichen sind ganz preußisch, nur verbleiben die Gradabzeichen, was Infanterie und Cavallerie betrifft, wie seither in Silber, Artillerie und Train dagegen erhalten dieselben in Goto und dem entsprechend gelbe Uniformsknöpfe. Das erste Infanterieregiment (Nr. 115), das zum Garderegiment mit Grenadiersrang erhoben wird, behält seine Litzen und be- kommt als weitere Auszeichnung Haarbüsche auf die Helme. Seine Achselklappen werden mit der Namenschiffre des Großherzogs versehen, während die drei übrigen Regimenter die Nr. 116, 117 und 118 auf denselben zu tragen haben. Bei der Reiterei verliert die Mannschaft die seitherigen EpaulettS und wird dafür ebenfalls mit Achselklappen bedacht, auf welchen die Nr. 22 und 23 (Dragoner- regimenter) anzubringen sind. Auch hier kommen, wie bei allen Truppen, mit Ausnahme des Garderegiments, die Litzen in Wegfall und werden statt den bis jetzt üblichen polnischen Aermelaufschlägen brandenburgische eingeführt. Die Kragen der Infanterie» und Reiterregimenter erhalten durchgängig ponceaurothe Farbe, die Achselklappen dagegen nehmen die Farbe der seitherigen Kragen an (1. Regiment roth, 2. weiß, 3. blau, 4. gelb.) Auch die GardeunteroffizierScon.pagnic mußte sich der preußischen Uniform etwas anbequemen, behält indeß die Zierde ihrer wollenen, roth und weißen EpaulettS rc.
Seit dem 1. September d. I., dem Tage, an welchem die südstaatlichen Mitglieder des Gerichtshofes in ihr Amt eingeführt wurden, nennt sich das frühere Bundes-Oberhandelsgericht in seinen Urtheilen k. Reichs Oberhandelsgericht.
Bei der deutschen Reichsregierung sind sehr ungünstige Berichte über die Haltung der Franzosen gegen die in Frankreich lebenden Deutschen eingegangen, welche leicht ernste Maßnahmen zur Folge haben möchten. Der Standpunkt, den die Regierung denselben gegenüber einntmmt, möchte sich etwa dahin bezeichnen lassen: Man will hier aufrichtig gutes Einvernehmen mit Frankreich und dessen gegenwärtiger Negierung, aber man wahrt selbstverständlich die Würde der Deut- schen und duldet keine Unbill. Die Art und Meise, wie die Deutschen, welche den eigenthümlichen Geschmack haben, dabei aber auch vollkommen berechtigt sind, in Frankreich zu leben, dort behandelt oder vielmehr mißhandelt werden, mußte über kurz oder lang zu einer Auseinandersetzung mit der französischen Regierung führen, die freilich nicht allen Ercessen vorbeugen, wohl aber ihre Behörden und nament- lich die Gerichte anweisen konnte, den vollen Ernst des Gesetzes der Deutschenhetzc gegenüber zu entfalten. Ja Lyon, wo übrigens der Präfect guten Willen gezeigt naben soll, ist e< neuerdings zu wiederholtem Skandal gekommen, der solche Dimensionen angenommen hat, daß sich der deutsche Gesandte in Paris zu ernsten Reklamationen veranlaßt fand. Es bestand in Lyon, wie an vielen Orten Frank-
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rtttb«, eine „Ligue antipruf|lennt" und als deren Organ in der Presse das Journal „l'Antrxrusstenne". Letzteres pflegte, wie auch andere französische Zeitungen, Namen und Wohnungen von Deutschen mitzutheilen, die dem Pöbel dadurch gewissermaßen recommandirt wurden. Aber das Blatt ging weiter: es erklärte ungescheut daß em Deutscher „doit elre traqud et chasse“, und ferner, daß man in Frankreich die Deutschen mißhandeln durse, ohne irgend etwas zu befahren. Solche Finarr. zeige fl„d den von der leicht erregbaren Menge nur zu bereitwillig befolgt worden Es kam zu Straßendemonstrationcn, bei welchen viele Hunderte über einielne Deutsche Herflelen und in die Wohnungen Deutscher eindrangen, um dort Feniier emzuwersen, Waaren und Mobilien zu zerstören. Graf Arnim hat, sobald er glaubwürdige Mittheilungen über diese Vorgänge erhalten, in sehr gemessener Weile die französische Negierung darauf aufmerksam gemacht. Der Vertreter Deutlck. land- verlangt die Unterdrückung des frevelhasten Journals „Antiprusflenne" und e.ne Weisung an d.e Justizbehörden, den Schutz der Gesetze den Deutschen ebenso wie Allen, die in Frankreich leben, mit strenger Unparteilichkeit zu gewähren Nachdem w.r mir Frankreich Frieden geschlossen, dürfen sich die Franzosen nicht ungestraft erkühnen, die in Frankreich lebenden Deutschen so zu stellen, als lebten 6lt_£ ln Land. Hoffentlich werben die vom Gesandten gethanen Schritte nicht fruchtlos bleiben und andernfalls Mittel gefunden werden, der an Wahnsinn -'nehmen'! Ctr Sranjcfen gegen die Deutschen die gefährlichen Folgen zu
« an ^“ngentc Umstände veranlassen e«, baß gegen die frühere Di«.
Position die Munzsrage vielleicht schon in ber nächsten Reichslagssession zum Aus» trage gebracht wirb. Es ist nämlich an französischen Münzen Uebeifluß vorhan» den und e« liegt gleichzeitig in den Verhältnissen, daß diese die deutsche Münie nicht ersetzen können, woran schließlich Mangel eintritt, weil man mit neuer Prä- flung angesichts Der bevorstehenden Veränderung zögert. Die Berichte der Bankfilialen bringen übereinstimmend aus Abhilfe dieser Üebelstände. Daß und in wel- chem Umfange dies auf Grund der Beschlüsse des volkswirthschastlichen Eonaresse« ^ Lübeck geschehen wird, ist zuerst an dieser Stelle gemeldet und durch svätere Mittheilungen bestätigt worben. w p
Der «Köln. Ztg." wirb au« Pari« geschrieben: Die Aufführung mancher Osfijiere der Pariser Garnison gibt seit einiger Zeit zu wahren öffentlichen Aeraer. Nissen Anlaß. Nachoem diese Herren nicht mehr, wie ehemals, die^Erlaubnib haben, in (Sivil auszugehen, wenn sie keinen Dienst haben, genircn sie sich nickit Uber die Boulevards zu promeniren ober ihren Absynth zu trinken in Gesellschaft galanter Damen, die vielfach zur untersten Rangstuse ber Coeolten gehören D e Pariser sinb k.ine Catone, aber die Sache war do» so arg geworden daß sie den allgemeine» Unwillen erregte Es bedurfte eine« Rundschreiben« de« Krieg«,n>ni- ster um einem solchen Austreten von Kriegern ein Ende zu machen, die sich vom Gotie Cupido für da« entschädigen ließen, wa« ihnen von Mars entzogen worben
schastllche Qualistcatton zum einjährig freiwilligen Militärdienst berechtigt sind. Vom 14. September 1871.
(Rr. 699.) Bekanntmachung, betreffend diejenigen Gymnasien, welche hinsichtlich ihrer vom Unterrichte in der arieämcken -r
’ tnrV|- 7oo ? R C' bCt MMär-Ersatzinstructio.. vom 26. März 1868 bezeichneten Sellien?«&«n. ZTeÄ B“1“11*
rlr 70n m von Generalkonsultt, bezw. Konsuln Uiid Vicekonsuln des Deutschen Reichs zu Bukarest, Galatz, Jassy und Giuraewo
(Nr- 701.) Deßgl. zu Corfn, Calamata, Patros, Piräus, Syra und Cephalonia. 1 J 1,9 U,W
Gleßen, 26. September 1871. tfc—ivtrwxc-xaztrpvil.
In Verhinderung des Kreisraths: K e k u l s , Kreisassessor.
rs)?r9?6qs3l8 9A6t binchö-Gesetzblattes des Deutschen Reiches, ausgegeben zu Berlin am 19. September 1871, enthält:
. n,'mTfi8' r Dckanntmachung des sechsten Verzeichnisses derjenigen höheren Lehranstalten, welche zur Ausstellung gültiger Zeuanisie über die willen
' Qualistcatton zum eunahrm freiwilliaen Militärdienll bereckuiat ii„< Nnn, id 19 9 9 äeU9m,,e ubcr Ote 'vistcn-
1 ff ?(,u3na^mc Montags, und beträgt der Abonnementspreis in der Stadt Gießen vierteljährlich
IV ?.e" ^b°nncnten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch
im IV. Quartal 1871 zusenden und den Abonnementsbetrag wie früher durch Quittung erheben lassen.
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nOn"Cn n”* 6ct tcr. °ber den Landpostboten abonniren. Damit wir nun in den Stand gesetzt sind, die Auflage M S ^^'mmen zu können, ersuchen wtr Alle, welche auf den Gießener Anzeiger noch abonniren wollen, dies sofort jetzt bei de/ibncn S"lXnC e9enen ^°ßanf}a ‘ °bCr CCn Landpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen können, vollständige Exemplare
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