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damit drängt sich die Frage immer stärker in den Vordergrund: was wird ge­schehen, toenn mit der Uebergabe der Hauptstadt die terroristische Herrschaft Garn- betta'S im Süden noch nicht ihr Ende findet? Müssen unsere Heere dann gleich- falls Bordeaux und Toulouse, Lyon und Marseille einnehmen? Die Sssrn. Ztg. schreibt:Das deutsche Heer kann sich nach der Einnahme von Paris die ruchsten Provinzen Frankreichs aussuchen und in diesen, massenweise gelagert, sich sicher, ja, unangreifbar einrichten. Ebenso unangreifbar kann die Verbindungsregion mit Deutschland gemacht werden, und mit derselben auch diejenigen Landschaften, die wir für Deutschland zuruckzubehalten gedenken. Die Aufgabe der französischen Machthaber, welche von dem Frieden nichts hören wollen, wird es alsdann sein, immer neue Schauren französischer Streitkräfte gegen die deutschen Stellungen zu fuhren, an denen sie rubm'oS und fruchtlos zerschellen werden. Wir haben das Haus des Feindes durch unsere Offensive erobert. Wir v rtheidigen uns nicht in unserem, sondern in deS Feindes Haus. W:r verzichten nur darauf, ihn durch alle Schlupfwinkel seines Gartens und Feldes zu verfolgen. Mag er aus den­selben hervorkommcn, so oft er will, er wird uns aus seinem Hause nicht ver­treiben. ES ist nicht zu fürchten, daß der Friede bei dieser Krie-SMethode, sobald der Feind ihre Wirkung kennen gelernt hat, länger ausbleibe, als wenn wir unter Aufbietung aller militärischen Mittel und Opf-k Frankreich besetzen wollten. Verwalten und regieren könnten wir das Land nicht." UedrigenS erbeben sich schon jetzt in Frankreich selbst bereits immer mehr Stimmen gegen Gambetta's unbedingten Trotz, und nach dem Falle von Paris wird das sicher noch viel mehr der Fall sein (K.Z)

Viel Aussehen erregt die plötzliche Reise des preußischen Gesandten in Wien, des Generals von Schweinitz, nach Pesth, wo derselbe eine lange Unter redung mit dem Grafen Beust hatte, und dann vom Kaiser zur Tafel gezogen war. Man bringt die Reise des Gesandten mit den Gerüchten in Zusammen­hang, welche über eine beabsichtigte Intervention des Grafen B uff zu Gunsten des Friedens cursiren. Osficiös wird zunächst nur verlautbart, Herr v. Schweinitz habe in Pesth eine Depesche des Grafen Bismarck (d. d. Versaill s, 8. Jan ) w'tzutheilen gehabt, welche zunächst der freudigen Genugthuung des Königs Wil- Helm über die so hochherzig dem deutschen Einigu-'gswelk cntgegengebrachten per sönlichen Sympathien des Kaisers warmen Ausdruck gebe und sodann die zuver­sichtliche Hoffnung au?spreche, daß fortan zwischen Deutschland unv Oesterreich diejenigen freundschaftlichen Beziehungen aufgecichtet wurden, welche speciell Deutschland durch die That zu bekräftigen jede sich darbietende Gelegenheit mit Eifer ergreifen werde. Die Veröffentlichung des Schriftstücks soll binnen Kur­zem bevorftehen.

Was übrigens die Absicht des Grafen Beust betrifft, zu Gunsten des Frie­dens Schritte zu thun, so dürften dieselben nicht eine diplomatische Mediation zwischen Frankreich und Deutschland, sondern nur die Einleitung von Verhand­lungen bezwecken. Selbstverständlich wurde es sich darum handeln, den französi. schen Machthabrrn gegenüber die bisherige zweideutige Stellung Oesterreich-Un­garns aufzugeben, und die n.'uerdings erfolgte Annäherung zvischen Oesterreich und Deutschland läßt über die deSfallsigen Intentionen M Reichskanzlers keinen Zweifel zu.

Aus dem sächsischen Hauptquartier meldet derDaily NewS", daß be- reits wie zur Zeit vor der Capitulation von Metz die Anordnungen getroffen wurden, um die Belagerungstruppen anderweitig zu verwenden. Manteuf- fel'S Versetzung nach dem Osten ist, wie im Weiteren angedeutet wird, als eine von den Veränderungen zu betrachten, die mit unter diese Rubrik gehören. Die Uaterwerfunr von Lyon und des südlichen Frankreichs überhaupt wird dem General in seinem neuen Eommando als Hauptaufgabe zufallen. Das König­liche Hauptquartier soll auch nach der Einnahme von Paris in Versailles blei­ben. Als Garnison für die Hauptstadt sind die Sachsen, Bayern, Würtrmbergrr, Mecklenburger, die Landwehrdivisionen und vielleicht das Gar:ecorpS bestimmt. Das zur Maasarmee gehörige 4. Armeecorps würde uadurch verfügbar werben. Der Kronprinz von Sachsen soll für den Oberbefehl über die gegenwärtig unter Goeben stehende erste Armee bestimmt sein und dürfte für Die Vollendung der Arbeit im Norden zu den Truppen dieses Commando's weitere beträchtliche Ver­stärkungen erhalten.

DerFr. Pr." wird vom Rhein, 15. Jan., geschrieben: Noch immer wollen die Truppenzüge durch das Badische nicht nachlassen und der Verkehr wird nun außerdem auch noch erschwert werden, indem die vielen Gefangenen nach Deutschland zu transportiren find. Handel und Wandel liegt daher ungemein darnieder und die Lieferanten in Mannheim bieten die höchsten Trinkgelder, um nur ein paar Wagen an die Züge nach Frankreich angehänzt zu bekommen. Eigentlich liegt das Hinderniß nicht am Mangel von Waggons, als vielmehr an dem des Bedienungspersonals unv der Leitung, da ein richtiges Jneinandergreifen fehlt und somit manche Zeit nicht benützt werden kann. So ist z. B. während des Kriegs eine Eisenbahn von Bruchsal nach Germersheim hergestellt worden und zwar auf dem Straßendamme, aber sie wurde bisher nur für das Militär benutzt und ist dem Güterverkehr noch nicht dienstbar gemacht, obschon dies sehr forderlich wäre. Zu dieser Colamität kommen nun die Blattern, welche in die ganze Rheinebene eingeschleppt wurden und ziemlich stark auftreten. So hatte die Stadt Bruchsal allein 106 Krankheitsfälle gehabt unv sind dazu wieder 36 neue gekommen. Sie herrschen auch in Mühlburg unv sodann besonders an der Berg­straße oberhalb Baden, wo sie auch schon Todesfälle erzeugten. Daß sie aus dem Elsasse herübergeschleppt wurden, steht fest; vielfach aber fehlt es an Vor­sicht unv gehöriger Absperrung, und wenn vor Kurzem beim Begräbnisse eines in der Nähe von Steinbach gestorbenen Vlatternkranken Pfarrer, Meßner und die Leichenbegleitung alsbald auch die Blattern bekamm, so ist doch lediglich der Mangel an Vorsicht deren Ursache. Im Elsasse schreitet die Organisation der deutschen Verwaltung vorwärts, ungeachtet der großen Schwierigkeiten, welche die Bevölkerung entgegensetzt und der verschiedenartigen Beamtenelemente, deren sich die Bevölkerung bedienen muß. Ob an die Spitze der letzteren ein süddeutscher Prinz gestellt werden wird, will ich dahingestellt sein lassen, ich wenigstens kenne keinen, der der Rolle eines Statthalters gewachsen wäre. Wenn aber für den­selben ein hoher Gehalt verlangt wird, weil er Theater, Kunstanstalten u. s. w. zu unterhalten habe, so will ich bezüglich des ersteren in Straßburg nur erwäh­nen, daß dies nicht nothwencig ist, weil es selbst einen Fonds von 3 M.ll. Fr. besitzt. Eine Hofhaltung würde daselbst allerdings Handel unv Verkehr beleben und Vielen Verdienst verschaffen; aber in politischer Hinsicht möchte e6 sich weniger empsedlen, da gerade die Straßburger und Eljässer am meisten republikanisch ge­firmt sind und an einem fürstlichen Hofleben schwerlich Gefallen finden. In Mar- kirch wurde dieser Tage das Forterscheinen der dortigen Zeitung eingestellt und zwar durch die Polizei und es könnte gar nichts schaden, wenn dies dem Mühl­

hausenerInvustriel alsacien" ebenfalls geschehe, denn er nährt nur die franzö- si'chen Siegeshoffnungen und gruppirt die Telegramme so, daß stets französische Siege daraus constatirt werden. Bon unseren Soldaten am Südabhange der Vogesen sind in den letzten Tagen weniger Nachrichten eingelaufen, da die Ver­legung des H ruptquartiers der Postbeförderung nicht günstig war. Aus Allem geht aber hervor, daß das Werder'fche Corps Desoul nur als das zuerst zu erreichende Ziel im Auge hatte, um den am Oignon heraufziebenven Franzosen den W-'g zu verlegen unv daß es sodann nach Lure am oberen Oignon unv Dem südlichen Fuße des Ballon d'Alfar kam, indem Werder sein Armeecorps auf Der Straße von Besoul gegen Mömpelgard vorgehen ließ, wo es sodann beiVllers- Exel am Oignon einen Zusammenstoß hatte, worauf es seinen W iterrnarsch nach V Uecheoreux fortsetzte, um auf den beiden sich hier abzweigenden Straßen feste Stellung hinter dem Doubs, zwischen Jsle und Mömpelgard zu nehmen, wo er ruhig Den Gegner erwarten kann, Der von Besancon her vorrückenv, seine Vor- truppen jetzt zu Pierrefontaine und Clamout stehen hat.

Emile de G rardin erzählt in seiner neuesten Flugschrift:Les cont jours, als Beleg von Der prahlerischen Selbsttäuschung der Delegation, eine Unter­redung, Die er mit Glais Bizoin, Mitglied Der Regierung in Tours, am 5. October hatte. Auf die ihm gemachten Vorstellungen antwortete er:Seien Sie ruhig und machen Sie sich keine Sorgen! Ich will mir Den Kopf ab- schneiden lassen, wenn vor Ende des Monats, wenn vor Dem 31. Dec. Paris nicht durch Die Loire-Armee, die bereits 300,000 Mann stark, Deblofirt ist. Ich sage Ihnen das ganz bestimmt und Sie können meine Zusage wieder rzählen." Girardin fragt:Und wie ist diese, in Gegenwart von mehre­ren Zeugen eingegangene feierliche Verpflichtung gehalt,n worden?" Gegenüber Den zahlreich n Protesten gegen die Auflösung Der Generalräthe soll, wie die France" aus eineranscheinend sicheren Quelle" erfährt, Die Regierung einlen- fcn unv keine Provinzial-Commissionen einsetzen, ja, das Decret vom 25. Dec. überhaupt fallen lassen wollen. DiaFrance" setzt hinzu:WaS die Regie­rung rn Mißcrevit bringe, ist ihr Anspruch auf Unfehlbarkeit." Aber Gambetta hat wiederholt imSiöcle" nachweisen lassen, daß Die Vernichtung Der General­räthe eine wohl überlegte republikanische Maßregel sei; Gambetta braucht Gelv, und waS er m t Den Departemental-Commissionen bezweckt, sagte er unverholen in Dem betreffenden Rundschreiben an Die Präfecten, worin es heißt:

Die Regierung hat sich Die Ernennung Derselben Vorbehalten, Sie haben mir daher nur Die Vorschläge zu machen, Die ein Decret regeln soll, Ich em­pfehle Ihrer ganzen Aufmerksamkeit diese Bezeichnungen Der Personen. In Den jetzigen Verhältnissen des Landes sind diese von einer Wichtigkeit, Die Ihnen emleuchten wird.

Die Auflösung Der Generalräthe berührt am empfindlichst n Die großen Grundbesitzer, Denn diese sehen, daß es auf ihren E nsluß und auf ihren Gelvbeu- tcl abgesehen ist; die Mitglieder der DepartementaLCommissionen können daher, da sich um jene hanvelt, nur aus DenPatrioten" genommen werden, und dies eben sind die Leute, die Gambetta braucht. Auf Der anderen Seite steht das Interesse der Sept-'mbermänner in Paris, die Gambetta's Anhang scheuen und zu fürchten anfangen, daß sie mit ihm in Den AbgrunD gezogen werden, wenn er erliegt, und Daß sie von ihm Die Diktatur entgegennehmcn müssen, wenn er siegt. Die letztere Chance hat ab,r jetzt viel verloren, und so ist es nicht unmöglich, daß von Paris aus auf Die Departementa.»CornMissionen mit Miß­trauen geblickt wird. Frankreichs innere Lage ist auf einen Punkt gelangt, daß diese inneren Kämpfe jetzt mit Aufmerksamkeit verfolgt werdm müssen.

DerAllg. Ztg." wird geschrieben:Da JuleS Favre wegen der kritischen Vorgänge in und um Paris nicht bei Der Conferenz erscheinen kann, so ist auch die Hoffnung, daß Die FrieDensfrage auf Der Conferenz werde zur Sprache, ge­bracht werden, wieder als aufgegeben zu betrachten. Damit entfallen auch alle L.rstonen über österreichische Friedensvorfchläge."

Der V cekönig von Aegypten beabsichtigt, Die ägyptischen Bahnen zu tier» kaufen. Einer Sanktion bedarf es zu diesem Kaufgeschäft nicht, da Die Bahnen zum Ptivatvermögen Des VlcekönigS gehören. Der Chef des Wiener Bankhauses Max Springer begiebt sich zu Den betreffenden Verhandlungen nächstens nach Kairo.

Kriegsnachrichten.

lieber den artilleristischen Angriff auf Paris gehen demDaily Telegraph" aus Versailles die nachstehenden, bis zum 10. d. reichenden telegraphischen Mit- theilungen zu:

Während Der Nacht zum Sonntag feuerten die deutschen Batterien nicht allein Granaten, sondern auch Raketen in Die Stadt. Alle Batterien sind mit Munition für IS Tage versehen Die Genieoffiziere rechnen noch vor Der Er­schöpfung dieses Munitionsoorraths auf die Uebergabe der Stadt. Die FortS erwiedern das Bombardement nur sehr schwach: aber die Enceinte und die Em­placements unterhalten ein lebhaftes und andauerndes Feuer. Die thatsächlich unter Angriff befindliche Front besteht aus etwa einem Viertel der Enceinte oder 23 im Ganzen mit 600 Geschützen armirten Bastionen. Die schwersten franzö­sischen Geschütze hat der Montmartre. Auf dieser Seite der Fortificationen giebt es außer in Mont Valerien nur wenige Monstregeschütze. Es wird beabsichtigt, das Hotel De Ville, das Jnvalidenhotcl und den Palast Luxembourg zu zerstören. Am nächsten Sonntag sollen 10,000 Brandgranaten nach Paris hineingeworfen werden. In Der Nacht am 8. d. nahmen 86 Deutsche durch einen Handstreich Die französische Batterie Notre Dame Ve Ciamart weg. Die Geschütze des Festungs- welkes wurden unverzüglich auf Fort Jssy gerichtet und ein lebhaftes Feuer er­öffnet, welches diesem Fort Den meisten von ihm erlittenen Schaden zufügte. Die vorgeschobene Batterie unweit Clamart hat ihr Feuer eröffnet. Sie schießt eine Meile weiter in die Stadt hinein als Die anderen preußischen Batterien in diesem Theile.

Aus Bordeaux wird denDaily News" über Die Verhaftung Des ehe­maligen kaiserlichen Ministers Pinard geschrieben, daß Dieselbe Durch den Obersten Bordone, Ches des Garibaldi'schen Stabes, vollzogen wurde. Pinard wurde in flagranti ertappt, als er in Autun an die Soloaten Nummern desDrapeau" verteilte. Da er merkte, daß Die Behörden Der Republik ihm auf Der Spur waren, versuchte er, zu entkommen, indem er sich einem Leichenzuge anschloß, und so wurde durch ein eigenthümlicheS Zusammentreffen Der Mann, dessen Vorgehen gegen die Besucher von Baudin'S Grab auf Dem Montmartre mehr als irgend ein anderes dazu beigetragen hatte, Den republikanischen Geist wieder zu beleben, auf einem Kirchhofe verhaftet. Bordone schickte ihn nach Lyon, wo er jetzt tu Haft ist und wahrscheinlich wegen Aufreizung zur Meuterei in Dir Armee vor ein Kriegsgericht gestellt werden wird. _

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