ciale Ordnung gering achten.
Friedensstand de« norddeutschen Heeres noch für die nächsten fünf Jahre, also bis Ende 1876, beizubehalten. Wie wir hören, wird sogar der Krieg-Minister im nächsten Reichstage eine Vorlage dahin erbringen, daß die Cavallerieregimenter anstatt der bisherigen fünf, künftig au- sechs Schwadronen bestehen sollen, was eine Vermehrung um 94 Schwadronen ausmacht, und leider sind die militärischen Anstrengungen Frankreichs und die Erklärungen, welche Graf Brust und der österreichische Kriegsminister in der Reichstagsdelegation abgegeben haben, durchaus nicht darnach angethan, die Gründe der deutschen Reichsregierung für Bribehal- tung bezw. Erhöhung de- Militäretat- abzuschwächen. UebrigenS haben die Aeuße- rungen der österreichischen Staatsmänner in unseren Regierungskreiseu ein außer- ordentliche- Erstaunen hervorgerufen, denn es liegt doch absolut kein Grund vor, derartig mit dem Säbel zu raffeln, wie man es in Wien für geboten hielt. Niemand in Europa denkt daran, Oesterreich zu einem Kriege zu zwingen; wozu also der ganze Lärm? Es liegt natürlich die Vermuthung nahe, daß die Politik des Grafen Hohenwart, welche gegenwärtig im Innern Oesterreichs zur Geltung gekommen ist, auch nach Außen hin in Scene zu setzen, sobald die Gelegenheit dazu sich günstig erweist. Es giebt noch heute eine Menge Leute, und zwar gerade in den einflußreichsten Kreisen Oesterreichs, die es als einen schweren Fehler der oster- reichischen Regierung bezeichnen, daß diese in dem Kriege 1870/71 sich neutral verhielt, und die nun alle Hebel in Bewegung setzen dafür, baß Oesterreich in dem zu erwartenden Rachekriege Frankreichs gegen Deutschland gemeinschaftliche Sache macht, bet der also auch Oesterreich seine Rachegelüste befriedigen möchte.
Die Stärke der österreichischen Armee gab Graf Beust in der ReichSrathS- delegation auf 650,000 Mann an, in Wahrheit kann dieselbe aber noch nicht einmal 400,000 Mann ins Feld stellen. Für die Landwehr fehlt es bis jetzt noch durchgängig an Ausrüstungsmaterial, Waffen, Pferden u. s. w., es können überhaupt nur 10 «rmeecorps aufgestellt werden, jedes in der ungefähren Stärke von 36,000 Mann. Und dabei müßte man doch immer von der Voraussetzung ausgehen, daß im Innern die Ruhe vollständig aufrecht erhalten wird und die Magyaren ihr Geld und Blut für Zwecke opfern, welche ganz außerhalb ihrer Interessen liegen, — sofern es sich nämlich um einen Krieg gegen Deutschland handelt, den man unzweifelhaft in Wien in Aussicht genommen hat und auf den man sich vorzu- bereiten sucht. Die viel beregten Aeußerungen des Grafen Beust und des öfter- reichischen Kriegsminister- sind übrigens seitens der deutschen Gesandtschaft in Wien zum Gegenstand einer Interpellation an den Reichskanzler gemacht worden.
In KöoigShütte sind aus Anlaß der dort stattgehabten Unruhen bisher achtzig Personen verhaftet worden. Die Aufregung, die zu Anfang der Bewegung eine außerordentliche genannt werden mußte, hat sich jetzt bereits bedeutend gelegt, und es steht zu erwarten, daß mit Ablauf dieses Monats auch der Belagerungszustand wieder aufgehoben werden wird. Auf die Arbeiterbevölkerung der umliegenden Städte haben die Vorgänge in Königshütte gar keinen Einfluß ausgeübt.
Nach einem Beschlüsse des holländischen Finanzministers vom 15. Juni v. I. sollen alle sogenannten Halb-Edclsteine, wenn sie in ihrem ursprünglichen Zustande oder einfach geschliffen in die Niederlande eingeführt werden, frei von Eingangs- zöllen zugelaffen werden, daraus verfertigte Gegenstände jedoch, wie Hemden- knöpfe, Ohrbommeln, Tuchnadeln und dergleichen, unter der Tarifklaffe „Kurz- waaren" begriffen und somit bei der Einfuhr mit 5 Procent vom Werthe verzollt werden.
Die „Volkszeitung" erhält von einem Offizier folgenden Feldpostbrief: „Es ist gar nicht möglich, oft genug darauf aufmerksam zu machen, daß deutsche Ar» beiter nicht jetzt schon nach Frankreich zurückkehren sollen. Es mögen einzelne Fälle vorkommen, daß die Principale ihre deutschen Arbeiter zurückrusen, und in Comptoiren, wo nur wenige Leute arbeiteu, mag e« ja gehen, in den großen Werkstätten weigert sich aber der französische Arbeiter, mit dem deutschen zu arbeiten, und e- wird ihm unmöglich gemacht, Arbeit zu finden. Kleinen Hand- werkern, die ihre Läden wieder öffnen wollten, wurde ihr Handwerkszeug zerschlag gen und sie selbst gemißhandelt, und das geschieht in Orten, wo unser Militär liegt. Welchen Gefahren sind die Leute nicht erst ausgesetzt, sobald wir diese Plätze räumen? An den Bahnhöfen von Pantin und Noisy stehen jeden Tag viele Arbeiter, die aus Deutschland voreilig nach Paris gegangen sind, und bitten, ob es nicht möglich sei, sie nach Deutschland zurückzuschaffen, wa« wir dann leider nicht einmal können. Mir sagten heute vier Arbeiter, die vor wenigen Tagen angekommen waren: Wenn wir uns von hier bi- nach Deutschland da- Brod betteln müffeo, hier bleiben wir nicht, sie schlagen uns ja todt. Und nun standen die armen Leute rathlos da und wußten nicht, wie zurückkommen. Wenn man, wir wir, dieses Elend jeden Tag sieht, so kann man nicht genug zur allergrößten Vorsicht rathrn.
Paderborn, 9. Juli. Gestern Nachmittag 5 Uhr erschlug auf dem in UN. mittelbarer Nähe der Stark liegenden Schützenhofe ein Soldat de- hier erst vor vier Wochen in Garnison geiegten 2. Bataillon« 6t« 5. westphälifchen Infanterie- Regiment- Nr. 53 eine adelige Dame au- Duisburg, welche nach dem- Bade auf Vem „Inselbade ^ ihren Weg über den Schützenplatz nach der Stadt zurücknahm, v.e Leiche sah schauderhaft zugerichtet aus und lagen große Blutlachen neben ihr: ?,bl* 11 resp. Stichwunden im Gesichte und am Kopfe, ein Backenknochen- plitter nebst Ohrring daneben rc. Was den erst Mittags von der Wache ae- kommenen Soldaten zu diesem scheußlichen Morde getrieben, ist unbekannt. Nur schwer gelang es, denselben zu arretiren.
Aus der Pfalz, 10. Juli. Die Truppenzüge durch unsere Provinz sind nun zu Ende, und die Aufnahme, welche die dankbare Pfalz den heimkehrenden Tapferen zu Theil werden ließ, hat in hohem Grade die Anerkennung der letzteren gefunden. Der Commandant der 25. (hessischen) Division, Prinz Ludwig von Hessen, hat sich zum Organ derselben gemacht, indem er an die Krei-regicruna das nachstehende Schreiben richtete: "
„Der königlich bayerischen Regierung der Pfalz fühle ich mich gedrungen, für die freundliche und zuvorkommende Aufnahme, welche den Truppen der aroß- herzoglichen Division bei dem Durchmärsche durch die Pfalz vom 11. bis 18. D. M. zu Theil wurde, meinen besten Dank auszusprechen. Ich habe mit großer Befriedigung allerseits das herzlichste Einvernehmen zwischen den Bewohnern der belegten Orte und den mir unterstellten Truppen wahrgenommen. Dudenhofen war der einzige Ort, in welchem nach einer hierher gelangten Meldung der 2. Escadron des 1. Reiterregiments die Aufnahme Seitens der Bürger bei der am 15. Juni daselbst stattfindenden Cantonnirung bedeutend gegen die in sämmtlichen übrigen Orten der Rheinpfalz beobachtete Haltung der Bevölkerung contrastirte. Daselbst erschien weder die Ortsbehörde zur Begrüßung der Truppen, noch war zum Empfang der Truppen eine Blume sichtbar, und fehlte der Fahnenschmuck an den meisten Häusern. Auf die Frage nach der Ursache dieser auffallenden Kälte wurde den Truppen die Antwort zu Theil: „Die Gemeinde habe schöne Fahnen' wenn die Soldaten sie sehen wollten, hätten sie einige Tage vorher am Frohn- leichnam-feste kommen sollen." (gez.) Ludwig, Prinz von Hessen, Generallieutenant und Commandeur der großherzoglichen 25. Division."
In dem Circular, durch welche- die Kreisregierung dieses eigentümliche Dankschreiben den pfälzischen Gemeindevorständen mittheilt, ist bemerkt, „daß die Anerkennung de- patriotischen Sinnes, welche unsere deutschen Truppen der Pfalz bewahren werden, durch das erwähnte Verhalten einer einzigen Gemeinde nicht beeinflußt werden wird." (Pf. K.) w
Karlsruhe, 13. Juli. Die Karlsruher Zeitung enthält eine kaiserliche Cabinets-Ordre, dattrt Ems, 10. Juli, durch welche das General-Commando de- 14. Armeecorps beauftragt wird, die in den Verband der preußischen Armee über- tretenden Generale, Offiziere, Beamten und Soldaten in des Kaisers Namen Herz- lich willkommen zu heißen. Bis zum Ergehen der speciellen Personalbestimmungen verbleibt Jeder an seiner bisherigen Stelle. Die Cabinets-Ordre schließt: „Es ist Mir eine besondere Freude, den badischen Truppen bei dieser Gelegenheit Meine volle Anerkennung für ihr ausgezeichnetes Verhalten im letzten Feldzuge und Meine Freude darüber auszusprechen, daß sich, Dank des großherzigen Entschlusses ihres Kriegsherrn, eine so vortreffliche Truppe mit der preußischen Armee vereinigt."
München, 15. Juli. Der Kronprinz de« deutschen Reiches ist um 9 Uhr 10 Min., von Frankfurt kommend , hier eingetroffen und auf dem prächtig geschmückten Bahnhofe vom Könige, den Prinzen, der Generalität und den Stadt- verordneten empfangen worden. Auf der Fahrt zur Residenz wurde der Kronprinz und der König von der unabsehbaren Menge mit begeisterten Hoch« bearüßt Abends 11 Uhr findet Familientafel bei der Königin-Mutter statt.
München, 15. Juli. Der König hat einen Armeebefehl erlassen, worin er sagt: er danke seinem treuen bayerischen Heere für dessen tapfere Thaten; er gedenke bewegten Herzens der Opfer des Kriegs. Auch unter den Segnungen de« Friedens möchten die Krieger die ächten Kriegertugenden pflegen, „daß diese __
schließt der Befehl — in lebendiger Kraft sich erhalten in meinem Volke und da« Vaterland in euren Söhnen dereinst den Heldenmuth der Väter wiederfinde."
Versailles, 16. Juli. Trotz alle« osficiellen Abläugnen- scheint die Explosion von Vincennes da- Resultat eine- vorbedachten Verbrechen- zu sein.__Lord
Granville wird nächste Woche hier erwartet.
Berlin, 13. Juli. Von einem Manne, der früher kommunistischen Bestrebungen nicht fern gestanden hat, seitdem aber weit davon zurückgekommen ist, erhält die „D. Allg. Ztg." folgende Mittheilung: „Der Plan zur Bildung der Internationale dattrt nicht vorn Jahre 1862 und die Gründung nicht vom Jahre 1864; dieselbe besteht vielmehr schon seit über 20 Jahren. Gleich nach meiner Entlassung aus dem Central-Untersuchungsgefängniß in Augsburg (für die politischen Maigefangenen) im März 1850 erfuhr ich durch einen Emissär bas Bestehen der Verbindung in Form einer Conspiration unter Engels und Marx, und im folgenden Jahre besuchte mich ein Emissär (Weidemeyer, inzwischen gestorben) in H., wo ich unter Dorwiffen meiner politischen Gesinnungsgenossen da« Amt des Vorsitzenden der dortigen „Gemeinde" (jener Gesellschaft) annahm, al« welcher ich einem Congreß in Frankfurt a. M. beiwohnte, der von Mannheim, Mainz, Gießen, Frankfurt a.M. Hanau rc. beschickt war. Damals hieß die Partei die „communistische"; erst später nahm sie den Namen „socialdemokratische" Partei an. Aber schon unter dem Namen communistische Partei war sie eine internationale Verbindung und hatte an der Spitze ihre- Programm- die Mahnung: „Proletarier aller Länder, ver- einigt euch." Das „Manifest der communistischen Partei", das gedruckt seit 1851 m , c ist' enthält ganz genau das Programm und die Grundzüge der
r! ! . „ A Internationale. Die Propaganda, erleichtert durch die großen ndustnellen Etablissements, die inzwischen entstandenen politischen Vereine, hat seit j er Zelt jet-enfaÖ« ihren Fortgang gehabt; die Organisation war bereits 1850 18 "Aschen höchstens den Umständen angemessen modificirt worden
H h $ C "®^tralca(fa wurde bereit« damals durch Beiträge der einzelnen Mitglieder und „Gemeinden" gespeist. - - - - ■ — - - 4
!?.r!hL?" A®^b‘nt,Un8 "u.r “uf kur«e Z-it unterbrechen. Nur Thoren können
Paris, 15. Juli. Dar „Journal vfficiell" theilt mit: Die Explosion in Bincennc« entstand in einem Artillerieschuppen, welcher zur Aufbewahrung von Patronen und Geschossen diente. Da die Schläge nacheinander in getrennte» Werksalen erfolgten, konnten die Arbeiter entfliehen. Nur ein Artillerist wurde getödtet, sechs erlitten Verwundungen. Da« Feuer entstand durch die Unachtsam- keit von Arbeitern, welche damit beschäftigt waren, Patronen zu entleeren.
Riga, 14. Juli. Im Flußbett der Düna ist ein große« Feuer au«gebrochcn. Oberhalb der Kloßbrücke «crbrannten die amerikanische Bark Hiller« Bourges und Ver französische Schooner Desire. E« brennen noch etwa 15 mit Hanf, Hanssaat und Getreide beladene, so wie 12 unbelavcne Barken. Daß da« Feuer sich noch weiter verbreiten wird, ist unwahrscheinlich.
Newstork, 13. Juli. In den letzten Tagen »ar e« schon »orherzusehen drß wir einen blutigen Straßenkampf erleben würden. Die Orangisten hatten beschlossen, den heutigen Tag durch einen großen Aufzug zur Erinnerung an die Niederwerfung de« katholisch-iakobitischen Aufstande« zu begehen. Die katholischen Irländer, au« denen bekanntlich die Hefe de« Newyorker Straßenpöbel« sich rc- crutirt, hatten jedoch eben so fest den Borsatz gefaßt, diesem Triumph über die Niederlage ihrer Bat» in den Weg zu treten. Rüstungen wurden von beiden Seiten betrieben. Am vorigen Sonntag ermahnte die katholische Geistlichkeit ihre Gemeinden von der Kanzel, sich aller Ruhestörungen zu enthalten: am Montag erließ die Polizei sogar ein verbot gegen die Prozesston. Letztere Maßregel aber eief große« Mißfallen im Publikum hervor, welche- darin einen unrechtmäßigen Eingriff in die Rechte de« Bürger« sah. Diese« Verbot wurde denn auch zurück- genommen und der Gouverneur Hoffmann veröffentlichte eine« Aufruf, worin er der Prozcsston den vollen Schutz der Sicherhei,«behörden zusagte, vor Fr!eden«bruch warnt- und alle guten Burger aufforderte, sich mit den Behörden zur Aufrecht- Haltung der Ruhe zu vereinigen. Gestern Nachmittag um 2 Uhr setzte sich der , ■ r .- Orangistcn-Aufzug in Bewegung, unter militärischer und polizeilicher Deckung. Di«
''^«Niunistenprozeß '»Köln hat die Fort- Katholiken hatten sich diesmal an den Rath ihrer Geistlichen nicht gekehrt, sondern diele leit 20 »nterbrochen. Nur Thoren können strömten Hinz« und griffen den Zug an. Die Soldaten gaben Feuer aeaen Vie
eiäle "wachsen- Verschwörung gegen Vie so- Ruhestörer, unv e« entspann sich ein Kampf, v.m v!e,e Tobte und Berwünd^e
- - - - • »um Opfer sielen und der sich bi« in die Dunkelheit hinein fortsetzte. Alle «er-


