Gießener Anzeiger
Anzeige- und Anrtsötatt für den Kreis Hießen
1871
Samstag dm 18. Februar
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Gießen, am 11. Februar 1871.
Echo du Parlament" zufolge für den Einzug neue
Erscheint täglich, mit Ausnahme MontagS.
Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Preis vierteljährig 1 fL 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.
Brodpreise vom 18. bis 24. Februar 1871,
nach eigener Erklärung der Bäcker:
4 Pfund gemischtes Brod 21 ,r. 2 Pfund gemischtes Brod 10'/- kr. 4 Pfund Roggenbrod 18 kr. 2 Pfund Roggenbrod S kr.
Betreffend: Das Landgeslüt, nunmehr die Untersuchung der als Beschäler zu benutzenden Hengste von Privatpersonen für 1871. • • t
Uniformen erhalten haben.
Aus Versailles wird dem „Daily Telegraph" vom 10. dS. telegraphirt: Der Einzug der deutschen Truppen, welche abdetachirt werden, um die Häuser längs der Straßen auf der Linie des triumphirenden Durchzuges zu besetzen, wird am 19. Mittags stattfinden. Der Kaiser wird am 22. noch Paris gehen und zwar per Eisenbahn von Versailles; von der Pariser Station wird er sich dann nach den Tuilerien begeben, um dort mit seinem Hose und den Generälen seiner Armee ein Gabelfrühstück einzunehmen. Darauf wird Se. Majestät eie Belage- rungsarwee inspiciren, welche mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen aus dem festgesetzten Wege durch Paris morschiren wird. Nach dem Triumphzuge kehrt der Kaiser nach Versailles zurück, um dort zu übernachten, stattet aber der Haupt- stadt Tags darauf einen abermaligen Besuch ab. Seine Rückkehr nach Deutschland ist für die letzte Woche dieses Monats in Aussicht genommen. Dies sind die gegenwärtigen Anordnungen; sollten sich aber die Tuilerien während der für die Vorbereitung in Aussicht genommenen drei Tage nicht wohl für den Empfang des Kaisers herstellen lasten, dann wird derselbe sich wahrscheinlich nach dem Palais de l'Elysee begeben. Glaubwürdiger Information zufolge, welche sowohl den preu- ßischen Polizeibehörden, als auch mir von Privatquellen zugegangen ist, steht während des Aufenthaltes des Kaisers in Paris oder während des Tnumphzuges der Truppen keine Kundgebung Seitens der Pariser zu besorgen. Alle gegenwärtig vor Paris liegenden Truppen sind verstärkt und wieder auf ihre volle Kriegsstärke ........ Viele Regimenter haben für ihren Einmarsch neue Uniformen bekommen. Die neuen Verstärkungen sind meist ungewöhnlich schöne Leute, selbst für die Preußen, und die Landwehr ist geradezu in wunderbarem Zustande. Das vierte Corps ist unter Ordre für Chartres. Die 22. Division, General Wittich, ist soeben hier eingetroffen, wo Verstärkungen für sie bereit waren. Sobald der Frieden proclamirt wird, werden sofort alle Lantwebr-Znfanttrieregimrnter und die Rescrve-Cavallerie und Artillerie nach Hause geschickt und entlassen werden. Die Linie wird in den annectirten Provinzen und denicnigen Tbcilen Frankreichs bleiben, welche bis zur Zahlung der Kr'kgskesten besetzt bleiben sollen. Die Garnisonirung der Festungen von Elsaß und Lothringen wird etwa 60,000 Mann
hältniffen mit Leichtigkeit anzuschmiegen.
So viel man, bei der von allen Seiten etngehaltenen strengsten Jteferte, über die B ehandlungen der Londoner Konferenz erfährt, so ist der Verlauf ein allseitig befriedigender, und läßt mit Zuversicht auf ein, die aufgetauchte Gefahr im Oriente dauernd bannendes Resultat hoffen; ungeachtet dessen sind die Verhandlungen noch nicht so weit gediehen, daß der Schluß der Londoner Conferenz schon für die nächste Zeit in Aussicht zu nehmen wäre. Insbesondere ist auch die Frage wegen der Neutralistrung des schwarzen Meeres zwar auf der Tagesordnung der Conserenz, doch bisher noch nicht in formelle Discufsion gezogen worben.
Es wird von den verschiedensten Seiten behauptet, daß die deutsche Armee am 19. ds. Mts. in Paris einrücken wird. Mehrere Pariser Blätter theilen schon die Straßen mit, durch welche die Sieger ziehen werden. Rach der „Patrie" werden die deutschen Truppen bei ihrem Einzuge den folgenden Weg emhalten: m.'.'ii rr Wruillu. Avenue de la Grande Armee, Avenue des Champs Elysees,
erfordern. .
Die Ehrenbezeugungen für General v. Werder in Suddeutschland nehmen unveränderten Fortgang. Wie die „Karlsr. Ztg." mittheilt, hat der dortige Ge- mkinverath auf Antrag der Städte Lahr und Offenburg beschlossen, gemeinschast- lich mit den Gemeinden des Landes, die sich weiter anschließen, eine badische I Ehrengabe für den General v. Werder zu erstreben. Oberbürgermeister Lauter hat in diesem Sinne schon eine Aufforderung an die Gemeinden im Lande erlassen und ea werden darauf hin wohl zahlreiche Anschlußcrklärungen rinkommen. Nunmehr hat derselbe auch eine Gabe vorgeschlogen, dahin gebend: von einem bedeutenden Künstler em Schlachtengemälde aus der Gegend von Belfort in Oel auS- führen zu lassen, im Hintergrund etwa das Schloß Mömpelgard, im Vordergrund । Werder mit seinem Generalstav in Porträtähnlichkcit. Dies Original würde dem ' General Überreicht, nachdem Photographien davon in so großer Zahl entnommen : würden, daß im Rathhause einer jeden Gemeinde, welche Theil genommen hat an , dem Dankeswerke, zum ewigen Gcdachtuiß au General v. Werder und unsere . .hAbiidun T.ruvven ein Exemplar ausbewahrt werden könnte.
an die GroßherMlichen Dürgermri-tkreiln des Kreises.
Indem wir Sie benachrichtigen, daß der untersuchte Privathengst der Pächter Gebrüder Putt) zu Londorf, von Farbe Sckim- mel 10 Jahre alt, znm Bedecken von Stuten für 1871 tauglich befunden, und deshalb mit Erlaubnistschein zum Bedecken versehen worden ist, beauftragen wir Sie, darüber zu wachen, daß neben diesem Hengst keine weiteren Hengste von Privatpersonen zum Bedecken von Stuten für 1871 verwendet und die Eigenthümer solcher Hengste, welche mit Erlaubnrßfchein nicht vergehen sind, remohngcachtel aber ihre Hengste zum Bedecken benutzen, zur Anzeige gebracht werden.
v. Starck.__
-------------------------- « Z zz* . * Al werdÄi noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch Bestellungen mir den Gießener Anzeiger bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.
Abonnenten welche »en Anzeiger dei »e, E-pedMon nddoien Inffen, -ed-tten denselben für dle Mönche F-brn-r und März 1871 zu 40 kr. __________________________________
17. Februar. Ischen Soldaten sollen dem
Die Nationalversammlung zu Bordeaux ist jetzt, soweit die Lage Frankreichs Uniformen piesen Ausdruck zuläßt, Herrin ihrer Geschicke geworben. In der zweiten Sitzung am 13. Februar erklärte Jules Favre Namens seiner Collegm in Paris und Bor» deaux, daß die Regierung der nationalen Vcrtheidigung ihre Gewalt in dle Hände der Volksvertreter lege. Aus dem Beschluß der Versammlung wird somit eine neue gesetzmäßige Gewalt hervorgehen, wahrend die Regierung vom 4. September zugleich der Ueberraschung, der Noth des Augenblicks und dem Auftreten der bewaffneten Dolkshaufen von Paris ihren Ursprung verdankte.
Gleichzeitig, während die Regierung vom 4. September resignirte, hat auch Garibaldi derselben seine Demifsion als Oberbefehlshaber der Vogesenarmee ein- gereicht, welche auch von der Regierung im Augenblick ihres eigenen Hinfcheidens mit einer Danksagung für geleistete Dienste angenommen wurde. Der Mann, der bisher als Vertreter des Krieges bis zum Aeußerstcn galt, ist somit von der Bühne getreten und hat der Nationalversammlung allein die Verantwortung für ihre Beschlüsse überlassen. Garibaldi hat zugleich dem Präsidenten der Versammlung schriftlich gemeldet, daß er aus das Mandat, mit welchem er von mehreren Departements beehrt worden sei, verzichten müsse. Er will somit der bevorstehenden Entscheidung persönlich ganz fern bleiben.
Die in Wien circulirenden Gerüchte über die ernstlich erschütterte Stellung des Reichskanzlers Grafen Beust entbehren bis zur Stunde jeder haltbaren Grundlage, wenngleich auch von anderer Seite erneuert versichert wird, daß Graf Beust ...... die ihm durch die Entstehungsgeschichte der neuen cisleithamschen Regierung der- gebracht worden, selben gegenüber naturgemäß angewiesene strenge Reserve festzuhalten vollkommen entschlossen ist. Allmählig hält man es in Wien indessen doch noch für möglich, daß Graf Beust sich schließlich eines Besseren besinnt und den Versuch macht, ob er, der sich schon mit so vielen cisleithanischen Ministerien abgefunden, nicht auch mit diesem auskommen könne. Die eine Chance, das Cabinet Hohenwart zu stürzen, hat Graf Beust freilich nicht und so müßte er, wenn er überhaupt zu bleiben sich entschließt, schon so viel Selbstverleugnung besitzen, sich diesem Cabimtte zu accommodiren, eine schwere Aufgabe, selbst für einen aalglatten Diplomaten, wie Gras Beust, von dem man immer behauptete, er wisse sich allen neuen Der-


