Garnison zur Uebrrgabe auf; falls diese um 12 Uhr Nachmittags nickt erfolgt sei, werde das Lomdarbement beginnen. Der üommandant, welcher an die Existenz der Kanonen nicht glaubte, verweigeite die Uebergabc, und der Pailamenlär verlor sich in dem dichten Rebel, welckee Die Stadt umgab. In d-r Stadt waren 150 Mobilgarden und 120 Mann Genie und Artillerie. Schlag 12 Uhr fiel die erste Bombe in die Stadt. Die Preuficn halten nämlich 5 b># 6 Kilometer von de, Stadt 52 Kanonen ausgestellt. Beim ersten Kanonenschuß eilten die Mobilen nach den Wällen, aber auf der entgegengesetzten Seite, auf welcher der Schuß gefallen war, und zerstreuten sich nach allen Seiten. Die 120 Mann Genie und Artillerie hielten 5 und eine halbe Stunde das Bombardement aus. 2000 Kugeln waren in Die Stad, gefallen und Die Belagerten hatten mit 500 Schüssen gt- aniwortet. Um halb 6 Uhr sanDten Die Deutschen nochmals einen Parlamentär, um bemnklich zu machen, Daß es unnütz sei, Den Widerstand fortzusetz-n. Die Garnison ergab sich und Die Deutsch.n halfen Da« Feuer in der «ladt loschen. Ungefähr ein Viertel der Stadt war zerstört worden. Bon den 120 Mann der Garnison gelang es 60, zu entkommen. Die übrigen wurden nach Deutschland abgeführt.'.
lieber die Belagerung von Belfort berichtet die Wiener „Presse" vom 31. December: „Man hat sich überzeugt, daß der Festung Belfort nur vorder westlichen S ite wirksam beizulommen sei. Nach und nach wurden auf dieser Seite gegen sitben Batterien zu vier Geschützen erbaut, welche den Zweck hatten, bas südl'chc Fort Chateau nebst der Citadelle unschädlich zu machen. Da man auf nöldlicher Seite unter dem Schutze der Forts Va Miotre unv La Justice weitere Ausfälle befürchtete, wurde die dritte bayerische Fcstungs Batterie (Neu-Ulm) mit vier Ausfall F legeschützen nördlich von ter Festung nach Menancourt zu aufgestellt, um Die Festung zu überwachen. Nach einer vierzehntägigen Beschießung des Forts Chateau erhielt das Beobachtungscvrps, da- inzwischen durch Infanterie verstärkt worden war, den Auftrag, südlich bei Sevenans Stellung zu nehmen und die Franzosen aus den vor Belfort liegenden Dörfern AndelnauS und Dan- joutain zu vertreiben, um sodann die Belagerungsarbeiten ans der südlichen Front zu beginnen. Senkrecht auf das Fort Chateau unv die Erdschanze La Basse Perche zieht sich ein schmaler Waldgürtel auf leichter Anhöhe nach eüten hin, an dessen Abdachung die vorgenannten Dörfer liegen. Der Höhcnzug gestattete eine äußerst wirksame Beschießung ter Citabrlle und des Forts Chateau. An der Landstraße von Belfort wurde zur Gewinnung dieser Position eine Batterie erbaut, welche beide Dörfer beschoß und die Franzosen aus Andeln^us vertrieb; Danjoutain konnte jedoch trotz aller Anstrengungen nicht genommen werden, da das Feuer aus der C tadelle und dem Erdw rk e-n Vordringen unv Festsetzen in diesem Dorfe unmöglich machte. Es wurde jftoeb die Hauptsache erreicht, die Batterie konnte auf den Höhenzug verlegt werden. Von hier aus liegt Danjoutain noch circa 2000 Meter entfernt. Von dieser Seite bat nun das Feuer mit furchtbarer Heftigkeit begonnen. Auch von Südwesten und Westen speien schwere Batterien ihren verderblichen Inhalt gegen die Werke unv zu diesen haben sich seit dem 25. December noch nördlich und nordwestlich sechs schwere Batterien gesellt. Schon beginnt das Feuer aus den Werken zu ermatten, namentlich aus der Citadell" ist es sehr schwach geworden. Mit der Citadelle fällt das Erowerk La Basse Perche, damit ist die sücliche Seite durchbrochen, unv die Stadt, welche unbefestigt ist, preisgegeben. Das ganze Feuer würde sich dann auf die Fort- La Miotte, La Jufttce, sowie auf das Erdwerk La Haute Perche roncenirmn, und diese Werke, die kleine Festungen für sich bilden, balv zur Uebrrgabe-zwingen. PreußischerseitS kommen noch zwei Riesenmörser ins Feuer, die die Katastrophe wohl nicht wenig beschleunigen dürsten."
Bekanntlich ist in der Nacht vom 7. zum 8. nun Danjoutain erstürmt und darauf da- Feuer gegen das Fort Perche eröffnet worden. Wie sich aus dem Vorstehenden ergiebt, hat die Belagerung damit einen sehr wesentlichen Fortschritt gemacht.
Den „H. V." entnehmen wir folgenden Artikel: Zahlen beweisen! Ungeachtet der so vervollkommn ten Transport- und Benachrichtigungsmittel — Eisenbahnen, Telegraphen — bleibt tte Verpflegung einer großen Armee, namentlich, wenn dieselbe feindliches Gebiet occupirt, eine große Aufgabe. Es gehört von Seiten des leitenden Personals (der Intendantur) große Umsicht unv Arbeitskraft und die eingehendste GefchäftSkenntniß vazu, um die vielen Bedürfnisse einer Armee herbeizuschaffen, welche Eigenschasten in der Regel um so weniger erkannt und anerkannt werden, als die außerordentlichen Leistungen auf diesem Gebiete nicht durch geräuschvolle Kundgebungen oder durch Telegramme gefeiert werden können. Um einen Maßstab für die Schwierigkeit der Verpflegung einer Armee annähernd zu gewinnen, sei in Nachstehendem das durchschnittliche duanlum des Lebensunterhaltes eines einzigen Corps (nach einer Mitteilung der „A. M. Z." vom 4. Jan. d. I.), also etwa des fünfzehnten Theils der deutschen Armee, und zwar für einen Tag, mitgetheilt. Hierbei wird vorausgesetzt, vaß das Corps aus zwei Jnfanteriediv.sionen mit ver zugehörigen Corps-Artillerie besteht. Der Bedarf beträgt nämlich: 18.000 Brove ü 3 Pfunv, 120 Gentner Reis oder Graupe, 70 Ochsen oder 120 Centner Speck, 18 Ctnr. Salz (1800 Psd. oder 54,000 Loth), 30 Ctnr. Kaffee, 12 )0 Ctnr. Hafer, 300 Ctnr. Heu, 3500 Quart Branntwein und zu jedem Q *art ein Loth Pommeranzen- und Calmus-Tinktur Hierzu kommen noch für je 10 Tage: 60 Ctnr. Tabak, 1,000,000 Mannschafts- und 50,000 OWerS-Cigarrcn. Zahlen sprechen! Und es kann sich nun Jrder einen Begriff d>.von machen, welche enorme Quantitäten von Lebensmitteln rc. den verschievon n Truppentheiien täglich zugesührt werden müssen. Daß unter Viesen Umständen die Velpflegung unftrer Truppen mit geringer Ausnahme, wo die Verhältnisse stärker waren, als alle Energie und guter Wille — gut unv sogar häufig vortrefflich war, muß der Intendantur der deutschen Armee zum unvergänglichen Ruhme gereichen/ Auch sie hat sich ihre Lorbeeren verdient!
London, 13. Ian. Aus Versailles wird heute Nacht hieher gemeldet: Die französische West-Armee wurde von der zweiten deutschen Armee unter Punz Friedrich Karl und dem Großhirzoge von Mecklenburg bei Le Mans vollständig geschlagen. Die Stadt wurde genommen unv große Vorräthe erbeutet. Der Feind wird verfolgt.
4 Friedberg, 12. Jan. Nach der „Fr. Pr." von gestern hat ein Mitglied einer atad. mischen G.sellschast in einer Stadt d?r französischen Provinz Lyonnais in einem Vortrag gesagt: „In Deutschland sind jetzt 3—400,000 Franzosen kriegsgefangen, vie deutschen Frauenzimmer sind sehr gefühlvoll, Vie Franzosen sehr zuthulich, zumal Gatten und Bruder bei der Landwehr vor Paris oder an der Loire stehen. In zwanzig Jahren wird es daher (!) in Deutschland eine neue
Generation geben, welche in Folge der Mischung der Racen nichts mehr von dem germanischen Haß gegen Frankreich in sich trägt. Die beiden Schwesternationen werden sich dann die Hände reichen, die großen Combinationen Bismarck's durch ein kleines Naturspiel vereitelt werden und davon die große allgemeine Veränderung der Nationen ihren Anfang nehmen." Siehe da eine Frucht der widerlichen Schönthuereien, deren sich in einer Art Humanitären Bildungsfiebers deutsche Frauen gefangenm Franzosen gegenüber an Eisenbahnen, auf Verpflegstationen, in Lazarethen schuldig gemacht h'ben! — Aber wem schwillt die Zorncsader nicht, wenn er obige Auslassung liest? Schmach über jedes deutsche Weib — ob Frau oter Mädchen —, das Schaam unv Ehre so weit vergißt, daß es an si ch in Erfüllung gehen läßt, was ein frivoler Franzose die Unverschämtheit hat, als bei allen deutschen Frauen sich von selbst verstehend vorauSzusetzcn! — (O.A.)
Telegraphische Depeschen.
△ Saarbrücken, 12. Jan. Seitens Bismarcks ist eine Note in Vorbereitung, worin unter Hinweis auf die wider alle Erwartung überreiche Ver- proviantirung der Pariser Bevölkerung Vie totale Grundlosigkeit der Verwerfung Der seinerseuigen Waffenstillstandsbedingungen zu Anfang November hervorgedoben und constatirt wird, daß offenbar niemals Ernst zu frievensanbahnenden Verhandlungen französifcherfeits Vorgelegen haben kann.
△ Aleucon, 13. Jan. Das Journal v'Alencon theilt mit, daß eine Abteilung der preußischen Armee, angeblich die des Großherzogs von Mecklenburg, nach Norden marschire, um gegen Havre zu agiren.— Der „Courier de l'Ouest" aKt: „Die Niederlage dcS Gkneral Chancy muß uns tief betrüben. Paris ist genötbigt, jetzt auf einen von Westen her kommenden Entsatz zu verzichten." Die Bestürzung' ist hier groß.
△ Paris, 10. Ian. (pr. Ballon.) Die .Patrik" schreibt in einem Artikel, in welchem die Beschuldigungen des „Siöcle" unv der Demagogen zurückgewiesen werden, Folgendes: „W-r wollen unstre Leser nicht noch mit der denuuciatorischen Prosa ermüden, weiche in der That dem wahri« und treuen Patrioten widerlich ist; aber wenn J-manv noch an unserer Behauptung zweifelt, so möge er aus Dem Siecle vom 1. Januar ersehen, daß Picard beschuldigt ist, die indincte Ursache der Revolte vom 31. Oktober zu fein. Picard, dessen Energie, Kaltblütigkeit unv Autorität am Meisten dazu beigetragen haben, Paris von der Herrschaft Der rothen Fahne unv der schmachvollen Dictatur eines Floureus und Blanqui zu erretten. Trochu und Picard! Morgen ohne Zweifel Jules Favre. Ist es erlaubt, ist es möglich, dem öffentlichen Haß Alles, was Frankreich heute noch von ehrlichen und energischen Männern besitzt, zu überliefern?
A Brüssel, 13. Jun. Französische Berichte aus Bordeaux vom 11. ds. melden: Am 9. VS. bewegte sich die feindliche Reiterei in der Richtung von Mor- tagne. Unsere Avantposten trieben sie auf dem Wege von BellLme zurück, wobei Die Artillerie kräftig mitwirkte. Auf Chateau Renault bat ein heftiger Angriff des Feindes stattgefunven. Die Unserigen behaupteten alle Positionen außer Authon. Aus Nogent wurden von Seiten deS Feindes Angriffe gemacht. — Zwei Marinedetachement haben Brest verlassen, um sich der Armee Chanzy's anzuschließen. In melrreren Departements w-rden Plänklercorps gebildet.
A Brüssel, 14. Jan. Das „Journal de BruxellcS" enthalt eine Corre- spondenz aus Bordeaux de« neuesten Datums: Das Wort „Waffenstillstand" sei in Aller Mund; man suche nach den Führern einer groß n Friedenspartei in Paris und außerhalb desselben. Siöcle unv Gironde greifen P carv heftig an, Der im Bunde mit Den Generalen Laroncier?, Vinoy und Bellemare sich Friedenö- ideen zuneige.
A München, 12. Jan., Abends. Aus dem Kriegsmini^erium in Versailles, 12 Uhr Mittags: Gestern batte die gegen Le Mans in Bewegung gefetzten Corps dis zur Dunkelheit heftige Kämpfe zu bestehen. Das Debvuche von Champagne, sowie 7 Geschütze und Mitrailleusen wurden genommen. Die Zahl der vorgestern in unsere Hände gefallenen Gefangenen beträgt nicht, wie bisher angegeben 2000, sondern allein bei der im Centrum vorgedrungencn Colonne 5000 Mann und 4 Mi- traiüeufen.
General Werder, nachdem er von Vcsoul links abwarschirt und hierbei am 9. Januar im Gefechte von VillerSrxcl den Gegner, welcher seinen Marsch behindern konnte, zurückgewiesen, hat feine Bewegungen am 10. Januar ohne weiteres Gefecht fortgesetzt.
A München, 13. Januar. Abgeordnetenkammer. Die Liberalen Chauß, Stengein, Hörmann, Herz unv die Patrioten Graf Fugger, Gürtler, Gcabner, sprechen für Die Verträge. Der Minister Des Aeußeren betont, daß Bayerns Lage zur Annahme Der Verträge dränge. Morgen findet die Fortsetzung Der Debatten statt.
A Lh0N, 10. Jan. .Die Blätter der communistischen Partei verlangen die Confiscation des Vermögens Der abwesenden Franzosen bis zu dem Alter von 50 Jahren. Wenn diesclden nach Erlaß eines derartigen R^gierungSdecreteS nicht ;urückkehren, verlieren sie gleichzeitig selbstverständlich das Bürgerrecht.
A Bordeaux, 13. Jan., Morgens. Die Regierung hat noch nichts über Chanch'S Marschrichiuug veröffentlicht. — Die „Liberty" behauptet, er ziehe sich nach Westen zurück und lasse Die Eisenbahnroute nach Alenyon, C »en, Havre un- deDeckt. Telegramme aus Laval vom 13. Jan. scheinen diese Behauptung zu rechtfertigen.
+ Loudon, 12. Jan. Nach einer Mittheilung Des auswärtigen Amte« hat Wade telegraphirt: „Peking, 30. Dec. Alles ist ruhig. Das Gerücht über Ausraubung einer Kapelle in Newchang ist unbegründet."
A Loudon, 13. Januar. Die englische Regierung veröffentlicht die Han- ceUflanitif des Jahre« 1870. Man constatirt aus Derselben mit Ueberraschung, daß der Krieg nur einen mittelmäßigen Einfluß auf Den internationalen Verkehr gehabt hat. Der Handel m't Baumwolle hat sehr prosporirt und nach einer Panik im Monat Juli hob er sich zur Zeit, als Deutschland seine größt n Siege erfocht, zu einer soichen Ausdehnung, daß die Fabriken von Lancaöhire nicht einen Augenblick unbeschäftigt blieben. Trotz des schon sechs Monate dauernden Kriegs ist der Stand des Seidcngeschästs günstig geblieben. Der Hanvelsvcrkibr auf Dem Meere war sehr bedeutend. Die deutsche Handelsmarine von mehr als 1,200,000 Tonnen war einigermaßen von dem maritimen Verkehr ausgeschlossen. In Betreff des Suezkanals ist zu erwähnen, daß derselbe den Bau von Dampfern gefördert hat. Obglci'h ter Krieg Tausende von Arme dem Landbau entzogen hat, so war doch die Fabrikation von Runkelrüben nie stärker als in dem letzten


