von dort abberufen ist, wird, wie wir von unterrichteter Seite vernehmen, an Stelle del Fürsten Metternich als Botschafter nach Paris gehen.
Aus Maffowah und JiDDah in Abessinien sind Gerüchte nach Aegypten ge- drungen, denen zufolge Fürst tiajfar von Tigro die römisch-katholischen Missionäre auf seinem Gebiete mißhandelt.
Ans Oberhessen. Der Personen- und Güterverkehr der oberhesfischen Bahnen hat während Des letzten Monats sowohl auf der Linie Gießen-Gelnhausen als auch auf der Linie Gießen-FulDa beträchtlich zugenommen; namentlich ist Der Lokalverkehr auf der letzteren im beständigen Zunehmen begriffen. Zu Anfang des nächsten Jahres soll ein- Dtrecte Beförderung von Personen und Reisegepäck zwi- schen Stationen dieser Bahn einerseits und der Bebra-Hanauer und Frankfurt- Hanauer Bahn anderseits stattfinden.
Darmstadt, 5. Dec. Zu den Beschlüssen des Protestantentages und der hessischen Protestantenversammlung in Betreff der Verkündigung des Unsehlbarkeits- dogma's und der Zulasiung der Jesuiten in Hessen sind ZustimmungSavreffm ein- gereicht worden von: Worms, Homburg, Groß-Bieberau, Sickenhofen, Affolterbach. Dieselben sind von Mitgliedern aller Confesstonen unterzeichnet. In zahlreichen Gemeinden des Landes sind ZustimmungSadreffen im Umlauf. — Nach dem Blumenthal'fchen Projekt werden 10 neue Straßen angelegt und erhalten die Häuserreihen von 5 Straßen Vorgärten. Der neue Stadttheil erhält drei freie Plätze, wovon der größte, ohnweit der Gassabrik, Morgen ausmißt. (M.-Z.)
Darmstadt, 7. December. Am 18. d. soll die feierliche Eröffnung der Bahn- strecke Mainz-Alzey, am 20. diejenige der Ooenwaldbahn stattfinden. Der Tunnel bet Höchst ist vorn 10. an befahrbar.
Mainz, 5. Dec., Abends. Bis jetzt hat die Nachricht über Verschüttung eines Hauptfchachtes im Essener Revier {einerlei Bestätigung gefunden und es wird die gestern in Köln verbreitete Nachricht auf einen einfachen Einsturz des Einbaues eines Förderungsschachte- zurückgeführt.
Coblenz, 7. December. Der Oberpräflvent der Rheinprovinz, v. Pommer- Esche, wurde heute Vormittags vom Schlage gerührt und blieb tovt.
t Berlin, 6. December. Die Fabrikation falscher Kassenscheine scheint jetzt zu einem besonderen Jnlustriezwetge geworden zu sein. Außer den falschen preußischen Darlehns-Kassenscheinen befinden sich gegenwärtig auch noch falsche russische Banknoten in Umlaus, welche dem Anscheine nach ebenfalls aus Frankreich importirt worben sind. In Warschau sind neuerdings zwei Handelsleute verhastet worben, welche sich mit ber Verbreitung solcher falschen Noten beschäftigten unb bereits eine große Anzahl verwechselt hatten. Ihre Verhaftung hat zur Entdeckung einer ganzen Gesellschaft von Personen geführt, welche sich zu gleichem Zwecke in Deutschland umheltreiben.
+ Berlin, 6. December. Von Köln aus ist eine Petition für bessere Sicherstellung der Religionsfreiheit an bas Abgeordnetenhaus abgegangen. Die Petition beantragt: 1) daß die Führung von Etvilstands-Registern durch weltliche Beamte und die obligatorische Civilehe im ganzen Gebiete des preußischen Staates durch ein Gesetz ungeordnet werde; 2) daß Vas Recht der Eltern, die religiöse Erziehung und Bildung ihrer Kinder selbstständig zu bestimmen, vollkommen gesichert und demgemäß der gegenwärtig bestehende staatliche Zwang, durch welchen die Schüler der öffentlichen Unterrichtsanstalten dem Religionsunterrichte und dem gemeinsamen Schulgottesoienste beizuwohnen genöthigt sind, aufgehoben sind; 3) es möge die bürgerliche Gesetzgebung über das Kirchenvermögen einer Revision unterzogen und dergestalt geordnet werden, daß in Sonderheit Vas zu allgemeinen kirchlichen und religiösen Zwecken der kirchlichen Ortsgemetnde bestimmte Vermögen als Eigenthum dieser Gemeinde ausdrücklich anerkannt, dessen Verwaltung einem aus Wahl derselben Gemeinde hervorgegangenen Kirchenvorstande übertragen und eine exekutorische Kirchensteuer nur mit Bewilligung dieses Vorstandes aufgelegt werde, jedoch mit dem Vorbehalt, oaß alle dem Bekenntniß, wie es bis zum 18. Juli 1870 in der katholischen Kirche bestand, angehörenden Katholiken als Mitglieder dieser Kirche anzuerkennen und demgemäß als zu dem Mitgebrauch des kirchlichen Eigenthums berechtigt zu behandeln seien; 4) daß im Falle der Erfüllung der unter 1 ausgesprochenen Bitte wider Erwarten für jetzt auf unübersteigliche Hindernisse stoßen sollte, im Gebiete de- nichtrheinischen Rechts die geistlichen Vorsteher aller kirchlichen Genossenschaften, auch der etwa sich bildenden und vom Staate als katholisch im Sinne der Verfassung anzuerkennenden sogenannten altkatholischen Gemeinden, mit dem Rechte, öffentlichen Glauben besitzende CivilstandS-Register zu führen, betraut weiden. — Die Petition ist das Ergebniß von Berathungen des „Katholischen Central-Comite's zu Köln".
Der am 18. September 1867 mit dem Herzog Adolf von Nassau abgeschlossene Vertrag überträgt die Zahlung der Apanage des Prinzen Nikolaus von Nassau im Jahresbetrage von 18,000 fl. der preußischen Staatskasse und behält die Ablösung derselben besonderer Verhandlung vor. Der Prinz hat sich nunmehr mit dieser Ablösung einverstanden erklärt, und das Ablösungökapital ist in einem vorbehaltlich der Genehmigung des preußischen Landtages getroffenen Ueberein- kommen auf 158,430 Thlr. 25 Sgr. 9 Pf. am 2. Januar 1872 zu zahlen, festgesetzt worden.
In Folge der zunehmenden Auswanderung hat sich die Gemeindeverwaltung von Metz am 30 Nov. direct an den Fürsten Bismarck gewandt mit der Bitte, die Confcription auf fünf Jahre hinauszuschieben. Das Schreiben hebt unter Appellation an dte staatsmännische Klugheit des Reichskanzlers besonders den Umstand hervor, daß durch die Emigration das Land verarmt und daß es der Würde des Reiches nicht angemessen sei, in Elsaß-Lothringen eine Wüste zu be- sitzen.
Zur Frage der Trennung der Schule von der Kirche liegt wieder ein nicht uninteressantes Aktenstück vor. Die städtische Schuldeputation von Berlin hat jetzt an die katholischen Geistlichen, welche in Berliner Eommunalschulen Religions- unterricht geben , ein Schreiben gerichtet, in welchem gerügt wird , daß in den oberen Klassen der katholischen Gemeindeschulen der Religionsunterricht nicht in seinem ganzen Umfange von den betreffenden Klassenlehrern, sondern ein Theil desselben von den Special - Aufsehern oder einem anderen Geistlichen übernommen und außerdem der Religionsunterricht in der Schule mit dem Eommunikanden- Unterricht verbunden wird. In dem Schreiben wird nun die Abstellung dieser Einrichtung verlangt und angeordnet, daß vom 1. April k. I. ab die Klassenlehrer den gesammten Religionsunterricht in den dafür festgesetzten wöchentlichen Lehrstunden ertheilen sollen. Seitens der Geistlichkeit wird hiergegen bei der Re- gierungsbehörde Protest eingelegt werden.
München, 7. December. Der Erzbischof von München ruft den „verfassungsmäßigen" Schutz der Staatsgewalt an hinsichtlich der Vollstreckung der Ent- etzung der Pfarrer von Tuntenhausen und Kiefersfelden von ihren Pfründen.
Straßburg, 4. December. In der „Straßburger Zeitung" erscheint folgende Circularverfügung:
Die mir unterstellten Behörden mache ich darauf aufmerksam, daß Diplome, Brevets und andere BerechtigungSzeugniffe, welche von französischen Behörden seit dem 26. Februar d. I., als dem Tage der Abtretung Elsaß-Lothringens an Deutschland, ausgestellt sind, keine Wirkung im Reichslande haben. Wenn in einzelnen Fällm besondere Gründe für die Anerkennung solcher Berechtigungszeugnisse obwalten, so ist darüber an mich zu berichten. Straßburg, 2. December 1871. Der Oberpräsivent von Elsaß-Lothringen: v. Moller.
Straßburg, 6. December. Eine Bekanntmachung des Oberprästventen untersagt den Deb.t der Berliner Zeitung „Germania" im Gebiete von Elsaß« Lothringen.
Schwerin, 5. December. Der Kaiser hat dem Großherzog in Anerkennung seiner Verdienste um den glücklichen Ausgang des Krieges am 4. d. das Großkreuz des Eisernen Kreuz s verliehen.
Prag, 4. December. Der Pilsener Erzvechant verweigerte einer protestantischen Frau ein Grab neben ihrem katholischen Gatten auf dem katholischen Fried- Hofe. Der Bürgerin ijler öffnete jedoch selber den Friedhof und ließ den Wunsch Der Verstorbenen vollziehen, worauf eine Consistorialklage anhängig gemacht wurde. Der czechische Club ist in nicht geringer Verlegenheit über diesen Conflict mit dem Clerus.
Brüssel, 6. Dec. Das neugebildete Cabinet De Theux-Malou enthält kein Mitglied der katholischen Reformpartri. Es repräsentirt die alte katholische Partei. Demnach steht eine rein clcrifale Politik zu erwarten.
Brüssel, 6. December, Abends. Wie Die Blätter melden, hat der König folgende Definitive Ministerliste unterzeichnet: de Theux Präsident und Minister ohne Portefeuille, Malou Finanzen, Monheur öffentliche Arbeiten, Delcour Inneres, D'Aspremont-Lynden AeußenS, de Lantheerc Justiz, Guillaume Krieg.
Paris, 5. Dec. Der neue Botschafter für Berlin, Marquis v. Gontaut- Biron, reift am Sonntag nach Berlin ab; man erwartet vorher die Nachricht von der officiellen Ernennung des Grafen Arnim zum Gesandten bei der Republik. — Heute Morgen sind die VerkausSläden des Louvre, die „Maisons de nouveauUs“, abgebrannt; das Feuer entstand durch Unvorsichtigkeit. (Nürnb. Corr.)
Paris, 6. Dec. Morgen bei Beginn Der Sitzung wird die Botschaft des Präsidenten verlesen werden. — Die UntersuchungScommisfion über die Kapitulationen hat so gravirende Documente gegen Bazaine in Händen, daß derselbe vor ein Kriegsgericht gestellt werden wird.
Paris, 6. December. Thiers hat den Herzog von Aumale und den Prinzen !von Joinville empfangen, aber Die Unterredung darüber, ob sie ihren Sitz in Der iNational-Versammlung einnehmen sollen, auf Freitag verschoben. — Das Mitglied der Commune, Lisborne, wurde zum Tode verurtheilt.
London, 6. December. Wie hierher gemeldet wird, ist die Legung des unterseeischen Kabels von Portorico nach Jamaica beendet.
Constantinopel, 4. December. Gmem Vernehmen nach hat die Pforte gestern ein Telegramm an den Fürsten Karl von Rumänien gesandt, worin sie denselben dringend ersucht, den Abschluß der Eisenbahn-Angelegenheit möglichst zu beschleunigen.
Washington, 4. December. Dev bisherige russische Gesandte Katakazy hatte sich zumeist Dadurch unmöglich gemacht, daß er, wie ihm allgemein vorgeworfen wurde, offen gegen das Zustandekommen eines friedlichen Ausgleiches der Alabamafrage zwischen England und Amerika intriguirte. Daß der deutsche Gesandte, Baron Gerolt, ein Gleiches gethan habe, war unseres Wissens bloß von einem einzigen sehr unverläßlichen amerikanischen Blatte behauptet worden und sand wenig Glauben. Trotzdem hält es Die Newporter „Times" für ihre Pflicht, auf das Bestimmteste den deutschen Gesandten von einem derartigen Verdachte freizusprechen, und desgleichen Den amerikanischen Gesandten Bancroft in Berlin, der mit in die schmutzige Jntrigue verflochten gewesen fein sollte.
In Guatemala dauern nach Den letzten Berichten die politischen Unruhen fort. Der Erzbischof und Der Bischof sind wegen Theilnahme an Der jüngsten Revolution des Landes verwiesen worden.
Local - Notizen.
Der Winter in Gießen
hat im Mittel aus 23jährigen Beobachtungen eine Temperatur von — 0,210 K., also kaum weniger al« der Schmelzpunkt des EiseS. Unter Winter sind hier im meteorologischen Sinne die Monate December, Januar nnd Februar gemeint. (3ur Vergleichung diene Folgendes: Die Winter-Tem- peralur beträgt für Petersburg — 6,7°; Brocken — 6,6°; Riga — 3,70; Warschau — 2,30; Königsberg — 3,6°; Berlin — 0,30; Leipzig —0,10; Dresden — 0,0»; München + 0,2°; Straßburg 4- 1,0»; Parts -f- 2,60; London -j- 3,30.) Der kälteste Winter unter den regtstrirten hatte — 2,9° (1844/45); der wärmste -f- 2,50 (1868/69); hiernach beträgt die ertreme Schwankung 5,40. Io Winter hallen eine Temperatur über Mittel, 13 unter Mittel. Die kalten oder warmen Winter kommen gewöhnlich in Gruppen zu 2 bis 4 vor, seltener vereinzelt; 1865/1868 waren die Winter über Mittel; die folgenden unter Mittel, nämlich 1869/70 — 1,50; 1870/71 = —
2,30— Es hat sich bis jetzt nicht Nachweisen lassen, daß es Anzeichen giebt, aus welchen man aui die Intensität eines bevorstehenden Winters schließen sönnte; z. B. früherer oder späterer Abzug der Wandervögel u. dgl.
F r i f ch b ä ck e r j u Gießen.
Sonntag den 10. December. Christian Lampus auf dem Seltersweg, Christian Jughard in ber Wallthorstraße und Daniel Rühl am Nathhaus.
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Der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
(H 0 t t e s d t e tt st.
4 n t ( Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
Am 10. December. Nachmittags: Pfarrer Land mann.
(Nach der Predigt Ordination eines Pfarramts -Candidaten durch Superintendenten
Dr. Simon.)
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 10. bis 16. December besorgt Pfarrer Dr. Seel.


