Deutschen zerstört oder erbeutet */2, Zerstörung Seitens der Frazoser und des Feindes an Gebäuden, Feldern rc. 2, gänzlicher oder theilweise' Rui von Industriellen und Grundeigenthum 1, Kriegsentschädigung an £)eut$M21/2, Verluste in Folge der Nachwirkung aller dieser Unglücksfälle 2, n Smma W/2 Milliarde Francs. Mithin über drei Milliarden Thaler.
Die bereits von uns mitgetheilte Nachricht, daß die englisch« Regrrung gerichtlich gegen die Individuen einzuschreiten gedenke, welche das sogennnte französisch-irische Ambulanzencorps von London aus nach Havre schckten; bestätigt sich, und schon haben die betreffenden Gerichtsverhandlungen isten Aifang genommen, obschon vorerst nur einer der betreffenden Herren eützeheini ist. Es ist ein gewisser Mac Donald, seines Zeichens Journalist, mlcher zwar nach glücklicher Ausrüstung und Beförderung des „Ambulanzcorp^ die Spuren seines Daseins vor den Augen einer neugierigen Polizeibehörde zu erwischen suchte, von dieser aber doch unter einigen Schwierigkeiten erwicht wrde. Er stand wegen Verletzung der Neutralitätsgesetze vor dem Polizeigoeichte und vorerst beschränkten sich die Verhandlungen auf das formelle Verhör eiueeZeu- gen, welcher als Mitglied des Ambulanzencorps gedungen, nach Hcvre befördert und dort davon in Kenntniß gesetzt worden war, die Bildung e!nes ßlchen Corps sei für unnöthig befunden worden, man erwarte aber, daf er n die irische Brigade eintreten werde. Die Verhandlungen endigten mit einer Vertagung, und das Gesuch des Vertheidigers um Freilassung seines Elientn gegen Bürgschaft wurde von dem Richter abgeschlagen.
Die Hoffnungen auf eine Versöhnung zwischen der Kirche und dem Äaate in Italien, welche das italienische Ministerium auf die Besetzung Noms gründete — schreibt der Correspondent der „Daily News" in Rom — sind gschei- tert. Der so demüthig und versöhnlich gefaßte Brief des Königs an den Papst ist mit einem satirischen und harten Schreiben erwidert worden, und die atho- lische Geistlichkeit hat Weisung erhalten, sich mit der Revolution zum Stur? des Souveräns zu verbünden. Gleichzeitig drohen die französischen Blätter mit einer neuen Occupation, und die Antwortsschreiben des Grafen Beust und des bayerischen Gesandten auf Visconti-Venosta's Anzeige der vollendeten Thatsache lauteten nichts weniger als befriedigend. Der italienische Gesandte in Münchn ist unerwartet in Florenz eingetroffen und man hat Grund, zu glauben, da> der Zweck seiner Reffe war, der Regierung von der feindseligen Stimmung Funde zu geben, die am bayerischen Hofe herrscht. Baron de Solvyns, der belgische Gesandte macht fortwährend Vorstellungen und hat offen erklärt, seine Regirung werde, falls ein europäischer Congreß zu Stande komme, unter keiner Bedityung zu der Occupation Roms ihre Zustimmung ertheilen. Unter solchen Umstanden hat sich die Regierung entschlossen, cs auf den offenen Krieg zwischen Kirche und Staat ankommen zu lassen.
Den neuesten Posten aus China zufolge ist den Gräueltha'en von Timtsin ein neues Verbrechen auf dem Fuße gefolgt, welches zwar nicht so viele Menchen- leben vernichtet hat, wie dieses, in politischer Beziehung aber kaum von geringerer Wichtigkeit ist. Der Vicekönig von Nanking ist ermordet worden. Der Tha'ter befindet sich in Haft, und obwohl er sich weigert, jedwede Auskunft über das Motiv seines Verbrechens zu geben, indem er sagt, der Himmel habe ihn mit der Vollstreckung des TodeSurtheils beauftragt und er (der Thäter) sei aus den Wolken auf die Erde gefallen, läßt sich doch kaum mehr bezweifeln, daß wir es mit einem abermaligen Ausbruche des Hasses gegen drc ftitmuen zu rhun haben. Denn der Vicekönig — welcher am Morgen des 23. August noch nicht todt war, aber am Sterben lag — hatte einem gleichzeitig mit dem traurigen Ausbruche in Tientsin beabsichtigten Angriffe auf die Europäer durch umfassende Maßregeln vorgebeugt, und selbst der mit dem Tode Ringende schien noch die Wuth der Eingeborenen im Zaume halten zu können; für den Fall seines Todes aber befürchtete man für die Missionare in Nanking das Schlimmste. In Tientsin hat sich, wie der Correspondent der Times d. d. Schanghai, 25. Aug., schreibt, die Sachlage wenig geändert und ist die Hoffnung auf eine friedliche Ausgleichung zu einem Minimum zusammengeschmolzen. Graf Rochechouart hat als conditio sine qua non die Hinrichtung der beiden Magistratspersonen gefordert, welche den Pöbel offenkundig zum Angriff auf Consulat und Missionshaus angefeuert hatten. Sollte seine Forderung bis zum 31. nicht erfüllt sein, werde er seine Flagge einziehen. Inzwischen treffen die Chinesen umfassende Kriegsvordereitungen. Ihre Arsenale in Schanghai und Nanking sind in voller Thätigkeit, und die großen Waffenmassen, welche dort gefertigt werden, sind nicht die Luntenflinten alter Zeiten, ' sondern gute Büchsen. Selbst Remingtons werden in Schanghai sabri- cirt und so schnell wie möglich nach dem Norden verschifft. Jedenfalls bezeich- nend für die öffentliche Stimmung ist ein Gerücht, daß der Fürst Kung wegen seiner Freundschaft für die Europäer den Befehl erhalten habe, sich zu erdrosseln; doch sei erwähnt, daß diesem allerdings weit verbreiteten Gerüchte vorerst jede Bestätigung mangelt. „Natürlich" — so sagt der genannte Berichterstatter gegen Schluß seines Briefes — „der Krieg mag auf wunderbare Weife noch abge- wendct werden oder er mag sich auf den Norden und die Franzosen beschränken; aber Alles deutet auf das Gegentheil. Offenbar ist es die Absicht und der Zweck der Kriegspartei, die Ausländer sammt und sonders aus dem Laude zu treiben, und da sie wissen, daß diesilben nicht gutwillig gehen, werden sie es wahrscheinlich mit einem gewaltsamen Angriffe versuchen."
Kriegs nachrichten.
Köln, 24. Oct. Die heutige „Kölnische Zeitung" meldet: Oberst Stoffel, der frühere französische Militärbevollmächtigte in Berlin, nach Sedan Kriegsgefangener auf Ehrenwort, ist entflohen, angeblich nach Paris.
Die Stadt Poitiers hat, wie gemeldet wird, folgenden energischen Beschluß gefaßt: „Im Fall, daß die Stabt Paris dazu gezwungen werden sollte, zu capituliren, erklären alle andern Departements mit Ausnahme des Seine-Departements im Voraus, daß sie keiner Macht das Recht zugestehen, sie in die Kapitulation mit einzubegreifen; sie betheuern, ihre Actionsfreihrit behalten zu wollen, um den Boden des Vaterlandes bis auf'S Aeußerste zu vertheidigen."
Karlsruhe, 24. Oct. Die Nothüberbrückung der durch die Sprengung entstandenen Lücke der Kehler Eisenbahnbrücke wird in etwa 10 Tagen vollendet sein. Es werden aber dann die Züge nicht blos wieder bis zur Station Porte d'Austerlitz (Metzgerthor) gehen, sondern bis in den Hauptbahnhof in der Stadt, da man mit der Herstellung des betreffenden nicht wesentlich beschädigten ganzen Bahnkörpers in derselben Zeit fertig werden wird. Der sehr arg demolirte Haupt- bahnhof soll bis dahin gleichfalls nothbürftig rcstaurirt sein. Für den Verkehr wird daraus eine ungemeine Wohlthat erwachsen. Der definitive Ausbau der
Brücke wird übrigens gleichfalls in Vorbereitung genommen. Straßburg war gestern am Sonntag wieder von einer großen Masse Neugieriger besucht.
Karlsruhe, 25. Octbr. Ein Extrablatt der „Karlsruher Zeitung" bringt folgendes Telegramm an Se. k. Hoheit den Großberzog von Baden: „Epinal, 25. Oct. Am 22. d. siegreiche Gefechte am Ognon-Fluß bei Voray, Etuz, Cussey, Auxon, Geneuille. Der Feind wurde mit starken Verlusten überall geworfen. Im Gefecht waren Bataillone des 1., 3 , 4. und 5. badischen Regi. ments und 3 Batterien. Diesseitiger Verlust etwa 7 Todte und 38 Verwundete. An unverwundeten Gefangenen 2 Stabsoffiziere, 11 Oberoffiziere und gegen 200 Mann. Haltung der Truppen vortrefflich. DivisionSstab-Hauptquartier heute den 23. in Etuz. v. Beyer, Generallieutenant.
Tours, 23. Oct., Abends. Die Regierung hat soeben Depeschen an die auswärtigen Agenten versendet, in welchen sie denselben anzeigt, daß der von englischer Seite am Freitag vorgeschlagene Waffenstillstand hoffentlich die beste Aussicht auf Erfolg habe. Bezüglich der Einberufung der Constituante haben ernste Berathungen stattgefunden.
Tours, 24. Oct. Die Regierung veröffentlicht folgendes Telegramm: „Lille, 23. Oct. Der Feind räumte gestern St. Quentin. Amiens wurde nicht angegriffen."
Brüssel, 24. Oct. Berichte aus Tours melden: Die Regierung läßt die Wege und Stadt verbarrikadiren. Der Belagerungszustand ist für Tours und das ganze Departement Indre und Loire erklärt.
Brüssel, 24. Oct. Girardin hat am 18. d. ein offenes Sendschreiben an Bismarck abgesandt, dessen Schlußstelle folgendermaßen lautet: „Machen Sie vor Paris wie 1866 vor Wien Halt, dieser Beweis von Mäßigung wird uns zu allererst veranlassen, Ihnen vorzuschlagen: 1) alle Bollwerke niederzureißen, weil sic Die letzten Hindernisse der europäischen Verbrüderung sind; 2) den Eintritt Frankreichs in das Netz des Zollvereins, diesen älteren Bruder des Freihandels. Unser Gold bringt Euch Reichthum, und die Erinnerung an die uns geschlagenen Wunden mag erbleichen durch gemeinsame Interessen und Bestrebungen. Ent- ehren Sie nicht das Zeitalter Peel's und Cavour'S, wenn es nur von Ihnen abhängt eine seiner Größen zu werden."
Brüssel, 24. Oct. Graf Palikao ist hier eingetroffen. Nachrichten aus Dem Departement du Nord melden, daß die Arbeiterkrisis immer bedenklicher wird. In Ascq (Dep. Nord, Arr. Lille) feiern sämmtliche Fabriken, mit Ausnahme von zweien. Alle Fremden, welche im Departement sich aufhalten und das Alter von 50 Jahren noch nicht erreicht haben, werden eingezogen, die Widerstrebenden ausgewiesen. Die Waffenvorräthe sind unzureichend und werden daher Gewehre mit Steinschloß vertheilt.
Brüssel, 25. Oct. Nach Der „France" vom Sonnabend wohnte ThitrS einem im erzbischöflichen Palais abgehaltenen großen Regierungs-Conseil bei. Dasselbe war in Bezug aus die Frage der Wahl Der Constituante getheilter Ansicht. Die Majorität war dafür, Gambetta dagegen.
Paris, 24. Oct. TbierS wird morgen hier erwartet und sich voraussichtlich am Nachmittag nach Versailles begeben
Die France vom 21. October macht sich zum Echo der Klagen des „Fran- 9ais", des Organes von Msgr. Dupanloup, wonach „die Kunst, eine Stadt aus- zupressen und alles, was sie enthält, herauszutreiben, nie weiter getrieben wurde", utd von ton Preußen In Orleans: „Die Preußen sind nicht reich genug, ihren Ruhm zu bezahlen, das sicht man an der eben so erfinderischen als barbarischen Art, wie sie die Besiegten ausplündern. Diese Einnahme von Orleans könnte aller Welt zur Lehre dienen. Seit den ersten Versuchen der Preußen gegen Die Stadt von Jeanne d'Arc bis zu ihrem definitiven Einzuge übersteigt das, was auf diesem Theile des Gebietes an Kurzsichtigkeit der Regierung und der Kriegs- führung, an Sorglosigkeit, Verwirrung und panischem Schrecken geleistet wurde, alles, was sich erdenken ließ. Weder Die Negierung, noch Die Militärbehörden, noch die Bevölkerung haben Dem entsprochen, was von ihnen erwartet werden konnte, um eine Stadt und einen strategischen Punkt von solcher Wichtigkeit zu behalten. . . . Orleans büßt jetzt theuer seine Schwächen, und es ist jetzt nicht an Der Zeit, anzuklagen; aber Eines betrübt uns, statt uns zu überraschen in Dem Berichte des „Franyais", nämlich der Eifer, womit die Orleaneser sich beeilen, Den Requisitionen der Preußen zu entsprechen. Diese verlangen, daß ihnen alle Pferde ausgeliefert werden, und in wenigen Augenblicken bietet Der Platz des Martori (so berichtet Der „FranyaiS") Den Anblick eines wahren Marktplatzes, er wird mit Pferden bedeckt, Die Offiziere wählen Die schönsten und kräftigsten aus, der Rest wird in die Beauce geführt, um Dem Gros der Armee zu dienen. So machen es die Preußen; ihr Verfahren ist eben so einfach wie wirksam." Die France zieht aus dieser Geschichte die Lehre für Die NachbarstäDte, nicht einzuschlafen und zu sprechen: „Vielleicht kommen die Preußen nicht zu uns." Die France berichtet ferner: „Eine Angst, Die zu verhehlen kindisch und überflüssig wäre, lastet seit Montag auf Der Bevölkerung von Tours. Mit unruhigen Augen folgt man Den Bewegungen Der preußischen Armee an Der Loire; man fragt, was ihr Endziel sei. Zuerst glaubte man, daß sie Die regulären Streitkräfte unter Dem General D'AurelleS De Palagine angreifen wolle; aber sie scheint sich von dieser Seite abwenden zu wollen, während Der Angriff und Die Einnahme von Chüteaudun die Aufmerksamkeit erregen und Besorgnisse in einer anderen Richtung erwecken." Man fürchtete in Tours, Die Preußen würDen bei Blois über Die Loire gehen uud vor Tours erscheinen, Jo ihre Bewegung mit Dem Corps combtnirenD, Das Vendome bedroht und im Thale Der Loire operirt; Doch erfuhr man, Daß Das Gros Der Preußen sich auf Chateaudun gewendet und diese Stadt genommen habe; die Armee des Generals stand nach Den letzten Nachrichten in Salbris.
Wien, 24. Oct. Die „Abendpost" enthält folgenDeS Telegramm: „Tours, 24. Oct. Die hiesige Regicrungsdelegation hat Die englischer Seits gemachten Vorschläge wegen Des Waffenstillstandes tjn Princip angenommen. Thiers ist bestimmt , nach vorgängiger VerabreDung mit Der Centralregierung in Paris in Verhandlungen mit Dem Grafen Bismarck einzutreten."
Berlin, 24. Oct. Die „Kreuzzeitung" bemerkt zu Den Verhandlungen des Generals Boyer mit Dem Grafen Bismarck, Daß Der Marschall Bazaine dieselben nicht nur in voller Unabhängigkeit von der Pariser provisorischen Regierung, sondern auch im Gegensatz und im Widerspruch zu derselben geführt hat.
Der „Nürnb. Corresp." erzählt in einem Berichte über Das Gefecht bei Chedlüy vom 13. d. Folgendes: „(Sine merkwürdige Wahrnehmung machten bet dieser Gelegenheit Die bayerischen Soldaten, als sie sich während der Verfolgung Dem Fort Montrougc näherten: Die Wälle Desselben waren Dicht mit Frauen und Kindern besetzt, die ihren Soldaten mit Den Taschentüchern zuwinkten, offenbar, um sie in Dem Angriff auf Die Unsrigen zu ermuthigen." — Weiter


