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Symptom, wklLe« d-n Deutschrn Befürchtungen einzufloßen geebnet sei. Der Widerstand, den bisher offene Plätze geleistet, war höchst geringfügig. Man lonne sie deshalb nicht tadeln, doch sollten diejenigen, welche es auf sich genommen, den Frieden fertig zu bringen, es auch nicht unberücksichtigt lassen. Dec große Masse in Frankreich, schließt dieTimes," ist nicht so starrköpßg gegen den Frieden, selbst nicht auf die Bedingungen hin, welche Gras Bismarck für billig hält, wie die tollen Organ- der Pariser Presse uns einreden mochten. Es giebt doch manch- ebrliche Patrioten in Frankreich, deren Augen für die Wirklichkeit der Lage offen sind und die sehen, daß das unoermeidliche Resultat der Vertheivignng Oer Hauptstadt dem Lande den völligen Ruin bringen mutz. Können die Preußen keinen Frieden bekommen, so werden sie den Krieg^durch den Krieg ernähren. Um Paris zu Falle zu bringen, werden sie andere Städte besetzen und mit Kontributionen Heimsuchen. Sie werden Orleans und Tours besteuern, wie sie Melun besteuert haben; in Rouen und Havre Requisitionen erheben, wie sie in Montes und Evreux getban haben. Abgesehen von der Roth, die sie treibt, werden sie schon aus Rücksichten der Selbstvertheidigung das ganze Land überziehen. Ein Friede, wie ihn Gras Bismarck zugestehen will, wäre zweifelsohne ein großes Unglück für Frankreich, aber eine Fortdauer des Krieges ist an sich ein größeres Unglück und dürfte schließlich doch keinen besseren Frieden herbeiführen. Eine Ration sollte niemals von der Verzweiflung sich Raths erholen, denn Selbstaufopferung dürfte nutzlos fein und Selbstver- nichtung ist unmöglich für eine Ration.

Für die Verwendung und Uebernahme der Kriegsgefangenen zu öffentlichen und Privataibeitm hat das preußische Kriegsministerium nunmehr ein Reglement erlassen. Dasselbe setzt fünf Stunden Arbeit als Aequivalent für den täglichen Unterhalt des Gefangenen fest, der auf 6 Sildergroschen täglich fixirt ist, weitere 4 Silbergroschen muß derselbe für Bekleidung erübrigen können. Bei größerer Anzahl muß die Begleitungs- und Bewachungsmannschaft mitgepflegt werden. Die Oberaufsicht führen die Militärcommandeure oder Landräthe.

Vom Kriegsschauplatz.

Telegramm an die Königin Augusta in Berlin.

Ferrieres, 27. September, 11 Uhr Abends. Strassburg kapitulirte heute Abend um 9 Uhr. Wilhelm.

Dor Metz, 23. Sept. Am 22. und 23. Septbr. hat Bazaine in der That wieder ungestüme Ausfälle gewacht. DerWeser-Zeitung" berichtet man darüber:Rach dreiwöchentlicher Ruhe hat die Besatzung von Metz heute wieder einmal ein Lebenszeichen von sich gegeben. Heute Vormittag ist von ihr in östlicher Richtung ein Ausfall versucht worden, dessen Ziel nur die Bahnhöfe Courcelles für Ried und Remilly mit ihren Vorräthen gewesen sein können. Selbstverständlich ist der Ausfall zurückgewiesen worden. Der Kampf hat indessen, vom ersten bis zum letzten Kanonenschuß gerechnet, fünf Stunden gedauert. Gegen 11 Uhr hat das Schießen von den Forts St. Julien und Queuleu ersteres bekanntlich nordöstlich, letzteres südöstlich von Metz belegen begonnen und sich balD auf die ganze Linie zwischen diesen beiden Forts ausgedehnt. Die Unserigen sind die Antwort nicht schuldig geblieben. Zwischen 1 und 2 Uhr war der Kampf am lebhaftesten; gegen iy2 Uhr fielen verschiedene Gewehrsalv-n. Darauf wurde die Kanonade mäßiger und mäßiger, so daß zwischen 3 und 4 Uhr nur noch etwa alle 34 Minuten von den Fort« ein Schuß getban wurde, bis gegen 4 Uhr das Feuer ganz aufhörte. 24. Sept. Zu derselben Stunde und an denselben Stellen, an welchen vorgestern Nachmittag die Kanonade aufhörte, wurde dieselbe gestern wieder begonnen. Um 4 Uhr fielen vom Fort St. Julien und bald darauf vom Fort Oueuleu die ersten Schüsse. Darauf entwickelte sich auf der ganzen Linie zwischen diesen beiden Forts (also östlich von Metz) ein lebhaftes Feuer. Nach 5 Uhr dehnte sich dasselbe in nördlicher Richtung weiter aus. Vom Fort St. Julien wurde in nordöstlicher Richtung em Ausfall versucht, welcher, nach der Lebhaftigkeit des GeschützfcuerS zu ur- theilen, sehr ernster Natur war. AuS dem schon von den Kämpfen am 3l.Aug. und 1. Sept, bekannten Wäldchen Grimont, welches sich am Nordostabhange der Höhe von St. Julien hinzieht und noch unter dem Schutze der Kanonen des Forts liegt, stiegen starke Pulverdämpfe auf. Augenscheinlich hatten die feind- lichen Truppen von diesem Wäldchen aus den Angriff unternommen. Unsere Batterien wirkten von denselben Stellen, von welchen sie am 31. August und 1, Sept, die Angriffe so siegreich zurückgewiesen hatten, mit einer Heftigkeit, die derjenigen von den zuletzt erwähnten beiden Tagen nicht nachstanv. Don den Höhepunkten bei Den Dörfern Ch-eulles, Vany, Charly, Failly, Servigny, welche hier Die Hauptposttionen unserer Artillerie bilden, folgte Schuß auf Schuß. Der Kampi Dauerte bis zur Dunkelheit und endete wie vorgestern."

Vor St. Maux, 21. Sept. Heute Den . anzen Vormittag starke Kano­nade vor uns, Die ich eben aufzusuchen im Begriff bin. Das Hauptquartier des Königs soll morgen vorwärts gehen. Jules Favre wird heute Mittag wie­der in Ferrieres erwartet. Wie mir die Landleute sagen, herrscht in Paris eine furchtbare Aufregung. Sie erzählen in ihrer Angst bereits, u fei wieder eine Guillotine aulgerichtet, Alles fei in Todesangst vor dem Terrorismus Der Exaltirtcn unO Rothen. Es wird das wohl sehr übertrieben sein, ist indeß im­merhin bezeichnend für Die Situation. Die Folgen des Wegschaff.nS aller Le­bensmittel machen sich bereits fühlbar bei den Eingeborenen, die zurückgeblieben oder zurückgekehrt sind. Die Pfarrer, Die ihren Platz behauptet, laufen mit ganzen Scbaren von armen Arbeitern umher, um Brod zu suchen. Einzelne dieser Unglücklichen haben schon seit mehreren Tagen keine Nahrung gehabt, bei unseren Vorposten betteln sie oder ernähren sich von rohen Gartenfrüchten. Das Elend ist entsetzlich um ganz Paris herum.

Tours, 24. Sept. Da Herr v. Bismarck unmögliche Friedensbedingungen gestellt hat, so werden Die Wahlen für Die GemeinOeräthe wie für Die constitui- renDe Versammlung bis auf bessere Zeiten vertagt. Die bereits im Auszüge mitgeth'ilte Proclamation Der Local - Regierung Der National - Vertheidigung in Tours lautet, wie folgt:

Tours, Den 24. Sept.

An Frankreich! Vor Der Cernirung von Pans hat Herr Jules Favre den Grafen Bismarck besuchen wollen, um Die Absichten Des Feindes kennen zu lernen. Folgendes ist Die Erklärung des Feindes: Preußen will Den Krieg fortsetzen und Frankreich auf den Stand eimr Macht zweiten Ranges herab- setzen. Preußen will den Elsaß und Lothringen bis Metz kraft Eroberungsrecht.

fRebactton, Druck una Verlag der Brühl'fchen

Für die Gewährung eines Waffenstillstandes wagt Preußen Die Uebergabe von Straßburg, von Toul und vom Mont Valerien zu fordern. Das erbitterte Paris würde sich eher unter feinen Trümmern begraben. Auf so unverschämte Ansprüche antwortet man nur durch den Kampf aufs Aeußerste. Frankreich nimmt diesen Kampf auf und rechnet auf alle seine Kinder.

In Anbetracht Der obigen Proclamation, welche Die Schwere Der Verhält­nisse nachweist, verordnet die Regierung:

1) Alle Wahlen zu den Gemeinderäthen und zur conftituiren Versammlung sind eingestellt und aufgehoben.

2) Jede Gemeinderathswahl, Die etwa vorgenommen werden sollte, ist null und nichtig.

3) Die Präfecten werden durch Fortbestand Der jetzigen GemeinOeräthe oder durch Ernennung ein^weiliger GemeinOeräthe ^orge tragen.

Die AbgeorOneten, Mitglieder Der Regierung: Krömieuy, Glais- Bizoin, AOmiral Fvurichon. DieHavas-Correspondenz" meldet aus TourS:Der Municipalrath von Boffay hat einstimmig verlangt, daß Der Exkaiser in Anklagezustand versetzt werde. Der Republik hat er seine Zustimmung gegeben. Duval, Der bei Dem Eisenbahnunfall getboteteD6bats"-Redacteur, ist unter großer Theilnahme Der Journalisten beerdigt worden." Von Toulouse und Ger« sind Freischützen- corpS abgegangen. Eine officiöse Note von HavaS erklärt: Die Negierung habe Alles getban, um ferneres Blutvergießen zu vermeiden, alle Verantwortlichkeit falle jetzt auf Preußen.

Toul, 25. Sept. Die endliche Einnahme von Toul stellt sich jetzt schon von einer ungemeinen Wichtigkeit für alle unsere ferneren KriegSoperationen in Frankreich dar. Mit der schnellen Energie, welche die preußische Kriegsführung so sehr charaktcrisirt, wurde wenige Stunden nach Dem Einzuge unserer Truppen in Toul schon sehr eifrig begonnen, die dort von Franzosen zerstörte Eisenbahn- Verbindung nach Paris wieder herzustellen. Man hofft, bis zum 26. d. M. damit fertig zu werden, und schon an demselben Tage will man dann einen Transport gezogener 24-Pfünder mit Der Bahn nach Paris befördern, um dort zur Belagerung mitverwandt zu werden wenn diese Überhaupt noch nöthig sein sollte. Es waren zur Fortschaffung dieses Geschützparkes schon tausend fron» zösische Bauernpferde requirirt worden, die jetzt unnöthig geworden sind, und man hoffte, auf Der LanOstraße Paris in acht Tagen zu erreichen, während man jetzt auf der Bahn in einem Tage hinkommen kann.

Darmstadt. Gemäß Allerhöchster Entschließung vom 25. v. M. fand in Der Großherzoglichen Armee - Division nachstehendes Avancement statt. Er­nannt wurden:

Im 2. Infanterie-Regiment: Die Portepeefähnrich Rohn, Weimar, Lang, Naumann, Körner und Zimmer, sowie den Corporal Schäfer zu Lieutenant«: die Vicefeldwebel Lucius, Schaeg, Laubenheimer, Hesse, Waegner, Buff, Heyot, Oeser, Klingclhöffer, Ebel, Goldmann, Mangold, Haberkorn, Vogt und Kuhl­mann (am 5. September an seinen Wunden gestorben) zu Lieutenants in Der Reserve.

Hannover, 26. September. Von den französischen Gefangenen sollen beschäftigt werden: 2100 Mann bei Der Ausgrabung des Canals von Haneken­fähr nach NorDhorn, welcher die Verbindung Der Flüsse Ems und Vechte be- zweckt; 500 Mann bei Der Herstellung eine« Straßendamms von Kellerberg über Haren nach Rütenbrock und des Rütenbrock - Sustrumer Canals; 1000 Mann bei Der Verlängerung De« ersten Wiek-Canals unO dessen Verbindung mit Den Rhauderfehn-Canälm. Die zur Unterbringung der Gefangenen und Der Bewachung« - Mannschaften zu erbauenden Baracken sollen am 30. September fertig fein und sind die Herstellungskosten derselben auf 54,000 Thlr. veranschlagt. Ein ReservehülfscorpS von 300 Mann Infanterie wird in Lingen einquartiert werden.

Kiel, 26. September. DerKiel. Ztg." zufolge hat Der General­gouverneur Vogel v. Falckenstein feine Zustimmung dazu erteilt, daß Handels-^ schiffe am Tage bei ruhigem Wetter und unter Benutzung von Schleppdampfern den Kieler Hafen passiren. Der Generalgouverneur hat gleichzeitig weitere Er­leichterungen für Die Schifffahrt und Die Nachtpaffage in Aussicht gestellt.

Wien, 27. September. Das Wiener JournalPatriot" veröffentlicht folgende Depesche aus Konstantinopel vom 26. d.:Alexandriner Journale be­richten über ein Sectreffen zwischen Der preußischen FregatteHertha" und Drei französischen Schiffen im rothen Meere. Nach zweistünOiger Kanonade verweigerte dieHertha" auf Aufforderung Der französischen FregatteBelliqueuse", sich zu ergeben, unD setzte Den Kampf fort, bis sie untersank. Ein Theil Der preußischen Bemannung ist gerettet. DieHertha" batte vor ihrem Untergange einem 20 Millionen führenden Postdampser Der französischen Mcssagerie aufgelauert."

Brüssel, 26. September. Dem Vernehmen nach ist zwischen Preußen unO Belgien vereinbart, Daß Den in Belgien aufgenommenen preußischen Ver­wundeten nach ihrer Wiederherstellung Beverloo oder Brügge für die Dauer von Drei Monaten zum Aufenthalte angewiesen wird.

Brüssel, 27. Septbr. Der Herzog v. Aumale hat Den Wählern von Charente folgenoe Antwort erteilt:Ich bin allezeit bereit, meinem Lande zu Dienen, unD nehme Die Canoidatur an. Folgendes ist mein Programm: ich erkenne an Die gegenwärtige Regierung, welche kämpft uno unterhandelt; ich erkenne an Die künftige Durch die Constituante frei gewählte Regierung. Ehren­voller FrieOen! Freiheit! Ordnung! Rechtlichkeit!"

London, 26. September.Situation" kündigt in Folge Der Pro- damation Der Regierung in Tours ein Manifest Napoleon« an, welches in LonOon unD Brüssel erscheinen wird. Rack einem Telegramme aus Amiens fordert der Präfect des Somme-Departements das Volk zum Kampf bi« auf« Messer auf, da die Friedenshoffnungen geschwunden feien. Eine Depesche au« Tours meldet, daß Die Präfecten Der westlichen Departements eine ConföOeration gebilDet haben, um Die Vertheioigung zu organisiren; ob im Anschluß an Die Regierung oDer unabhängig, wird nicht gesagt.

LonOon, 27. September. Zwei englische CabinetScouriere haben Rouen auf dem Wege nach TourS passirt. Gerüchtweise verlautet, daß in Pari« Die Anarchie in Der Zunahme begriffen ist. Der LloyO - Gesellschaft wirO au# Calais gemeldet, daß die französische Polizei befohlen habe, keinem Franzosen die Einschiffung nach Dem Auslande zu gestattend

Univ.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.