Ausgabe 
23.12.1870
 
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Expedition; Canzleiberg Lit. D. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

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Freitag den 23. December

Nr. 187

1870.

22. December.

Antwort Sr. Majestät des Königs auf die Adresse des Reichstages des Norddeutjchen Buntes btt der in Versailles stattgehadten Ueber- reichung derselben durch die Reichstags-Deputation.

Geehrte Herren! Indem Ich Sie hier auf fremdem Boden, fern von der deutschen Grenze, empfange, ist es Mir das erste Bedürfniß, Meiner Dank- barfeit gegen die göttliche Vorsehung Ausdruck zu geben, deren wunderbare Fügung uns hier in der alten französischen Königsstadt zufammenführt. Gott hat den Sieg verliehen in einem Maße, wie Ich es kaum zu hoffen und zu bitten wagte, als Ich im Sommer dieses Jahres zuerst Ihre Unterstützung für diesen schweren Krieg in Anspruch nahm. Diese Unterstützung ist Mir in vollem Maße zu Theil geworden, und Ich spreche Ihnen den Dank dafür aus in Meinem Namen, im Namen des Heeres, im Namen des Vaterlandes. Die siegreichen deutschen Heere, in deren Mitte Sie Mich ausgesucht Haden, fanden in der Opferwilligkeit des Vaterlandes, in der treuen Theilnahme und Fürsorge des Volkes in der Heimath, in der Einmüthigkeit des Volkes und des Heeres ihre Ermuthigung in den schweren Kämpfen und Entbehrungen. Die Gewährung der Mittel, welche die Regierung de« Norddeutschen Bundes noch in der eben geschlossenen Session dcs Reichstages für die Fortsetzung des Krieges verlangten, hat mir einen neuen Beweis gegeben, daß die Nation entschlossen ist, ihre volle Kraft dafür einzusetzen, daß die großen und schmerzlichen Opfer, welche Mein Herz wie da« Ihrige tief bewegen, nicht umsonst gebracht sein sollen, und die Waffen nicht aus der Hand zu legen, bis Deutschlands Grenze gegen künftige Angriffe sicher gestellt ist. Der Norddeutsche Reichstag, dessen Grüße und Glückwünsche Sie Mir überbringen, ist berufen ge» wesen, noch vor seinem Schluß zu dem Werke ter Einigung Deutschlands ent- scheidend mitzuwirken. Ich bin demselben dankbar für die Bereitwill gkeit, mit welcher er fast einmüthig seine Zustimmung zu den Verträgen ausgesprochen bat, welche der Einheit der Nation einen organischen Ausdruck geben werden. Der Reichstag hat, gleich den verbündeten Regierungen, diesen Verträgen in der lieber- zeugung zugestimmt, daß das gemeinsame staatliche Leben der Deutschen sich um so segensreicher entwickeln werde, als die für dasselbe gewonnenen Grundlagen von unfern süddeutschen Bundesgenossen aus freier Entschließung, nach Maßgabe ihrer eigenen Würdigung des nationalen Bedürfn sses, bemessen und dargcboten worden sind. Ich hoffe, daß die Vertretungen der Staaten, denen jene Verträge noch vorzulegen sind, ihren Regierungen auf dem betretenen Wege folgen werden. Mit tiefer Bewegung hat Mich die durch Se. Maj. den König von Bayern an Mich gelangte Aufforderung zur Herstellung der Kaiserwürde des alten deutschen Reichs erfüllt. Sie, meine Herren, bringen Mir im Namen des Norddeutschen Reichstages die Bitte, daß ich Mich dem an Mich ergehenden Rufe nicht entziehen möge. Ich nehme gern au« Ihren Worten den Ausdruck des Vertrauens und der Wünsche des Norddeutschen Reichstages entgegen. Aber Sie wissen, daß in dieser so hohe Interessen und so große Erinnerungen der deutschen Nation berüh- renden Frage nicht Mein eigenes Gefühl, auch nicht Mein eigenes Urtheil Meinen Entschluß bestimmen kann; nur in der einmütigen Stimme ter deutschen Fürsten und freien Städte und in dem damit übereinstimmenden Wunsche der deutschen Nation und ihrer Vertreter werde Ich den Ruf der Vorsehung erkennen, dem Ich mit Vertrauen auf Gottes Segen folgen darf. Es wird Ihnen wir Mir zur Genugthuung gereichen, daß Ich durch Se. Maj. den König von Bayern die Nachricht erhalten habe, daß das Einverständniß aller deutschen Fürsten und freien Städte gesichert ist und die amtliche Kundgebung desselben bevorsteht.

V DieMünch. N. Nachr." schreiben hinsichtlich der Annahme oder Nichtan­nahme der Versailler Verträge zur Eonstituirung des deutschen Reiches: Die Der- werfung der Verträge ist eine Beleidigung ganz Deutschlands, dessen Volk feit fünfzig Jahren die Einigung anstrebt; sie ist eine Beleidigung Preußens, des mach, tigsten Staates Europas, der die größten Opfer für Deutschlands Ehre und Macht gebracht; sie ist eine Beleidigung des Königs von Preuß n und des Königs von Bayern, die ein so erhebendes Beispiel deutscher Eintracht gegeben haben; sie ist die Verhöhnung der gesammten deutschen, namentlich aber der bayerischen Armee, die ihr Blut wahrlich nicht deßwegen vergossen hat, damit die alte Zerrissenheit der alte Hader zwischen den Deutschen fortdauere; sie ist endlich die tiefste Schmach für Bayern, weil die Verwerfung des Vertrages einer, wenn auch nicht offenen, dock versteckten und daher um so gefährlicheren Bundesgenoffenschaft mit Frank­reich gleichkornmt. Menn die Plane der Ultramontanen wirklich zur Ausführung kämen, wenn es ihnen diesmal und vielleicht auch in einer nächsten Kammer ge­länge, die Verträge zu verwerfen, dann allerdings ist die Existenz Bayerns aufs äußerste gefährdet und keine Macht der Welt würde dessen Untergang aufzuhallen vermögen. Mir aber vertrauen auf den festen Sinn des Königs, auf die deutsche Treue des bayerischen Volkes, daß sie die Plane der bayerischen Franzosen und Römlinge zu Nichte machen werden.

Bei Invalivitäts*Erklärungen junger Soldaten wird folgende Norm beob- achtet werden. Dem Sinne des §. 5 der kriegsministeriellen Instruction vom 2 August 1865 gemäß sollen solche Militärs, die nach kurzer Zeit invalide ge- worden sind, indem sie niemals gänzlich wiederherstellbare Knochenzerspl.tterungen, oder Zerreißung von Blutgefäßen, Nervxn, Sehnen oder Mu-keln erlitten haben, nicht zunächst fürtemporär," sondern für dauernd ganz- oder halbinvalide er- klärt werden, wäh.end die vorhandene gänzliche oder theilweise Erwerbsunfähig­keit, da sie wieder in eine weniger gestörte oder vollkommene Erwerbsfähigkeit über- ' gehen kann, nur als eine temporäre zu bezeichnen ist. Für die Betreffenden hat

diese Anordnung den Effect, daß sie sogleich in den Besitz des Civilversorgungs- scheines gelangen, sobald ihre Dienstunsähigkeit thatsächlich anerkannt ist.

DieK. 3 " entnimmt einem Schreiben aus Brüssel vom 19. December: Die belgische Regierung hat die strengsten Maßregeln ergriffen, um die Einfälle der französischen Franctireurs auf das belgische Territorium zu verhindern. Die Truppen, welche sich an der Grenze befinden, haben Befehl erhalten, gegen die Franctireurs nöthigenfalls von ihren Waffen Gebrauch zu machen. In den fran­zösischen Norddepartements wird die Verschärfung der Maßregeln an der Grenze Seitens der belgischen Regierung viel böses Blut machen. Schon jetzt herrscht in Lille und in den übrigen Städten der Norddepartements große Entrüstung über die Belgier, weil dieselben die Kriegsgefangenen nicht freilassen und den Waffen­lieferungen Hindernisse in den Weg gilegt haben. Obgleich man die Preußen noch keineswegs los geworden ist und auch wenig Aussicht vorhanden ist, daß man sie bald lo« werden wird, so stoßen die Franzosen doch schon Drohungen gegen Belgien au«, und sprechen offen von dessen nothwcndiger Einverleibung in Frankreich, sobald man die Preußen vertrieben habe. Die Belgier, die den Drang nicht fühlen, sich von den Franzosen verschlingen zu lassen, werden, trotz ihrer Antipathie gegen die Deutschen, früher oder später doch wieder ihre Zuflucht zu diesen nehmen müssen."

In Orleans wurden bei dem Einrücken unserer Truppen von dem Bischof Dupanloup für die französischen Truppen verfaßte Gebete gefunden, in welchen u. A. gesagt war: Frankreich habe viel gesündigt, aber es werde ihm viel ver­ziehen werden, weil es viel geliebt habe.

Der Volksverein in Wien- hat an die Geweindevertreter ein Gesuch um werkthät ge Unterstützung der durch die Unbilden des Krieges hart geschädigten Stadt Straßburg gerichtet. Das Gesuch wurde abgewiesen. Durch solche Ab­lehnung nicht gewitzigt, reichte der deutsche Verein nach einiger Zeit ein neues Gesuch' des Inhaltes ein: Der Gemeinderath möge zur Unterstützung der aus Frankreich vertriebenen deutschen Arbeiter eine Summe von 5000 Fl. bewilligen. Das Gesuch ward abermals einstimmig von der Finanz-Section des Gemeinde- rathrS «vgelrhnt.

Kriegsnachrichten.

Psalzburg, 14. Dec. Der (Kapitulation der Festung Pfalzburg folgte heute unser Einmarsch in die Stadt, und erkannte man nach den allseitigsten Strapazen und Entbehrungen in einer 17wöchentlichen Cernirung in den Gesichtern de« ganzen CernirungScorpS doch eine gewisse Zufriedenheit. Die Besatzung der Festung verzichtete auf olle miliiärischen Ebrcn in Hinsicht der Uebergabe, aber dennoch mag jedem unsere- Corps der Tag des Einmarsches in Pfalzburg, bei flatternder Fahne, im Gcdächtniß bleiben. Die Besatzung, 53 Offiziere und 1828 Mann, unter letzteren ein Drittel der Mobilgarde, wurde per Eisenbahn nach Rastadt instradirt und ein Theil des EernirungscorpS besetzte die Stadt. Die Gefangenen so wie die Bürger der Stadt freuten sich bei unserem Einmärsche anscheinend der Erlösung, aber mißgestimmt wurden sie, al« man sagte, daß ihre Armee im tiefen Süden, in Paris oder im Westen am Meere stehe, die sie aus einige Tagemärsche der Festung nahe glaubten. Ferner hörte man denn auch hier wieder das ge­wöhnliche:Wir sind verkauft", trotzdem für die Seelenzahl der ganzen Stadt bei der Capitulation auch nur noch für einen halben Tag Verpflegung aufzutreiben gewesen wäre. Seit den letzten sechs Wochen hat keiner mehr Fleisch gesehen und eine geraume Zeit mußte da- Pulver das Saiz ersetzen. Wenn man neben dieser Entbehrung in Betracht zieht, daß die Stadt durch die Artillerie verhältnißmäßig noch mehr gelitten hat als Straßburg, und daß endlich sogar die schwarzen Pocken eine Zeit lang hier epidemisch geherrscht, so mag für die Besatzung wie für den Bürger Pfalzburg- ein Bene für das Natioualgefühl erwachsen, worauf virschiedene Festungen und die Feld-Armee Frankreichs hingewiesen werden dürften. Circa 60Häus>r der Stadt sind total niedergebrannt, dazu die in rein gothischem Style erbaute Kirche, welche nur eine Ruine als Uebcrrest zeigt. Morgen wird das Cernirung-corp- nach Straßburg abrücken und die Festung wird eine andere Be­satzung erhalten.

Aus Lille, 18. Dec., wird derIndependance beige" telegrophirt:Das Gerücht geht, daß Ham vom Feinde wieder genommen fei, da es von den Fran­zosen nicht mit Truppen besetzt war. Der Durchmarsch von 20,000 Deutschen durch Chauny wird gemeldet."

Am 15. Dec. kam einGum" von zwanzig arabischen Reitern durch Lyon. Man kündigte diese Leute als den Dortrab eines größeren Importes von Beduinen an, welche gegen die Ulanen ins Feld geschickt wirken sollen. Am 11. wurden 2800 Pferde aus Algerien gelandet. Dieselben sind für die Zuavcn, Chasseurs d'Afrique, Spahis und Gebirgs-Artillerie der Provinz Constantine bestimmt, welche für Frankreich geworben wurden. In Lyon bildet sich jetzt eine Compagniever­lorener Söhne der Rhone", welche keinen Sold nehmen und sich bloß dem Ab­fangen von preußischen Proviantzügen widmen wollen. Diese Compagnie fußt auf einem Actiencopital von 50,000 Fr. und gibt Aktien zu 1000 Fr. aus, die nach jeder Prise im Verhältniß zurückgezahlt werden sollen. In Besan^on ver­kauften die Bauern aus der Umgegend drei Pferde, das Stück zu 500 Fr.; die Bauern sagten aus, sie hätten diese Pferde drei preußischen Offizieren abgenom­men, die sie todtgeschlagen hätten.

Aus Dünkirchen wird berichtet: Der Obercommandant der Armee in der iRegion du Nord" hat folgenden Erlaß gegeben: Der Handelscommis D. Plan- Icaffflgue aus Dünkirchen ist zum Oberlieutenant der mobilisiiten Nationalgarde