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Hoheit dem Prinzen Ludwig eine Depesche, welche die Mittheilung der glücklichen Geburt eines Prinzen enthielt. Bei dem Schießen mit Granaten kommen oft ganz merkwürdige Dinge vor. So flog am Samstag Mittag eine Granate in ArS-sur-Moselle in ein Zimmer, in welchem 4 Officiere am Tische saßen. Die Granate zerschmetterte den Tisch und Alles, was auf demselben stand, durchbohrte den Fußboden und drang in das Zimmer des unteren Stockes, in welchem sich kurz vorher ein Soldat, der sich etwas unwohl fühlte, auf das Bett gelegt hatte. Diesem wurde der Kopf vom Rumpf weggeriffen. Die vier Osficiere blieben vollständig unversehrt, sie waren mit dem bloßen Schrecken davongekommen. Eine andere Granate flog in einen mit Zwieback beladenen Wagen, und wurde dieser wie Mehl zusammengeschlagen. Pferde und Kutscher blieben unversehrt.

(Mz. Abdbl.)

Brüssel, 14. Oct. Aus Paris liegen jetzt nähere Nachrichten über die socialistifchen Unruhen vor, die vom 8. bis 10. dort große Beunruhigung ver­ursachten. Die vomJournal osficiel" veröffentlichten Decrete waren die Ver- anlaffung. Vor dem Hotel de Ville fanden wiederholt Demonstrationen statt, die sich am 9. fortsetzten. Die Regierung ließ mehrere Redner, die auf den Straßen aufreizende Ansprachen hielten, verhaften. Für den 10. befürchtete man den Aus­bruch eines durch FlourenS vorbereiteten Aufstandes. Um diesen unmöglich zu machen, erfolgte die starke militärische Besetzung Belleville'S. Der Oberstlieutenant der Nationalgarde, Sapia, wurde, ob in Folge dieser Vorgänge steht nicht fest, vor ein Kriegsgericht gestellt.

Straßburg, 10. October. DerN. B. Lndsztg." wird die Aussage eines Badensers mitgetheilt, der sich hier während der Belagerung in Gefangenschaft befand. Derselbe wurde mit 28 andern deutschen Gefangenen zuerst in der Easerne der Strafabtheilung in der Citadelle untergebracht. Als dieselbe aber von den badischen Batterien bei Kehl beschossen wurde, mußten die Gefangenen mit der übrigen Besatzung der Citadelle auf dem Walle lagern, wozu Zelte gefaßt wur­den. Die Verpflegung Morgens Kaffee, Mittags Maulthier- oder Pferdefleisch mit Reis war ausreichend, die Behandlung rücksichtsvoll. Als die Beschießung immer heftiger wurde, befahl General Uhrich die Uebersiedelung in das Gebäude des Correctionshauses, welches in der Stadt liegt und nicht beschossen wurde. Derselbe ließ die am 21. September Gefangenen zu sich führen und eröffnete ihnen dies mit dem Bemerken, daß der Aufenthalt in der Citadelle nunmehr zu gefährlich sei. Uebrigens sei auch der Transport durch die Stadt der Bevölke­rung wegen nicht ohne Gefahr, und er habe deswegen für genügende Bedeckung gesorgt. Letzteres geschah durch 4 Offiziere und 60 Mann, welche aber nicht ver- hindern konnten, daß auf die Gefangenen mit Steinen geworfen wurde, und die Volksmenge mit Messern auf sie eindrang. Ein Weib wollte mit einem Messer gegen einen bei Weißenburg gefangenen Bayer eindringen, wurde aber durch einen der Offiziere an den Haaren gepackt und gegen die Häuser geworfen, worauf ihn sofort drei Kerls packten. Der Offizier mußte durch seine Leute, welche mit ge­fälltem Bajonnet marschirten, herausgehauen werden. Außer den 29 deutschen Gefangenen waren i-Ji Correctionshaus auch französische, unter Andern ein Dutzend, die am Ansterlitzer Thor eines Tages auf Wache und als die Ablösung kam, sämmtlich abwesend waren. Das Urtheil lautete auf 5 Jahre. Nun kommt ihnen die Uebergabe zu gut. Gegenüber diesem Verhalten eines Theils der Be­völkerung, aus welcher Ausdrücke fielen, wiemetzelt sie" und worunter nur ver­einzelte beschwichtigende Stimmen sich vernehmen ließen (einer gab z. B. de« Gc° fangenen ein Geldgeschenk, wofür er ebenfalls bedroht wurde), tritt die wahrhaft edle Fürsorge des Generals Uhrich ins schönste Licht. Auf die Klagen des diese Angaben machenden Gefangenen, daß er von den Kürasstren, welche ihn gefangen nahmen, mißhandelt worden fei, ordnete er sogleich Bestrafung an und eröffnete sämmtlichen Gefangenen, daß er ihnen seinen besonderen Schutz und seine Für­sorge werde zu Theil werden lassen, so lange er den Befehl habe. Er hat dieses Wort bis zum letzten Augenblick treu gehalten. Die Bitte der Gefangenen, ihnen Morgens Kaffee zu geben, welche sie ihm durch den Offizier du jour vortragen ließen, genehmigte er und ließ dies ihnen durch den Befehlshaber der Citadelle mit dem Bemerken eröffnen, daß es zwar nicht Vorschrift sei, indeß aus Mitleid mit der schwierigen Lage (das Kochen wurde oft durch Granatfeuer gestört) ge­währt würde. Auch die Bitte um Tabak, welche auf die Frage des besichtigenden Offiziers nach etwaigen Wünschen laut wurde, genehmigte General Uhrich sofort und schickte ihn selbst nebst Pfeifen nach dem Correctionshaus. Desgleichen be­nahmen sich die Offiziere der Besatzung der Citadelle sreundlich gegen die Ge­fangenen und schickten ihnen öfter Tabak. Außer den Offizieren, welche sich täg­lich nach ihrem Befinden erkundigten, kamen alle zwei Tage Aerzte und in den letzten Tagen auch Geistliche, welche für Lesestoff sorgten und deutschen Gottes­dienst abhielten. Die Uebergabe geschah auf Befehl des Generals durch einen Offizier am Austerlitzer Thor. Diesmal war keine Bedeckung nothwcndig. Tags zuvor wurde sämmtlichen Gefangenen die Löhnung (für zwei Tage 3 SouS) aus- bezahlt.

Darmstadt, 15. Octbr. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 8. October den außerordentlichen Professor bei der phi­losophischen Facultat der Landes-Univerfität, insbesondere für das Lehrfach der Geschichte, Dr. Sigurd Abel bis zu Wiederherstellung seiner geschwächten Gesundheit und den auß rorventlichen Professor bei der medicinischen Facultät der Landes-Univerfität Dr. Johannes Baptist Wetter in den Ruhestand zu versetzen.

Kassel, 13. Oct. Vorgestern Abend ist General Fleury, früher Gesandter in Petersburg, in Wilhelmshöhe eingetroffen und stattete sofort im Schlosse Na­poleon seinen Besuch ab. Gestern Mittag ging der Kaiser mit dem General nebst großem Gefolge längere Zeit vor dem Gasthause in eifrigem Gespräch auf und ab. Der General ist heute früh wieder abgereift, wie man sagt, nach Petersburg.

Berlin, 13. Oct. DieProv.-Corresp." bemerkt bezüglich der deutschen Frage:Aus den Bündnißverträgen wird ein gemeinsames deutsches Staats­wesen hervorgehen. Neber die Grundlagen der Einigung finden zwischen den Negierungen vertrauliche Verhandlungen statt. Der Ernst und der patriotische Geist aller Regierungen bürgt für einen baldigen befriedigenden Abschluß. Die Verfassung des norddeutschen Bundes bezeichnet den Weg, auf welchem die Ausdehnung des Bundes auf die süddeutschen Staaten erfolgen kann." Die Prov.-Corresp." sagt weiter:Die wesentlichen Schwierigkeiten bezüglich der Herbeischaffung und Aufstellung der Belagerungsgeschütze vor Paris dürften nunmehr so weit gehoben sein, daß der Beginn der Operationen in naher Zeit zu erwarten steht. Der Zusammentritt des Landtages soll spätestens Ende November erfolgen; vorher findet möglicherweise eine Session des Reichstages

statt, welche sich mit den weiteren Bedürfnissen der Kriegführung und der Ent­wickelung der deutschen Verhältniffe zu beschäftigen haben würde. Bei den Landtagswahlen werden die Wahlmännerwahlen voraussichtlich etwa am 9. f. M, die Abgeordnetenwahlen acht Tage später, vollzogen werden.

Berlin, 15. Oct. Gestern Abend zwischen 9 und 10 Uhr starb der Stadt' gerichtörath a. D. Karl Twesten, Mitglied des Reichstages und des Abgeord­netenhauses.

Tönning, 13. Oct. Capitän Meyer von dem englischen DampferCity" meldet: Ich pasfirte gestern 5 Uhr Nachmittags sieben französische Kriegsschiffe bei Helgoland. DieCity" wurde, verfolgt von fünf Schiffen, vor der Eider zum Beilegen gezwungen. Der an Bord kommende französische Offizier verlangte Zeitungen und sagte, seine Flottenabtheilung käme aus der Ostsee und ginge nach Frankreich zurück. Man habe dieCity" wegen ihres schwarz-weißen Schornsteins für ein preußisches Schiff gehalten.

München, 15. October. Sicherem Vernehmen nach steht in den nächsten Tagen auf Befehl des Königs eine öffentliche Darlegung der Regierung in Be­treff der Haltung Bayerns in der deutschen VerfaffungSfrage bevor.

Wien, 14. Oct. Zwei Redakteure der hier erscheinenden, panslavische Zwecke verfolgenden ZeitungDie Zukunft" wurden unter der Anklage des Hoch, oerraths verhaftet. Ein Telegramm derN. fr. Pr." aus London meldet, daß Rußland erneuerte Versuche zur Herbeiführung des Friedensschlusses gemacht und gegen die Beschießung von Paris remonstrirt habe. Der hier anwesende Geheimrath Prof. Leopold Ranke ist morgen zum Diner beim Grafen Beust ein- geladen.

Innsbruck, 11. Oct. DieTyroler Stimmen" melden über die Audienj der Tyroler Abgeordneten beim Kaiser:Der Kaiser versicherte, er werde nach Tyrol kommen und in Innsbruck längere Zeit verweilen, um sich über die Ver- hältnisse des Landes persönlich zu informiren. Die Bitte, betreffend das vom Landtage beschlossene Amnestiegesuch, fand eine wohlwollende Ausnahme."

Prag, 14. Oct. Im Königshof ist bei der Controlversammlung gegen Landwehrmänner, die den Eid verweigerten, militärisch eingeschritten worden.

Brüssel, 13. Oct. DieFrance" meldet aus Tours, daß die Truppen consignirt und die Posten verdoppelt seien, weil eine öffentliche Versammlung be- schlossen habe, die Ankunft Ganbaloi's zu benutzen, um die RegierungSabtheilung von Tours durch eine revolutionäre Commune zu ersetzen. Die Regierung in Paris soll bezüglich der Vertagung der Wahlen verschiedener Ansicht sein; ins- besondere hat Picard die Einberufung der Constituante dringend empfohlen. Patrie" tadelt aus's heftigste die Garibaldi'schen Kundgebungen.

Brüssel, 15. Oct. DieJndöpendance beige" begleitet mit mißtrauischen Bemerkungen die Proclamation Gambetta's vom Freitag, betreffend die totale Zurückwerfung der Belagcrungsarmee vor Paris, womit die Nationalregierung offenbar die barbarische Nlederbrennung von St. Cloud beschönigen will. Der Zweck von Bourbakl's Reise scheint eher mit Friedenstenvenzen im Zusammenhänge.

Rom, 11. Oct. General Lamarmora erließ eine Proclamation an die Römer, welche besagt: Der glänzende Ausfall des Plebiscits krönte das natio­nale Gebäude. Es sei zu hoffen, daß das Ausland in würdiger Weise über dies große Ereigniß urtheilen werde. Die Regierung wolle, daß der Papst, mit der Würde eines Souveräns bekleidet, in voller Freiheit alle Rechte des Kirchenoberhauptes ausübe, doch auch das Nationalgefühl sei etwas heiliges; mit diesem müsse das Gefühl für den Papst in Einklang gebracht werden. 'Die Proclamation fordert schließlich zur Ruhe und Ordnung auf.

Nom, 13. Oct. Eine Privat - Depesche derB. Börsen-Ztg." meldet: Der Papst ist sehr unwohl. Eine soeben publicirte Bulle vom 7. October bestätigt die Suspendirung des Concils auf unbestimmte Zeit."

Florenz, 14. Oct. Ueber die Besetzung des spanischen Throns erfährt man hier nachstehende Details: Die spanische Regierung hat Italien und Europa die Alternative gestellt: entweder einen italienischen Prinzen als König oder die Republik Ein erneuerter Versuch zu Gunsten des Herzogs von Genua ist an der wiederholten Weigerung von dessen Mutter gescheitert, worauf der König in die Einleitung von Verhandlungen über die Candidatur des Prinzen Amadeus willigte, welche von den meisten Mächten, besonders von Preußen, unterstützt wurde. Prinz Amadeus hat schließlich den spanischen Thron angenommen, vorbehaltlich der Genehmigung durch ein Plebiseit.

Petersburg, 13. Oct. DasPetersburger Journal" bezeichnet in seiner Mittwochsnummer die Proclamation Gambetta's als den zweiten December der Republik, denn sie verhinderte die selbstständige Berathung der Nation. Das Journal erklärt die Wahlen und den Zusammentritt der Nationalver­sammlung sowie einen Waffenstillstandsabschluß für unbedingt nothwendig.

Krakau, 11. Oct. Ein Telegramm derPresse" meldet:DerKraj" bringt in einem Berliner BriefeEnthüllungen" über Aeußerungen des Gräfin Bismarck über die polnische Frage und die eventuelle Politik Preußens in Be­treff der Reconstruction Polens. DerKraj" appellirt an Bismarck um die Be­stätigung der Wahrheit dieser Anga en."

London, 11. Oct. Einem Telegramm derTimes" vom heutigen Taze zufolge, beabsichtigt Italien, die katholischen Mächte zur Partificirung an der päpstlichen Civilliste aufzufordern. Zwölf französische Schiffe haben Dovtr westwärts passirt.

London, 13. Oct. (Per DampferNewa".) Eine Revolution der Negtr hat auf Martinique stattgesunden. Es sind große Verluste an Menschenleben uul Eigenthum zu beklagen. Die Negierung hat den Belagerungszustand proclamicl und Hülfe von BardadoeS verlangt. Auch in der Provinz Barrance in Peru ist eine Neger-Revolte ausgebrochen. Mehrere Weiße wurden massacrirt. Die Neger sind in das Gebirge verjagt.

New-Hort, 13. Oct. General Lee ist gestorben.

Konstantinopel, 12. Oct. Mustapha Fazyl Pascha soll Ali Pascha et- setzen und Letzterer pensionirt werten, weil der Sultan mit dessen auswärtigtr Politik unzufrieden ist. Rustan Bey geht Übermorgen auf seinen Posten in Petersburg ab.

Telegraphische Depeschen.

Versailles, 16. October, 3 Uhr Morgens. Soissons hat soeben nach viertägiger hartnäckiger Artillerie-Vertheidigung capitulirt.

v. Krensky.

Versailles, 15. October. Es ist kaum nöthig zu erwähnen, daß von Tours verbreitete Gerüchte über siegreiche Gefechte der Fran- zosen vor Paris erfunden und nur auf Stärkung schwacher Gemüther