8. April.
In den Kreisen der italienischen Regierung herrscht, tote eine Florentiner (5orresponeenz der „Neuen Freien Presse" meldet, in Folge der jüngst zu Tage getretenen Unverläßlichkeit der Armee nicht geringe Besorgniß. Eine ganze Brigade, die Brigade Modena, die aus dem 41. und 42. Infanterieregimente besteht, ist revolutionär gesinnt, und dies in einem solchen Grade, daß man an deren Auflösung denkt und zahlreiche Verhaftungen unter ihr vorgenommen werden mußten. Der Commanvant dieses Truppen- corps, General Bonvicini, ist abgesetzt worden, „in Disponibilität versetzt", lautet der amtliche Ausdruck. Ob wohl auch er der. Regierung in Florenz verdächtig vorkam? In Rom fühlt man sich ebenfalls vor den Republikanern nicht sicher. ES ist Thatsache, schreiben clericale Bläktcr, daß diese Partei irgend etwas gegen das Eoncil und den Papst im Schilde führt. An der Grenze befinden sich Ganbaldi'sche Werbe-Bureau'S ein Garibaldianer-Führer Hot sich unlängst in einem päpstlichen Linicnregimente anwerben lassen und circa 30 Revolutionäre aus Umbrien, der Romagna und den Marken sind ganz kürzlich verhaftet worden.
Aus Mxko meldet der Correspondent der „Mor- ning Post" vollständige Niederwerfung der Revolution. EScobeda hat das Werk vollbracht und einen Siegeszug gehalten, wie er in der Hauptstadt nach seinem langsamen, vorsichtigen Vormarsche nickt erwartet wurde. Am 6. Februar schlug er zuerst die Rebellen aus's Haupt und am 14. meldete er, daß er ohne Schwertstreich in San Luis Potosi einge- zozen sei. Von hier aus setzte er die Verfolgung fort, hatte am 15. wieder einen Zusammenstoß und machte bei dieser Gelegenheit 500 Kriegsgefangene. Am 21. lieferte er dem Hauptcorps der Aufständischen ein Treffen, und es gelang ihm, dasselbe gänzlich zu sprengen. Gegen 1900 Gefangene und die ganze Artillerie dcs Feindes fiel in seine Hände, und die Führer mußten mit einigen Anhängern ihr Heil in der Flucht suchen. Dieses Ereigniß entschied den Kampf, und da mittlerweile die Waffen der Regierungstruppen auch in anderen Staaten siegreich gewesen waren, manche Banden sich ergeben hatten und die wichtigen Punkte alle von der Regierung behauptet wurden, so gaben die Gegner den Kampf auf. In Vera Cruz, Orizaba, Jalapa, San Luis, Queretaro war bei Abgang der Post am 28. Febr. Alles ruhig, nur in den westlichen Staaten dauerten die Unruhen fort. Escobedo hat sich bei dieser Gelegenheit außergewöhnlich milde benommen und einen großen Theil der Kriegsgefangenen sofort in Freiheit gesetzt. Von Füsiladen hatte man noch nichts vernommen.
9. April.
Bekanntlich ist auch der Prager Friedensvertrag, worin die eventuelle Abtretung der nördlichen Distrikte von Sckleswig'"an Dänemark stipulirt ist, „im Namen der allerheiligsten und untheilbarcn Dreieinigkeit" abgeschlossen worden. Der Vertreter des dänischen Wahlbezirks in Nordschleswig, ReichstagSab- geordneter Kryger hat nun zu dem Paragraphen des Strafgesetzbuches gegen Gotteslästerung das nachfolgende Amendement gestellt: „Wer öffentlich Gott lästert, „„oder wer die Achtung vor dem Namen und den Geboten Gottes dadurch untergräbt, daß er die Verletzung eines im Namen der Gottheit geschlossenen Vertrages als eine patriotische That anempfiehlt, sowie wer die Lehren der ReligionSgesell- schaften dadurch herabwürdigt, daß er trotz der Absicht, die Erfüllung vertragsmäßiger Pflichten von den Umständen abhängen zu lassen, den Mißbrauch des Namens Gottes bei Schließung von Verträgen begünstigt"", oder ic. wird mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft." Außerdem will Herr Kryger, daß „Staatsbeamte, welche im Namen der heiligen Dreieinigkeit geschlossene Verträge verletzen, nicht bloß von der Strafe der Gotteslästerung betroffen, sondern auch für unfähig erklärt werden, ein Staatsamt zu bekleiden." Sollten diese Zusätze nicht angenommen werden, so beantragt Herr Kryger, die Strafbestimmungen gegen Gotteslästerung überhaupt zu streichen.
Der „Karlsr. Ztg." wird von Wien geschrieben: Einer hierher gelangten Mittheilung zufolge hat Frankreich seine Stellung zum Eoncil nunmehr definitiv sestgestellt; es wird statt — wie früher beabsichtigt gewesen — irgend welche directe Einmischung zu versuchen, nach dem von Oesterreich gegebenen Beispiel der Kurie einfach die Grundsätze bekannt ma- chen, welche die französische Regierung der Kirche gegenüber sich zur Richtschnur nehme und welche sie
unter allen Umständen zu wahren entschlossen sei. Zur Unterstützung des Nachdrucks dieser Kundgebung würde mit der Übermittelung derselben nicht ter — auf unbestimmte Zeit in Paris verbleibende — Botschafter selbst, sondern das ihn vertretende Botschafts- Mitglied beauftragt werden.
Vom Kriegsschauplatz in Paraguay berichten die mit ber brasilischen Post eingelaufenen Zeitungen die erklärenden Gründe für die letzten Truppenbewegungen. Wir erfahren daraus, daß nach den von Deserteuren gemachten Mitthe lungen Lopez mit einem Haufen von etwa 1000 Mann, statt sich in Eerro Cora festzusetzen, nach dem verlassenen brasilischen Fort Miranda abgezogen sein sollte, um von dort aus nach Bolivia zw gelangen. Um ihm den Weg dahin zu verlegen, warschirte General Camara mit seinem EorpS nach Dourados in Matto Grosso; das war am 10. Februar, und einige Tage später rückte eine andere Abtheilung ab, um dem Flüchtigen auch einen möglichen Contremarsch abzuschneiden. Die Handlung spielt demnach in abgelegenen, unbewohnten Landstrichen von Matto Grosso, und es wird unter allen Umständen einige Zeit vergehen, bis weitere Nachrichten erwartet werden können.
10. April.
In einem Artikel, in welchem die „Kreuzzeitung" die jetzige Krisis im österreichischen Kaiserstaate bespricht, kann sie nicht umhin dem parlamentarischen Regime eines auszuwischen, sie sagt: „ES war ein mehr als klägliches Schauspiel, welches das Ministerium HaSner darbot, nachdem es durch Ausscheidung der dreigliederigen Minorität zu dessen theoretisch bekämpftem Plane seine Zuflucht nahm, aber in der letzten, dem Handeln vergönnten Frist durch nichts Dringenderes zu thun fand, als sich in persönlichen Rivalitäten aufzureiben, so daß schließlich auch noch Dr. Giskra über das Bein stolperte, welches ihm Dr. Herbst gestellt hatte. Das Phrasen- thum und die Phraseurs haben Fiasko gemacht. Die parlamentarische Regierung, welcher man den Wiederaufbau Oesterreichs anvertraute, hat den Dienst versagt; die FreiheitSformeln haben nicht ausgereicht, um die Eoncurrenz der Nationalitäten zu beschwören, von welchen jede den Anspruch auf Selbftregierung macht und in der gemeinsamen Verfassung nur das Joch sieht, das der überwältigenden Majorität der slavifchen Bevölkerung auferlegt werden solle. Die liberale Aera hat das Chaos geschaffen; jetzt soll der Ausgleich helfen. Der Ausgleich ist eine Noth- wendigkeit geworden, nachdem Ungarn ihn gefunden und der Umstand, daß gerade einem Polen, dem Grafen Potocki, der Auftrag geworden ist, die Neubildung des Cabinets zu versuchen, weist darauf hin, daß man es mit dem Ausgleich wirklich versuchen will. Die Dinge sind aber soweit gereift, daß man nicht mehr daran denken kann, bei der Befriedigung nur einer Nationalität, etwa der Polen, stehen zu bleiben. In der CommissionS - Berathung der Lemberger Resolution ist bereits die Forderung geltend gemacht worden, daß mit dem Maß, der den Polen zu machenden Zugeständnisse auch die Forderungen ter anderen Nvtionalitäten gemessen werden müßten. Der Ausgleich, welcher, wie die Berufung Potocki'S ahnen läßt, angestrebt werden soll, wird zunächst auf verfassungsmäßigem Wege versucht werden; dafür bürgt gleichfalls der Name Potocki, da dieser das weiland Minoritäts- Memorandum zugleich mit dem Grasen Taoffe und Dr. Berger mitunterzeichnet hat. Aber der Ausgleich wird nicht vollzogen teerten können, ohne eine Verfassungsrevision, welche sich von einer Verfassungs-Umwälzung wenig unterscheiden wird."
Hessen. Darmstadt, 7. April. Die erste Kammer erledigte in ihrer Sitzung von heute eine Reihe von Gegenständen, die ihr zur Beschlußfassung Vorlagen, conform mit der zweiten Kammer. Erwähnung verdient, daß der erste Gegenstand der Tagesordnung, der Vertrag zwischen dem Norddeutschen Bunde und Baden, die Einführung gegenseitiger militärischer Freizügigkeit betr., Seitens des Grafen Erbach-Erbach auf Widerspruch stieß und für eine Begünstigung der Einführung preußischer Militäreinrichtungen in Süddeutschland erklärt wurde. Prinz Alexander und Domcapitular Mousang stimmten wie der Graf gegen die Annahme des Vertrags.
Mainz, 8. April. Der Gemeinderath hat für die Erweiterung der Stadt 4 Millionen Gulden votirt, welche durch eine Prämien-Anleihe von 5 Millionen Gulden beschafft werden sollen.
Preußen. Berlin, 3. April. ES liegen jetzt nähere Details über die dem BundeSrath des deutschen Zollvereins gemachte Vorlage, die Aenderung des Vereinstarifs betr., vor. Wir Unterlassen es, die einzelnen Positionen hier aufzuführen, und begnügen uns mit folgender kurzen Skizze deS Inhalts der Vorlage. Vom Eingangszoll befreit werden 50 Nummern. Die Vorlage vom vorigen Jahre zählte 46 Nummern. Die Vermehrung der Nummern selbst bezieht sich auf Nebensächliches. Im Eingangszoll verändert werden 29 Nummern.
Die vorjährige Vorlage zählte 27 Nummern. Die Vorschläge bezüglich der Eisenzölle find genau dieselben wie im verflossenen Jahre; die Nachricht eines Hamburgischen DlatteS von einer angeblich beabsichtigten weiteren Herabsetzung deS RoheisenzollS ist also ganz unbegründet. Vorgeschlagen wird, den Kaffe,zoll auf 5 Thlr. 25 Sgr. per Centner zu erhöhen. Dagegen zoll der Zoll auf gebrannten Kaffee, einem im veifloffenen Jahre vom Zollparlament gefaßten Beschlüße entsprechend, auf 7 Thlr. per Cenlner herabgesetzt weiden. Von einer Herabsetzung deS Weinzolls ist, entgegen den fiüheren Vorschlägen, Abstand genommen. DaS ist das Wesentliche, was über die Vorlage mit- zutheilen wäre. Die übrigen Tarifvorschläge find in allem Wesentlichen dcn im verflossenen Jahre gemachten genau entsprechend. Daß man den Vorschlag bezügl ch einer Besteuerung des Petroleums aufgegeben, ist bekannt und braucht nicht nochmals wiederholt zu werden. Auf EpecielllS wird sich gelegentlich zurückkommen lassen.
Berlin, 6. April. Wie die „Kreuzzeitung" erfährt, trifft der Kaistr von Rußland Anfangs Mai auf der Reist nach Süddeutschland hür ein.
— Wie die „Prov. Corresp." meldet, würden die Dahlen zum Abgrvrdnetenhause keinesfalls vor September ft^tt- finden und voraussichtlich zuerst die Wahlen zum Reichstage vorgenommen werden. — Der Reichstag genehmigte beute in zweiter und dritter Lesung den von dem Frhrn. zur Rabenau eingebrachten GesetzeSantrag, betreffend die Ausdehnung deS Gesetzes über die Braumalzsteuer auf die zum Norddeutschen Bunde gehörigen Gebietstheile des GroßherzogthumS Hessen.
Berlin, 8. April. Graf Bismarck ist unpäßlich und hütet feit mehreren Tagen das Zimmer. — Der „EtaalSan- zetger" meldet, daß die Einberufung deS ZoüparlamentS für den 21. d. in Aussicht genommen sei.
Oesterreich. Prag, 7. April. Ezechische Blätter melden: Der Kaiser sprach Potocki gegenüber den Wunsch auö, sich in Böhmen kiönen zu lassen; dagegen erklärte er sich gegen den Föderalismus.
Frankreich. Paris, 5. April. In Folge der bet dem Vorträge deS Professors Tardieu stattgehabten Demonstrationen beschloß das Dcconat der medicinischen Facultät mit 16 gegen 4 Stimmen die Ecole demeSdecine bis rum 1. Mai l. I. zu schließen.
Italien. Florenz, 6. April. Cattaneo's Nachfolger Campamlli ist in Lugo am Hellen Tage auf offenem Markte ermordet worden; der Thater wurde nicht verhaftet. __ Prinz
Tomaso wird auS England erwartet; er kehrt nach Ostern zurück. Die Herzogin von Genua begab sich nach London.
Spanien. Mad'rid, 8. April. Der Herzog von Mont- pensier wird wegen des Duells mit Don Enrique gerichtlich verfolgt und in seiner Wohnung bewacht. — In Eatalonien ist die Ruhe überall wieder hergestellt, ausgenommen in einigen Ortschaften der Umgegend von Barcelona.
Vermischtes.
Frankfurt. Bis zu Anfang laufender Woche waren von hier für 132,000 st. österreichische Sechser nach Wien gesandt worden. Diese Münzsorte kommt nur noch sel- s«lir>. im Kleinverkehr vor, dagegen zeigen sich jetzt viele österreichische Sechser älteren Datums mit dem Reichsadler, welche unbeanstandet genommen und gegeben werden.
Frankfurt, 8. April. Bei der Pferdemarkt-Lotterie mußte ein Metzgermeister eine arge Enttäuschung erleben. Al- nämlich das große Loos gezogen und der Name des Gewinner-, wenn auch nicht ganz richtig Mannt war, wälzte sich der Menfchcnstrom aus dem Saalbau fort in die Saalgasse zu einem Metzger, der einen ähnlichen Namen, aber nicht da- Glück hatte, trommelte diesen aus dem Bett und brachte seine Gratulation an. Der Ueberraschte eilte zum Saalbau, um sich von seinem Glück zu überzeugen. Hier erfuhr er aber, daß nicht er, sondern sein College in der Mainzergasse den Preis erhalten habe. Der Knecht des Gewinner- deS ersten Preise- gewann bei der vorigen Lotterie den dritten Preis.
Darmstadt. Der am 6. d. Abends um 71/2 Uhr von Mainz hier ankommende Eiseubahnzug wäre beinahe verunglückt. In der Nähe von Weiterstadt passirte ein Bauer mit Baumstämmen die Ueberfahrt über den Bahndamm. Der Zug war im Herannahen, als gerade die Achse an dem Wagen deS Bauers brach. Der Bauer behielt Geistesgegenwart genug, dem Zug entgegenzu laufen; der Locomotivfuhrer bemerkte ihn, und cS gelang noch rechtzeitig, den Zug zum Stehen zu bringen.
(Wölfe in Südungarn.) Wie aus Merifor geschrieben wird, belagern die Wölfe, welche infolge des jüngst gefallenen tiefen Schnees wieder zudringlfcher geworden, förmlich die menschlichen Wohnungen. Am 21. Marz Nachts — schreibt der Correspondent der „Pr." aus Merisor — machten uns diese Bestien wieder einmal viel zu schaffen, denn gegen halb 3 Uhr Morgens rannten vier Stück davon mit solcher Vehemenz gegen die äußere Gangthür meiner Wohnbaracke, daß sie im Augenblick aus Angel und Schloß gerieth, und vollbrachten dabet ein solches Geheul, daß meine ganze Familie vor Schreck wie gelähmt war; auch im Wirthshaus rannten diese Bestien die Küchenthüre ein, da sich aber nirgends ein geladenes Gewehr befand, konnte auch keine derselben getödtet werden und mußten wir nur dahin ti achten , uns derselben auf irgend eine Weise zu entledigen, waS un- schließlich auch mit Zuhülfenahme von Knitteln gelang, auf wie länge, läßt sich bei den gegenwärtigen WitterungSverhältniffen leider Nicht bestimmen.
— (Neue Verwendung deö Papiers.) Die American- Papier Mache.Manufacturing Comv. in Euenpoint L. I. macht jetzt aus einem chem. präparirten Papier: Waffereimer, Waschschüsseln, Pfannen, Spucknäpfe rc. DaS Papier ist so zuberei- tet, daß e- ganz unempfindlich gegen die Wirkung von Wasser i und Saure ist. Die Geräthe können in einen Ofen gestellt i werden bis daS Wasser si-det; die größte Sonnenhitze wie die i größte Kalte hat keinen Einfluß auf sie. Wo Holz reißt und ; Eisen rostet, bleiben die Geräthe aus Papier unversehrt. Die ! Waffereimer auS Papier haben folgende Vortheile über die hölzernen: das Wasser kann keinen Stoff von dem Eimer aufnehmen, die Eimer rinnen nie und fallen bei der Hitze nicht zusammen; sie sind leichter als die von Holz und halten daS Wasser kühler. Die Artikel sind mit einer Composition überzogen, die ihnen ein hübsche; Ansehen gibt; dieselbe hat jedoch nichts mit der Dauerhaftigkeit zu schaffen.
Nedaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


