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Rücksicht varauf,
1) daß die Abschaffung des Schmeerviehs ohne gesetzliche Vorschriften nicht ausführbar,
2) daß aber nur bei gemeinsamen Vorgehen mit den Nachbarstaaten Erfolg zu erwarten ist,
3) daß übrigens, was die Provinz Oberhessen betrifft, nach Art. 4 pos. 15 der Verfassung des Norddeutschen Bundes die Ergreifung von Maßregeln in Sachen der Veterinärpolizei zur Compctenz des Bundes gehört:
an das Präsidium des Provinzialvereins die Bitte zu richten, geeigneten Ortes Anträge auf gemeinschaftliche Maßregeln zur Beseitigung des Schmeerviebs zu stellen.
Der Herr Präsident de- Provinzialvereins theilt sodann noch mit, daß die Aachen-Münchener Feuerversicherung-- Gesellschaft au- den Ergebnissen ihre- Geschäftsbetrieb- in 1869 dem Provinzialverein den Betrag von 600 fl. überwiesen habe und daß auf den Bezirksverein Gießen hiervon die Summe von 106 fl. 30 fr. entfallen werde.
Es wird schließlich beschlossen, für die nächste Generalversammlung die Frage über die Bedeutung der Schafhaltung auf die Tagesordnung zu setzen und die Bestimmung des Ort- dieser Versammlung dem Ausschuß zu überlassen.
Zur Beglaubigung:
Dr. Goldmann.
körn oder Buchwaizen in Stoppeln zur Sprache gebracht, verbreitet sich Herr Oeco- nomierath Krämer in einem längeren Vortrag über die vorliegende Frage und nimmt dabei Veranlassung ebenfalls die Feldregulirung und Anlage von Feld» wegen als unbedingte- Erforderniß der von dem heutigen Stand der Landwirth- schaft gebotenen Ausdehnung des Futterbaues dringend anzurathen. Redner macht insbesondere darauf aufmerksam, daß oh e genügende Feldweganlagen, welche dem Landwirth den jederzeitigen Zugang zu seinen Grundstücken ermögliche, eine Erweiterung de- Futterbaues sich nicht durchführen lasse. Und doch sei der Futterbau heut zu Tage das Losungswort für den Landwirth; der Getreidebau werfe nicht mehr die gehörige Rente ab. Im Einzelnen bemerkt Redner noch Folgen- was in Bezug auf die bermalige Futlernoth zu berücksichtigen fei:
Der Buchwaizen empfehle sich wegen feiner Wohlfeilheit und des Umstandes, daß er in 8 bis 10 Wochen reife. Thieren, die nicht an Buchwaizen gewöhnt, solle man etwas Wicken darunter geben. M>t Vortheil lasse sich, und zwar auch in hiesiger Gegend, jetzt noch Grünmais pflanzen; dabei seien aber, damit die Pflanzen nicht zu bald holzig würden, die Körner nicht zu weit auseinander zu legen; an jeden Punkt lege man 2 bi- 3 Körner. Wenn auch der Grünmais in Rücksicht auf feine chemischen Bcstandtheile eine- der stickstoffärmsten Nahrungsmittel fei, so würden doch mit demselben coloffale Erträge erzielt und eS lasse sich bei Untermischung von Luzerne, Rothklee oder Oelkuchen jenem Mangel ab» Helsen. Wenn dies auch kostspielig scheine, so sei es in der That doch wohlfeil. Den Jncarnatklee betreffend, so sei derselbe, wenn auch keine Grundlage für die Viehhaltung, doch immerhin ein Lückenbüser und alS solcher bei leichterem Boden, wo er besser gedeihe, zu beachten.
Beim Anbau von Futteroggen, welchen Redner ebenfalls empfiehlt, dürfe
am Samen und Pfuhl nicht gespart werden.
III. lieber landwirthschastliche Buchführung hatte eine aus den Herren Lehrer Funk von Beuern, Pachter Brennemann zu Winnerod und Pachter Güngerich zu Groß-Buseck bestehende Commission schriftlichen Bericht erstattet. Derselbe wird von Ersterem verlesen und knüpft sich hieran eine kurze Discussion, bei welcher sich der Herr Präsident des Provinzialverein-, der Herr Oeconomierath Dr. Krämer und Herr Lehrer Funk betheiligen und bei welcher auf die Schwierigkeit der Aufstellung eines Schemas für die landwirth- fchaftliche Buchführung des kleinen Landwirth- hingewiesen wird.
IV Der vierte Gegenstand der heutigen Tagesordnung:
Erscheint es wünschenswerth, daß das Halten des reinen Schasdiehs und die Abschaffung des Schmeerviehs gesetzlich angeordnet und durchgesiihrt wlrd?
wird von dem Vorsitzenden mit der Bemerkung eingeleitet: tue Frage sei schon vielfach in den Vereinen erörtert worden und viele Gemeinden hätten das Schmeervieh bereits abgeschafft. Vor etwa iy2 Jahren habe die Regierung zu Wiesbaden die Sache behufs gemeinsamen Vorgehens wieder in Anregung ge- bracht, seines Wissens sei aber von dem Ministerium eine Entschließung bis jetzt
Gros wird entgegnet: , m ,
Die vorliegende Frage stehe durchaus in keiner Beziehung zu der» jenigen, über die Gründung einer polytechnischen Schule, sic sei viel älter, als diese und die Versammlung in Frankfurt, bei welcher jede Provinz durch drei Landwirthe vertreten und kein Mitglied der polytechnischen Schule betheiligt gewesen, sei ganz ohne Rücksicht auf diese schule zusammengesetzt worden; übrigens sei über die Localfrage keineswegs definitiv entschieden, man sei aber in der Commission der Ansicht gewesen, daß es zweckmäßig sei, die Anstalt an den Sitz der landwirthschaftlichen Centralstclle zu legen, wie denn auch in Rheinpreußen die ähnliche Rücksicht und nicht diejenige auf die Universität zur Gründung der Versuchsstation in Bonn geführt habe. In irgend einer Stadt muffe die Anstalt errichtet werden und wenn Freiherr v. Rabenau in dieser Beziehung besondere Vorzüge anführen könne, welche die Commission für die Wahl einer anderen Stadt, als Darmstadt, hätten bestimmen sollen, so möge derselbe solche Vorgänge namhaft machen und die Generalver- sammlung alsdann in den Statuten darüber bestimmen.
Nach weiterer Discussion wird schließlich beschlossen: pro 1870 25 fl. zu fraglichem Zweck zu bewilligen. .
II. Ucber den weiteren Gegenstand der heutigen Tagesordnung Ist der Anbau des Jncarnatklees in dem Bezirk Gießen rathsam?
Namens der aus den Herren Professor Dr. Pflug von Gießen und Oeco- nom Rohr von Lich gebildeten Commission erstattet der Erstere über die vor- liegende Frage eingehenden Bericht, aus welchem Folgendes hervorgehoben wird:
Da- Schmeervieh, bemerkt Redner, sei krankes Vieh, auf dessen Haut sich eine kleine Milbe, die sogenannte Krätzmilbe, gebildet habe, welche- nur durch Ansteckung weiter verbreitet werde. In Bezug auf die Fleischproduction sei diese Krankheit, namentlich dann, wenn durch fortgesetzte Behandlung dem allzustarken Umsichgreifen der Milbe gesteuert werde, von geringerem Einfluß. Bei der Wollproduction dagegen müsse auf Reinheit der Wolle und Quantum derselben gesehen werden; die Wolle leide aber durch das beständige Jucken und Reiben der Thiere Noth und von Seiten der Fabrikanten werde die Wolle au- Schmeer- vieh-Gegenden nicht so gerne gekauft, weil sie sich nicht so gern färben lasse. Diese Nachtheile seien nun zwar an und für sich bei zuverlässigen Schäfern nicht von sehr erheblicher Bedeutung, tatsächlich aber sei der Handel mit Schafvieh im Großherzogthum im hohen Grade dadurch beengt, daß in den Regierungsbezirken Wiesbaden und Kassel, sowie in Württemberg, Baven und Bayern das Schmeervieh ausgeschlossen sei. Seines Erachtens sei übrigens unsere Regierung für Oberhessen mit Rücksicht auf die Bestimmungen der Bundesverfassung zu einem Vorgehen in fraglicher Hinsicht nicht competent. Mit der Abschaffung beziehungsweise Heilung des Schmeerviehes müsse im Frühjahr nach der Schafschur begonnen werden, weil da Die Behandlung der Schafe eine leichtere sei und, während die Thiere im Freien übernachteten, die nothwendige DeS- infection der Ställe rc. vorgenommen werden könne.
Der Herr Präsident des Provinzialverein- und Freiherr Rabenau theilen die Ansichten des Vorredners, daß in Rücksicht auf 4 pos. 15 der Norddeutschen Bundesverfassung das zu erstrebende Ziel nur im Weg der Bundesgesetzgebung zu erreichen sei und beschließt die Versammlung nach einigen weiteren Bemerkungen, insbesondere des Herrn Oeconomierath Dr. Krämer, welcher die zu ergreifenden Maßregeln auch auf die Südstaaten ausgedehnt zu sehen wünscht, auf Antrag des Freiherrn von Rabenau und mit
auf Klee schlecht feien.
Herr Pfarrer Müller von Watzenborn:
Gegen die Luzerne herrsche vielfach, selbst bet großen Oeconomen, noch ein ungerechtfertigtes Vorurtheil und die Ansichten über deren Er- traglfähigkeit seien vielfach noch sehr unrichtige. Es rühre dies aber dah-r, Dafe man meist für den Anda» der Luzern- den schlechtesten B°. den auswähle; einer Pflanze aber, welche, wie die Luzerne, den kand- mann auf eine Reihe von 6 bis 10 Jahren von aller Arbeit und Dung- nachhülfe befreie, solle man nicht den schlechten, sondern gerade den besseren Boden anweisen. Die Luzerne gedeihe besser auf leichtem, als auf schwerem Thonboven. Auf dem Münzenberg-Gut sei in letzterer Zeit die Luzerne viel und mit gutem Erfolg cultivirt worden, was zur Nachachtung seitens der dortigen Bauern geführt habe.
Der Herr Präsident des Provinzialvereins Graf Solms-Laub ach Erlaucht erklärt sich mit dem Vorredner im Wesentlichen einverstanden, hebt aber bervor, daß der Boden, wie in Münzenberg, Kalk enthalten müsse, wenn auf auten Ertrag gerechnet werden solle. Das hauptsächlichste Hindermß für den Anbau der Luzerne bestehe in der mangelnden Feldregulirung. Auch der Incarnat- klee habe übrigens etwas für sich, indem er, im Frühjahr au-gefät, noch in dem- (eiben Jahre sicheren Ertrag liefere.
Nachdem Herr Pfarrer Koch von Groß-Linden die Aussaat von Haide-
vorerst geringer bemessen worden und werde später weiter gegriffen wer- 1 Den müssen. — Man sei ferner von der Ansicht ausgegangen, daß das Unternehmen zunächst von den Landwirthen selbst in die Hand genommen werden solle und daß dann erst die Vereine anzugehen seien. ES sei dann den Letzteren eine beständige Einwirkung auf die Anstalt zuzuge- stehen insbesondere jedem Provinzialverein die Berechtigung zur Ernen- nung'eineS Mitglieds der Direction zu ertheilen. Nach den Vorschlägen der Commission solle die Anstalt ihren Sitz in Darmstadt haben.
Redner bemerkt sodann, daß nicht bloS die Provinzialvereine, son- dem auch andere Stellen, insbesondere die Staatsregierung, sich zur Leistung von Beiträgen bereit erklärt hätten; so hätten die Stadt Darm- stadt und die Bank für Handel und Industrie je 200 fl. jährlich und die betreffenden Fabrikanten selbst circa 1000 fl. gezeichnet. Die Be- livUoereinc Friedberg und Offenbach hatten je 25 fl., Großgerau 40 fl., Darmstadt und Dieburg je 50 fl., Erbach, Neustadt und Lauterbach je 10 fl. verwilligt und es sei deshalb zu hoffen, daß die Anstalt noch im Laufe dieses Jahres werde in's Leben treten können.
Freiherr von Rabenau mißbilligt, daß man die OrtSfrage vor Anhörung der Bezirksoereine entschieden habe und glaubt, daß die Wahl von Darmstadt denselben Erwägungen zu verdanken sei, welche bei der Gründung des Polykech- nikumS daselbst bestimmend gewesen seien. Seiner Ansicht nach gehöre die Anstalt nach Gießen, als den Sitz der Landesuniversttät, wie auch die Rhelnpreuß'tche Centralstation in der Universitätsstadt Bonn errichtet worden sei. Er sei erstaunt, daß man die OrtSfrage entschieden habe und jetzt erst mit einer Geldforderung an den Verein herantrete; er beantrage deßhalb,
die Beschlußfassung über einen Beitrag des Bezirksvereins zu einer landwirthschaftlichen Versuchsstation in so lange auszusetzen, bis über den Ort an welchem dieselbe errichtet werden solle und alle damit zusammenhängenden Fragen ein schriftlicher Ausschußbericht erstattet sein werde Seitens des Herrn Oeconomierath Dr. Krämer und Viceprasident Dr.
bemerken:
Herr Vicepräsivent Dr. Gros, als Referent:
Er fasse sich absichtlich sehr kurz, weil viel competentere Beur- theiler dieser Frage anwesend seien und weil er wünsche, daß vorzugsweise von Dem Bauernstände sich hierüber geäußert werden möge. Der Jncarnatklee habe zunächst das gegen sich, daß das Vieh ihn nicht gern fresse und daß er auch einen gelingen Futterwerth habe; auch liefere er nur einen Schnitt; dagegen beständen seine Vorzüge darin, daß er eine zweite Erndte nach Raps oder Runkelrüben zulasse, er könne also im Frühjahr oder im Herbst gesäet werden und finde Die Erndte ersteren Falle« im Juli, andernfalls aber im künftigen Mai statt. In einem schweren, nassen Tyonboden gedeihe Der Jncarnatklee nicht, er verlange vielmehr eine mittlere Bodenqualität.
Herr Katz von Steinbach bestätigt, Daß das Vieh den Jncarnatklee nicht aern fresse. In schlechten Jahren liefere auch Der Jncarnatklee keinen Ertrag, in auten habe man auch anderen Klee. Er empfehle Den Anbau Der Luzerne.
Herr Lehrer Schlapp von Rödgen spricht sich ebenfalls gegen den In- carnatklee aus und empfiehlt den Anbau der Luzerne, welche nur t-arum bisher nicht in vollem Maße ergiebig gewesen sei, weil man ihr Die richtige Behandlung Nicht habe zu Theil werden lassen. Auch Mais und Saradella seien für unsere vo n Gegend nicht geeignet und mit Winttrsamm würden die Aecker nur verdorben; Art dagegen solle man mehr Futterkorn bauen, welches der Gefahr, zu Grunde zu!.m - gehen, nicht ausgesetzt sei und welchem, wenn es auch einmal schlecht stehe, durch llfberüiüttuna mit Jauche, die gerade aufs Blatt wirke, leicht nachgeholfen w-rd-n l"nn7 Man säe deshalb Fnittrragzen, wenn im H-rbst Oie An.stch.en


