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Mouffon einzufinden und dort zur Weiterbeförderung noch Deutschland zu stellen. Er ist, indem er sein Ehrenwort vermuthlich mit jesuitischer Reservatio mentalis gab, zwar nach Pont-ä-Mouffon gereist, dann aber, statt sich hier pflichtmäßig zu stellen, nach Pari- flüchtig geworden. Wenn nun dort, wie wir hören, andere Offiziere neben und unter diesem ehrlosen Subjekte dienen, wenn Niemand in der Armee an solchem Wortbruch Anstoß zu nehmen scheint, so erweckt das sehr wenig günstige Vorstellungen von den Begriffen, die im französischen Heere über Ehre herrschen, und Niemand wird es unnatürlich finden, wenn die Deutschen künftig ihren Gefangenen gegenüber, auch wenn dieselben das Osfizierspatent haben, die Vorsicht vor der Rücksicht walten lassen und Erleichterungen gegen Ehrenworts^ abgabe nicht mehr gewähren. Daß übrigens dem gegen feierliches Versprechen entwichenen General, falls wir ihn wieder fangen, die Kugel auf dem Sandhaufen gewiß ist, versteht sich ganz von selbst.

Der schweizerische BundeSrath hat auf Wunsch des Tessiner Staatsraths die Absendung eines eidgenössischen CommiffarS nachdem (Santon Tessin beschlossen, um den TrennungS - Gelüsten einer Partei in der südlichen Hälfte desselben mit Entschiedenheit entgegenzutreten.

Im römischen Gebiet ist die Volksabstimmung über den Anschluß an das Königreich Italien vor sich gegangen, den Telegrammen zu Folge überall mit Enthusiasmus. Besondere Schwierigkeit machte die Frage, ob die Bewohner der leoninischen Stadt ebenfalls abstimmen sollten; dieselbe ist, wie cs scheint, dahin entschieden worden, daß die Bevölkerung des dem Papste reservirten Stadttheils in anderen Stadttheilen sich bei der Urne einfinden könne. Die Unruhen in Nizza, welche zur Auflösung der dortigen Nationalgarve und Suspension der Gemeinde-Wahlen führten, haben eine Besprechung zwischen dem französischen Ge­sandten Senard und Herrn Visconti-Venosta zur Folge gehabt, wobei der Lctz- tere geäußert haben soll, daß die Unordnungen in Nizza seiner Regierung sehr unangenehm seien und keinen Einfluß auf die wechselseitigen Beziehungen von Frankreich und Italien ausüben könnten. Von Garibaldi ist's stille geworden, was zu bestätigen scheint, daß man in Paris für seine Dienste dankte.

Die Ereignisse jn Frankreich und mehr noch die neueste Wendung der Dinge in Italien haben bei allen Italienern den Wunsch und die Hoffnung erweckt, ihr an Frankreich abgetretenes Land, Nizza, bei dieser günstigen Gelegenheit wicder- zugewinnen. In Nizza selbst treten die Sympathieen für Italien immer lebhafter und unverhohlener zu Tage, und wären die Nizzarden nicht ein so zahmes und harmloses Völkchen, so würde ihre Abneigung gegen die französische Regierung sich gewiß schon in Thaten kund gegeben haben. Bisher ist es noch bei Reden, Protesten und Maueranschlägen geblieben, doch hat der Präfect sich veranlaßt gesehen, am 25. September den Belagerungszustand in strengster Form zu er­klären und einige Tausend Mann französischer Soldaten von Antibes kommen zu lassen. Grund zu diesen Maßregeln gab die Wahl der Offiziere der National­garden, bei welcher alle Franzosen und Franzosenfreunde ausgeschlossen wurden, mehr aber noch die Vorbereitungen zur Wahl des Gemeinderathes, welche am 25. Sept. Statt finden sollte.

DemPester Lloyd" zufolge hat Hr. Thiers an die französische Botschaft in Wien ein Telegramm gelangen lassen, worin er meldet, daß er seine Aufgabe in St. Petersburg als materiell erledigt und als gescheitert betrachte. Ein direkt aus Petersburg eingegangenes Telegramm sagt, daß die friedlichen Absichten Rußland- allenthalben hervortreten. Es werden damit die Angaben widerlegt, welche dem russischen Eabinet die Absicht zuschrieben, die gegenwärtige Lage Eu­ropa- zu einer Diversion im Orient benutzen zu wollen. Die einzige politische Frage, welche im Orient augenblicklich als eine schwebende bezeichnet werden könnte, ist einem aus Constantinopel datirten Telegramm der WienerPresse" zufolge, nunmehr erledigt. Die zur Ablösung der Weideplätze von Vely - Brod bestimmte Summe von 200,000 Frcs., sowie eine von früher her noch abzutra- gendc Restsumme wären darnach zur Verfügung des Fürsten von Montenegro ge­stellt- Damit wäre jeder Anlaß zu einem Conflict zwischen Türken und Monte­negrinern beseitigt.

Neben den officiellen Dementis der russischen Regierung laufen die wieder­holten Gerüchte von umfassenden Rüstungen der nordischen Großmacht. Ein Petersburger Eorrespondent derNeuen freien Presse" versichert in positiver Weise die Nichtigkeit der Thatsache, daß Rußland an seiner Südwestgranze an der Aus­stellung einer Armee von einer halben Million arbeitet. An die Absicht einer un­mittelbaren Action in der orientalischen Frage weigert sich der Eorrespondent zu glauben. Er erklärt die Rüstungen als den Versuch einer Pression zur Zeitigung eine- Projektes, womit das Petersburger Eabinet nach wiederhergestelltem Frieden zwischen Preußen und Frankreich hervorzutreten allen Ernstes entschlossen sei das Projekt eines europäischen Congreffes, dessen denkbarer Zweck nur die Re­vision de- letzten Pariser Friedens von 1856 und die Beseitigung der Rußland auferlegten Beschränkungen in den orientalischen Gewässern sein könnten. Da- Wiener Blatt ist der Ansicht, daß nach dem Abschlüsse des jetzigen Kriegeseine von Rußland jetzt schon auf der ganzen Linie diplomatisch und militärisch vor- bereitete Congreszcampagne" in Aussicht steht, welche das deutsche wie das öster­reichische Interesse in hohem Grade herausfordert. Es sei, meint dieN. fr. Pr.", wohl an der Zeit, daß die Berliner Blätter statt mit Belgien zu zanken, diese veränderte Haltung Rußlands ins Auge fassen.

KrLegsnachrichten.

Nach derMain-Ztg." ist die hessische Division am 1. Oktober von Arö- sur-Moselle abmarschirt, und zwar in der Richtung auf Noveant. Ob die 25. Division von Metz abmarschirt, oder nur diSlocirt wird, konnte das genannte Blatt nicht in Erfahrung bringen.

Ferneres, 3. Oct. Officiell. Vor Paris nichts Neues. Bei Metz bestand die Division Kummer gestern ein größeres Vorpostengefecht. Der Feind wurde mit starkem Verlust abgcwiesen.

Freiburg, L Octbr. Heute früh große Bewegung. Dem Schlagen einer Brücke über den Rhein widersetzten sich die Franzosen; diesseits Verlust 7 Mann; zur Unterstützung unserer deutschen Truppen ruckte heute unerwartet die ganze Freiburger Besatzung aus und dürften heute noch starke Abtheilungen über den Rhein setzen. Zum Brückenbau wird heute hier Material geholt und wohl schon morgen der Uebergang aller Streitkräfte beendet sein. Auf die Bahnzüge aus dem Oberland soll heute aus dem Elsaß geschossen worden sein.

(Karlsr. Ztg.)

Zweibrücken, 1. Oct. DasZweibrücker Wochenblatt" meldet, daß über ein gestern stattgefundenes Ausfallstreffen vor Bitsch zur Zeit noch die näheren Angaben fehlen. Die Besatzung soll, wie uns mündlich berichtet wird, in großer

Anzahl ausgefallen sein und zwei Höfe angesteckt haben. Mit unseren Truppen sand ein mehrstündiges Kämpfen statt, welches, da dieselben numerisch zu gering waren, ohne besondere Erfolge für beide Theile blieb. Die Franzosen halten sich jetzt fortwährend wieder in den Wäldern vor Bitsch auf. Aus unserer Seite hat es, sicheren Angaben nach, vier Todte und mehrere Verwundete gegeben, welche in das Lazarett) von Niederbronn verbracht wurden.

Kehl, 2. Oct. In stetem Wachsen ist der Zudrang der Fremden nach Straßburg. Die Straßen sind kaum zu begehen und jeder Zug bringt neue An­kömmlinge. Die Schiffbrücke wird gegenwärtig von beiden Usern aus geschlagen, es ist also zu hoffen, daß der Rhein in kürzester Zeit zu passiven ist. Auch an der Eisenbahnbrücke wird eifrigst gearbeitet. Ein höchst bedauerlicher Unfall ereignete sich heute am Rhein. Ein Nachen, der, um Zeit zu sparen, unter dem Tau, das die fliegende Brücke hält, durchfahren wollte, wurde umgeworfen und es verloren hierbei sieben Personen in den Fluthen ihr Leben. Ein Mann rettete sich, indem er sich an einen großen Pudel anklammerte, bis ein Nach n zu Hülfe kam und beide aufnahm.

Straßburg, 29. September. Gestern Abend wurde ein badischer Soldat am Thorposten von einem französischen Unteroffizier erstochen. Der Mörder wurde sofort erschossen. Ein anderer wurde leicht verwundet, der Thäter ist in der Dunkelheit entflohen. Die preußische Commandantur hat eine Bekanntmachung anschlagen lassen, deren Haupt-Verordnungen folgende sind:

Der Kriegs- und Belagerungszustand besteht noch fort. Vergehen und Verbrechen werden standrechtlich bestraft. Alle Waffen sind sofort an die preußische Eommindantur abzuliefern. Alle Zeitungen und Drucksachen bis aus Weitere- verboten. Alles Privateigenthum wird respectirt. Wirth-Häuser um 9 Uhr zu schließen. Nach dieser Stunde muß jeder Civilist eine Laterne tragen. Die Stadt­behörden haben Quartiere ohne Verpflegung für etwa 8000 Mann zu besorgen.

Mertens.

^Nachstehend zwei interessante P r oclam a tionen, die in Straßburg an den Straßenecken angeschlagen waren:

Einwohner von Straßburg! Da ich heute erkannt habe, daß die Vertheidigung de- Platzes von Straßburg nicht mehr möglich ist, und da der VcrtheidigungSrath einstimmig meine Ansicht theilte, habe ich zu der traurigen Nothwendigkeit meine Zuflucht nehmen müssen, in Un­terhandlungen mit dem Generalcommandanten in der Belagerungsarmee einzugehen. Euere mann­hafte Haltung wahrend dieser langen Tage schmerzlicher Prüfungen hat mir erlaubt, den Fall Euerer Stadt so viel wie möglich zu verzögern; die bürgerliche Ehre, die mtlitairische Ehre sind unversehrt, Dank Euch! Dank auch Ihnen, Präfect des Niederrhein- und der StadtvorstLnde, die Sie durch Ihre Thatkraft und durch Ihre Einigkeit mir ein« so kostbare Mitwirkung geleistet, die Sie der unglücklichen Bevölkerung zu Hülfe zu kommen und Ihre Anhänglichkeit an unser gemeinschaftliche- Baterland hoch aufrecht zu halten gewußt haben. Dank Euch, Milltairchrf- und Soldaten! Besonder- Ihnen, Mitglieder meines Vertheidigung-rathes, die Sie immer so einverstanden, so energisch, so ergeben dem großen Berufe waren, den wir zu vollbringen hatten; die Sie mich unterstützt haben in den Augenblicken deS Zauderns, Folge der schweren Verant­wortlichkeit, welche auf mir lastete, und des Anblickes der öffentlichen Unglück«, die mich um­gaben. Dank Euch, Vertreter unserer Secarmee, die Ihr Euere kleine Anzahl habet vergessen machen durch die Kraft Euere- Wirkens! Dank Euch endlich, Kinder de- Elsasses, Euch Mo­bilgardisten , Euch Freischü^en und Frei - Compagnie, und auch Euch, Artilleristen der National- garde, die Ihr so edel den Bluttribut unserer großen Sache gezollt habet, welche heute verloren ist, und auch Euch, Zollwächter, die Ihr auch Beweise von Muth und Ergebenheit gegeben habet. Den nämlichen Dank schulde ich der Intendanz für den Eifer, womit Sie den Erfordernisse» einer schwierigen Lage Genüge zu leisten wußte, sowohl hinsichtlich de-Dienste- der Lebensmittel, wie hinsichtlich de- Hospitaldienstes. Wo könnte ich hinreichende Ausdrücke finden, wie sehr ich den Eivtl- und Militairärzten erkenntlich bin, welche fich der Pflege unserer Verwundeten und unserer Kranken gewidmet haben, jenen edlen jungen Leuten der Medicinalschule, welche mit so vieler Begeisterung den gefahrvollen Posten der Ambulanzen in den Vorwerken und an Thoren anaenommen haben? Wie könnte ich den mildthätigen Personen, den geistlichen und öffentlichen Anstalten genug danken, welche ihre Häuser unfern Verwundeten geöffnet, welche ihnen eine so rührende Pflege gewidmet und viele dem Tode entrissen haben? Ich werde bis zu meinem letzten Tage die Erinnerung der beiden verflossenen Monate bewahren, und das Dank- und Bewund«. rungSgefühl, welkes Ihr mir eingeflößt habet, wird nur mit meinem Leben erlöschen. Ihr EuererseitS, erinnert Euch ohne Bitterkeit Eures alten Generals , welcher fich so glücklich geschätzt hätte, Euch die Unglücke, die Leiden und Gefahren zu ersparen, die Euch getroffen, aber welcher sein Herz viese» Gefühlen verschließen mußte, um nur die Pflicht, das Vaterland vor Augen zu haben, welches sein« Kinder betrauert. Drücken wir, wenn wir eS können, bi« Augen zu über die traurige und schmerzliche Gegenwart und wenden wir die Blicke auf die Zukunft; da werden wir die Stütze deS Unglücklichen finden: di« Hoffnung. Es lebe Frankreich immer! Geschehen im Generalquartier, den 27. September 1870. Der DtvisionSgeneral, Obcr-Eommaudat der 6. Militair. Division, Uhrich."

Liebe Mitbürger! Nach einem heldenmüthtgen Widerstand welcher in den militairischen Annalen nur seltene Beispiele zählt, hat der würdige General, welcher den Platz von Straßburg commandirt, im Einvernehmen mit seinem VerthetdigungSrath, mit dem Oberbefehlshaber der belagernden Armee eine Uebereinkunft für Uebergabe der Festung abgeschlossen. Den harten Noth- Wendigkeiten de« Kriege- nachgebend, hat der General diesen Entschluß fassen müssen in Gegen, wart der Bestehung von zwei Breschen , der dräuenden Bevorstehung eines Sturme-, welcher ver- hängnißvoll für uns gewesen wär«, der unersetzlichen Verluste, welche di« Garnison und ihre Chefs erlitten haben. Sein Entschluß, der da- Kriegsgesetz beseitigt, welches einen mit Sturm genom­menen Platz den härtesten Behandlungen prei-giebt, bringt der Stadt Straßburg den Vortheil, daß sir keine Kriegssteuer zu bezahlen hat, und daß sie milde behandelt wird. Um 11 Uhr wird die Garnison hinaustreten mit den militärischen Ehren und die deutsche Armee wird heute die Stadt besetzen. Ihr, die Ihr mit Geduld und Ergebung die Gräuel de» Bombardement- ertragen habet, vermeidet jede feindliche Kundgebung gegen das Armee-Corps, welches in unsere Mauern einrücken wird. Erinnert Euch, daß die geringste Angriffshandlung unsere Lage verschlimmern und schieckliche Repressalien auf die gesammte Bevölkerung nach fich ziehen würde. Das Kriegs- gcsetz sagt, daß jede« Haus, au« welchem ein Schuß gefeuert würde, geschleift und die Bewohner deffelbeii niederg,macht werden sollen. Jeder möge fich dessen erinnern, und weun sich u»ter Euch Leute befänden, welche vergesse» könnten, was sie ihren Mitbürgern schulden, um unmächtige Widerstandsversuche zu sinnen, verhindert sie daran. Die Stunde des Widerstandes ist vorüber. Fügen wir uns in da« Unvermeidliche. Ihr lieb, Mitbürger, die Ihr während dieser langen Belagerung «ine Thatkraft entfaltet habt, welche die Geschichte bewundern wird, bleibet würdig Eurer selbst in dieser schmerzlichen Stunde. Ihr hastet das Loo- Straßburgs und das Eurige in Euren Händen. Vergesset e- nicht!

Straßburg, 28. September 1870. Der Maire: Küß."

Toul, 27. September. Es bürste wohl noch niemals vorgekommen fein, baß eint Armee während eines Krieges in einem feindlichen Lande eine 5 Meilen weite Eifenbahnftrecke vollständig neu anlegt, regelmäßig ausbaut und in Betrieb fetzt. Da die Festung Metz die Eisenbahn von Saarbrücken über Pont d Muffon nach Paris und über Nanzig nach Straßburg sperrte, so ertheilte der General v. Moltke am 20. August den Befehl, daß eine Eisenbahn in der Entfernung von 3 Meilen von Metz erbaut werden solle, welche die Metz-Saarbrücker Linie mit der Metz.Pariser Linie verbinde. Der Chef aller preußischen Staatsbahnen, Geheimer Ober-Bavrath Weißhaupt, übernahm die Oberleitung des Baues, tüch­tige Civil- und Militär-Ingenieure wurden ihm zur Verfügung gestellt, 3000 unbeschäftigte Bergleute von den Saarbrücker Kohlengruben in Arbeit genommen und mitten unter Dem Kanonendonner begann der Bau der neuen Linie. Diese führt von Pont ä Mouffon nach Remilly an Die Saarbrücken-Metzer Bahn, hat etwa 5 Meilen Länge, und Der Bau ward bei Tag und bei Nacht so rastlos gefördert, daß trotz Des theilweift sehr schwierigen Terrains die neue Linie schon vor einigen Tagen dem Betrieb übergeben werden konnte, so daß Metz jetzt allen unseren Eisenbahnlinien weiter keine Störungen verursacht. Auch für Den Frieden