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zu zahlen? Und wie Viel V Wenn es bald zum Frieden käme, so werden wir dieser Nöthigung nicht entgehen; wenn der Friede aber verzögert wird, wenn Preußen sich Niederlagen aussetzt, wenn es durch die rauhe Jahreszeit decimirt und in seinen Ansprüchen bescheidener geworden, so werden wir vielleicht und wir sind zu dieser Hoffnung berechtigt das Recht in Anspruch nehmen, gar nichts zu zahlen und mit dem Feinde ans vollständig gleichen Füßen un­terhandeln. Auf jeden Fall ist es nicht wahrscheinlich, daß Preußen auf diese secundäre Frage viel Gewicht legt, und wir halten eine Milliarde für die wahrscheinliche Abfindungssumme; doch müßten wir auch das Doppelte zahlen, so würden Frankreichs Hülfsquellen auch darum nicht versiegen. Allerdings würden eine oder zwei Milliarden, auf den Markt geworfen, nicht leicht un­tergebracht werden." Die Patrie schlägt daher nach Muster der Ame- ricaner Bons von 2, 3, 5 und 10, d. h. rückzahlbar in 2, 3, 5 und 10 Jah­ren, vor.

Tours, 27. Sept. Der Rückzug der Negierung auf einen mehr süd­lichen Ort ist unmittelbar bevorstehend, weil Tours von den Preußen besetzt werden wird. Die Regierung ordnet die energischsten Maßregeln der Natio- nalvertheidigung an, einbegriffen den Aufstand in Masse.

Chauny, 28. Sept. Die Preußen häufen sich vor Soissons an. Die Besatzung der Stadt wirft Kugeln und macht Ausfälle seit Samstag. Der Feind hat eine Brücke über die Aisne geschlagen und einige Gebäude in den Vorstädten in Brand gesetzt.

Beauvais, 28. Sept. Dreihundert Preußen sind hier gestern durch die Mobilgarde zurückgeschlagen worden; sie sind aber mit Artillerie zurückgekehrt, haben mehrere Dörfer niedergebrannt und die Mobilgarde hat sich zurückge­zogen. Der Feind ist in Clermont eingezogen.

London, 29. September. Berichten aus Tours zufolge verbreitet die Re­gierung ein Telegramm des französischen Consuls in Basel vom 28. d. Daffelbe dementirt kategorisch die Nachricht von der Capitulation Straßburgs und ver­sichert , daß drei Sturmversuche unter großen Verlusten des Feindes zurückge­schlagen worden sind.

Aus Orleans vom 26. September, Abends: Die Stadt ist von den Fran­zosen geräumt, die preußischen Truppen sind aber noch nicht eingerückt. Späte­ren Nachrichten aus Amiens zufolge haben die Preußen Orleans besetzt und wenden sich gegen Blois. Ihre RecognoscirungStruppen sind bei Beaugency er­schienen.

Aus AlllienS meldet man:Die Preußen haben nicht allein mehrere Orte im Orleanais, wie PithivierS und Malesherbes, besetzt, sondern ihre Plänkler sind bereits durch die Stadt Orleans gekommen und marschirten auf Blois; ihre Spitzen stehen in Beaugency. Der General - Einnehmer Magne, Sohn des ehemaligen Ministers, und der Postdirector von Orleans haben sich mit den Caffen auf Tours zurückgezogen. Die Brücke in Orleans ist von den Franzosen in Vie Luft gesprengt worden, um die Landstraße nach Bourges zu schützen." Bei der Ankunft der Deutschen in St. Germain en Laye (bei Paris gelegen) ging die Nationalgarde mit gefälltem Bajonnet vor. Drei Kugeln, welche in die Stadt geworfen wurden, machten dem Widerstande aber ein Ende. Die Stadt bezahlte 100,000 Fr. Kriegskosten. Durch St. Germain waren in fünf Tagen 20,000 Mann Deutsche gekommen.

Aus Versailles, 27. September, wird demEcho du Parlement" ge­meldet:Der Kronprinz von Preußen hat im Hofe des Schlöffe- eine Muste- rung gehalten und an die Offiziere und Soldaten Medaillen vertheilt. Der Kronprinz hatte sich am Piedestale der Statue Ludwig'- XIV. aufgeMtt^ Die Franzosen befestigen Vslizy. Der Herzog Max von Mecklenburg wurde bei den Vorposten in St. Cloud verwundet. Das Wetter ist schön. Man steht über Paris Luftballons aufsteigen."

Marly, 27. September, Morgens 10 Uhr. Heftiges Kanonen-, Mi- trailleusen- und Kleingewehrfeuer zwischen Fort Quelen und unseren Batterien in Mercy-le-Haut. Ein Dorf dazwischen, wohl Grigny, steht in Flammen. Das Fort Quelen ist in Rauch gehüllt. Auch von Thibaut werfen unsere Batterien Granaten nach Quelen. Der Kampf entwickelt sich vor unseren Augen immer stärker. In Papeterie haben unsere Jäger (Reserve-Recrut Grün der 3. Com­pagnie) gestern Abend einen Sergeanten des 84. französischen Infanterie-Regi­ments im Wäldchen erschossen, diesen Morgen einen zweiten Franzosen, worauf jedesmal die übrigen Mannschaften der französischen Patrouillen die Flucht er­griffen. (Köln. Z.)

Ferneres, 29. September. Se. Maj. der König recognoscirte am 28. die feindlichen Verschanzungen von St. Denis bis Fort Romainville. Bei der Armee nichts Neues.

Tours, 30. September. Aus Cherbourg wird untcrm 29. d. gemeldet: Die französische Flotte ist wieder hier eingetroffen. Zum Schutze des französi» schen Handels und der Meeresküsten sind zwei Escadres in der Nordsee und dem Canal zurückgeblieben.

Brussel, 30. September. Der hier eingetroffeneConstitutionnel" meldet: Rochefort hat FlourenS zur Unterstützung bei der Organisation der Barrikaden­aufstellung, welche am 27. September begonnen hat, berufen."

Karlsruhe, 28. September. Aus Straßburg vom 29. September, Mor­gen-, schreibt die heute erscheinendeKarlsruher Zeitung": Viele französische Offiziere, welche auf Ehrenwort freigelassen wurden, sind nach der Schweiz ab- gereist; unter ihnen befindet sich General Uhrich. Die Mobilgardcn, lauter Elsässer, werden in ihre Heimath entlassen. Der Andrang von Fremden ist be­reits ein sehr großer, jedoch ist es noch schwer, in die Stadt zu kommen.

Karlsruhe, 28. Sept. Ein Telegramm desSchw. M." von hier meldet die Capitulation von Straßburg mit dem Zusatz, daß dabetangeblich" 1400 Geschütze in die Hände der Sieger gefallen seien. In der Festung soll, ebenfallsangeblich", Munitionsmangel geherrscht haben. Demselben Blatt te- legraphirt man aus Kork, daß als die weißen Fahnen auf der Citadelle, dem Münster ic. aufgehißt wurden, die deutschen Regimentsmusiken um ganz Straß­burg gespielt haben.

Loudon, 29. Sept. DieTimes" enthalten folgende Depesche aus Lyon vom 29. September:Gestern wurde eine regierungsfeindliche Demonstration versucht, General Cluseret erzwang sich Eingang in da-Stadthaus und haran- guirte da- Volk. Die Nationalgarde stellte die Ruhe wieder her. Cluseret sammt den anderen Rädelsführern wurde verhaftet. Blutvergießen fand nicht statt."

Vor Metz, 26. Sept. Während gestern Vormittag die nördlich von Metz belegenen Truppen de< zehnten Armeecorps ihren Felbgottesdienst abhtelten, er­tönten in der Ferne von den westlich der Festung gelegenen Forts Kanonen- schüsse. Dieselben dauerten von 9 Uhr bi- gegen Mittag. Auch heute bei

Tagesanbruch und später bi- gegen 9 Uhr wurde daselbst wieder geschossen. Eine ernstliche Bedeutung haben indessen diese Kanonaden nicht. Ich erwähne die­selben auch nur, um mitzutheilen, daß hier in den letzten Tagen keine entschei. dende Dinge vorgegangen sind. Gerüchte über eine bevorstehende Waffenruhe, welche seit gestern mit verschiedenen Versionen in Umlauf sind, will ich ebenfall- nur andeuten. Das Wichtigste, was ich von hier mittheilen kann, ist, daß die gute Witterung fortdauert und in Folge dessen der Gesundheitszustand der Truppen sich bessert. (Wes.-Z.)

Berlin, 27. Sept. DieKreuz. Zeitung" schreibt: Die jüngst von der Kölnischen Zeitung gebrachte Mittheilung von CapitulationS-Anerbietungen, welche Marschall Bazaine gemacht haben sollte, stellt sich dem Vernehmen nach al- irrthümlich heraus. Heber die Gründe, die den Marschall vorzugsweise bestim- men, in seiner mißlichen Lage auszuharren, sind abgesehen vom Punkte der militärischen Ehre natürlich nur Vermuthungen möglich. Eine Hoffnung, sich durchzuschlagen, wird er bei der Stärke der Cernirung-armee und bei der festen und befestigten Stellung, die sie inne hat, kaum ernstlich noch hegen. Die ge- legentlichen Ausfälle sollen mehr dazu dienen, seine Truppen in kriegerischer Der- fassung zu erhalten und sie vor den üblen moralischen Wirkungen andauernder Unthätigkeit zu bewahren. Bazaine weiß auch gewiß, daß selbst das Ge- lingen eines Durchbruches uns zwar allerlei Störungen und Opfer verursachen, ihn aber im offenen Felde bald in eine noch üblere Situation bringen würde, als seine jetzige ist. Wenn wir uns nicht täuschen, hofft er, daß das Ende des Krieges nicht mehr fern sein werde, und gedenkt bis dahin auszuharren, um sowohl sich und seinen militärischen Rus, als auch seine Armee möglichst unver­sehrt zu erhalten. Ob er dabri mehr an sich als an den Kaiser Napoleon denkt, in dessen Namen und Auftrage er noch sein Oberkommando führt, lassen wir dahingestellt. Jedenfalls würde nach dem Friedensschlüsse die jetzt in Metz ein- geschloffene Armee der einzige größere militärisch fest organistrte HeereSkörper in Frankreich sein, und an ihrer Spitze würde Bazaine bei der Neugestaltung der politischen Verhältnisse des unruhigen Landes eine gewichtige Nolle spielen können.

Hamburg, 27. Septbr. Wangeroog und Helgoland avlsirten gestern die Anwesenheit einer größeren Anzahl französischerSchiffe. DieBörsen- halle" empfing folgende telegraphische Nachricht aus Cuxhaven von heute Mittag : Eine Helgoländer Expreßschaluppe des Gouverneurs meldet, daß die Franzosen gestern Nachmittag nach Frankreich absegelten. (Weser-Ztg.)

Darmstadt, 29. September. Die erste Kammer trat in ihrer heutigen Sitzung dem Beschlüsse der zweiten Kammer bei, die Negierung unter der An­erbietung, die erforderlichen Mittel zu bewilligen, um Beschaffung der für die hessische Division nöthigen, nicht etat-mäßigen Bedürfnisse zu ersuchen. Kriegs- Minister Dornseiff sprach der Kammer seinen Dank aus und erklärte, daß man bereits 1500 wollene Hemden nach dem Kriegsschauplatz geschickt habe und das Bedürfniß nach anderen Gegenständen durch amtliche Erhebungen festzu­stellen suche.

Darmstadt, 30. Sept. Seine Majestät der König von Preußen haben des Weiteren nachbenannten Officieren und Mannschaften der Großherzoglichen Division das eiserne Kreuz II. Classe zu verleihen geruht: Vom II. Infan­terieregiment dem Oberlieutenant Heydacker, Lieutenant und Regimentsadjutant Hof, den Corporalen Joh. Peppel, Aug. Steinbach, den Musketiers PH. Laub, Friedr. Veith und Konr. Schwalb.

Berlin, 29. Septbr. Die Nachrichten verschiedener Zeitungen von einem angeblichen Mordversuch des Kaisers Napoleon auf Wilhelmshöhe sind vollständig erfunden.

Berlin, 30. Sept. Die Stadtverordneten-Versammlung nahm einstimmig den Antrag Lirchow's an, den Magistrat zu ersuchen, sich an die Spitze eint» Ausrufs zur Hülfe für Straßburg zu stellen.

Stuttgart, 30. Septbr. DerStaatsanzeiger" sagt: Die Münchener Ministerconferenz wurde am 22. Septbr. eröffnet und am 27. Sept, geschlossen. Im Gegensätze zu Unterhandlungen, welche auf Grund von Vollmachten gepflogen werden, wurde der Charakter von Besprechungen unter Feststellung schriftlicher Anhaltspunkte allerseits gewahrt. Der Gegenstand der Besprechungen war die Gründung einer Bundesverfassung zwischen den norddeutschen und den süddeut­schen Staaten, zunächst von diesen Bayern und Württemberg. Die den letzteren durch ihre Verhältnisse für geboten erachteten Bestimmungen wurden hierbei er­örtert. Der Verlauf der Besprechungen soll von den Betheiligten al- ein befrie- digender betrachtet werden. Zunächst scheint nun eine Kundgebung der preußi­schen Regierung entgegengesehen zu werden, wonach erst die wirklichen Unterhand­lungen folgen können.

Boutt, 29. September. Nachdem bereit- Bischof Martin von Paderborn mit dem Berspiele vorangcgangen ist, hat nun auch für unsere akademischen Der- hältnisse die Frage, welche augenblicklich die katholische Welt bewegt, eine prak­tische Gestalt angenommen. Der Herr Erzbischof von Köln hat nämlich den hiesigen^ Docenten der theologischen Fakultät dieser Tage einen Revers hinsichtlich ihre- Standpunktes jener Frage gegenüber zur Unterschrift vorgelegt, wodurch voraussichtlich dieselbe Katastrophe, die ehedem Gießen durch das Vorgehen de- BischofS von Mainz betroffen hat, über die katholisch-theologische Fakultät in Bonn ehesten- eintreffen wird.

München, 29. September. Staatsminister Delbrück hat gestern Abend München wieder verlassen.

Aus Salzschlirf, 28. September, wird uns mitgetheilt:£)tute Früh kurz vor 4 Uhr wurde hier ein nur gegen 4 Sekunden dauernder, aber heftiger, gleichsam aus der Tiefe aufsteigender, das Haus stark erschütternder Erdstoß wahrgenommen."

Wieu, 29. Sept. DemNeuen Wiener Tageblatt" wird telegraphisch aus Petersburg gemeldet, daß gestern Thiers von Gortschakoff und dem Groß- fürsten Thronfolger empfangen worden ist.

Graz, 25. Sept. Man schreibt der GrazerTagespost" aus Bruck an der Mur vom 23. Sept.:Seit heute Morgen kireuliren Gerüchte über ein Attentat, welches angeblich gegen den von Graz nach Wien zurückkehrendea Kaiser beabsichtigt war. Es sollten zu diesem Zwecke an einer bestimmten Strecke der Südbahn die Schienen aufgerissen und dadurch der Hofzug zum Entgleisen gebracht werden. Thatsache ist, daß in der Nacht vom 22. auf den 23. Sept, eine Abtheilung Jäger vom hier garnisonirenden 10. Bataillon zur Ueberwachung der Eisenbahnstrecke commandirt worden ist. Man glaubt hier, daß das Gerücht von verfassung-feindlicher Seite au-gesprengt wurde und daß cs ganz und gar eines jeden Halts entbehre."