Politische Rundschau.
(Hierzu eine Beilage.)
zurückzulegen habe, und an Vie Ufer des Kaspischen Meeres gelangt, um von dort aus zu Wasser bi» ins ^Innere des Reichs gebracht werden zu können.
Preußen. Berlin, 27. Dec. Der „Brest. M.-Ztg." wird von hier geschrieben: Der wegen der Militärpflicht auS- gewanderte und demnächst ausgewiesene junge Frankfurter ift bekanntlich noch nicht Angehöriger eines anderen Staates geworden. Falls derselbe nun im AuSlande unterstützungsbedürftig wird, muß ihn Preußen vertragsmäßig wieder übernehmen, ohne ihn jedoch zum Militärdienst heranziehen zu können. Diese Lücke der Gesetzgebung soll durch daS neue Gesetz über die BundeSftaatsangehürigkeit auügesüllt werden. Nach dem Entwurf desselben wird nämlich der AuSwanderungSconsenS null unv nichtig, und die Staatsangehörigkeit beginnt von neuem, falls der Ausgewanderte nicht binnen 6 Monaten Angehöriger eines anderen Staates wird.
Hessen. Darmstadt, 28. Dec. Die Abgeordnetenkammer beschloß in ihrer heutigen Sitzung Gleichstellung der inländischen und ausländischen FeuerverflcherungSgesellschaften. Statt 5 Proc. ihrer Brutto Prämien Einnahme haben diese in Zukunft nur 2 Proc. an die Negierung zu entrichten.
Oesterreich. Cattaro, 27. Dec. Amtlich wird gemeldet : Die Insurgenten aus Braic gelobten dem Kaiser Treue und Gehorsam und lieferten die Waffen ab. Die Unterwerfung der CrivoScianer ist unmittelbar bevorstehend. Somit darf der Aufstand der Bocchesen in friedlicher Weise und definitiv als beendigt betrachtet werden.
Italien. Rom, 28. Dec. Heute wird eine Sitzung des großen Ausschusses (congregation) des ConcilS stattfinden und sich mit der Prüfung der zu kanonifirenden Glaubensgrundsätze beschäftigen. Wie man versichert, sigurirt die Lehre von der persönlichen Unfehlbarkeit deS Papstes nicht unter diesen Vorlagen.
China. Hongkong, 19. Dec. Der Handelsvertrag zwischen China und Großbritannien ist abgeschlossen, tritt aber erst inS Leben, wenn die übrigen mit China verkehrenden Mächte demselben beigetreten find.
Verschwörung in Gegenwart von 2000 Negern, je ( 21 auf einmal, durchgepeitscht. An dem nämlichen ^jrte wurden neun erschossen, und wurde kein Unterschied in der Strafe zwischen Freien und Sclaven gemacht. In Sagua la Grande langte eine ganze Karrenladung dieser gezüchtigten Freien an, die in die Gefängnisse geworfen wurden, wo sie mit ihren Gesichtern noch unten auf dem Boden liegen, weil ihre.Wunden ihnen keine andere Lage gestatten. Der Hauptarzt des Armenhospitals besuchte sie da und erklärte, es sei nutzlos, ihre Wunden zu behandeln, da sie voraussichtlich Alle sterben würden, und wenn man sie in die Hospitäler brächte, würden sie die Krankensäle nur beschmutzen (!). Diese Aermsten waren neun an der Zahl und dem Tode nahe, aber es ist wohl bekannt, daß, wenn einer durch ein Wunder am Leben bleiben sollte, er doch erschossen werden würde. Ein Weißer, welcher der Absicht der Brandstiftung beschuldigt war, wurde durch ein auf der Stelle abgehaltenes Kriegsgericht, welches hier zu Lande jeder commandirendc Ossicier veranstalten kann, zum Tode durch Erschießen verurtheilt. Der Plan der Neger soll darin bestanden haben, sich am Abende vor Weihnachten zu erheben, die Weißen zu tödten und sich den Ausständischen anzuschließen.
30. December.
Der „Allg. Ztg." schreibt man aus Triest: Der Aufstand im österreichischen Albanien scheint beendet zu sein. Er ist, was den Bezirk Erivoscie anbelangt, nicht durch Waffengewalt, sondern durch Hunger bewältigt worden. Die Montenegriner, die früher die Insurgenten freigiebig mit Lebensmitteln und Branntwein versahen, geizten in letzter Zeit mit dem Proviant, und die Zufuhr von der Seeseite war gänzlich abgeschnitten. Die Versuche der Insurgenten, sich mit den Waffen in der Hand zu verprovian- tiren, sind vereitelt worden, und so bleibt ihnen nichts übrig, als sich zu unterwerfen. Die Montenegriner sind in ihren Hoffnungen getäuscht worden, jede Aussicht auf einen Beistand von außen ist ge- jchwunden, und allein wagen sie doch nicht, einen Kampf mit Oesterreich hrraufzubeschwören. Ob sie es versuchen werden, ihren Muth an den Türken zu kühlen, ist jetzt, wo der türkisch-egypt sche Conflict auf friedlichem Wege beigelegt worden, sehr zweifelhaft. Man sieht hier täglich der Nachricht von der definitiven Unterwerfung der CrivoScie entgegen. Daß sie keine aufrichtige sein wird, darüber darf man sich freilich keiner Täuschung hingeben. Die Entwaffnung der Rebellen wird auch nicht viel nützen; denn Montenegro wird stets in der Lage sein, die rauflustigen Nachbarn mit Waffen und Munition zu versehen. Unsere Regierung ist aber wieder einmal auf eine der Blößen unserer Stellung in Dalmatien aufmerksam gemacht worden und wird für die Sicherung und Befestigung derselben in politischer und strategischer Hinsicht Sorge tragen müssen. Die Mängel der jetzigen Vorkehrungen im Gebiete von Eattaro sind durch die letzten Ereignisse genugsam dargethan worden, und man wird gut thun, nicht zu säumen, ihnen für die Zukunft vorzubeugen. Die illyrische Halbinsel wird der Tummelplatz sehr gefährlicher Agitationen und Bewegungen bleiben, und der gegenwärtige Zustand derselben ist eine permanente Ge
fahr für Oesterreich.
Der „Manchester Guardian" macht die Mittheilung , daß ein senischer Handstreich auf die Stadt Salford beabsichtigt war. AuS einer Quelle, „an deren Zuverlässigkeit nicht zu zweifeln ist", erfahrt das genannte Blatt, daß Oberst Reynolds, ter Vice- Geneealatjutant des Bezirks, am Sonntag Abend ein Telegramm vom Generalcomwando in London erhielt, demzufolge die Fenier einen Angriff auf die Milizcaserne von Salford im Schilde führten, um sich der dort aufbewahrten Feuerwaffen — etwa 800 Stücke — zu bemächtigen. Oberst Reynolds traf sofort nach Ankunft deS Telegramms die nöthigen Vorsichtsmaßregeln und ließ die Gewehre nach der Insantcriekaslrne bringen, wo sie vor jedem plötzlichen Ueberfalle sicher sind. ,
Die Besitznahme von KraSnowodsk an der sudöst- lichen Küste deS Kaspischen Meeres durch Rußland »st nunmehr eine vollendete Thatsache, und indem der „Invalide" dies anzeigt und darauf hinweist, daß schon Peter ter Große sich mit ähnlichen Projekten trug, beharrt er dabei, das Hauptverdienst für diese Besitznahme den Bittg suchen der hier bestehenden Gescllfchaften für Schutz von Handel und Industrie zu vindiciren, und constatirt gleichzeitig, daß nun- mehr der Handel mit Eentralasien, anstatt über die Orenbuig'fche Steppe einen Weg von 2500, bezw. 321)0 Werst (360 und 460 Meilen) gesübrt zu tvircen, eine Strecke von blos 600 Werst (86 Meilen)
Vermischtes.
Gießen, 28. Dec. Die beiden oberhessischen Bahnlinien von hier nach Fulda und Gelnhausen sind heute theilweise er; öffnet worden und zwar die erste Linie bis Grünberg (31/2 M.), die andere von hier bis Hungen (3'/r Meilen lang.) Der Feierlichkeit wohnte der ganze Verwaltungsrath mit Ausnahme des Fürsten von Isenburg Wächtersbach, der seine»» Winteraufenthalt in Dresden genommen hat. bei; von Darmstadt waren der Ministerpräsident Frhr. v. Dalwigk, Wirkt. Geheimerath v. Bechthold und Ministerialrath Schlciermacher eingetroffen. Bei dem in Gießen stattqefundenen Festmahl wurde der erste Trinkspruch von dem Präsidenten des Verwaltungsraths Baron v. Erlanger auf den Großherzog von Hessen als dem Hauptförderer des Unternehmens ausgebracht. Der Ministerpräfident v. Dalwigk erwiederte denselben mit einem Trmkspruch auf den Verwaltungsrath. Die Solidität des Bahnbaues wird einstimmig von allen Sachverständigen anerkannt; ebenso die ausgezeichnete Arbeit an den Locomotiven und Wagen; die ersteren find aus dem Atelier des. Herrn Henschel in Kassel, die Wagen erster und zweiter Classe aus der Fabrik von Reiffert in Bockenkeim, die dritter Classe vM Hrn. Gastell in Mainz. Daß die Locomotiven an allen Haltestellen von den Einwohnern und den Bürgermeistern k. begrüßt wurden, ist selbstverständlich. Der Erbauer der Bahn ist Herr Ingenieur Lang, ein Schüler des verstorbenen Denis, früher Oberingenieur der Ostbahn in Bayern.
Gießen, 29. December 1869. Vor dem Schwurgericht deS I. Quartals 1870 werden in nächster Woche nachbemerkte Anklagesachen zur Verhandlung beziehungsweise Aburtheilung kommen, nämlich:
Den 3. Januar, Vormittags 9 Uhr: gegen Karl Hinkel von Vilbel , wegen ausgezeichneten Diebstahls ; Vertheid.: Großh. Hofg.-Advocat Hensler.
Denselben, Vormittags 11 Uhr: gegen Ludwig Ockel von Unter-Schmitten, wegen ausgezeichneten Diebstahls; (Vertheid.: Großh. Hofg.-Advocat?)
Den 4. Januar, Vormittag« 9 Uhr: gegen Markus Roth von Rieder-Ohmen. wegen Meineid«; Vertheid.: Großh. Hofg.- Advocat I)r. Schüler.
Den 5. Januar, Vormittags 9 Uhr; gegen Konrad Stengel von Ostheim, wegen Meineid«: Vertheid.: Großh. Hofg.- Advocat Baist.
Den 6. Januar, Vormittags 9 Uhr: gegen Johannes Georg II. von Landenhausen, wegen Körperverletzung mit tüdt- lichem Erfolg; Vertheid.: Großh. Hofg.-Advocat Hirsch,
° Den 7. Januar , Vormittag« 9 Uhr: gegen Wilhelmine Schunk, ledig, und Heinrich Knaf, ledig, von Büdingen, wegen Meineids, Anstiftung hierzu und öffentlicher Mtlicker Ehren- kränkung; Ve'theid.: Großh. Hofg.-Advocat Dr. Muhl und ^"Den^8.^Januar, Vormittag« 9 Uhr: gegen Johanne« Luft von Enqelrod, wegen verschiedener Diebstähle und EigenthumS- beschätigung; Vettkeid.: Großh. Hofg.-Advocat Kr a uSk o Pf.
Beuern, 28. Dec. Der hiesige Gesangverein veranstaltete gestern zur Feier deS hundertjährigen Geburtstags E. M. Arndt'S “in (Suncert Zwischen abroed-fdnben V-der- und Wusikvar- träqen hielt d« Dirigent M Vereins Herr Lehrer Funk d>e Gedächnißrede auf den Gefeierten. In anziehender und Mitunter erareifender Weise ließ der Ridner in seinem emftunngen Vorträge daS lange und reiche Leven von Vater
Auge der zahl,eich Anwesenden vviüberziehen. Die Feinyett- nehmer sühlten sich sämmtlich in gehobener und angenehm erregter Stimmung. Die Gemeinde Beuern, d»e be, diesem kleinen Feste in einer großen Zahl vertreten war fühlte eS recht deutlich, dckß durch einen tüchtigen und geblldelen BolkS- lkhrerstand die Bildung immer tiefer in die Volkskreise ein- ^^'"B»'»dingen, 23. Dec. Heute Morgen wurde bei dem hiesigen Tunnelbau ein Arbeiter aus Waldensberg, als er eben im Begriff war, die Arbeit zu verlassen, um sich nach Hause zu begeben, von einem losgelösten Stein der Art zermalmt daß er augenblicklich todt war und der Stein nur mit großer Muhe von ihm entfernt werden konnte. Der Verunglückte war der einzige Ernährer seiner Frau und dreier Kinder.
werden muß. ,
Die „New'Aork Times" veröffentlicht einen Brief aus Macurijes vom 29. November, Der ein grauenhaftes, virlleicht ouch übertriebenes Bild von den Zuständen auf Cuba entfaltet. Der Negeraufstand in Ouemados (Carahalas), den Trillo, der Gouverneur von Sagua, entdeckt zu ha en vorgibt, soll auf Pflanzungen vorgefallen sein, welche zusammen etwa 1700 Neger enthalten. Sämmtliche Arbeiter anf diesen acht Pflanzungen, Freie sowohl wie Skta- ven, sind schrecklich gepeitscht und darauf gezwungen worden, Zeugenaussagen abzugeben. Drei von ihnen wurden erlchossen; einer wurde bei drei verschi'denen Gelegenheiten durchgepeitscht und erhielt im Ganzen 800 Hiebe, während einer der besten Neger der Gegend fast zu Tote gepe tscht und während seiner Qualen, wo er mehrmals aus laut.r Schwäche ohnmächtig zu Boden fiel, gezwungen wuide, auszusagen, was er wisse. Ein anderer fiel besinnungslos zu Boden, als er geheißen wurde, sich niecerzulegen, um sich butten zu lassen und abgestrast zu werden, erhielt aber nichts desto weniger 1000 Hiebe, während er nicht das geringste Lebenszeichen ven sich gab. Ein Creole, der in dem falschen Verlachte stand, an der Verschwörung Thetl genommen zu haben, erhielt 1200 (?) Pe.tschenlicbe. lie Arbeiter sämm.sicher Pflanzungen wurden nach der Esperanza gebracht, und dort wuiden die Rädelsführer der
29. December.
Aus der Suttorina meldet man, daß das dortige türkische Lager neuerdings bedeutend verstärkt und auch wirksam befestigt wurde. Das ObservattonS- corps ist um 6 Bataillone regulärer Truppen ver- arößert worden, so daß die Gesammtstärke desselben jetzt auf etwa 20,000 Mann veranschlagt werden kann. Längs der montenegrinischen Grenze sind die Batterien nnd Schanzen bereits fertig geworden, so daß sich die Pforte nunmehr in einer rcspcctabeln Stellung Montenegro gegenüber befindet. Auch hat der Generalgouverneur des bosnischen Vilajets an- geordnet, daß am 1. März ein Uebungslager der Irregulären aus der ganzen Provinz bei Serajewo errichtet werden soll. Diese Maßregel zeigt ganz deutlich, daß man in Konstantinopel über die Lage der Dinge in Montenegro nicht sonderlich beruhigt ist, was übrigens auch nicht ganz grundlos sein dürfte.
Nach einer Correspondenz aus Rom, welche die Liberte" veröffentlicht, belegt bie Conslitutio apo- stolicae sedis, welche den Titel führt: Constitutio qua ecclesiasticae censurae latae sentientae limi- tantur mit dem Bannflüche: 1) die Apostaten und Ketzer, einerlei, welche sie sind; 2) diejenigen, welche die Bücher von Apostaten, Ketzer und irgend einem Autor lesen, die von dem Index verboten sind, diejenigen, welche sie aufbewahren, drucken oder verteidigen; 3) die Schismatiker und alle Diejenigen, welche sich dem Gehorsam des heil. Vaters entziehen; 4) diejenigen, welche gegen den Papst an ein zukünftiges Coneil Berufung einlegen, deren Rathgeber und Helfershelfer; 5) diejenigen, welche die Mitglieder der katholischen Hierarchie, die Legaten des heil. Stuhles, die Nuncien verfolgen und sie aus ihren Territorien, Domänen u. f. w. ausstoßen; 6) diejenigen, welche direkt oder indirekt die Ausübung der geistlichen Gerichtsbarkeit verhindern und ihre Beam- ten unter die weltliche Gewalt stellen; 7) diejenigen, welche die weltlichen Richter direkt oder indirekt zwingen, geistliche Personen vor ihre Gerichte zu be- rufen; 8) diejenigen, welche ihre Zuflucht zur weltlichen Macht nehmen, um die Briese oder andere Dokumente zu entkräften, welche von dem heiligen Stuhle, seinen Legaten oder Delegaten ausgehen, die- jenigen, welche direkt oder indirekt deren Veröffentlichung und Ausführung verhindern und die, welche bei Gelegenheit dieser Briefe und Dokumente den heil. Stuhl, seine Legaten oder Delegaten verfolgen oder bedrohen; 9) alle Fälscher der apostolischen Briese oder von der Curie ausgehenden Breves; 10) diejenigen, welche dem Mitschuldigen an schamloser Sünde, selbst bei herannahendem Tode, die Ab- solution erteilen, ohne daß ein anderer Priester die Confession des Sterbenden mit anhören kann; 11) diejenigen, welche die Gerichtsbarkelt, die Güter, die Renten, welche geistlichen Personen angehören, usur- piren oder sequestriren; 12) diejenigen, welche für sich oder Andere die Städte, die Länder, die Orte oder die Rechte, welche der römischen Kirche ange. hören, überfallen, vernichten oder aneignen, oder die, Welche sich die höchste Gerichtsbarkeit usurpiren, ver- wirren oder zurückhalten. Der zweite Theil der Constitutio erneuert alle Exkommunikationen, welche das Concil von Trient ausgesprochen hat, und stellt 33 neue Fälle aus, bei welchen dieselbe ausgesprochen


