Einzelbild herunterladen

Darmstadt, 11. April. Heute Mittag fand die Einweihung ter Riedbahn von hier bis Gerns­heim statt. Ministerpräsident v. Dalwigk und der Präsident des VcrwaltungSrathes, Dr. Parcus, be­grüßten an den verschiedenen Stationen die Gemeinde­vorstände, welche sich dem Zug anschlossen. N ch halbstündigem Aufenthalte in Gernsheim, woselbst die Hafenanlagen besichtigt wurden, fand die Rückkehr nach hier statt und vereinigten sich die Festtheilhaber zu einem Diner imGasthof zur Traube". Auf­fällig war, daß, ungeachtet der Direktion der Main- Neckar-Bahn eine Einladung geworden, kein Mitglied derselben sich bei der Fahrt oder bei ter Festfeier beteiligte. Die erforterliche Verfügung Seitens des Ministeriums, betreffs Eröffnung der Bahn am 15. d. M. für den Personen - und Güterverkehr, soll gutem Vernehmen zufolge heute erfolgt sein.

Darmstadt, 12. April. Der Finanzausschuß zweiter Kammer hat Bericht über verschiedene Peti­tionen, betreffend den Neuband von Eisenbahnen, er­stattet, u. A. auch über den Antrag des Abgeord­neten Zentgraf wegen Weitersührung der Odenwald- bahn von Höchst bis auf die projectirte baierische Bahn bei Obernburg. Der Antrag des Ausschusses geht dahin, mit Rücksicht auf die gegenwärtige Sach­lage dem Anträge keine Folge zu geben. Ein glei­ches Schicksal ist den Petitionen der Gemeinden Dietzenbach, Münster, Ober- und Nieder-Roden, Urberach u. A. wegen Fortführung der Odenwald- badn von Umstadt nach Offenbach beschieden.

Darmstadt, 13. April. Der Professor an dem tönigl. sächsischen Gymnasium zu Dresden, Dr. R. Baltzer, hat einen Ruf als ordentlicher Professor in ter ph.losophifchen Facultät der "andeSumversität, insbesondere für das Lehrfach der Mathematik, er­halten und angenommen.

Berlin, 10. April. In der heutigen Sitzung des Reichstages fand die erste Berathung des Ge- sktzentwuifes, die Errichtung eines obersten Gerichts­hofes für Handelssachen betreffend, statt. Die Vor­lage wurde lebhaft befürwortet. Wlndhorst erklärte sich gegen dieselbe, da er glaube, daß dazu erst Ver­einbarungen ter Regierungen unter einander noth- wendig seien. Der StaatSminister v. Friesen erklärte, daß weit über zwei Drittel der BundeSratbsrnitglie- der die Vorlage angenommen hätten. Letztere sei von der sächsischen Regierung hauptsächlich deßwegen eingebracht worden, weil auch die Einführung des Wechselrechts als Bundesgesetz eine einheitliche Hand­habung dieses Rechts unbedingt nothwendig erschei­nen lasse. Leipzig als Sitz des Gerichtshofs wäre nur aus Zweckmäßigkeitsgründen vorgefchlagen. Die Uederweifung der Vorlage an eine Commission wurde ab^elchnt.

Berlin, 10. April. Das Wohlcommil6 der Partei Oppenheim in Friedberg hat wieder eine Re­klamation gegen die Wahl des Abgeordneten Buff an den Reichstag vom Stapel laufen lassen, die schon aus rein formcUem Grunde unzulässig scheint. Jedes Reciamiren und Queruliren muß einmal in der Welt fein Ende haben, und so bestimmt §. 4 der Geschäftsordnung des Reichstags, Absatz II: Waplansechtungen und Einsprachen, welche später als zehn Tage nach Eröffnung des Reichstages, und bei Nachwahlen, die während einer Session stattfin- ten, nach Feststellung des Wahlergebnisses erfolgen, bleiben unberücksichtigt." Danach kann man sich in Friedberg sagen, was von dieser Reclamation zu erwarten ist, einfach nicht s. In B ziehung auf die erste, rechtzeitig eingebrachte Reclamation hat die Verhandlung vor dem Reichstage festgestellt, daß der Anfechtung der Form der Stimmzettel keinerlei Bedeutung beizulegen und in dieser Richtung ist die Reclamation bereits vom Reichstage verworfen. Beanstantet ist die Wahl nur, wie dieß jedesmal in allen Fällen geschieht, wo Reclamationen wegen Ir­regularitäten bei der Wahl eingebracht werden. Nur wegen dieser behaupteten Irregularitäten ist eine Unteisuchung ungeordnet; die betreffenden Acten sind zur Zeit von dem Bundeskanzler-Amt noch nicht an die Großherzogl. Höfische Regierung abge­geben worden. Jemehr nachträgliche, wenn auch formell unzulässige Reclamationen noch einlommen, desto länger wiro sich diese Abgabe hlnausschieben muss n, desto später die Untersuchung beginnen.

Gotha, 12. Ap il. Soeben eingetroffene Nach- I richten aus England melden, daß in diesem Sommer zw0 englische Expeditionen (die eine unter Lamont, die andere unter Eapitän Palliser) nach den Polar- gcgenten gehen.

Paris, 12. April. Nachts. (Verspätet- eingc- gangen.) In der Sitzung des gesetzgebenden Kör­pers fand die Debatte über das Amendement, bctr.

die Aufhebung der großen Militärcommando's Statt. Der Kriegsminister Marschall Niel wies bei der Ver- theidigung dieser Institution darauf hin, daß man vermöge derselben binnen acht Tagen 600,000 Mann auf den Kriegsfuß stellen könne; der Minister con- statirte jedoch, daß zur Zeit 28,000 Mann von dem (Kontingente und 11,000 Freiwillige auf unbestimmte Zeit in die Heimath beurlaubt seien.

Paris, 12. April. Der Kaiser hat an den Staatsminister einen Brief gerichtet, tn welchem er sagt:Am nächsten 15. August werden es hundert Jahre sein, daß der Kaiser Napoleon geboren wurde. Während dieser langen Periode haben sich wohl Ruinen angehäuft, aber die große Gestalt Napoleons blieb aufrecht. Sie ist es noch, welche uns leitet und uns beschützt. Sie ist es, welche es mir möglich macht, aus Nichts den hundertjährigen Geburtstag des Mannes zu feiern, welcher die Franzosen die große Nation nannte, weil er in ihnen jene mann- lieben Tugenden entwickelt hatte, welche Reiche zu gründen vermögen. In dieser für mich heiligen Pflicht wird sich das ganze Land mit mir vereinen. Nach meinem Dafürhalten werden wir am Besten dieses nationale Jubiläum ehren, wenn wir den al­ten Waffcngefährten Napoleons I. eine ihr Wohl­befinden vermehrende Gabe zuerkennen." Der Brief des Kaisers gibt die Mittel an, um jedem der Mi­litärs der Republik und des ersten Kaiserreichs eine Pension von 250 Francs zu gewähren. Der Kaiser fügt hinzu, er hoffe, daß der gesetzgebende Körper denken werde, wie er, kenn in einer Epoche, in welcher man sich über daS Zunehmen skeptischer Ideen beklage, werde es angemessen sein, patriotische Auf­opferungen zu belohnen und sie den neuen (Genera­tionen in Erinnerung zu bringen. Das Gedächtniß an große historische Thaten zu erwecken, heiße den Glauben an die Zukunft wieder beleben, und dem Andenken großer Männer zu huldigen, eine der glän­zendsten Manifestationen des göttlichen Willens er­kennen.

Rom, 11. April. Der Papst hat heute Mor­gen 7j/2 Uhr am päpstlichen Altar von St. Peter vor einer unermeßlichen und tiefbewegten Versamm­lung eine stille Messe gelesen. Hierauf erfolgte das Tedeum und ter päpstliche Segen vom Altar aus. Nach der religiösen Feier nahm Pius IX. mit den Würdenträgern des Hofes und dem diplomatischen Corps ein vom Capitel von St. Peter veranstalte- tes Frühstück ein. Rom strahlt im Festschmuck; das Wetter ist herrlich. Eine Amnestie ist gewährt, in welche auch die politischen Gefangenen mit einbe­griffen sind.

Madrid, 11. April. DieCorrespondencia" (daS Hauplorgan für Montpensier's Kandidatur) sagt, daß der Herzog von Montpensier sich um die Krone Spaniens nicht bemühe, und daß er sie nur von den Cortes nach vorgenommener Abstimmung angenommen haben würde, und in der Absicht, die durch die September-Revolution geschaffene neue Aera, welche er als Spanier und als Soldat stets zu ver- theidigen bereit fein werde, ihrem endgültigen Triumphe entgegenzuführen. Jetzt aber sehne er sich einzig nach Ruhe.

Vermischtes.

Giessen. (Sitzung des Gemeinde rat vom 8. April.) Anwesend: der Großh. Bürgermeister Logt, die Gemeinberathsmilglieder Petri, Heß, Hanstein, Gail, Wallen­fels, Felsing, Weibig, Berg, Löber, Nagel, Rosenberg, Bücking und Silbereisen.

In Betreff deS BavgesuchS deS Ludm. Schmitt von Wieseck beflimmt der Gemeinderath, daß der Weg vor der PH. Zörb- schen Hofrailhe eine Breite von 40 Fuß erhalten soll. So­dann beschließt er, daß der L. Schoutt den städtischen Platz nur dann erhalten soll, wenn er sein Gebäude an die Ecke des fraglichen Wegs gegenüber der Zörb'schen Scheuer errichtet.

Der Gemeinderath erklärt, daß der Lehrer Braun, gleich dem Lehrer Beck, einen Ruhegehalt von 500 fl. erhallen |v(le.

Der Gemeinderath nimmt Kenntniß von der Bersügung Großh. Kreieanites vom 24. März und beschließt auf Bor­schlag des Großh. Bürgermeisters, der neuen Straße links ober­halb der Wiesetzbrucke auf dem Seltersberg eine durchgängige Breite von 60 Fuß zu geben, und daraufhin von Wlttwe Fer­ber, 151>. Sil bereifen, Fr. LampuS und Ehr. Friebel Wlttwe das Gelände, welches zwischen der Straße und der Wieleckbö- schung liegt, vollständig zu erwerben.

Die von dem städtischen Waagemeister beantragte Pflaste­rung der Auffahrten an der Waage soll vorgenommen werden; sodann wurde beschlossen, daß der Waagemeister verpflichtet sein solle, Wiegungen zu jeder Tageszeit von 5 Uhr Morgens an bis 8 Uhr Abends vorzunehmen.

Der Gemeinderath beschließt, die Rückwände der Empor­bühne in der hiesigen Stadtkirche unter der Leitung deS Großh. Beigeordneten Felsing mit Oelfarbe anstreichen lassen.

Der Gemeinderath will die Hebungen der freiwilligen städ­tischen Feuerwehr gestatten; die übrigen Anliegen der Feuer­wehr sollen dem Bauauöschuß zur Begutachtung überwiesen werden.

3n Betreff der Baugesuche des Fr. Deibel, E. Caspar und

Dr. Königer will der Gemeinderath Einsicht von der Oertlich- feit nehmen lassen und dann Entschließung fassen.

Die Ausführung der Entwässerung der Neuen Anlage soll versuchsweise versteigert und dem Gemeinderath von dem Er- gedniß Vorlage gemacht werden.

Der Gemeinderath bestimmt, daß daS Fundament der Fried­hofsmauer 6 Fuß Tiefe erhalten soll.

Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persön­licher Art.

Gießen. (Oberhessische Eisenbahnen.) Zu der dahier abgehaltenen ersten Generalversammlung dieser Gesell­schaft waren 39 Actionäre, welche 296 Stimmen vertraten, erschienen. Der von dem Vorsitzenden, Baron von Erlange/, erstattete Bericht über den Fortschritt und die Lage deS Unter­nehmens, constatirte, daß die Arbeiten, rascher als in der Con- cession und dem Bauvertrag vorgesehen worden, ihrer Vollen­dung entgegengehen, so daß die Strecke von Gießen bis Hun­gen und Grunberg voraussichtlich noch im laufenden Jahre eröffnet werden dürfte, während gegründete Hoffnung vorhanden fei, die Bahn noch im Laufe von 1870 auf hessischem Gebiete vollständig Herstellen zn können. Der Bauunternehmer, Director Lang, bestätigte diese Angaben, und sprach die Erwartung auS, daß die ganze Bahn noch im Laufe von 1871, mithin vor dem im Baucontract vereinbarten Termin, übergeben werden könne. Auf Anfrage deS Hrn. Bernhard Doctor aus Frank­furt, ob die Zins-Garantie der Actien eine so absolute sei, daß selbst, wenn in dem nach den Baucvntracten gar nicht vorauszusehenden Falle eine Priorität- Anleihe nothwendig wer­den sollte, die den Actien von der hessischen Regierung ver­bürgten Zinsen nicht veikürzt werden könnten, erwiederte der Vorsitzende, §. 15 der Concession bestimme ausdrücklich, daß, wenn eine Prioritäts-Anleihe nothwendig werden sollte, die Veizinsung derselben den Brutto Einnahmen zu entnehmen sei, mithin daS garantirte Nettoerträgniß davon gar nicht berührt werden könne. Der Bau der Bahn mittelst des ActiencapitalS fei übrigens durch die von den Bauunternehmern gestellte, Cau- tion genügend gesichert. Auf den von Hrn. Hofgerichts-Advo­katen Dierp geäußerten Wunsch, daß in Gießen ein Vcrwal- tungs Bureau eingerichtet werde, erwiederte der Vorsitzende, dieß werde geschehen, sobald sich die Nothwendigkeit dafür ben ausstelle, jedenfalls vor Eröffnung des Bahnbetriebs. Schließ­lich wurde noch vom Vorsitzenden die Mittheilung gemacht, daß im laufenden Jahre keine weitere Einzahlung erforderlich sein werde.

Offenbach, 9. April. Wie zahlreich Frankfurt von hie­sigen Bewohnern am vergangenen Montag und Dienstag be­sucht war, mag die Zahl der Eisenbahnfahikarten beweisen; eS wurden nämlich an beiden genannten Tagen über 15,500 (Hin- und Rückfahrt) ausgegeben, am Dienstag Dritten Ostertag) mehr als am sogenanntenNickelcheStag". Rechnet man noch hinzu d>e vielen Personen, welche das Dampfboot hin und zurück be­fördert hak, und diejenigen, welche den Weg zu Fuße gingen, so ergibt sich eine noch weit höhere Ziffer.

Frankfurt. Man kennt jetzt die Ziffer des Vermögens, welches der kürzlich verstorbene ZameS von Rothschild hinter­lassen hat. Es beträgt ungefähr 1700 Millionen Francs. Bei der Schätzung wurde jedoch immer die niedrigste Summe an­genommen.

Herrieden. Der April wird bessere Witterung bringen als sein Vorgänger, wenn e.L^rd) seine sprichwörtlich gewor­dene Laune nie ganz verleugnet.'' Der europäische Luftocean ist zwar noch immer meist unter $m .mittleren Niveau, das Luft­meer unruhig und die Barometerdrsftrenzen sind groß, allein die Luftthäler nehmen eine andere Richtung und verlaufen statt von Irland nach dem schwarzen Meere, von Schottland gegen den bottnischen Meerhusen, so daß sie nicht mitten durch Cen­tral-Europa, sondern nördlich vorbeigehen.

(Einrädriger Wagen) Der französische Maler und Mechaniker Eonrbet hat, französischen Blättern zufolge, daS Problem gelöst, einen einrädrigen Wagen zu construiren. Ein Rad von einem sehr geringen Durchmesser hat eine sehr starke und lange Querachse, von deren Enden zwei Arme auslaufen, die in Form eines Hufeisens als Gabel das Ra? umgeben' Die zwei Endspitzcn der Achse tragen ein Gewicht, welches das Rad im Gleichgewicht hält. Hinter dem Rade ist ein Sitz in Sattelform für den Kutschirenden angebracht. Das Pferd läuft knapp in der Gabel und verhindert schwankende Abweichungen des Radeü.

(Was den Büffeln Freude macht.) Ein Blatt auS dem Westen Amerika's erzählt: Die Büffel fanden ein neues Privatvergnügen auf der baumlosen Prairie. Sie benutzten die Telcgraphenstangen. um sich die Haut daran zu reiben, waS der Telegraphen-Compagnie gar viel Schaden verursachte, denn die Drähte wurden Meilen weit zerstört. Einem von der Gesellschaft kam plötzlich ein Gedanke zur Abhulfe. Man sandte nach St. Louis und Chicago und ließ sich alle Spie­kernägel senden, die man auftreiben konnte. Diese wurden nun von allen Seiten in die Stangen getrieben, so daß die schar­fen Spitzen weit heranSstanden, damit den Busseln ihr Privat­vergnügen verleidet würde. Aber niemals hat eine Compagnie sich mehr getäuscht gesehen, als die Prairie-Telegraphen-Ge- sellschaft. Die Spiekernägel waren den Büffeln gerade recht, und es kitzelte dieselben ganz besonders, sich ihre dicke Haut daran aufritzen zu lassen. Von allen Seiten kamen sie heran­gelaufen und sie bekämpften sich förmlich mit ihren Hörnern, denn ein jeder wollte der erste an der Stange sein. Zn kur­zer Zeit lagen sämmtlzche Stangen und Drähte niedergebrochen, und die Telegraphen-Gesellfchaft bat seitdem keine neue Nach­frage nach Spiekernägeln angestellt.

DieDanz. Ztg." erzählt nachstehende Schulgeschichte. Wie be.pt die Stute, welche König Wilhelm am Tage der Schlackt bei Königgrätz geritten hat?" so lautete die Frage eineS Schulraths im Reg. - Bez. Bromberg an die Kinder einer Elementar|chule bei Gelegenheit der Revision derselben. Da diese Frage die Kinder nicht zu beantworten wußten, selbst der Lehrer damit unbekannt war, so beantwortete der /. err Schul- rath leine Frage selbst dahin, daß diese Stute, wie bekannt, Sadowa" heiße, sein Erstaunen nicht unterduckend über die Unwissenheit der Schulkinder in der neuesten vaterländischen Geschichte.

*** Artigkeit. Herr:Fräulein, ich verstehe Sie gar nicht, Ihr Herz ist so kalt, wie der Zanuar, eS friert Einem, wenn man Sie betrachtet." Fräulein:Kann ich dafür, wenn Sie das Einheizen nicht verstehen?"

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.