Telegraphischer Schiffsbericht,
mitgetheilt von Chr. Wallenfels jun.
Angekommen in New-Bork r
Das Bremer Postdampfschiff Deutschland, Reisedauer 13 Tage.
„ Hamburger „ Holsatia, w 12 „
3n Havanna und New-Orleans r
Das Hamburger Postdampfschiff Saxonia, Reisedauer 21 Tage.
Am 6. Februar
„ 6. „
„ 10- „
„ 1. März
u 1. „
Abgehendr
Dampfer Main von Bremen nach Nelp-Aork.
„ Tripoli „ Liverpool „ „
„ Germania „ Hamburg „ „
„ Teutonia „ „ „ New-Orleans.
„ Berlin „ Bremen „ Baltimore.
805) Wegen Auskünften und Passagen beliebe man sich an Obigen zu wenden.
Wechsel auf alle größeren Plätze der Vereinigten Staaten zum Tagcs- coursc. ________________________________________
Schifföbkricht, mitgetheilt von dem Haupt-Agenten C. W. Dietz.
Das Postdampfschiff Union ist am 21. Januar von New-Z)ork abgegangen und am 1. Februar in Southampton angekommen.
Das Postdampfschiff Donau ist am 16. Januar von Bremen abgegangen und am 31. Jtmuar in New-York angekommen.
Anlelienalooee.
Kurh. 40 Thlr. Loose 56s 2 Nassau fl. 25 b. Roth. 381/4 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 164 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 443/4 4° 0 bayr. Präm. Anl. 1061/4 4% badische Loose 103i/2 Badische fl. 35 Loose 553/ö 1858r Prioritätsloose 155 1860r Loose 781/4 1864r „ 113 Vg
Borseilnachrichten.
2. Februar 1869.
Preuss. 41/2%* Obi. 935/g Frankf. 31/2% Obi. 81 «/4 Nass. 4V2o/o Obi. 94Vg Kurh. 40/o Obi. 867/8
Hess. 40/o Obi. b. Roths. 1023 4
„ 31/20/0 do. do. 915/g
Bayer. 5% Obi. 102V?
n 41/2°/o 1jährige 95V,
„ 41/2% Viiährige 96
Würtemb. 4,/2% Öbl. 94V2
Baden 4i/2°/g Obi. c. E.L. 94y8
Oestr. 5% b. R. 593/4
n 50/0 National 52*/2
„ 50/0 Metall. Obi. 63
„ M. steuerf. 511/4
Amer. 6V0 1882r Bds. 79 n 60/g 1885r 777/s
Prioritäten.
50/o östr. F. St. E. B. 3H1/2 Lud wigsh.-Bexbach 1593/8
Maxbahn 106 Vs
Bayer. Ostbahn 1253/4
Hess. Ludwigsbahn 1383 8 3°/o östr. Stsb.-Prior. 55 3% östr. s. Lombard. 463/4 3% Livorneser 32
Toscaner 497/ö
Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 971/2 5% Elisabeth-Prior. 76*/4 do. II. Emiss. 74
Actlen.
Frankf. Bank 124'/g •
Oester. Bank 656
„ Creditact. 2531/2
Darmst. Bankaet. 274
Wechsel.
Amsterd. k. S. 99>/2
Augsb. k. 8. 100
Berlin k. S. 105
Bremen k. S. 963/4
Cöln k. S. 105
Hamburg k. 8. 872/4 Leipzig k. S. 105
London k. 8. 119 i/e Lyon k. S. —
Paris k. S. 94’/2 Wien k. 8. 97Vs Disconto 31/2% G.
Geldsorten.
Pr. Cass. Sch. 1 443/4-45 Div. Cass.-A. — Pr. Friedrdor. 9 58-58 Pistolen . . 9 47-49
„ doppelte 9 48-50 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 35-37 20 Frankenst. 9 26l/2"271/2 Engi. Souver. 11 52-56 Ruse. Imper. 9 48-50 Doll, in Gold 2 26-27
Frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Frachtmärkten.
Fruchtmärkte.
Jan.
Waizen.
Korn.
Gerste.
Spelz.
Uüssdem Markt
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Auf dein Markt
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Auf dem Markt
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Auf dem Markt
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8
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—
47
7
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—
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Lauterbach
-
Mainz
29.
—
76
11
45
—
68
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1
8
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Hafer.
Erbsen.
Linsen.
Auf bemIMit.-
Wicken.
Kartoffeln.
Roggen mehl.
Aus dem Marft
Mit.- preis
Auf dem Markt
Mit.- preis
Auf dem Markt
Mit.- preis
Auf dem Markt
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2|12
—
—
—
Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.
Feuilleton.
Unter dem Schicksal.
Eine Geschichte aus dem Leben von Edmund Frank.
Das bescheidene Jahreseinkommen, welches mir mein längst Heimgegangener Gatte — mein Auge füllt sich noch jetzt mit Thränen, so oft sein geliebtes Bild vor mich hintritt — zu hinterlassen vermochte, will sorgfältig behandelt sein, vorzüglich zu so außerordentlich theurcn Zeiten, wie den jetzigen, und ich wohne deshalb bereits seit einer Reihe von Jahren in einer stillen, weit abgelegenen Straße des äußersten Westens dieser großen Metropole, welcher ich hier den Namen Blumenstraße geben will.
Mein Haus trägt die Nummer 58, und so oft ich zu der Zeit, von welcher ich rede, an's Fenster trat, blieb mein Auge unwillkürlich an denjenigen der mir gegenüberliegenden Nummer 57 haften, dem Hause, in welchem ein junges Mädchen ihre Blumen mit so sichtlich großer Liebe pflegte.
Bloße Neugierde war es nicht, sondern vielmehr ein unbestimmtes, tieferes Interesse, womit ich sie beobachtete, wie sie sich leicht und graciös an den fast stets offenen Fenstern ihres geschmackvoll moblirten, höchst zierlich gehaltenen Wohnzimmers hin und her bewegte.
Ihr Name war, wie mir meine Köchin, die ihn durch Vermittlung der Waschfrau erfahren hatte, sagte, Adeline Rosen, der hochgewachsene, tief brünette, junge Mann aber, der sich so stolz trug und Abends zu ganz verschiedenen Stunden nach jenem Hause heimkehrte, erster Commis im Banquierhause Palmer & Heyden und ihr Bruder.
„Und welch' ein hübsches Mädchen sie ist," fuhr Martha eines Tages redselig fort. „Und Frau Petersen sagt, sie trägt wunderschönes Leinen, feiner als manche vornehme Damen. Aber, sagt sie, ihr Bruder hält nichts in der Welt für zu gut und zu theuer für sie, obgleich er bisweilen düster gestimmt zu sein scheint. Und Frau Petersen meint, sie haben sonst gar keine Verwandte, sondern stehen ganz allein in der Welt."
Diese Mittheilungen meiner Köchin waren mir, ehrlich gesprochen, von hohem Interesse, da jedoch unter allen Verhältnissen die Disciplin aufrecht erhalten werden mußte und es sich einmal nicht schickte, daß Martha mich zur Vertrauten der durch sie von meiner Waschfrau eingezogenen Neuigkeiten machte, so sah ich mich genöthigt, scheinbar mit der größten Gleichgültigkeit zuzuhören, und entließ dann die gesprächige Dienerin mit einer gleichgültigen Bemerkung zu ihren gewöhnlichen Arbeiten.
Der Umstand, daß sie verwaist und allein in der Welt dastand, erhöhte meine Theilnahme für die junge Nachbarin noch, obgleich eS ihr selbst wenig Bekümmerniß zu verursachen schien, denn ihr Gang und alle ihre Bewegungen waren lebhaft und frei, ihre Stimmung augenscheinlich stets heiter, und täuschten mich meine Beobachtungen nicht gänzlich, so fühlte sie sich vollkommen zufrieden und glücklich.
Ich hatte sie auf der Straße einmal in mädchenhaft tändelndem Tone zu dem neben ihr her trabenden Hündchen sprechen gehört und ein anderes Mal schallte an einem ganz wildstillen Tage ihr fröhliches Gelächter zu mir herüber, als sie sich damit beschäftigte, das kleine Thier in allerlei Kunststücken zu unterrichten.
Dann und wann sah ich gegenüber auch Besuch eintreffen, der eben so heiter empfangen wie entlassen zu werden schien.
Trotz Alledem und Alledem vermochte sich meine stets wachsende Theilnahme für die junge Dame nie einer gewissen, mir völlig unerklärlichen Angst um das künftige Loos derselben zu entkleiden, einer unbestimmten, dusteren Ahnung, als ob ihr Unheil drohe.
Es war ein Festtag und die ganze Blumenstraße schien ihn bei dem herrlichen Wetter im Freien feiern zu wollen, denn fast aus allen Häusern sah man die Leute im sonntäglichen Anzuge hervortreten und das Trottoir war mit Fuß
gängern bedeckt, welche alle dem nahen Lustgarten zuströmten, wo heute eine Blumen-Ausstellung, verbunden mit großem Concerte, stattfinden sollte.
Auch die Thür des Hauses No. 57 öffnete sich und in derselben erschien Adeline Rosen in Begleitung ihres Bruders.
Da einige Zeit verging, bis es ihr gelang, ihr Hündchen, das sie durchaus begleiten wollte, wieder in's Haus zurückzuschmeicheln, so blieb mir jetzt hinreichende Muße, ihre Kleidung genauer zu mustern.
Sie war einfach, aber höchst elegant, vom zierlichen Krepphütchen, das sich auf ihrem üppigen Haar wiegte, bis zu den Stiefelchen mit den hohen Absätzen» welche den hübsch geformten, kleinen Fuß nur um so deutlicher hervortreten ließen.
Der Stoff ihres Kleides war französischer Musselin, ein zartes, luftiges Gewebe, das ein muthwilliger Zephyr mit den reizendsten Blumen überschüttet zu haben schien, und'der reich mit Spitzen besetzte Ueberwurf vom feinsten, ächten Sammet mußte fast so kostbar gewesen sein wie der ganze übrige Anzug.
Den äußersten Rand des buntseivenen Sonnenschirmes bildete eine breite Spitzengarnitur.
„Fräulein Adeline Rosen kleidet sich in der Tbat kostbar und mit sehr vielem Geschmack," bemerkte ich fast wie im Selbstgespräch. „Entweder sie muß selbst sehr wohlhabend oder ihr Bruder außerordentlich freigebig gegen sie sein."
Diese Worte waren kaum über meine Lippen, als ich sie auch schon be- reuete.
Doch zu spät, denn Martha nahm sofort ihr altes Lieblingsthema wieder auf.
Frau Petersen wußte ganz bestimmt, daß Fräulein Rosen selbst nicht das allergeringste Vermögen besitze, sondern daß vielmehr ihr Bruder Alles für sie bezahle.
„Und denken Sie sich, Madame," fuhr sie dann fort, „das Fräulein hat auch nicht die entfernteste Idee davon, was die Sachen kosten, gerade wie es immer bei den jungen Damen der Fall zu sein pflegt, wenn sie in der Pension erzogen worden sind. Sie sucht sich in den Läden aus, was ihr eben gefällt, ohne jemals nach dem Preise zu fragen, und die Rechnungen werden dann an ihren Bruder geschickt."
Nach diesen Worten zog sich Martha mit ihrem Besen nach der Küche zurück.
Jene unbcstimmten, düsteren Ahnungen, jene dunkle Angst um das Schicksal der interessanten, jungen Nachbarin kehrten mir mit verdoppelter Lebhaftigkeit wieder, als sich mir jetzt der Gedanke aufdrängte, wie wenig die elegante, kostbare Garderobe derselben mit dem unbedeutenden Häuschen, das sie bewohnte, und ihrem einfachen Haushalte, der nur zweier Dienstmädchen bedurfte, har- monirte.
Ich hatte mit der jungen Dame auch noch nicht ein einziges Wort zu wechseln Gelegenheit gehabt und dennoch war es mir, als hätte ich sie bereits lieb gewonnen.
Adeline kehrte am Abende jenes Tages frühzeitig nach Hause zurück.
Sie lehnte zärtlich am Arme ihres Bruders und unterhielt sich heiter mit diesem und einem Herrn, welcher an ihrer anderen Seite ging.
Das edle Gesicht des Letzteren war tief gebräunt, als habe er längere Zeit unter einer fremden Sonne gelebt, und der linke Aermel seines Rockes war leer und quer über der Brust befestigt.
Obgleich er außerdem noch angegriffen war und den Oberkörper in Folge seiner Verstümmelung etwas vorgebeugt trug, so sprach sich doch in seinem gan^ zen Anstande, in jeder seiner Bewegungen ein unverkennbares aire noble auM zumal im Vergleiche mit dem großen, sonst unverkennbar hübschen jungen an der anderen Seite des jungen Mädchens.
(Fortsetzung folgt.^M


