(Virchow) genehmigt, mit dem Amendement, daß die Aufhebung der Beschlagnahme nur durch ein Gesetz zulässig sei.
Berlin, 11. Dec. Im Abgeordnetenhause kam der Etat des Cultu-minisieriums zur Diecusston. Gegenüber dem Abgeordneten Richter (SangcrShausen) hält der Cultutminister eine Entgegnungtrcde, worin er erklärt, er sei seiner Richtung stets treu geblieben, indem er gleichzeitig verheißt, für die Synodalver- fafsungeu bestens wirken zu wollen. Für cie neuen Provinzen seien dieselben bereits projectirt, die Han- nover'sche Synode werde bereits nächsten Herbst zu- sammentreten. In Hessen habe die Regierung drei Consistorien vorgefunden, angelehnt an drei Regierungen, mit deren Fortfall war die Errichtung eines Gesammtconsistoriums geboten. Für Marburg sprachen Zweckmäßigkettsgründe. Die Regierung sei sich der Pflicht bewußt, in den neuen Provinzen die freie Entwicklung der evangelischen Kirche zu fördern. Die preußischen Lehranstalten schreiten nicht rückwärts, wenn auch zugegeben werden müsse, daß fortgesetzter Eifer und Fleiß nöthig seien, um Preußen die ihm gebührende Führung Deutschland« auch auf diesem Gebiete zu sichern. — Indem die „Kreuzztg." auf die Mittheilungen verschiedener Blätter über den Vorschlag zurückkommt, den Status quo in Deutschland unter die Garantie der Mächte zu stellen, sagt sie: es steht fest, daß Deutschland keine unberechtigte Einmischung in seine Angelegenheiten dulden wird; die Mächte, welche den Frieden zu erhalten wünschen, thun am besten, den Hetzereien von.gewisser Seite entschieden entgegenzutreten.
Wien, 12. Dec. Das Wiener „Tel.-Corr.° Düreau" meldet: Athen, 12. Dec. Ungeachtet der dringendsten Vorstellungen Seitens der Schutzmächte, sowie Oesterreichs und Italien«, verweigere die griechische Regierung bis jetzt noch, auf die Forderungen der Pforte einzugehen; der türkische Gesandte, Photidiades-Bey, rüstet sich zur Abreise au« Athen.
Bern, 12. Dec. Die Bundesversammlung wählte zum Bundespräsidenten für 1869 den Vicepräsidenten Welti aus dem Canton Aargau, zum Viceprä- sidenten den Bundesrath Ruffy aus dem Canton Waadt.
Paris, 10. Dec. Der „Gaulois" schreibt: „Fast alle Journale Haden berichtet, daß Hr. Olozaga am französischen Hofe nicht als Botschafter, sondern nur als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister werde empfangen werden. Wir haben jedoch allen Grund, zu glauben, daß Hr. Olozaga gleich nackt der Rückkehr des Kaisers von Compiegne von demselben mit allen einem Botschafter gebührenden Ehren empfangen werden wird. Wir können sogar hinzusügen, daß zwischen der provisorischen Regierung und dem Tutieriencabmet in Bezug auf die Wahl des Throncandidaten das herzlichste Einvernehmen zu bestehen scheint." — Das „Journal de Paris" erinnert daran, daß heute der 20. Jahrestag der Präsidentenwahl de« Prinzen Louis Napoleon Bonaparte ist, und sie fügt hinzu: „Der Kaiser befindet sich feit 20 Jahren an der Spitze der Regierung von Frankreich; Europa kann constatiren, daß wir nicht, tote man tS im Deeember 1848 fürchten konnte, unsere Gränzen von 1809 wieder gewonnen haben." Aber auch die offieiöse „France" kann das historische Dalum des 10. Deeember nicht vorübergehen lassen, ohne nochmals die Ziffern in Parade aufzustellen, durch welche bei der Präsidentenwahl von 1848 das LoosMrankreichS und Louis Napoleons entschieden wurde. In der großen Majorität, welche schon damals dem Napoleoniden nicht nur im Vergleich mit den radicalen Soeialistcn, wie Lebrun Rollin und Raspail, sondern auch mit dem gemäßigten Republikaner Cavaignac zufiel, sieht da« imperialistische Blatt den Beweis, daß schon damals Frankreich die Republik verworfen, und daß somit der 2. Deeember 1851 nur die Ausführung dieses Urtheils vorn 10. Deeember 1848 gewesen sei.
Paris, H. Dec. Die „France" sagt, daß Alles hoffen lasse, es werde während des für die Antwort Griechenlands bestimmten Termine« eine befriedigende Lösung erzielt werden.
Paris, 12. Dec. Den ministeriellen Blättern zufolge gestaltet sich die Lage der Dinge in Spanien sehr ernst. Die Karlisten bereiten eine Bewegung in Aragonien vor.
Konstantinopel, 12. Dec. „La Turquie" schreibt: Im Interesse der Mächte scheint die Aufrechterhaltung der Acte vom Jahre 1856 zu liegen, aber ihre Intervention in die Angelegenheiten des Landes würde als den verborgenen Zweck jener Acte erscheinen lassen, das türkische Reich zu zerstören, denn stets unzeitgemäß und die Autorität des Sultans verletzend, war die Türkei gezwungen, selbst im Moment der Action, Mäßigung zu beobachten. Die
Stellung der Türkei gegenüber Griechenland, welche« in flagranter Feindseligkeit begriffen ist, ist unverträglich und hat der ersteren bereit« große Opfer an Menschen und Geld gekostet. Es war Zeit, daß die Pforte durch eine Haltung, zu welcher ihre Ehre und Würde rathen, die Freiheit der Action erlangte. Dieß ist auch vielleicht das einzige Mittel, um einen europäischen Brand zu verhüten und der bisherigen Lage gegenüber Freunden tote Feinden ein Ende zu machen.
Vermischtes.
Giessen, 12. Dec. Die Leichen deS von un« erw ahnten Brautpaares, Kappenmacher Schunk und Margaretha Hölscher, beide aus Büdingen, wurden heute Mittag, nach gerade achttägigem Verschwnndensein, fest aneinandergebunden in der Lahn an der unteren Mühte gelandet.
Giessen, IS. Dec. Wir glauben im ©inne aller Derjenigen, welche gestern Abend der Aufführung der drei mit Geschmack anSgewählten und mit künstlerischer Tüchtigkeit durchgeführten Theaterstückchen beiwobnten, zu reden, wenn wir öffentlich unser Lob darüber aussprechen, und den Besuch der morgigen Vorstellung dem Publikum auf'« Wärmste empfehlen.
Berlin, 9. Dec. Wir leben in einer sturmbewegten Zeit. Kaum hat stch ein Gewitter entladen, das ungewohnt als ein Blitz au« heiterem Himmel zwischen >ie Eitze der arme» Na- tionallideralen einschlug und unfern Freund Lasker so schwer traf, daß er bekennen mußte: „Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer!" so braust schon wieder ein anderer Sturm über unfern Häuptern daher, der Bäume entwurzelt und Dächer mit sich führt, die schonungslos auf die Straßenwandler herabfallen und deren Leben gefährden. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag hatten wir bei 10 Grad Wärme sogar ein regelrechte« Gewitter mit Donner und Blitz, welche« längere Zeit anhielt. — Man hat in Folge der verhängnißvollen Hülfsrichteraffaire die Herren Obertribunalräthe in einigen Blättern die Revue passiren lassen, wonach e« sich herausstellt, daß die 27 Richter durchschnittlich ein Lebensalter von 62 und ein Dienstalter von 41 Jahren haben, weßhalb wohl einige Pensionirung und Besetzung ihrer Stellen durch jüngere Kräfte ganz am Platze wären. — Bismarck ist allen Empfangsfeierlichkeiten durch spätere« Eintreffen au« dem Wege gegangen. Er sieht übrigens recht wohl au« und hat den größte» Thell seiner Geschäfte wieder übernommen. Man spricht aber davon, daß er das Verbleiben in seiner jetzigen Stellung von einer Veränderung im Ministerium abhängig gemacht habe. Eulenburg, dessen Etat jetzt im Abgeordnetenhau« geprüft wird, gibt den Herren von der Kammer, selbst den Linken, vertrauliche Soupers und sucht sich wenigsten« dadurch nützlich zu machen. — Ein hiesiger Kaufmann hat eine günstige Spekulation gemacht, indem er sog. „Rochefort-Cigarren" nach Pari« versendet mit dem Bildniß dieses Manne« nebst seiner Laterne und Ungeheuern Absatz bei den Parisern findet. — In diesen Tagen ist da« erste Asyl für Obdachlose eröffnet worden. Ä« werden sich da Manche wieder finden, die im Sommer bei „Mutter Grün" gemeinsame« Nachtquartier zu nehmen pflegten. — Noch ist zu erwähnen, daß es neulich auf einer Straße und sogar in der Börse blutige Köpfe gegeben hat, daß mehreren Bankhäusern Werthpapiere in großer Anzahl gestohlen und veruntreut worden sind, mit deren Wiederauffindung man sich 300 Thaler verdienen kann, daß man einem verunnüchter- ten Studenten die Börse und goldene Uhr geiaubt, daß man endlich — Berlin wird Weltstadt — in der Walhalla, einem vielbesuchten Concertlocale, beim Auskehren unter einem Tische die Leiche eine« neugebornen Kindes gefunden hat! Alles recht erfreuliche Zustände und Annehmlichkeiten einer großen Stadt.
Herrieden, 7, Dec. Ein im norstwestlichen Europa hereingebrochenes ungewöhnlich tiefes Luftthal mit sehr heftiger warmfeuchter Aequatorialluftströrnung bewirkte für Centraleuropa eine solche Temperaturerhöhung, daß heute Morgen 8 Uhr da« Thermometer dahier auf 11,7 Grad R. stieg, um 0,5 Gr. höher al« das Marimum (1823 und 1839) der 58jährigen De- cemberbeobachtungen ergibt. Bei den großen Luftdruckdifferenzen und dem sehr unruhigen Luftmeer wird indessen auch dieses Weiter nicht sehr lange dauern. Die Wärmeunterschiede Europa'« waren vorgestern Morgen« 8 Uhr 27,2 Gr.
Augsburg, 10. Dee. Letzten Freitag wollte eine Kellnerin Baumwollengarn auf einett Knäuel wickeln und nahm aus Versehen dazu 52 Stück Banknoten ihres Dienstherrn, der sie aber glücklicherweise bei dieser Wickelei überraschte, ehe die Banknoten noch ganz verschwunden waren. Bei näherer Durchforschung ihres Koffers fanden sich noch allerlei Verwickelungen, und so wurde denn die Wicklerin der Polizei übergeben.
Donaueschingen, 6. Dec. Als eine seltene Merkwürdigkeit der Natur verdient erwähnt zu werden, daß ein schwarzes Schwanenpaar im Weiher de« hiesigen fürstlichen Parkes nnnmehr die dritte Brut in diesem Jahr, bestehend au« zwei stattlichen Jungen, aufweisen kann. Dieselbe wurde bei der jüngsten Kälte von 12 Graden ausgebrütet.
(Die Aussetzung von sieben Schiffsjungen im N e u -F u n d l ä n d i sch e n Eismeere.) Bor einigen Monaten berichteten amerikanische Blätter einen so unerhörten Act der Brutalität Seitens eine« Capitain« gegen sieben Schiffsjungen, daß sich das menschliche Gefühl dagegen sträubte. Eine vor wenigen Tagen vor dem Justizhofe zu Edinburgh stattgefundene Verhandlung bestätigt leider die Wahrheit jene« Bericht« in seinem ganzen Umfange und fördert wahrbaft grausenerregende Details "darüber an'« Tageslicht. Robert Watt, der Capitän und JameS Kerr, der erste Lieutenant des Schiffes „Arran" standen unter der Anklage des Mordes und der groben Mißhandlung, verübt gegen sieben Schiffsjungen im Alter von elf bis sechszehn Jahren, und zwar unter den nachstehenden Umständen : Während des ganzen Verlaufs der Seereise waren die erwähnten Kinder allen möglichen Arten schlechter Behandlung ausgesetzt, als deren geringste noch die fast gänzliche Entziehung der Nahrung betrachtet werden muß. Von quälendem Hunger verleitet, drangen sie in die Vvrrathscabinete ein, um sich die ihnen verweigerten nothdürftigen Lebensmittel zu verschaffen. Einer von ihnen, bei der That ertappt, wurde vom Catipän zu zwanzig Tauhieben verurlheilt, welche, nach Aussage eines Mairosen an Bord, den Körper des Kindes mit rothen und schwarzen Streifen vollkommen Überzogen. Wegen de« geringfügigsten Vergehens, der kleinsten Nachlässigkeit im . Dienste, wurden sie mit der Sondirleine gepeitscht, die etwa einen halben Zoll stark war ur.b, nie unter zwanzig Hiebe in | Anwendung kam. Außerdem aber waren die hülflosen Kin
der fortwährend der schlechten Laune der Matrosen, sowie besonders auch de« Lieutenants ausgesetzt, welche sich in unverdienten Rippenstößen, Faustschlägen und Fußtritten äußerte. Eine« Tage« drohte man ihnen, fie im Eise zurückzulassen, in welchem da« Schiff festsaß. Die Idee dieser Drohung schien so originell, daß man sie alsbald zur Ausführung brachte; die Knaben wurden vom Schiffe sofort auf da« Ei« hinan« getrieben. Ihre flehentlichen Bitten und Thränen vermochten indessen den Lieutenant, sie nach Verlauf zweier Stunden wieder an Bord zu lassen. Dieß verhinderte indessen den Cipitän nicht, sie zwei Tage später herbeizurufen, ihnen die Richtung de« Landes zu zeigen und ihnen von Neuem zu befehlen, das Schiff zu verlassen. Die Kinder jammerten laut, und vergeblich machten sie den Capitän darauf aufmerksam, daß die Stärke der Eisdecke im Abnehmen begriffen und das Meer an vielen Stelle offen fei. Der Capitän blieb taub gegen ihre flehentlichen Vorstellungen und entgegnete ihnen, daß e« für sie immerhin besser sei, den Tod auf dem Eise, al« den viel langsameren Hungertod auf dem Schiffe zu sterben, da er fest entschlossen sei, sie bei Auötheilung der Lebensrnittel gar nicht mehr zu berücksichtigen. Vergebens widerstanden die Kinder; unter Tauhieben und Faustschlägen trieb man sie vom Schiffe. Nur al« sie sich bereits auf dem Eise befanden, warf ihnen der Lieutenant noch je einen Zwieback nach. Mit diesem elenden Mundvorrathe sollten die Knaben mehrere Meilen auf dem Eise zurücklegen; dazu waren zweie unter ihnen barfüßig und konnten nur unter großen Schwierigkeiten auf der unebenen und rauhen Eisfläche vorwärts schreiten. Nachdem sie unter großen Beschwerlichkeiten und Schmerzen zwei oder drei Meilen zurückgelegk und sich dem Lande mehr und mehr genähert hatten, wurde das Eis dünner, und die offenen Stellen wiederholte» sich so häufig, daß fie abwechselnd und wiederhvlentlich irr'« Meer fielen. Der Eine von ihnen, M. Ginneö, im Aller von elf Jahren, welcher barfüßig war, sank zu Tode erschöpft auf« Ei« nieder und versicherte seinen Kameraden unter Thränen, daß er unfähig sei, sich noch weiter fortzuschleppen. Diese versuchten seinen Muth zu beleben, indem sie ihm die Schrecken de« Tode« auSmalten, der hier seiner harre. Der Knabe wie« ihnen weinend seine blutenden und geschwollenen Füße. Eie waren genöthigt, ihn znrückzulaffen. Fast eine Stunde lang noch hörten sie seine verzweifellen Angst- und Hülferufe. Ein ebenfalls elfjähriger Knabe, Namens Evan, fiel dreimal in'« Meer und verschwand nach dem letzten Sturze unter der Eisdecke. Endlich, gegen 7 Uhr Abends, gelangten sie in die Nähe des Landes. Allein fie waren durch einen, etwa eine englische Meile breiten Streifen offenen Wasser« von demselben getrennt. Die Kinder vereinigten ihre Stimmen zu einem anhaltenden, durchdringenden Geschrei, da« nach Verlauf einer halben Stunde von einer Frau am Ufer gehört wurde, auf deren Alarm alsbald zwei Boote herbeikamen und die unglücklichen kleinen Opfer aufnahmen. Später ließ fie der englische Consul nach England zurückbringen. — Capitän und Lieutenant wurden von dem Justizhofe schuldig befunden, der Erstere de« Mordes, der Zweite grober Mißhandlung; in Erwägung ihrer makellosen Antecedentien indeß und der ihrer sonstigen Aufführung günstigen Aussagen der Matrosen, billigte der Gerichtshof ihnen Milderungsgründe zu und verurtheilte den Capitän Robert Watt zu achtzehn, den Lieutenant James Kerr zu vier Monaten Gefängniß. Da« sehr zahlreiche Auditorium verfolgte die Verurtheilten bei ihrer Abführung in's Gefängniß mit lauten Drohungen und Verwünschungen.
Frankfurt, lieber die Beschädigungen und Verheerungen, welche der Sturm oder vielmehr Orcan am 7. d. angerichtet, laufen immer betrübendere Nachrichten ein. In Dresden hat der Sturm sieben Dampfschornsteine eingeriffen, wobei vier Menschen da« Leben verloren, andere lebensgefährlich verletzt wurden. Auf dem Bahnhof wurde da« Dach abgedeckt rc. ic. In Leipzig sind ebenfalls mehrere Menschen verletzt worden, Dächer wurden abgehoben, ebenso in Riesa. In Chemnitz wurden gleichfalls Dächer abgedeckt, Dampfschorn- steine umgeworfen und zwei Menschen leicht verletzt. In ähnlicher Weise hat der Orcan in Ger«, Freiberg, Annaberg, Meißen, Pirna und Zwickau gehaust. In Magdeburg hat der Sturm an den beiden Ulrichsthürmen, an der Johanniskirche und heil. Geistkirche argen Schaden verursacht. In Köln wurde auf der Südseite de« Domes ein großer Theil der Dachfläche ihrer Bleibedeckung entkleidet. Am Museum ist eine Eckfiale herabgestürzt, und derselbe Fall hatte sich em Kreuzgange der St. Pekerskirche wiederholt. Von dem neuen Ei- senbahnstativnSgebäude in dem benachbarten Ehrenfeld ist da« ganze Dach abgerissen worden. — In Elberfeld wurde an de» Fabrikschornsteinen, Dächern ic. vieler Schaden angerichtet, auch in Düsseldorf. — Durch den Thurmeinsturz in Fritzlar sind, näherer Nachrichten gemäß, 2 Männer rind 19 Frauen getödtet und etwa 24 Personen mehr oder weniger schwer verletzt worden.
Vom Taunus, 8. Dec. Eine Wittwe von Ockstadt, Mutter von 6 Kindern, verkaufte in diesen Tagen dem braven Wirth Walz zu Friedberg ein Schwein. Eie nahm da« Geld in Empfang, während welcher Zeit sich drei Stromer aus der Wirthsstube entfernten. Der Wirth schöpfte Verdacht und sagte zu seinem Burschen: „Nimm den besten Hund und gehe bis nach Ockstadt." Auf dem halben Wege fand er die Fran ermordet; er sah die fliehenden Mörder und es gelang ihm, mit seinem Hund einen derselben zu fangen.
Vertraut Napoleon noch auf seinen Stern? Die Leute suchen ihm mit allerhand tiefsinnigen Spielereien vor dem Jahre 1869 Angst zu machen. Z. E.: Da« Kaiserreich wurde 1852 gegründet, der Kaiser wurde 1808 geboren; addirt man die letzteren Ziffern und fügt sie zu 1852, so ergibt sich die Zahl 1869. Kaiserin Eugenie ist 1826 geboren, addirt man diese Ziffern ebenfalls und zählt sie zu 1852, so ergibt sich wiederum die Zahl 1869. Da« kaiserliche Paar wurde 1853 vermählt; diese Ziffern zu 1852 addirt, gibt wiederum 1869. Die Ziffern der Revolution von 1848 geben 21 Jahre, addirt zu 1848 kommt wieder da« Jahr 1869 heran«. — Wa« in allen öffentlichen Reden und Kundgebungen in Pari« am meisten auffällt, ist die schneidende Ironie, mit welcher vom Kaiser und seiner Regierung gesprochen wird, so al« wären alle die Etaatihand- handlungett ein Puppenspiel, da« man eine kurze Zeit erträgt, weil man weiß, der Vorhang wird doch bald fallen.
(Civil-Ehe.) Seit einigen Tagen ist auf dem schwarzen Brette de« Gemeindehauses zu Znaim das Aufgebot de« Brautpaare« angeheftet, welche« zuerst von der Wohlthat der Noth Civllehe Gebrauch macht und vor dem Bürgermeister die Trauung schließen wird. Der Bräutigam, früher ein Frater de« KapuzinerklostcrS, hat den protestantischen Glauben ange- I nommen: er ist ein ganz tüchtiger Oeconom und Seifensieder.
Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


