Auch für die übrigen Waffengattungen wird die leichtere Form des Helmkastens des neuen Jnfante- riehelmS in Anwendung kommen. Eine wesentliche Verschiedenheit und Erleichterung des letzteren gegen den bisherigen ist, daß an Stelle des Schuppenbandes au« Metall ein Sturmband von Leder tritt, ver Schirm bekommt die Messingeinfassung wie bei der Eavalcrie. Die Raupe, kleiner als bisher, bleibt.
(A. Allg. Z.)
München, lieber die Ereignisse in Bulgarien wird der „A. A. Z." unter dem 1. Februar von dort geschrieben: Wir leben bereits in Mitte großer Aufregung und stündlich^ sich steigernder Unsicherheit. Der General Bibikoff, welcher mit einigen Offizieren fast ganz Bulgarien topographisch auf- nahm, hat unter der Hand das Loosungsworl aus- getheilt und auch die nöthigen Gelder hinterlegt Bei Silistria soll selbst ein großes Depot neuer guter Waffen mit dem Stempel „Tula" aufgegriffen worden sein durch die Hülfe einiger polnischen Freiwilligen, die jetzt haufenweise sich unter das Com- mando Tschaikowski'- stellen. Fuad Pascha hat wegen des Benehmens Bibikoffs Beschwerde in Petersburg führen lassen. Indessen rüstet sich die Pforte, so gut sie kann, für Vie Eventualitäten, die gar nicht ausbleiben können. Alt-Serbien wird durch eine Reihe neuer Fortt und Lager bei Novi-Basar befestigt. Alle Redifs sind einberufen und die französische Regierung hat versprochen, bis April 75,000 Chassepot-Gewehre nach Bulgarien zu senKn. — Mithat Pascha hat um den Balkan einen Cordon ge- zogen und alle Uebergänge über die Donau und den Timok (serbisch-bulgarischer Grenzfluß) stark besetzen lassen, da er Kunde erhielt, daß sich 3000 Bulgaren aus den Donaufürstenthümcrn auf diesen Wegen nach Bulgarien einschleichen wollen. Indessen dürfte es ihm schwerlich gelingen den Uebergang der Bulgaren zu verwehren, da sie die Oertlichkeit besser kennen als seine Rizams. Wir stehen am Anfänge großer Ereignisse, auch wenn die russische Prutharmee nicht zu uns kommt — wie es überall heißt."
Karlsruhe, 8. Februar. Die erste Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung die Gesetzentwürse 1) über das Verfahren gegen ungehorsame Wehrpflichtige und deren Bestrafung (einstimmig), 2) über das Preßgesetz (einstimmig) und 3) über die Verantwortlichkeit der Minister (mit allen gegen zwei Stimmen) nach den Commissionsanträgen in der Fassung der zweiten Kammer angenommen.
Paris, 9. Februar. Die „Patrie" sagt: Die Zusammenziehung bewaffneter Banden in Serbien dauere fort. Berichte von dorther melden, daß ge- Heime russische Agenten die Hand im Spiele haben. Die rumänische Regierung tementire offieiell die
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Existenz bewaffneter Banden, welche die Türkei be- drohten, auf dem Boden der Donau-Fürstenthümer. Die Journale in den Departements publieiren ein Circular des Kriegsministers vom 4. v., das die Präfecten auffordert, unverzüglich in den Communen mit Recrutirung der zur mobilen Nationalgarde ein- berufcnen Mannschaften vorzugehen. Die Recruti- rung wird innerhalb des 16. bis 23. Februar statt- finden. Das Circular macht darauf aufmerksam, daß es sich nur um Einrollirung der Mannschaften in die Listen handle, ohne daß gegenwärtig eine Einberufung stattfände.
Vermischtes.
Gießen, 10. Febr. Prof. Heyer hat einen Ruf an die in Hannoverisch-Münden zu gründende Forstlehranstalt erhalten und angenommen.
Wiesbaden, 8. Februar. Der „Rheinische Courier" meldet: Die Verhandlungen mit der Homburger Kurhausgesellschafl wurden abgebrochen, weil Blanc, indem er die Vorschläge der Regierung ablehnte, die Gewährung einer Spieldauer von acht Jahren gegen eine Zahlung von 800,000 Thlrn. für den Kurfonds verlangte.
Berlin. In Berlin hat, so meldet man der „N. Fr. Pr.", eine Strike der Cigarrenarbeiter begonnen , wie wir solchen in Deutschland noch nicht erlebt haben. Der Anlaß ist derselbe, wie bei dem vor drei Jahren im märkischen Städtchen Burg stattgehabten Strike: eine ehrenverletzende, von einer gesetzwidrigen Coalition von Fabrikanten entworfene Fabriksorvnung, die in einem sogenannten „Spitz- bubenparagraph" Visitationen und Chicanen an- ordnet. Thatsache ist, daß in den hiesigen Cigarren- fabriken viel gestohlen wird. Zu den in Zuchthäusern betriebenen Gewerben gehört auch die Anfertigung von Cigarren. Die zur Arbeit angelernten Sträflinge treten nach ihrer Entlassung in die Fa- briken und bilden vielleicht kein stärkendes moralisches Element. Aber zunächst ist es schweres Unrecht, wenn um weniger Unredlicher willen die Neunund- neunzig Proeent Redlicher leiden sollen, alsdann macht man den Menschen mit Gewalt zum Spitzbuben, wenn man ihn wie einen Spitzbuben behandelt, ihm das Ehrgefühl dnrch herabwürdigende Visitationen raubt. Die Weigerung der Cigarrenarbeiter, die ehrverletzende Fabriksordnung zu unterschreiben, findet deßhalb, ähnlich wie es bei dem Strike in Burg geschah, die fast ausnahmslose Zu- stimmung der öffentlichen Meinung. Der Schulze'sche wie der Laffalle'sche Arbeiterverein stellen sich auf Die Seite Der Feiernden, und selbst unbeteiligte Kreise halten nicht zurück mit ihrer Entrüstung darüber, daß Die Fabrikanten gerade jetzt, wo die drohende Ta- dwiethschaftli
baksteuer ein festes Zusammenhalten fordere, einen Streit mit ihren Arbeitern vom Zaune brechen. Die Regierung reibt sich natürlich die Hände vor Freude. Wie vor drei Jahren aus dem Streite in Burg, wird sie jetzt aus dem Berliner Streite Vortheil ziehen und einen Vorwand ver Einmischung gewinnen. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich wieder klar, die Be- Deutung der Selbsthülfe. Auf Staatshülfe gegründete Genossenschaften müßten sich natürlich den Fabriksbeamten, die noch viel strengere Fabrikordnungen einführen würden, wiverstanDSloS beugen; jetzt aber greift gerade Die fast einzige hier Der Lassalle'schen Lehre anhängende Arbeiterklasse zur Selbsthülfe nach Den Lehren Schulze's. Die Cigarrenarbeiter werden, natürlich in der Eile ohne feste Statuten, die Fa- brikation auf eigene Rechnung unternehmen und auf gemeinsame Kosten unv gemeinsame Gefahr Handlungen eröffnen, Venen ein großer Zuspruch gewiß ist. Die Praxis ist doch die einzige Lehrmeisterin. In phrasenreichen Reden geht es prächtig mit der Staats- hülfe. Nun die Noth da ist, ruft Niemand, nach Staatshülfe, sondern die Lassalianer folgen so gut wie die Anhänger Schulze's dem Wahlspruche: „Selbst ist der Mannl" Und unter diesen Zeichen werden sie siegen.
Warschau, 6. Februar. Es wird, wie man dem „Dr. Irl." schreibt hier viel gesprochen von großartigen Veruntreuungen, Die bei Der Verwaltung Der Warschau-Wiener Eisenbahn entdeckt worden sind. Diese Veruntreuungen bestehen hauptsächlich darin, daß viele Stationsbeamte unter sich eine Ueberein- kunft geschloffen hatten, bei Uebersendung von Fracht- gütern,) nur einen Bruchtheil der im Frachtbriefe allerdings wahrheitsgetreu angegebenen Sendung, in Die Bücher der Verwaltung einzutragen, so Daß diese die Fracht nur zu diesem Bruchtheile erhielt, wäh- renv den bei Weitem größern Theil die Beamten unter sich theiften. Nachvem Die Sache durch einen Zufall bekannt wurde, suchte die Direction Anfangs Die Affaire zu vertuschen, Dieselbe Drang aber in Die Oeffentlichkeit, unD die Direction sah sich gezwungen, eine Untersuchung anzustellen. Bis jetzt hat Die letztere Die veruntreuten Summen auf nahe an 200,000 S.-Rbl. herausgestellt. Eingeweihte Personen versichern jedoch, daß im weitern Verfolg der Untersuchung die Ziffer sich noch viel größer erweisen wird. Diese Wirtschaft dauerte schon drei Jahre, seitdem die früheren Directoren und Oberbeamten, unter Dem VorwanDe, Daß sie mit Dem AufstauDe sympathisirt hätten, entfernt unD, mit Außerachtlassung Der Bestimmungen Der Statuten neue ringe- setzt worden sinv. Diejenigen Beamten, deren Theil- nähme an den Veruntreuungen bereits nachgewiesen ist, sind spurlos verschwunden.
ch e s.
Der Lehrer als Pomolog.
Wie erfreulich ist es, Dörfer zu sehen, wo fast jedes geeignete Plätzchen mit Obstbäumen bepflanzt ist, wie viel Lob verdienen die Leute, Die auf Schonung, Erweiterung und Pflege der Pflanzungen be- dacht sind. Leider giebt es noch viele Gemeinden, die in Der Obstbaumzucht nur das Andante lieben, Die lieber und öfter Den Bäumen die Axt an Die Wurzel legen, als für neue Pflanzungen Sorge tragen. Nicht immer liegt Der GrunD in einer für Den Obstbau unDankbaren Lage des Orts, — häufiger fehlt es an Interesse und Verständniß. Wie ist nun Das Interesse für Obstbaumzucht zu wecken? Jede Gemeinde hat ihren Lehrer, Der auf Der Seminar- schule mit Den nöthigen Kenntnissen unD praktischen Ausführungen in Der Obstbaumzucht bekannt gemacht worDen ist. Freilich sinD Dessen Schultern, trotz seiner schlechten pecuniären Lage, schwer bebürDet Durch berufliche Arbeiten, Dennoch werden Die meisten Lehrer sich Der Obstbaumzucht gern annehmen. Sie haben überdies Die wilDen Knaben, Die ohne Gewissensbisse ein Edelreis abbrechen und als Treibgerte benutzen oDer AnDerer Früchte wegstibitzen unv ven Baum obendrein schänden, in Der Faust, sie können am besten im naturgeschichtlichen Unterricht das Interesse für Pflege und Schonung Der Obstbäume wecken unD mit Hülfe einer Baumschule Die nöthigen HanDgriffe unD Vortheile behufs Veredelung lehren. Trägheck in Der Baumzucht ist eine Versündigung an der Gegenwart und Zukunft. Frisch an's Werk, ihr nachlässigen Landgemeinden, der Frühling hebt schon an leise an« zuklopsen. Begrüßt Euren Lehrer ob Dieser Sache, karget nicht mit Den Mitteln zur Errichtung von Baumschulen u. s. w. und bald wird eS Euch Freude machen, zu sehen, wie Eure zerstörungslustigen Jungen pflanzen, gießen, veredleu, beschneiven u. s. w. Die Baumzucht wird Eurem Ort ein Schmuck und bald auch eine reiche Quelle DeS Erwerbs sein. S.
Redaction,.Dt
Stallmist und Kalimist.
Folgender Brief des Herrn Lau r aus Meidbach verdient es wohl, in Den weitesten landwirthschaftli- chen Kreisen bekannt zu werben. Er schreibt, seit ca 10 Jahren hatte ich Die Einrichtung getroffen, Daß nach jevesmaligem Abmisten meines Stalles Der Dünger auf Der Düngerstätte mit Gyps überstreut wurde. Sorgfältig angestellte Versuche ließen keinen Zweifel in mir aufkommen, daß dieses Verfahren vortheilhast sei. Um so leichter konnte ich mich dazu entschließen, vor drei Jahren ein theures Material, das schwefelsaure Kali zum Ueberjireuen des Mistes in Anwendung zu bringen. Ich glaubte um so weniger die allerdings erheblichen Kosten scheuen zu dürfen, weil ich von vorn herein entschloffen^war, von diesem Miste weniger auf eine gegebene Fläche zu verwenden, als mit purem Miste. Da übrigens Thatsachen am besten sprechen, so unterließ ich es nicht, im Herbste 1866 einen Dünger in folgender Weise zu präpariren, Ich ließ den Mist, wie er aus Dem Stalle kam in zwei gleiche Hälften iheilen; Die eine Hälfte bekam pro FuDer */2 Ctr. Staßfurter Kalisalz zugesetzt, Die andere blieb in Dem ursprünglichen ZustanDe. Im October wurDe Der Dünger auf ein FelD gebracht, welches für Kartoffeln bestimmt war. Der Acker befand sich in völlig gleicher Beschaffenheit; Die eine Hälfte Desselben bekam von Dem nicht mit Kalisalz behandelten Miste 10 Fuder, die andere Hälfte aber von dem mit Kalisalz überstreuten Miste nur 6 Fuder. Im Frühjahre 1867 wurde Vas Felv ganz gleichmäßig vorbereitet und am 17. April mit blauen Peruvianerkartoffeln besetzt. Zeigte schon die erste Entwicklung einen merklichen Unterschied, so war derselbe noch auffallender bei Der Erndte. Es übertraf nämlich Der Ertrag des mit Kalisalz behandelten Düngers denjenigen von purem Miste um 32 Procent.
ck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pie
Einfluß des Saatgutes auf den Erndte-Ertrag.
Aus Den „Mittheilungen des Vereins für Land- und Forstwirtschaft im Herzogthume Braunschweig" entnehmen wir hierüber Folgendes: Mit Bezugnahme aus Die in unseren Blättern mitgetheilten, Den günstigen Einfluß veS vollkommenen Saatkorns auf Den Ernvte-Ertrag betreffenden Artikel, geben wir nach- stehenDe Resultate, Die Herr Peter Hahn, Gutsbesitzer zu HatzDors von AnwenDung von fortirtem Saat- weizen nach Nr. 44, 1867 Des „LanDw- Jntcllig-- Bl." gehabt hat:
Im Herbst 1866 bewendete ich zur Besamung eines in völlig gleichen Verhältnissen sich befinDeuDen Landes ein Saatgut, das ich von einem andern Acker geerntet hatte, jedoch in Der Art, Daß er »Order mit Hülfe einer GetreiDesortirmaschine seiner Stärke nach in Drei Sorten getheilt war. Von Der ersten wog Der Scheffel 91, von der zweiten 82 unD von Der Dritten nur 73 Pfd. Auf Dem betref- fenDen Felde, das in 3 gleichen Abteilungen abge- steckt war, kam je 1 Scheffel zur Aussaat und zwar an demselben Tage, 14. October, und unter völlig gleicher Behandlung. Ich habe nun Den betreffenden Weizen Dreschen lassen unv hinsichtlich des Ertrages Resultate gefunden, die mich in hohem Maße überraschten und vie ich der Oeffentlichkeit nicht vorent- haften darf. Der Ertrag von der ersten Qualität Saatweizen übertraf nämlich den Ertrag von der zweiten Qualität um 137 und Den Ertrag von Der Dritten Qualität sogar um 169 Pfv. Da Die Kosten Der Sortirung sehr gering sind, so kann ich meinen Collegen nur auf'« Beste anrathen, als Saatweizen, überhaupt als Saatgut immer nur die beste, auserlesenste Qualität in Anwendung zu bringen.
in Gießen.


