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Beilage zu Ar. 120 des Kiefzener Anzeigers

H. A.

von

seltsam über mich reden.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Haus ohne Wänd', Und ein Schiff ohne Wind, Und ein Weibsregiment Drei Gesellen sind.

Was soll ich dir singen und sagen, Du liebe, liebe Braut?

Ich bleib' ja zu allen Tagen Dir treu und gut und traut!

Und bleibst du zu allen Tagen Mir treu und gut und traut, So sollst du die Schleppe tragen Der lieben, lieben Braut."

So will ich die Schleppe dir tragen, Du Königin, du Braut, Und hinter dir singen und sagen Dein Lob in stillem Laut!

Und wollt'st du die Schleppe mir tragen, Du Jüngling lieb und traut, So will ich den Gang mit dir wagen, So schmück' du und führe die Braut!"

Vieler Worte braucht es nicht, So nach meiner Weise

Drum mein Herz zu deinem sprecht: Recht beglückte Reise!

Was der Pfarrer zu dir spricht, Ist zwar recht verständig, Doch in deinen Eltern steht Es vor dir lebendig.

Hochzeit heißt: 's ist hohe Zeit!" So flüstern neck'sche Knaben.

Halt' du gleich den Spruch bereit:

Gut Ding will Weile haben."

#etW Allein Coraly besaß eine seltene Geisteskraft, sie hat uns bisher schon meh- I rere Proben davon abgelegt. , , I

Ihre ganze Geistesgegenwart aufbietend und mit scheinbar größerer Ruhe I atz je »uvor. nahm sie jetzt wieder das SBort. . I

Herr Hauptmann, sprach sie, wissen Sie wohl, daß mir em toller Ein- I fall durch den Kopf geht? r l m

Reden Sie, mein Fräulein, versetzte Reymond.

Ich habe große Lust, einen Besuch auf dem Schlosse zu machen.

Zu dieser Stunde? rief der Offizier höchst aufgeregt, wie sehr er auch seinen Zustand zu verhehlen suchte. Das wäre sicherlich unpassend.

Und weßhalb, mein Herr, wenn ich fragen darf l Eine Visite um acht Ubr Abends verstößt so viel ich weiß, weder gegen Anstand noch Sitte. ,

Aber, mein Fräulein, Ihr Kostüm ist eine Verkleidung ... und m dem meinigen kann ich mich gar nicht sehen lassen ...

_ Sie tragen die Jacke, den Hut und die Hosen eines Schiffers, eines Fischers: ich stecke in der Tracht eines Muscadins. Wir sind Beide verkleidet. Ein Grund mehr, nicht erkannt und auf den Roman hin, den wir ersinnen muffen, freundlich aufgenommen zu werden! Sie und ich haben Verstand genug, ein glaubwürdiges Abenteuer zu erfinden. Steuern Sie ans Land. Ich will jedenfalls das Schloß de Rencey besuchen.

Seit zehn Minuten hatte der Hauptmann sein Boot mitten auf den Fluß | gelenkt und suchte sogar unmerklich das Weite zu gewinnen, indem er sich dem entgegengesetzten Ufer möglichst näherte. Der Befehl Coraly's schien ihn gar

Reymond kannte den ganzen Ungestüm ihres Charakters und die ganze Energie ihres Willens. Er begriff, daß alle Vernunftgründe seinen Gegner nur reizen würden, und bereitete sich vor auf einen Kampf. Derselbe könn e für die reizende und edelmüthige Coraly gefährlich werden, und dieser Gedanke machte

Mtt'größter"Aufmerksamkeit daher jede Bewegung seiner Gefährtin Über­wachend, redete er dieselbe an: ,, .....

Ich weiß nicht, mein Fräulein, in welcher Absicht Sie mich nothigen wollen, Sie nach Rencey zu führen. Was ich aber weiß, ist Folgendes. Der Eigenthümer dieses Landgutes ist ein bejahrter und an Geisteszerrutterung le - dender Mann: er ist darum aber nicht minder achtungSwerth. Er hat nur eine em««,?, durch Schönheit und Liebenswürdigkeit, wie Sie bemerken, und durch Tugend, wie ich hinzufügen möchte, ausgezeichnete Tochter bei sich. Rencey ist eine trübe, seit Jahren vom Unglück heimgesuchte Wohnstätte ; man beweint dort noch den Tod eines geliebten Sohnes und Bruders. . . ich erkläre Ihnen da- her Fräulein, daß ich Sie nicht begleiten und wohlgemuth tn einer Verkleidung unb unter einem frivolen Vorwande eine Gastlichkeit in Anspruch nehmen kann, welche nur die Befriedigung einer thörichten Neugier von Ihrer S-eite zum Zweckest £auptmantt, geortete Coraly, ich habe die schlechte Gewohnheit, Gehorsam zu verlangen, wenn ich nicht gerade das Unmögliche fordere. Ich bin vor Allem sehr auf meine Launen versessen. Ich habe den Entschluß gefaßt, den Bewohnern des Schlosses de Rencey einen Besuch zu machen, und diesen Besuch werde ich ausführen. Niemand soll das Recht haben , mich einer Un­schicklichkeit zu zeihen. Herr Chateauneuf kennt hinlänglich die Welt, um sich mit Geschick aus einem Abenteuer zu ziehen, für welches er dre Verantwortlich­

keit übernimmt. Nur, mein Herr, werde ich, um Ihnen Kummer ersparen - denn Sie scheinen mir sehr betrübt über meinen Entschluß mich ohne Ihre Gesellschaft behelfen, und werde mich sogar erst morgen bet Hellem Tage nach Rencey verfügen, so daß ich den Ruf des edlen Fräuleins Nicht durch dm leisesten Schatten gefährden kann. Man hatte vielleicht auf dem Land!ein wenig von meiner Visite bei Mondschein gemunkelt . . das hatte eine so strenge Tugend verletzen können . . . Gott bewahre mich, je den jungfräulichen Nirn- bus zu gefährden, welcher das fchöne Gesicht einer Heiligen umfließt.... >

Herr Hauptmann, was wäre das für eiu Verbrechen I -

Diese Ironie war für Reymond entsetzlich. Er bezwang sich, und sagte, indem er Coraly's Hand erfaßte: , .

Sie sind wahrlich eine hinreißende Zauberin! Erlauben Sie mtr, Zynen angesichts der Sterne und des lächelnden Mondscheines die Hand zu küssen, al- ein Mann, der Ihnen zum dritten Male dankbar verpflichtet und für sein gan­zes Leben Ihr Freund ist! , ..

Küssen Sie mir nur immer die Hand, Herr Hauptmann, erwrederte Coraly, deren Zorn den Charakter einer erhabenen Geringschätzung annahm. Es ist eine kleine Freude, die ich niemals sonderlich verstand, aber die trotz allem ihr Angenehmes zu haben scheint. Vielleicht ist es auch ein Mtttn für gewisse Leute, sich ans der Verlegenheit zu ziehen. Kehren Sie jetzt um, ich et- laube es. Francois wird am Landungsplätze der Fähre auf mich warten. Ich wiederhole Ihnen noch, daß ich mich morgen unter dem Namen und in der Kleidung des Herrn Chateauneuf nach dem Schlosse de Rencey begebe.

20.

Eine Vernünftige zwischen zwei Tollen.

Einen Plan fassen und ihn ausführen, war für Herrn Chateauneuf eins I und dasselbe. Bei ihm war der Gedanke das Zeichen zur That, wie der Blitz den unverzüglich nachfolgenden Donnerschlag ankündet.

Wenn Herr Chateauneuf hatte General werden können, hatte er durch die Schnelligkeit seiner Entwürfe und die ungestüme Kraft seiner Manöver zwanzig Schlachten gewonnen. , * , ,L

©egen zwei Uhr am folgenden Nachmittag lenkte ein Retter, von einem Diener gefolgt, fein Pferd langsam durch die zum Schlosse de Rencey führende Allee. Er stieg im Hofe vor der großen Veranda-Treppe ab und händigte mit

I »er ganzen Ungenirtheit eines alten Hausfreundes einem Domestiken seine Karte ein, um ihn zu melden. Aus dieser Karte stand weiter nichts, als der Name

Chateauneuf. ,,,. , _ nr , ,.

. Der Bediente kam in wenigen Augenblicken mit der Antwort zurück.

Der Bürger Rencey und seine Bürgerin Tochter find bet Tische. Mochte der Bürger Chateauneuf so gut fein, sich in den Salon zu verfügen . . .

Gut, versetzte der Cavalier eintretend, ich kann warten.

Herr Chateauneuf nahm auf einem Sessel gegenüber einem alten Bilder- rahmen Platz, dessen ehemaliges Portrait man durch eine Landkarte ersetzt hatte. Eine derartige Vorsicht war zu der Zeit der Freiheit und Gleichheit nichts Un- gewöhnliches. unfer Mtiscadin, man ist in diesem Schlosse wohl auf

der Hut. DerBürger" steht hier in Ehren und dieBürgerin" nicht minder. Die Familienbilder haben sich gar in Flüsse und Berge verwandelt. Sehen wir uns noch weiter um. ,,,

Aber es trat einer der Hausbewohner m's Gemach. Es war der ehrliche Herr Clement, den wir von früher her kennen.

Clement redete den Cavalier mit einer gewissen Vorsicht an, tote Jemand, der ein gefährliches Wasser sondirk, bevor er sich hinein getraut.

__ Wenn der Bürger von weither kommt, so wird es ihm nothtg tyun, sich ein wenig zu erfrischen, sagte der Verwalter. Wir haben, so viel ich mich entsinne, noch nie das Vergnügen gehabt, den Bürger bei uns zu sehen

Ihr seid der Haushofmeister des Guts? fragte barsch Herr Chateuneuf.

__Ich war es, Bürger; gegenwärtig bin ich der Freund und Verwalter des Hauses. .

Ihr nennt Euch Clement, nicht wahr r

Zu dienen, Bürger, versetzte der erschreckte Verwalter. ,

Ich konnte mirls denken. Man hat mir tm Fasanen tn Tours von Euch gesprochen. In Eurem Namen sind Schloß und Besitzung wieder der Nation abgekauft worden, nicht wahr? Aber wo, zum Kukuk, mein bester Cle- ment, habt Ihr so viel Geld gefunden, um dies alles zu bezahlen 4

So lauteten die zerschmetternden Worte des Herrn Chateauneuf.

Herr Clement hörte statt aller Antwort nicht auf, dem Besucher Erfrisch»«, gen jecer Art anzubieten. .

Reden wir offen, sagte plötzlich der Cavalter. Ich höre, Ihr habt, um Rencev zurückzukaufen, die Börse eines Offiziers benutzt. Ihr könnt es nicht leugnen, mein Bester, und dieser Offizier war sicherlich ein wahrer Glücksritter. Ihr habt nur Euren Namen zu der Sache hergegeben, folglich ist er selbst der rechtmäßige Besitzer des Schlosses, und ans Zartgefühl überläßt er bte Benutzung desselben noch ben sicheren Gutsherren, ben armen Rencey's, welche die Revo- lution ihrer Habseligkeiten beraubt hat. Das ist höchst ebel von jenem äDfpjter, mein bester Clement! Man könnte jetzt nur noch fragen, wo er selbst das Gelb hergenommen, gefunben oder gewonnen hat. Denn er gilt tn Parts für einen Millionär. O, man spricht von nichts Anderem ...

Herr Clement, der vor Angst an allen Gliedern zitterte, wußte sich nicht mehr zu rathen und zu helfen. Er machte eine Verbeugung vor Herrn Chateau­neuf und entfernte sich aus dem Zimmer, wie e,n Haase aus dem Walde Retß- aus nimmt, um sich auf offenem Felde vor den Hunden zu retten, welche ihn aufgestobert^haben^ ^rr Chateauneuf, wird zu den Herren des Hauses

Die Verschwörer von 1799.

Roman von be Saint-Felix.

(Fortsetzung.)

Das arme Kind war demnach sehr zu beklagen, und die entsetzliche Wahr­heit, welche ihr beim Mondlicht im Nachen Rcymonds aufging, mußte sie bitter

Chor der Jungfrauen : Traurig sehen wir dich geh'n, Ach, von uns'rer Seite, Mädchen sein ist gar so schön! Du warst unsre Freude!

Du warst unsere schönste Zier, Und du willst uns meiden? Run, das Beste ist, daß wir Folgen dir bei Zeiten!

Chor der Eheweiber: Von der Zehe bis zum Haupt Laßt sie uns besehen, Ob es ihr auch fei erlaubt, Bei uns einzugehen?

Wie es mit dem Zünglein steht, Sonst mit allen Sinnen, Ob das Näschen hoch sie trägt, Sagt, Gevatterinnen?

Die Braut:

Lächeln dort, und Spötteln hier, Daß sich Gott erbarme!

Keine Rettung bleibet mtr, Als des Liebsten Arme.