Ausgabe 
27.12.1867
 
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Mitglieder zählen darf. Auch daß im fünften Bureau Berryer in den Straßen versammelt.

Nach Abhaltung eines solennen Gottesdienstes wurden den bis- her gefesselten Sträflingen die Eisen abgenomme».

Die wiener Adresse gegen das Conkotdat zählt be­reits 30,000 Unterschriften.

--Der Landtag von Kroatien soll im Januar eröff­net werden, die Landtagswahlen sind in Folge umfaßender Ein­wirkung zwar etwas günstiger für den Ausgleich mit Ungarn ausgefallen; die Bevölkerung ist namentlich auf fctm Lande je- dvch entschiedener dagegen als jemals.

_ Bern, 22. Nov. Ter große Nach hat nach zweitägiger Discussion über Ertheilnng des Privatunterrichts an öffentlichen Schulen durch Angehörige religiöser Orden bei Namensaufruf mit 12« gegen 75 Stimmen den Commissions-Mchrhcitsantrag angenommen, lautend: Ter große Rath des Cantons Bern, in Betracht, daß die Beobachtung der Gesetze und Vorschriften dcS öffentlichen Schulwesens, welche der Staat aufzustcllen berechtigt imb verpflichtet ist (Art. 21 der Verfassung), mit dem unbedingten Gehorsam, welchen die Mitglieder religiöser Crbcii ihren daherigen Obern schuldig sind, sich unvereinbar erwiesen hat, beschließt: Als Privatlchrer oder Lehrerinnen dürfen von nun an nicht patentirt oder angcstellt werden, Personen, welche religiösen Orden angehörcn; ebenso sind in Zukunft bereits pateiitirte oder an öffentlichen Privatschulen angestcllte Lehrer und Lehrerinnen, welche religiösen Orden Beitreten, als auf Pa­tent und Anstellung verzichtend anzuschen. Die gegenwärtig in Kraft bestehenden definitiven Wahlen werden durch diese» Be­schluß uicht aufgehoben.

Florenz. DieItalic" glaubt, Frankreich habe nur deßhalb eine Eonfer en z iu Vorschlag gebracht, um sich seiner Verantwortlichkeit zn entladen und seine ganze Actionsfreiheit wieder zu nehmen. Denn wenn Europa sich weigere, sich mit der römischen Frage zn beschäftigen, so stehe es Frankreich frei, zu handeln, wie es für gut finde. Ucbrigens braucht Italien hierüber nicht weiter besorgt zu sein, denn in der Thal bleibe Frankreich nur die Alternative, entweder beständig und auf seine eigene Gefahr hin die weltliche Macht des Papstes zu schützen oder auch die von General Menabrca formulirte Lösiiug anzu- nehmen. Briefe aus Florenz sprechen davon, daß die Op­position gegen das neue Ministerium im Abnehmcn begriffen ist. Die diplomatischen Handlungen des Generals Menabrea haben das seltene Glück, fast Jedermann zu gefallen. Man hat gefunden, daß in Betracht der mißlichen Lage, in welcher sich augenblicklich das Land befindet, die Sprache des Minister­präsidenten die Ehre des Landes hinlänglich schütze und daß sie wenigstens klar seine Rechte und Ansprüche bezüglich der römischen Frage darlcge. Alles scheint indeß darauf hinzudeu­ten, daß Hr. Rattazzi zum Präsidenten der Deputirteukammer für die bevorstehende Session gewählt werden wird. Tas ist eine ernstlich? Drohung für das jetzige Ministerium. Das Ministerium verschiebt so lauge, als es kann, die Einberufung der Kammer, zum Theil um den voraussichtlichen Kampf zu verzögern, zum Theil aber auch wohl, um Zeit zu haben, in der römischen Frage etwas zu beschließen. Denn was soll man den König in seiner nächsten Thronrede sagen lassen, wenn Italien durchaus keine günstige Zusicherung erhalten hat, wenn die französische Occupation fortdauert? Nach Berichten aus Neapel werden dort Unruhen befürchtet. Die bourbonische Partei ist sehr thätig. Das Militär beobachtet die größte Wachsamkeit und ist in den Straßen und auf den Plätzen mit dem Aussuchen der festen Punkte beschäftigt. Man befestigt Cagua und Gaeta. Der Vesnv ist tu voller Eruption.

Es heißt, Garibaldi fei schwer erkrankt. Seine i Söhne mit 3 berühmten Aerztcn sind unterwegs nach Varignano.

Paris, 20. Nov. Die Regierung scheint sich in die Un­vermeidlichkeit gewisser Debatten fügen zu wollen, und die von Jules Favre gestellten Interpellations-Gesuche werden von ihrer Seite und somit auch von Seiten der Majorität des gesetzge- ! beuten Körpers keine Schwierigkeiten erfahren. Man zählt, was die Vertheidigung der inneren Zustände betrifft, auf die energische Beredsamkeit des Herrn Pinard! Auch Rouhcr, so erwartet man, werde nach wie vor das Wunder bewirken, mit Gründen, die Niemanden überzeugen, mit Angaben, an die Niemand glaubt, mit Versicherungen, denen Niemand Vertrauen schenkt, parlamentarische Schlachten zu gewinnen. Als ein be- achtenswerthcs Anzeichen sei erwähnt, daß ein linkes Centrum in der Kammer in der Bildung begriffen ist, welches auf 82

tung. Pinard hat dem Staatsminister erklärt,er wolle Herr in seinem Ministerium sein und werde von Niemanden Rath- schläge oder Weisungen annehmen." Heute fanden in Paris w'eder neue Verhaftungen und Hausuntcrsuchungen statt. Auch wurden besonders mehrere Italiener cingezogcn. Zugleich wur­den auf der Post zahlreiche Abdrücke von Proclamationen mit Beschlag belegt, welche Mazziiii an eine große Anzahl von Personen in Paris gesandt. Was die Aufregung in Paris anbclangt, so ist dieselbe nach wie vor sehr groß; in den offi- ciellen Kreisen selbst herrscht ein sehr eigener Geist: es geben sich dort gcwisic Befürchtungen kund, und die hohen Pvlizci- bearnteu* halten sich plötzlich a» den Wortlaut des Gesetzes und trete» nicht mehr so willkührlich auf, wie früher, wo Alles in tiefster Ruhe lag. DerTemps" hat wohl ganz Recht, wenn er beute sagt:Es ist, als ständen wir am Vorabende von 1789, wo Siös ansrief:Was ist die Nation? Nichts! Was soll sie fei» ? Alles!" Mit Rom, das im Augenblicke der einzige Verbündete Frankreichs ist, steht man auch nicht mehr gut. Man hat die Absicht, den Erzbischof von Paris »ach Rom z» sende», um dem römischen Hofe einige Concessionen herans- zupressen und so Italien ein neues Abkommen bieten zu können.

21. Nov. Dem gesetzgebenden Körper ist gestern der neue Armeegesetzentwurf nütgctheilt worden. Tie Taner des Dienstes für die jungen einberufenen Leute beträgt 9 Jahre. In Friedenszeiten werden die Soldaten nicht länger als 5 Jahre unter den Fahnen bleiben. Die entlassenen oder verab­schiedeten Leute werden sich während der zwei letzten Jahre der Dienstzeit verheirathen können. Der Loskauf und die'Stellung von Ersatzmännern auf der Kantonalliste sind nach den Be­stimmungen des Gesetzes von 1832 erlaubt. Die Dienstzeit der mobilen Nationalgarde beträgt fünf Jahre. Tie meiste» übrige» Verfügungc» si»d dem Entwurf der Commission gemäß.

--21. Nov. Ter in jüngster Zeit viel genannte Chef der persönliche» Sicherheitspolizei des Kaisers,' Hicroy, ist urplötzlich i» Ungnade gefallen. Er hatte auf Grund der Mittheilung untergeordneter Agenten einen Bericht über die Vorfälle auf dem Montmartre und vor dem Stadthaufe abge­faßt, in welchem gesagt war, daß die Menge auch u. A.:a bas ldtrangcre! ans die Kaiserin bezüglich, gerufen habe. Die Kaiserin, welche Marie Antoinette zwar verehrt, aber nicht in gleicher Weise wie jene behandelt werden möchte, erhielt Kenut- niß von diesem Rapport und fühlte sich darüber so unglücklich, daß sie Hicroy nicht mehr in den Tuilericn scheu wollte, um so mehr, da in de» Berichten der Polizeipräfecitir von solchem Rufe keine Notiz zu finden war. Napoleon 111. trennte sich nur schwer von einem treuen Anhänger, der schon zur Zeit, da er noch im Hotel Vendame und im Elisäe wohnte, ihm sehr ergeben war und später das ultrabonapartistischc BattLe 10 Decembre" redigirt hatte. Er willigte schweren Herzens darein, diesen Mann von sich zu lassen, und suchte ihn dadurch zu trösten, daß er ihn zum Generaleinuehmer in St. Brieuc er­nannte. Der Kaiser ist übrigens sehr düster und arbeitet fast den ganzen Tag. Die schlechte Aufnahme, die sein Con- ferenzproject bei den verschiedenen Mächten fand, soll ihn be­sonders mißstinimt haben, und es wäre nicht unmöglich, daß schon dieser Tage ein Cirenlär des Herrn Mousticr abgehcn dürste, worin die französische Regierung ihre Beschlüsse bekannt macht, für den Fall, daß die Confercnz nicht zu Staude kommt. Die Fortdauer der Besetzung Roms dürfte darin angekündigt werden. Ucbrigens hat dieselbe gänzlich ihren provisorischen Charakter verloren, denn die hohen französischen Offiziere lassen bereits ihre Familien und Mobiliar nach Rom kommen.

London, 22. Nov. Ein Moustrcmeeting, dem 20,000 Personen beiwohnten, hatte gestern Abend bei Fackel­schein zu Clerkeuwall Green statt und genehmigte eine Petition an die Königin für Begnadigung der in Manchester vernrtheil- ten Fenier. Wenn die Hinrichtung dennoch erfolgt, wird am Sonntag in London eine Trauerprocession abgehalten werde». Eine vo» dem Meeting ernannte Deputation, bestehend aus den Herren Clcgg, Coffey und Graham, begab sich heute Vormittag nach Windsor, um der Königin die Petition zu überbringen. Ter Ceremonienmeister erklärte der Deputation, die Königin könne Petitionen nur durch Vermittlung der ver­antwortlichen Minister empfangen. General Grey, Privatfecretär der Königin, nahm die Petition an, die er dem Minister über- schicke» zu wolle» versicherte. Eine ungeheuere Volksmenge war Die Deputation fand eine schlechte beinahe zum Vorsitzende» gewählt worden ist, verdient Beach- i Aufnahme Seitens der Bevölkerung. Der Mayor der Stadt