Ausgabe 
27.11.1867
 
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der auch für andere Städte bcherzigenswerthe Punkte enthält:In Nr. 312 ertönt eine Klage über das Aufhören der Militärwachen an den Thoren und die Zunahme der Bettler, die man nicht ohne Widerspruch lassen kann. Es ist traurig, dieses beständige Anrufen der Polizei zu hören, als wenn diese allmächtig wäre und nicht ebensowohl der Unterstützung der Bürger brauchte, wenn sie mit Erfolg wirken soll. Es scheint, dag Börne s Vorwurf noch immer begründet ist. Was sollen denn die Militärwachen, die wir nach vieler Mühe endlich losgeworden sind, helfen? Bettler Anfängen? Da käme man dem militärischen Ehrgefühle schön an! Verbrecher festnehmen? Die pflegen bekanntlich nicht aus das Erscheinen der Wache zu warten. Gerade bei Anfällen, wie sie in jüngster Zeit vorkamcn, ist cs nöthig, daß sich die Bürger selbst Helsen und auf jeden Nothruf gleich zu Hülfe eilen. Die Polizei kann nicht überall zugleich sein und ist auch nicht allmächtig. Raubanfällc, Diebstahl und Bettel kommen trotz Polizei und strenger Gesetze vor; ja sic waren oft da am häusigsten, wo die Gesetze am strengsten gehandhabt wurden. Es zeigt dieo, baß ihr Grund wo anders, in der inanzclhaften Erziehung, in schlechten politischen Einrichtungen und in materieller Noth zu juchen ist. Die jetzige Zeit des Mangels, die Vcrdicnstlosigkcit der unteren Volksklassen ist die Ursache des zunehmenden Bettels. Wir haben vor dem Jahre 1848 "dch wett mehr Bettler gehabt; vor fünf Jahren waren sie fast ganz ver­schwunden. Gegen Gewohnheitsbetllcr aber schützt sich das Publikum am besten selbst. Man gründe hier einen Armcnvcrein, wie er in benachbarten Städten besteht, und der Bettel hört auf. Wenn kein Bettler mehr in den Häusern etwas erhält, dann werden sie sehr rasch verschwunden sein. Selbst- Hülse,^das ist die beste Polizei!"

Heivelberg, 18. Nov. Es befindet sich gegenwärtig ein Beauftragter des französischen Unterrichtsministcrs Duruv hier, der die badischen Volks­schulen kennen lernen und darüber Bericht erstatten soll, Director und Schulinspector Joos aus Wcißenburg im Departement Niederrhein. In Be­gleitung eines badischen Oberschulraths hält derselbe unangemeldet Schul­prüfungen in hiesiger Stadt und in der Umgegend, deren Ergebnisse seine Erwartungen in der Ncgel weit übertreffen. Als die Schulknaben in der kleinen Reichsstadt Neckargemünd dem französischen Schulinspector aus freiet $ant die Karte von Frankreich in richtigen Umrissen und mit den Haupt- büsscn und Städten aus die Wandtafel zeichneten, vergaß er in der That baä altenil admirari. Da er durch Fragen selbstthätig in die Prüfung cingreist, um sich vollständig zu überzeugen, daß es sich hier nicht etwa um ein Blendwerk durch Präsentation einzelner begabter Schüler handelt, so wird er t>em französischen Untcrrichtsminister um so zuverlässiger berichten können, wie weit die Nation, welche bisheran der Spitze des Fortschritts zu marschircn" sich rühmte, in der Volksbildung und allgemeiner Intelligenz hinter der deut­schen zurück ist.

Mannheim, 20. Nov. Ohngeachtct seither bic österreichischen Vcr- kehrsanstaltcn das Möglichste aufbotcn, mit den eoursplanmäßigen Zügen die massenhaft in Wien sich eonecntrirenden Getrcibesendungen abzuführen, erwies sich der Versandt < selbst auf Umwegen, wie Bodenbach i gleichwohl als unzu­reichend. Zur gründlichen Beseitigung des Uebelstandes wurde nun von maßgebender Stelle ermöglicht, daß von Montag kommender Woche an regel­mäßig täglich ein Scparat-Getrcidezug von Wien hierher abgefertigt wird, bem sich, soweit nöthig, ein zweiter zur Verbringung nach Romanshorn anschlicßcn wird. Wir dürfen unter bewußten Umständen wohl hoffen, daß sich hieraus günstiger Einfluß für das eonsumircnde Publikum baldigst fühlbar machen wird.

Villingen, 12. Nov. Gestern Nachmittag flog ein Theil der Pulver- fabrif in Nievcrschach in bic Suft. Gin donnerähnlich e8 Getöse, stundenweit hörbar, bezeichnete die Catastrophc. Zwei Gebäude, die Pulvermühle, in welcher die Explosion entstand, und das Trockenhaus, sind gänzlich zerstört; in einem j etwas entfernter stehenden Haus. dessen Dach zertrümmert wurde, waren ! etwa 100 Gentner Pulver aufbewahrt, welche glücklicher Weise unversehrt geblieben. Dagegen haben 50 60 Ctp. in den beiden anderen Räumen eine unsägliche Verwüstung angcrichtet, und was das Beklagcnswcrthestc ist, ;

Menschenleben sind zu in Opfer gefallen; ein beurlaubter Soldat und j ein Vatcr von zwei Kindern ieei.cn in dem verhängnißvollcn Augenblick in der Mühle beschäftigt, ihre Glieder konnten, nur mit Mühe zusammengclesen werden. lOberh. Kur.)

» 3 Holionzollct ii, 13. Nov. Gestern fand auf der Burg Hohenzollcrn die Vermählungs-Feier des Generals Steinmetz mit der 17jährigen Tochter des Brigade Generals v. Croßig ans Pofen statt. Der General zäblt 71 Jahre.

Köln, 9. Nov. Die vielbesprochene Criminal-Procedur gegen den wegen einer Reihe von Fälschungen angeklagten ehemaligen Sekretär der j Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, Philipp Henrich von hier, der bekanntlich | zu Ende vorig«! Jahres flüchtig wurde, nach Nordamerika ging und dort auf Betreiben der Direetion der genannten Gesellschaft verhaftet und hierher ausgeliefert wurde, hat in diesen Tagen vor dein hiesigen Schwurgerichte stattgcfuiidcn und mit einer Schuldigcrklärung des Angeklagten und mit Werurtheilung desselben zu I Jahren Zuchthaus, sowie 750 Thlr. Geldbuße geendet. Da, wie bei den Verhandlungen erwähnt wurde, die Kosten der Verhaftung in Amerika, des Ausliefcrungsverfahrcns und des Transports nach Köln sich auf ca. 6000 Thlr belaufen, so beträgt der Gcsammtverlust, welchen die Rheinische Eisenbahngesellschaft durch den Angeklagten erlitten, ungefähr 14,000 Thlr.

Hulberstudt. Der Fleischer Pickert dahier, deffen Sorglosigkeit das größte Unglück der Trichinen Krankheit über die Stadt gebracht hat, ist zu 5 Jahren Gefängnis und 50 Thlr. Geldstrafe verurtheilt.

W* Berlin, 8. Rov. Jin hiesigen Frcmdenblattc liest man:Eine gewiß ) feltenc Geistesgegenwart bewies ein junges Mädchen vor einigen Tagen. Als dasselbe auf seine Schlafstube kam und im Begriffe, sich ausznklciden, vor den Spiegel trat, bemerkte sie durch denselben unter ihrem vis-a-vis dem Spiegel stehenden Bette einen Fuß hervortreten. Schnell gefaßt, machte sie in gleichgültigem Tone eine Aeußerung, nach der sic etwas vcrgeffcn hatte und entfernte sich ans dem Zimmer, dasselbe hinter sich verschließend. Bald darauf wurde die Thür geöffnet und es erschien ein Polizeibeamtcr mit rnehreren Hausbewohnern, die den ungebetenen Gast, einen gefährlichen Ein­brecher, aus seinem Verstecke hervorholten. Beim Verlassen der Wohnung an der Seite des Polizcibeamken machte der Strolch seinen Gefühlen noch durch eine gegen die Dame ausgesprochene Drohung Luft."

Brrlin. Kurz vor Eröffnung des Landtages fand eine eigen thumliwe Probiiung des von. der Fabrik Stampf und Elsner auf- | gestellten neuen Ventilations - Apparates in dem Abgcordnctenhausc statt- i «ammtliche beim Bau beschäftigte Arbeiter, etwa 300 Personen, erbiclten. Eigarren und nahmen im Saale Platz. Dao Tbcrmometer war nach drei . Stunden nicht mehr als um einen Grab gestiegen und die Lust ,,n Hause war >chie durchaus reine. Der Apparat scheint sich somit gut zu bewähren.

Berlin. Oie bisher im Gebrauch befindlichen Freimarken und Franko Eouvcrts werben berVoss. Ztg.- zufolge zum 1 Januar k. I. im ganzen (Sebicte des norddeurjchcn Postverbandcs außer Gebrauch gesetzt. Dagegen werden für alle Länder des oben bezeichneten PostgedieteS Freimarken in den Werthbetragen von ' 4, >,3, >,,1,2 und 5 Sgr. emgeführt. Die Herstel- ; lung und her Vertrieb von Franco-Couverts gehen vom l. Januar k. I ab ans die Privat Industrie über. Bis zu dein Zeitpunkte, wo die Pnvat-Jn- : dustrie sich dieses Geschäftszweiges vollkommen bemächtigt Haben wird, wer­den noch Franco-Eouverts zu dem WcrtHbetrage von 1 Sgr. durch die Post- anstalten in beschränktem Umfange verkauft werden.

--Die peruanische Regierung macht zur Zeit auch wiederum Per suche, auswanocrungsliistige Deutsche an sich zu locken um dort eine deutsche Colonic zu bilden. Sic bedient sich dazu besonderer Agcntcn, welche sich pro Kopf eine Provision zahlen lassen, um ihre Opfer dann später in das nackte Elend hinein zu führen. Es möge daher wiederholt gewarnt sein vor einer Auswanderung nach Peru und sind auch die Regierungen hebern Orts ver- anlaßt worden, aus solche Agenten zu vigiliren und event. das Strafverfahren . gegen sie einjuleiten.

Kyritz, 12. Nov. Gestern Nachmittag hat sich hier ein Todtscklag ereignet. Der Quarticrmcister der 4 Schwadron des UlancnregimcntS Nr. 15, Unteroffizier Both, hat sich bei einer Kammer - Eontrolc seines Escabronchcfs nach heftigem Wortwechsel hinreißcn lassen, einen Pistolcnichuß I auf diesen abzufeucrn. Die Kugel durchdrang den Kopf; Rittmeister v. Woedlke verschieb noch an demselben Abend. Der Unteroffizier Hai seine That selbst j gemeldet, aber angemclüct, zur Nothwchr gezwungen gewesen zu fein. (9?. Pr. Z.)

Vtinnover. Dr. jur. Böck m a n n aus Darmstadt ein noch junger I Mann ohne jegliche Epiftcnzmittcl, traf am 4. Oetober hier ein und nahm in Harlmann's Hotel Logis, sich den Charakter eines Staatsanwalts aus i Lübeck beilegend. Als seine Rechnung 79 Thlr. belief, und er noch immer keine Miene machte, Zahlung zu leisten, schien es dem Hotelbesitzer mit dem j Staatsanwalt doch nicht recht geheuer. Er machte Anzeige bei der Polizei i und veranlaßte seine Verhaftung, da sich inzwischen hcrauSgestcllt, daß man es mit einem Manne zu thun hatte, der schon in Bremen 70 Thlr. Schul- I den in einem Gasthofe contrahirte. Die Strafkammer hatte über diesen Fall zu verhandeln. Der Gerichtshof nahm den Betrug nid;t als erwiesen an, vcrurtheilte den Angeklagten dagegen wegen unberechtigter Beilegung eines Titels zu 4 Wochen Gefängniß.

Kassel DerAugsb. Allg. Ztg." schreibt manAus Kurhessen," 27. Ott.: Die Eröffnung der Hanau Bcbracr Eisenbahn, die den Ansichten der Regierung zufolge schon im kommenden Mai erfolgen sollte, ist durch einen Unfall am Distelrascn wieder in weite Ferne gerückt. Der Diftelrasen, die Wasfcrscheibe zwischen der Weser und dem Rhein, sollte nicht mit einem Tunnel versehen, jonDern durch einen kolossalen Einschnitt von oben für die Bahnzwcckc tauglich gemacht werden. Dieser Einschnitt war schon ziemlich weit vorgerückt, als er neulich durch einen Erdrutsch völlig unbrauchbar gemacht worden sein soll. Man will nun den alten Plan ganz aufgeben und an einer tauglicheren Stelle den Ucbergang suchen. Die Schuld ffoll einen aus Preußen berufenen Oberingenieur treffen, der den Durc, schnitt etwas zu niedrig in das Ouellengcbiet des Bergrückens gelegt und so selbst die Erdrutschungen verschuldet hat.

Aus Ostpreußen. Die diesjährige Mißernte wird von manchen Leuten auf eine Ursache zurückgeführt, die man als Grund für die Per schlechtcrung des Klimas überhaupt betrachtet, nämlick) das gänzliche Ansroden der Wälder. Die Wälder regeln die Niederschläge; wo sic fehlen, wechseln, äußere Dürre mit Ucberfütte von Regen, und zwar jahrgangsweise. Eines so feuchten Jahres, wie dieses, weiß man sich kaum zu entsinnen. Der Boden ist so durchweicht, daß auch die nächstjährige Ernte bereits jetzt fast verloren zu geben ist. Das Pregelthal, von der Mündung bis zu den Quellen hinauf, steht, so weit man sehen kann, unter Wasser. In der Hundtau (der Haffniederung bei Brandenburg), wd das beste Mastvieh unserer Gegend herkommt, fährt man auf Kähnen von Ort zu Ort. Das Heu ist zwar auf den Anhöhen geborgen, aber total naß, und auf vielen Gütern schon muß das vom nassen Futter kranke Vieh schleunigst geschlachtet werden, ehe es fällt. In Fuchshöfen ist der letzte Weizen am 21. Oktober Angebracht. Gerste und Hafer liegen noch draußen unv werden möglicher Weise nicht mehr eingeholt werden können. Erbsen sind in diesem Jahre nicht reif geworden. Spalwrsrüchtc, als Wein, Pfirsiche und Aprikosen, sind grün geblieben. Feine Steinobstsortcn, welche sonst im August reif vom Baume fallen, stnd erst pflück- und eßbar, aber nicht vollkommen reif.

(kuglauv. Im Kohlenbergwerk Fcrndale in Südwales ist am 8. Nov. durch schlagende Wetter wieder ein großes Unglück entstanden, wobei eine große Anzahl Bergleute um'S Leben kamen. Nach neueren Nachrichten sind eine Anzahl Bergleute gerettet; dagegen wird noch außer 53 als Leichen ans Tageslicht gebrachten, eine große Zahl Bergleute vermißt. Im ganzen sollen 170 Menschen umb geben gekommen fein.__________________________________

Zur ^fadbriebt und Warnung.

So sehr die Concurrenz im Sinne des Wortes dem Consumenten zu Gute kommt, ebenso verabscheucnswerth ist dieselbe, wenn sic» durch Nachahmung den Käufer zu täuschen sucht. Ungeachtet allen gesetzlichen Schutzes werden die Ttollwerck'schen Brust-Boybons in ihrer äußern Verpackung vielseitig auf das täuschendste nachgeahmt, ja sogar die Firma des Fabrikanten hierzu mißbraucht! Bei dem industriellen Wettkampfe aller Länder in Paris, wo alle nur denkbaren Hausmittel als: Brustsyrups, Pastillen, Pectorinen, Pasten, Elirire, Ertracte ic. ic. vertreten waren. wurde seitens der internationalen Jury nur den Ltollwerck'ichen Brust-Bonbons die Preis-Medaille ;u- erfannt, ein Beweis, daß die Composition des Konigl. Geh. HofrathS und Universitäts-Professors Dr. Harlcß noch von keiner Seite erreicht ist!

Möge daher der Leidende sich beim Kaufe von der Richtigkeit der Packung, der vollständigen Firma und dem Vorhandensein des Hof-Lieferanten-Siegels des Fabrikanten überzeugen. (4319)