schließungen in Betreff der Berathungen und Beschlüsse des Congreffes Vorbehalte.
London, 18. Nov. Heftiger Sturm wüthet auf dem Kanal und in der Nordsee; das Wetter ist frostig. Sämmt- liche Posten fehlen. Eine transatlantische Depesche meldet von einem heftigen Organe ans Portorico, der schwere Verluste verursachte.
— — Die wachsende Unsicherheit in der britischen Hauptstadt, welche sich in häufig gewordenen nächtlichen Angriffen auf einsame Polizisten hauptiächlich zeigt, har die nur mit einem blci- beschwerten Stab bewaffneten Polizeileute, welche meistens Familienväter sind, um ihr Leben besorgt gemacht und eine Eingabe derselben veranlaßt, in der sie erklären, daß sie den nächtlichen Dienst ohne Feuerwaffe nicht mehr versehen könnten. Die Gewährung dieses Gesuches wird von Seiten der englischen Behörde nut mit Widerstreben geschehen und diese Neuerung von dem Volke nur ungern gesehen werden.
— — Die Regierung wird schon in der kommenden Session dem Parlamente die auf die Verschmelzung des Telegraphcn- wesens mit dem Postwesen bezügliche Vorlage machen.
--19. Nov. Im Parlamente erklärte Lord Stanley im Namen des Ministeriums gelegentlich der Adreßdebatte, daß die Regierung nur endlose Schwierigkeiten von einer Con- fcrenz fürchte und keinen practischen Erfolg erwarte, wenn nicht ein bestimmter Plan vorliege, welcher Aussicht habe, von den Hauptbctheiligtcn angenommen zu werden. Die Mehrzahl der Redner billigt die Anschauung der Regierung und tadelt die Politik Rapoleon's. Beide Häuser nahmen die Adresie an.
(Fr- I.)
— — Einen Tag nach der Eröffnung der Session der französischen Kammern fand die des englischen Parlaments statt. Die Thronrede der Königin betont besonders die baldige Zurückziehung der französischen Truppen aus Italien, da mit der Niederlage und Versprengung der Freischaarcn der Kirchenstaat von den Gefahren einer von außen kommenden Invasion erlöst worden ist, sie hegt ferner die Zuversicht, daß Sc. Kaiserliche Majestät sich im Stande sehen wird, durch eine baldige Zurückziehung seiner Truppen jeden möglichen Grund zu Mißhelligkeitcn zwischen der Regierung Sr. Majestät und derjenigen des Königs von Italien zu beseitigen." Weiter erklärt sie die abyssiuische Expedition als eine Notwendigkeit und erwähnt die Fenierumtriebe. Unter den angekündigten Gesetzentwürfen wird eine Reformbill für Schottland und Irland genannt.
Petersburg, im November. Durch Kaiserlichen Ukas ist die Erblichkert des geistlichen Amts in der Griechisch-Russischen Kirche ab geschafft worden. Bisher mußte der Sohn eines Geistlichen wieder Geistlicher werden, und waren keine Söhne da, so mußte der Schwiegersohn in das geistliche Amt deü Schwiegervaters eintreten.
— — In Petersburg wird für die Zwecke der plansla- wistischen Propaganda eine Reihe slawischer Geschichtswerke vorbereitet, um das russische Publikum mit den einzelnen slawischen Stämmen näher bekannt zu machen. Die Geschichte des Königreichs Böhmen befindet sich bereits unter der Presse und cs sollen sich derselben weitere Geschichtswerke über die Montenegriner, Bulgaren, Serbien, Galizien k-, sowie eine Chrestomathie der slawischen Sprachidiome nebst Wörterbuch anreihen.
— — Nach amtlicher Mittheilung sind während deü vorigen Jahres in Litthauen 25,470 römische Katholiken, 36 Juden, 9 Lutheraner und 2 Mohamedaner zur griechischen Kirche über- getrete». Die Meisten gehörten dem Bauernstände an, doch sind auch Edcllcute, Grafen und Fürsten darunter, wie ebenfalls amtlich betont wird.
Warschau, 31. Oct. Es kommen von Zeit zu Zeit Transporte lithauischer Verbannter aus Sibirien hier an, denen es gestattet ist, nicht nur nach ihrer frühem Hcimath zurückzukehren, sondern auch hierher zu übersiedeln. Es sind arme, in elende Lumpen gehüllte Leute, bei denen man oft den einstigen Wohlstand deutlich erkennt. Manche frühere reiche Gutsbesitzer sind darunter, die jetzt mit Holzsuchen ihren Unterhalt erwerben. Auch Frauen und Kinder sind nicht wenige j dabei. Solche Züge sind von Kosaken cscortirt. Frauen und . Kinder bekommen Wagen. (Drcüd. I.)
Ncw-Bvrk. General Grant wird nach dem Befehle des Präsidenten demnächst die Militärverwaltungen in sämmt- lichcn Südstaaten anfiösrn.
New-Bork. Tie Majorität des Richterausschuffes en schied angeblich gegen die Versetzung des Präsidenten in An. klagezustand.
— — General Sherman hat den Friedensvertrag mit den Indianern zu Stande gebracht und die Einstellung der Feindseligkeiten befohlen.
--19. Nov. Ter Admiral Tegetthof Hal die Leiche Maximilian's erhalten.— Ein starker Orkan hat auf der Insel Domingo schwere Verluste angerichtet.
Vermischte Nachrichten.
ffiicpen. Was die deutschen RcttungSstatienen zu leisten vermögen, schreibt das „Bremer Handelsblatt," wenn sie erst in genügender Zahl und in praktischer Ausrüstung vorhanden sind, erhellt bereits aus einem Rückblick auf die Leistungen derjenigen, die bis jetzt eristiren, wenn auch die junge Gesell chast selber erst wenig zu vollbringen vermochte. Sehen wir zurück auf die Jahre seit der Gründung der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, jo sind in diesem Zeitraum durch Stationen gerettet worden: 1865 (Juni dis Dezember) 6 Personen, davon 4 an den Küsten der Nordsee, 2 an denen der Ostsee, 1866 (Januar dis Dezemder- 141 Personen, davon 60 an den Küsten der Nordsee, 81 an denen der Ostsee, 1867 (Ja- nuar dis November) 41 Personen, davon 13 an den Küsten der Nordsee, 28 an denen der Ostsee, zusammen 188 Personen.
Aus Ebcrhcsscit, im Nov. iiinen immer größeren Aufschwung nimmt der an jedem Samstag abgebalten werdende Fruchtmarkt zu Grün berg, gegenwärtig der bedeutendste im ganzen Lande. Im Durchschnitt werden auf jedem Markte über 1000 Malter der verschiedensten Fruchtgattungen aufgesahrcn und verkauft, welche bei den jetzigen Preisen einen Werth von mindestens 10,000 st. repräsentircn. Interessant ist eine Vergleichung mit den Übrigen Fruchtmärktcn in Mainz, Worms, Bingen, Gießen, Alsfeld und Lauterbach. In der vorletzten Woche waren auf allen zusammen 2250 Malter Früchte verkauft worden; davon über 1000 Malter allein in Grünbcrg. In der letzten Woche wurden auf den sieben genannten Märkten 1937 Malier verkauft, davon 1069'/8 auf dem zu Grünberg, also mehr als die Hälfte. Es scheint demnach, als ob die Stadt durch ibre Lage vor Allem bestimmt sei, den Verkehr eines nicht unbedeutenden Thciles der Provinz Oberhesscn zu vermitteln, und sieht man deßwcgen um so zuversichtlicher der Zeit entgegen, wo dieser Verkehr noch mehr gehoben werden dürfte durch die Erbauung der von Regierung imb Ständen in Aussicht genommenen Etien- bahn von Gießen über Grünberg und nach Fulda, welche Linie gegenwärtig abgesteckt und vermessen wird.
Büdingen, 9. Nov. In vorigem Jahr wandte sich eine Anzabl hielt ger Bürger an die Ständckammcr mit einer Beschwerde, weil der Gcmeinde- rath nicht auf ihren Wunsch eingehc, ein vorhandenes Aktiv Kapital und das
I aus dem Stadtwald gewonnene Holz zu vertheilen. Die Kammer aber ging
I ebenfalls nicht auf ras Gesuch ein. Sie dachte, wie der Gcmeinderatb, daß
es für eine Gemeinde, die Schulden und große Bedürfnisse für Arme hat,
die noch viele Vieinalwege bauen, eine neue Wasserleitung maeden muß, die noch nicht einmal eine einfache Straßenbeleuchtung hat, nicht gut sei, wenn ihre Einkünfte vertheilt und den einzelnen Bürgern ausgehändigk würden. Diese Entscheidung nun hat viele kiesige Einwohner bewogen, bei der gestern und heute stattqehabten Gemeinderathswahl nickt zu wählen. Sie meinten, es gehe ja doch nicht ihrem Kopse nach, und sie wollten daher Alles gehen lassen, wie cs wolle. Aus dieser Veranlaffung war denn auch die Betheiligung schwächer wie je zuvor. iW- B.)
literarisches.
Die Jllustrirte populäre Zeitschrift „Zu Hause, Geschickten und Bilder zur Unterhaltung und Belehrung" (Stuttgart. Verlag von Eduard Hallberger) hat ihren neuen Jahrgang auch in neuem Kleide, einem sehr geschmackvollen Umschlag, angetreten. Die zwei uns vorliegenden ersten Hefte empfehlen sich wieder bei einem fabelhaft biüifltll Abonnementspreis (nur 3 Sgr. oder 12 fr. rh. pr. Heft von je 4 Bogen hoch Quart) durch gediegenen Inhalt und prächtige Illustrationen. Wir finden in denselben Beiträge von Fr. Gerstäcker, Ed. Hahn, Rich. Michaelis, Aug. Feierabend, E. A. König, A. Wellmer u. 81., Erzählungen, Bilder aus dem Volksleben, Biographisches, Zeit- und Naturgeschichtliche«. Von allgemeinstem Interesse find die Artikel über die pariser Weltausstellung, denen erläuternde Bilder beigegeben sind. Von den übrigen Illustrationen erreichen mehrere die Höhe wahrhaft künstlerischen WertheS. Besonders schön sind die Illustrationen zu deutschen Dichtungen. Die Abonnenten des neuen JabrgangS von „Zu Haufe" erkalten als Gratis Prämie einen prachtvollen Staklstich, „Muller- glück" von F o l tz, der jedem Raum, den sinnige Menschen betreten, zur stolzen Zierde gereichen wird. Es ist ein nickt genug anzuerkennendes Verdienst der Verlagskandlung, daß sie bei der Wakl ihrer Prämie mit ebenso gesundem Geickmack wie großer Libeialität zn Werke gebt. In den weitefie» Kressen wird so der Sinn für Schönheit geweckt und damit den edlem Gefühlen eine willkommene Rechnung geboten.
Geld-Cour» vom 21. November 1^67.
Preuß. Eaffen Scheine Prenß. Friedrichsd'or PiNoten..............
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20 Frankenstucke Enal. Sovereign« Ruff. Imperial« Trllar# in Gold .■ -
st. 1. 44J-45}
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, 9. 53
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, 9. 30-31
„ 11. 54-58
„ 9. 49 51
, 2. 271-28j
Redaktion, Druck unO Verlag der Brüh l'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


