Ausgabe 
20.12.1867
 
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An Baron Hübner's Stelle ist Graf Crivolli als Bot- fchafter nach Rom gesendet worden. Seine Aufgabe soll dem Vernehmen nach sein, die Verhandlungen wegen Revision des Conkordates energisch zu betreiben.

'2lflram, 12. Nov. Seit unserem letzten Bericht hat die nationale Bewegung hier wie auf dem Lande an Ansdch- nung gewonnen, und tragen die Führer eine gewisie Sicgeszu- versicht zur Schau. In der That gewinnt die croarische Frage an Bedeutung und verdient größere Aufmerksamkeit, als ihr bisher von der österreichischen und namentlich der Wiener Journalistik gewidmet wird. Baron Reich hat auf seiner aber­maligen Rundreise Gelegenheit gcbabt, sich von der Stimmung der Bevölkerung zu überzeugen und die Gewißheit zu erlangen, daß sie noch lange nicht mürbe gemacht wurde. Die nnionisti- schcu und magyarischen Blätter führten zwar die Orte an, wo der Baron mit Jubel empfangen wurde. Vou den Gegen­demonstrationen geschieht mit keiner Sylbe Erwähnung und doch ließen sich solche in weit größerer Zahl anführen. Ucbri- geiis wissen wir, daß sich der Baron keiner Selbsttäuschung hingegeben und ziemlich sachgctren nach Wien und Pest be­richtet hat. Von Seite der ungarischen Rcgiernngspartei wird auch nun eine Bereitwilligkeit zn weiteren Concessioncn gezeigt, wie sic in, solchem Maße früher kaum für möglich gehalten wurde. Den beiden Ländern Croatien und Slavonicn wird volle Autonomie der Landesverwaltung zugcstanden und soll der kroatische Landeschef Mitglied des ungarischen Ministeriums sein, also analog den projcctirtcn Verhältnissen Galiziens zn Dentsch-Oesterreich, sogar die Finanzvcrwaltnng soll dem Lande überlassen bleiben. Die Parität der Delegationen war den südslavischen Ländern schon in einem früheren (Kommunique z»- gcsichcrt worden. Allein die nationale Partei weist jede Ver- ständignng bisher entschieden zurück und ist au einen Ausgleich vor der Hand nicht zu denken. Auch würden die Vorarbeiten zum Landtage sehr lässig betrieben, da die Einberufung noch weit im Felde steht- Aus dein Küstengebiete lauten die Be­richte für die Union nicht günstiger und ist die nationale Par­tei besonders unter dem Landvolke sehr mächtig. In letzter Zeit sind wieder zahlreiche Demonstrationen vorgekommen und auch in Dalmatien agitirt ivicder die italienische Partei, wenn auch in ziemlich bescheidenem Maße.

Florenz, 7. Rov. Die Frage, wie cs bcnn gekommen, ; daß der von Eaprcra entkommene Garibaldi in Florenz die Bevölkerung ungehindert haranguircn und dann eben io unbeirrt i die Fabrt nach der römischen Grenze antreten und vollbringen konnte, wird von Florentiner Correspondcnten des Londoner Daily Telegraph" in pikanter Weise beantwortet. Wir thei- len seine Aufklärung mit, ohne jedoch für deren Richtigkeit ciustehen zu können. Als der Florentiner Polizeichef sagt der Korrespondent von der Ankunft Garibaldi's Meldung erhielt, begab er sich zu Rattazzi, um sich Weisungen über das, : was mit dem General zn geschehen habe, einznholen. Rattazzi bedeutete ihm, daß er, als abgetretener Minister, nicht die Per- antwortung eines gegen Garibaldi zu erlassenden Verhaftbefehls übernehmen könne. Darauf hin geht der Polizcichef zu Cial- dilii, muß aber von diesem statt einer bestimmten Weisnng die Antwort hören, daß, nachdem das nene Eabinct noch nicht ge­bildet sei, er dieVerantwortung ?c. ?c- Nun fährt der Polizeichef rasch nach dem Palast Pitti und erbittet eine Audienz beim Könige, die ihm sosort gewährt wird. Der König hört ihn an, steckt sich gcmüthlich eine Cigarre in den Mund und lehnt sich damit zum Fenster hinaus, ohne eine Sylbe zu sprechen. Er denkt nach, so denkt der arme Polizeichef und wartet ehrerbietig 10 Minuten Als der König aber noch immer schweigend ins Freie hinausdampft, erkühnt er sich zum zweiten Male um Be­fehle zn bitten, und als der König ihm wieder mit tiefem Schweigen antwortet, schleicht er verzweifelnd von dannen. So erklärt der Cvrrespondent, wie cs geschehen, daß Garibaldi frei und ungehindert sein Vorhaben ausführen konnte.

Der Staatsminister Menabrea hat eine Note an den Italien. Gesandten in Paris erlassen, in welcher er auf Lösung der römischen Frage dringt. Er rekapitulirt darin die letzten Vorgänge, hebt hervor, daß Italien seine Versprechungen gehalten und seine Truppen zurückgezogen habe. Die französ. Regierung habe ihrerseits ebenfalls den Rückzug ihrer Truppen zugesagt und man vertraue auf dieses Wort, damit einem dauerhaften Abkommen kein Hinderniß bereitet werbe. Der Zweck der Septembcrconvention habe sich als vollständig ge­scheitert erwiesen, das Papstthum habe sich nicht mit Italien

! verständigt, es könne nur noch durch fremde Söldlinge aufrecht erhalten werden. Eine aufrichtige Verständigung mit Italien : würde für den beiligcn <stubl jede Gcfabr beseitigen. Der Papst könne in Rom seinen <Litz behalten, man rvcrde feine ! Unabhängigkeit nnd Freiheit zu bewahren wissen. Es seien zu diesem Ziele Abmachungen nöthiz, damit die Ursachen der Auf­regungen beseitigt würden. Der Gesandte soll am franz. Hof dahin wirken, daß die Lösung der römischen Frage obne Auf schub erfolgt.

--15. Nov. Es ist nach demFr. Jl." die Einbc rufung der gestimmten Ärmeercserve und die Indienststellung der^ Flotte beschlossen. Die Küstenbefestigungen und die inneren Plätze des Königreichs werden in Stand gesetzt. Die Be­richte Lamarniora'ü über die französischen Absichten sollen scbr ungünstig lauten. Der General wird zurückbernfen werden um Bericht zu erstatten. Italien wird auf die Wahl Roms zum ! Cougreßort jedenfalls nicht eingehen.

--Die FlorenzerAmtliche Ztg." schreibt: Die rö­mischen Journale veröffentlichen die päpstliche Bulle, welche die apostolische Legation in Sicilien aufhebt. Die Regierung hat nicht erst uöthig, den Mißbrauch dieser Maßregel zu coustati- ! reu, welche dahin zielt, die Krone einer ihrer unverletzlichen i Prärogative zn berauben. Sie beschränkt sich darauf, zu er­klären, daß die nöthigen Maßnahmen ergriffen wurden, daß, : lver immer diese Verfügung ausführen sollte, den Tribunalen ! übergeben werde.

1 _ DasEservito" meldet:Der Kriegsmini-

! ster hat beschlossen, jedes Linienregiment wieder auf die Stärke von 4 Bataillonen zu bringen. Es ivurde deshalb bereits dem i König ein Decret znr Unterzeichnung vorgelegt, diirch ivelchcs 80 Majore, 320 (Kapitäne und 800 Subalternoffiziere wieder zur Dieugbereitschast berufen werden. Die unter General Cialdinl zn bildende Armee soll weder eine Beobachtung^ noch eine Manöver Armee werden. Man will damit, wie in Frank­reich und in Oesterreich, eine Armee unter den Befehl eines Generals stellen und derartig ausrüsten, daß sie zn jeder Zeit mobilisirt werbe» kann." Die Regierung, sagt dasMovi- 1,1 eilte" hat noch nirgends die Absicht kundgegeben, Garibaldi vor Gericht stellen zu wollen.

Rout. Der Papst empfing die französischen Offiziere, die von General Failly vorgestellt wurden. Derselbe bezeich­nete es al» ein Glück für die Armee, daß sie berufen gewdsen sei, die Sache des Papstes zn verthcidigen. Der Papst dankt der Armee, der Regierung Frankreichs und seinem Obcrhaupte, daß er sie gesandt habe. Er sagt, Italien sogar sei ihnen Dank schuldig, da es dnrch sie voii den Anarchisten befreit worden sei; er beklagt, daß die italieiiische Regierung sich dieser ungeordneten Massen als Vortrab für ihre Eroberungsgelüste bedient habe. Die Hülfe Frankreichs, sagt er, sei gerade zu rechter Zeit gekommen, um diese schöne Vertheidigung zu krönen. Er spricht von den Kundgebungen der Katholiken Frankreichs" nnd der ganzen Welt zn Gunsten des Papstes und segnet Frankreich, dessen Armee, dessen Regierung nnd dessen Ober­haupt mit seiner Familie.

Parts, 15. November. DemFr. I." wird gemeldet: Spanien sucht mit Zudringlichkeit (importimite) eine hervor­ragende Einmischung in die römische Frage und plaidirt die Wahl von Rom als Cougreßort. Es beruft sich dabei darauf, daß ihm eine Theiluahme an der Occnpation von Rom durch Frankreich bedingungsweise in Aussicht gestellt gewesen sei. Der Gedanke eines rein katholischen (Kongresses ist definitiv in Folge der Erklärungen Italiens aufgegebcn. Das gute Ein­vernehmen Frankreichs mit Italien ist hergestellt. Letzteres ist mit der Wahl vou Paris als Cougreßort einverstanden.

Der Kaiser hat verfügt, daß das französische Ex- peditionscorps, sowie die Ordnung gesichert sei, Rom und die übrigen heute vou ihm besetzten Städte des Kirchenstaates zu räumen habe. Die Truppen werden sich nach und nach in Civita - Vecchia zusammenzicheu.

--Lavalette hat seine Entlassung erhalten und Rouher ist von dem seither mitverwalteten Finanzministerium entbunden worden. Die Staatsräthe Picard und Magiu sollen die Nach­folger der beiden Herren fein.

~ Die kathol. Blätter sind mit der Regierung, dem Cougreß nnd der Moniteurnote durchaus nicht zufrieden. Sie behaupten, es bestände zwischen Viktor Emanuel und Napoleon ein geheimes Einverständniß gegen den Papst. Die Expedition