Ausgabe 
16.11.1867
 
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Karlsruhe 6. Nov. In der Abgeordnetenkammer wurde heute der Antrag des Abgeordneten Eckardt auf Ein­führung der obligatorischen Civilehe mit allen gegen 3 Stim­men angenommen. Tie Negierung ist mit dem Antrag vrinci- plell einverstanden.

. 2ßie_n, 3. Nov. Abermals ist ein wichtiger Schritt zur Außerkraftsetzung des Concordats geschehen. Nachdem nämlich unter dem Ministerium Belcredi dem Wiener Gcmeinderathe unter Hinweisung auf das Concordat nicht gestattet worden, eine Lehrcrfortbildungsaustalt ohne confessioneUen Charakter zu gründen, und nachdem das gegenwärtige Ministerium mit der Stadtvertretung in der P ä d a g o g i u m s f r a g e lange verhan­delt hatte, so daß diese beireits den Beschluß gefaßt hatte, zu dem Ausweg zu greifen, die Candidatcn an auswärtige Bil- duugsanstaltcn zu senden ist nunmehr durch Erlaß des Un-

Kassel, 11. Nov. Die Generalversammlung des Na­tiv nalVereins hat den Rest der Flottengelder an die Bun- desmatlne überwiesen. Summen von 2000, 1000 und 500 Sljlr. wurden an die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die deutsche Seemannsschule und den Londoner deutschen Rcchts- schutzverein überwiesen. Sodann wurde die Auflösung des Berenis beschloffen. Einem Ausschuß von 12 Mitgliedern wer- teii die noch verfügbaren Vereinsmittel überwiesen.

cam^ur^' 6' ^0D- 3» der heutigen Sitzung der Bür­gerschaft wurde mit 82 gegen 71 Stimmen beschloffen, einen Antrag, an den Senat zur Auflösung des Bürgermilitärs zu richte«. Bei einem früheren Votum stimmten 72 dafür und 71 dagegen.

Vrestigc in Italien, an welchem das italienische Volk zu rütteln begonnen hatte, auf dem Pariser Boulevards keine Stimmen laut geworden; daß man dort von einem Siege Ga­ribaldis zu hören hoffte, sagt sieund es ist keine gewagte Annahme, daß selbst eine Schlappe der auf päpstlichem Gebiete befindlichen französischen Truppen die Reizbarkeit der Franzosen nicht gegen Italien, sondern nach ganz anderer Richtung her- vorgenifen hätte. So gründlich habeir sich die Zustände in Frankreich verändert. Mair ist der abenteuernden Interven­tions-Politik müde, welche den schwindsüchtigen Staatssäckel noch mehr erschöpft, die Söhne des Landes deeimirt und doch nicht mehr auf die Befreiung der Völker, sondern auf das Gegenthsil gerichtet ist, und daher den Ruhm Frankreichs nicht vermehren, sondern nur schmälern kann". . . . Das zweite Kai­serreich hat nicht mehr den festen Boden im französischen Volke wie früher, das Volk verlangt nicht mehr nach äußerem Glanze, und das Flittergold, mit dem man es durck Lustra zu blenden wußte, hat fick in seinen Händen in schnöden, werthlose» Schein verwandelt. Das Kaiserreich kann nur in dem Falle fein ver- lorcneS Terrain wiedergewinnen, wenn es in freiheitliche Bahnen eiiilcnft, dem Selfgovernment die Schranken öffnet, nach wel- chem die Nation um so sehnsücktiger verlangt, je weniger die Politik der Tuilerien den allseitigen Interessen des Landes zu genügen weiß. Bis jetzt sind leider keine Anzeichen einer sol- ^e* ®ant(ung vorhanden; im Gegentheile. Die Mißstimmung j tn Paris wird sicherlich durch die Nachricht, daß auch franzö- ® filcbe Waffen in das Blut der bei Meutaiia uiedergemetzelten Garibaldiauer getauckt wurden, und durck die kindische Wuth, mit welcher die Hoforgane gegen die Feinde der weltlichen Papstherrschaft eintreten, noch gesteigert werden.

--- 7- Nov. Der Kaiser ist heute Nachmittags 4% Uhr von Paris kommend wieder hier eingetroffeu. Am Bahn- * Hofe wurde er von den höchsten Civil- und Militär-Autoritäten, von Deputationen beider Häuser des Reichsraths, vom Bürger- ' meister und Gemeinderathe Wiens feierlick empfangen. Der

glingen bewilligt worden. Die nun zu schaffende Anstalt wird em konfessionsloses, also für die Lehrer aller Bekenntnisse zu­gängliches 'Institut sein, was mit einem der Grundprincipien des Concordats im entschiedensten Widerspruch steht. (Dr. I.)

6- Nov. Das Herrenhaus hat heute das Sraals- grundgesetz, betreffend die richterliche Gewalt, mit der Abände- ruug angenommen, daß der Wirkungskreis der Militärgerichte einem besonderen Gesetze Vorbehalten bleiben soll. Die Wiener Korrespondenz" schreibt : Wie wir von guter Seite vernehmen, ist Frhr. v. Hübner von seinem Posten in Rom ab= berufen worden. Die Wahl seines Nachfolgers scheint bereits entschieden, aber noch nicht vollzogen zu sein.

; Nachdem dieWiener Presse" constatirt, daß in

er» ., (Sttsanz. f. SB.)

Florenz. 11. Nov. Garibaldi ist zur Disposition der Gerichtsbehörde gestellt. Tas demnächst zusammentretende Parlament soll über die Zulässigkeit dieser Procedur entscheiden.

~ ~ £ie italtenijdH Regierung hat jetzt in ihrem ofsiciellcn Journale eine Note veröffentlickt, worin sie die Be­weggründe augibt, welcke sie veranlaßt haben, ihre Truppen aus dem päpstlichen Gebiete zurückzuberufen. Diese Note lautet: Florenz, 5. November. Garibaldi bat, unge- adjtet des ihm durch die königliche Proclamation gegebenen Raihes, sich mit seinen Freiwilligen hinter die Linie der'Armee zurückzuziehen, seine Angriffe gegen den päpstlichen Staat fort- ictzen wollen. Seine Colonnen sind, wälwend er sie auf Tivoli tirigirt, angegriffen und geschlagen worden und Garibaldi hat sich genöthigt gesehen, nach Paffo-Correse zu flüchten. Von dort fuhr er mit einem Cxtrazuge nack Livorno um sich nach Caprcra zu bcgcbcn. Die Regierung hat jedock, entfckloffen die Sh.fentat des Gesetzes aufrecht zu halten und jeden Anlaß zur Storung der öffentlichen Ordnung zu beseitigen, es für

«bSe^baiWau V" ?aLtr Idn»crcr Ansprache, worin er betonte, daß die Worte, die der Kaiser in Paris gesprochen

ln ßa,,J Oesterreich gesunden hätten' Xenn nur duick inneren und äußeren Frieden unter dem Schicke frechnn'ger und volksthümlicker Gesetze sei das Glück Oester­reichs gesichert. A,er Bürgermeister gibt den Gefühlen über des Kaisers in Paris und die glück iche Rückkehr des die Volksrechte anerkennenden und schützenden Ä bte*n*ah9en Hoch Ausdruck. Ter Malier er

nterte. Ich danke sehr für den Herzlicken Empfang welcken die Bewohner^der Residenzstadt mir bereitet. T.e Svmpathwen

Frankreich überall gefunden, beruhen hauptsächlich ans der Ueberzeugung, daß Oesterreich, durch feine Einigung "",2""»» gestärkt wieder jene Stellung e..!nehn.en wird welche ihm gebührt, daß es daher die Kräftigung Oesterreicks ist, welche wir im Frieden erstreben muffen. Diese SBabr- mchmungen können Mich nur bestärken, auf der eingefcklagcnen 2''^ bortoartö zu schreiten. Ick rechne dabei auf die Unterflujfung aller Patrioten Oesterreichs." Die Erwideruna des Kaisers wurde jubelnd aufgenommen. Der Kaiser fuhr darauf in offenem Wagen durch die festlich geschmückten, dickt gedrängten Straßen unter ununterbrochenen begeisterten Lock­rufen tn die Hofburg.

c. . . .10- Nov. Arthur Görgep, der durck 18Jalwe als Intern,tter m D.ktrmg (bei Klagenfurt) lebte, wo er sick, ®ar^n Skkauft, ,st nach Ungarn zurückgekehrt, wo - j tcr Wgeuwartigen Regierung ein Unterkommen, terrichtsministers v. Hye das'PädagSum Vhn7'7lle'Bcdck- 3X?EVeTÄS V' auiinen bphufitA* rtx;.......t 1 /, 7,11 v-uüöennon auf, die ihm seither der Staat

ausbezahlt hat. Er erschien am 5. Nov. in der Sitzung des Abgeordnetenhauses zu Pesth als Zuhörer. Als man ihn er buche, trat zuerst im Saale eine tiefe Stille ein. Ein dnm- pfes Gemurmel durchzog sodann die Reihen der Linken; plötzlich mürben Ruse laut:Görgey ist hier! Was sucht er zwischen uns. Welche Frechheit! Hinaus mit dem Verräther! Will er uns auch der Reaction überliefern, wie feine Kameraden?"

1- n\ Erlich brach der Sturm los. Es war nur Ein der, Wuth und Entrüstung. Görgey ging.

Der Etendard" sagt Die Meinung aller europäischen Staaten hat sich dem Project einer Conferen, 6""st'g 60Z0lgt. Die Regierung hat sich mit einer zweiten Note England, Preußen, Rußland, Oesterreich, Sachsen, Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Schweden, Dänemark, Belgien Holland, Spanien, Portugal und die Schweiz. Bis 'jetzt konnte noch keine Antwort eingetroffen fein. p

~ Die bevorstehende nur durch die Friedensarbeiten leihe, von der man jetzt allgemein spricht, soll Millionen betragen. In dieser Summe werden vor Allem die Ausgaben für die Rüstungen während des Luxemburgischen Handels und tie Gelder für die zweite römische Intervention stgurlreu. Den letzteren Posten scheint man thunlickst niaskireu ju wollen. Die Regierung behauptet, die römische Expedition sei sie auf nicht mehr als 3 Millionen zu stehen gekommen und man verdanke dies den großen Fortschritten, die man in tcr Beförderung großer Trnppenmassen gemacht habe. Aus ziemlich sicherer Quelle wissen wir aber, daß die officielle Jiffer von 3 Millionen beiläufig mit 7 zu multipliciren wäre.