Ausgabe 
13.7.1867
 
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Rundschau.

Seit unsrrem letzten Berichte bat sich hn Wesentlichen die Volitischc Lage ver Staaten des Norddeutschen Bunde» nicht geankert; Vie LanVcSvertretungen Vieser Staaten Haden all- -«mein die Verfassung de« Norkdeutschen Bunde» acceptirt unv auch von den Regierungen ist dieselbe al« Gesetz publicirt. Wir theilen den Wortlaut dieser Verfassung heute in einem Extra- Blatt unseren Lesern mit. Die OrgaNisatlon der annectirten Länder, sowie die Einführung rn tNtpreuhischen Gesetze daselbst, geht rasch vor sich. Untervessrn ist auch die Fürstl. Thum- und Taris'sche Post an Preußen übergetzangen und bereit« sind allerwärt» Postmarkcn mit kein preußischen Wappen in Gebrauch. Die preußische Regierung bat mit sammtlichca süddeutschen Staaten auf Grundlage ke» alten Zollverein« einen neuen Zollvereinsver­trag abgeschlossen, wobei es jetzt auch der Volksvertretung ge­stattet ist, in Handels- und Zollangelcgenheitcn ihr Wort mitzu­reden ; freilich jedoch nur in beschränkter Weise. Wir haben so­nach jetzt anstatt einem Parlament, ceren z w ei: einen Re i ch «- tag und ein Z o l l- P arl amenr. Zu letzterem senden nun auch die Süddeutschen ihre Vertreter.

Die süddeutschen Regierungen scheinen jetzt mehr den ffußstapfrn Preußens zu folg.», als es kurz nach dem Kriege den Anschein hatte. Freilich wirv es schwer halten, das preu­ßische Wehrgcsetz den LanVcSvertretungen gegenüber mit seinen hohen finanziellen Ansätzen Vurchzusetzen, allein Vie Zeit wird den Regierungen schon anderweitig Gelegenheit geben, ihre Armeen aus eine der norddeutschen entsprechende Hdhc zu bringen, ohne deshalb von den LandeSvertretungcn allzuviel beanspruchen zu müssen. Bereits werden die Truppen nach dem preußischen Erercier-Reglement geschult und mit Zündnavelgewchren sind sie auch alle verschcn.

In Oesterreich macht sich jetzt ein entschiedenes freisinni- ges Regiment geltend; in allen Zweigen de« Staatslebens treten Reformen hervor und das Ministerium Beust beeilt sich in jeder Weise mit dem Althergebrachten zu brechen und Oesterreich zu einem glücklichen Staate zu machen. Die langen Zwistigkeiten mit Ungarn sind beigelegt, eine eigene ungarische Regierung ein­gesetzt und der Kaiser von Oesterreich als König von Ungarn gekrönt. Ein bitterer Tropfen zu der gedeihlichen und friedlichen Entwicklung Ungarn'« liegt aber in den Kroaten, welche sich der ungarischen Regierung nicht unterwerfen wollen und deshalb mit Gewalt werden zur Unterordnung geführt werden müssen. In derselben Weise hemmend, wie in Ungarn die Kroaten, so auch in Deutsch-Oesterreich die Bödmen. Dieselben wollen sich auch in keiner Weise dem deutschen Regiment fügen, bis sie mit Feuer und Schwert zu Paaren getrieben sein werben. Ob dies der österreichischen Regierung gelingen wird, steht sehr dahin. Die österreichische Regierung hat leider es nicht verstanden, das ge­nüge Häuflein Slaven zu germanisiren und nun erndtet sie Vie Früchte für ihre Rachsicht unk für ihre unverzeihliche Niederhal­tung des deutschen Elements in Böhmen. (Siehe unten Rußland.)

Frankreich. In Paris hat Napoleon HI. ein Werk geschaffen, da« zu etwas Anderem würdiger gewesen wäre, als nur zum Deckmantel französischer Pläne und zum Augenzuschmieren zu dienen, nämlich die Weltausstellung. Zwar haben die deut­schen Fürsten der Einladung Napoleons Folge geleistet, aber po­litische Fragen sind bei diesen Besuchen gewiß nicht erörtert worden, auch ist dcr LieblingS-Plan Napoleons : eineuropäischer Congreß ' ferner gerückt als je. E« ist in Paris nur für das Amü- scment gesorgt worden. Die Reden Napoleon« strotzen von Frie- densversicherungen, aber darum wird dennoch im Geheimen ge- rüstet unk Pferde- und Früchte - Ankäufe werden in die fernsten europäischen Länder ausgedehnt. Daß diese Rüstungen nicht um- sonst gemacht werken, sondern daß sie den Zweck haben, die Ent- Wicklung DcutschlanvS zu einem mächtigen und achtunggebietenden Staate bemmend tntgegciezUtrcten, das liegt wohl au) flacher Hand. Ob cs Napoleon wohl gelingen wirv? Jedenfalls spielt fr bei einem Kriege mit Deutschland um seine Dynastie.

D^ Erschießung ces Kaisers Maximilian in Mexico hat auf Napoleon, als den Gründer des mexicanifthen Kaiserreichs, ' ttncn tiefen Eindruck gemacht und spricht man davon, Vaß er ' einen Eonkolenzbesuch dem Kaiser von Oesterreich abstatten will; ob er in Wien so gut empfangen w rd, wie er unter anderen Umständen sich wohl versprechen durfte, das muß dahingestellt

Italien. Auch in diesem Lande werken nicht eher Ruhe und friedliche Zustänke hergestellt, bi« der WahlspruchFrei bis

| zur Adria" zur ganzen Wahrheit geworden ist. Da« Revo- , lotions-Evmite in Rom arbeitet mit Garibaldi gemeinschaftlich j an dieser ^ache, ohne daß dabei die italienische Regierung com- ' promittirt wirk ; ob |it ganz unparteiisch dabei ist, ist eine ändert

*?abtn Garibaldi'sche Freischaaren tag römische i bktrtten, tourern aber gefangen genommen; man ver- mutljct einen Verrath de« Feldzugs Planes Garibalki'« von Sei» : mehrerer Mitglieder des römischen RcvolutionS Eomitö'S,

welche durch Garibaldi'- Veranlassung auStretcn mußten. Unterdessen hält ter Papst Evnferenzen mit den katholischen Bi­schöfen ad und verspricht auch für nächste« Jahr eine allgemeine Kirchenvcrsammlung zu berufen, um den Glauben an den Stuhl Petri zu befestigen. Ob er wohl bi« dahin dazu noch Beit haben wird?

Spanien. In diesem schönen, aber durch seine Miß- regicrungen von jeher so j. mittelen Lande, scheint auch in neuerer Zeit sich wieder eine Revolution vorzubereiten. Bereit« soll General Prim, der Führer bei der letzten, aber verunglückten «-oldaten-Revolution, wieder auf spanischem Boden gelandet sein. Die Regierung verliert durch ihre verkehrten Maßregeln immer mehr Boden unter den Füßen; sie steht auf einem Vulkan.

Rußland. Die schon lange gehegte Lieblings-Jdee Ruß- land« sich zur Führerschaft aller slavischen Völkerstämme aufzu- werfen, scheint ihrer Verwirklichung einen Schritt näher gekommen zu sein. Der Pariser Weltausstellung wurde in Moskau eine Ausstellung der Kunst und der Industrie sämmtlicher slavischen Volker gegenübergestellt unk hierbei zugleich ein Slaven-Congreß berufen, kessen Resultat die Anerkennung der Führer^haft Ruß. landS war. Auf welche Weise die« bewerkstelligt werden soll, Vaiüber sind die Gelehrten selbst noch nicht einig, denn da« Grund- Prinzip einer Völkereinigung, gleiche Sitten und Sprache, geht dem slavischen Völker - Eonglomerat vollständig ab. Wir dürfen jedoch immerhin eine solche politische Bewegung nicht au« dtn Augen verlieren, schon um deswillen nicht, weil Böhmen zu Deutschland gehört und viele dortige Slaven sehr lebhaft an dettl Congreffe in Moskau sich betheiligt hatten.

Amerika. Wir wir schon früher beim Abzüge der fran» zösischen Truppen all« Mexico gemeldet haben, versparchen wir un« keine lange Dauer des Kaiserreichs Mexico mehr. Jetzt ist der Sturz des Kaiserreichs eingetreten und zwar mit all seine» folgen, welche eine gewaltsame Einsetzung einer anderen Regierung«- sörm nach sich zieht. Nachdem der Kaiser Maximilian,-ein Bruder des Kaisers von Oesterreich, mit großer Energie da« letzte Bollwerk seiner Macht, die Stadt Queretaro, verloren hatte, wurde er selbst mit all seinen Anhängern und Truppen zu Gefange­nen gemacht. Am 19. Juni wurde der Kaiser vom Kriegsgericht zum Tove verurtheilt unv erschossen. Ebenso fielen viele seiner Generäle unv Anhänger. Ob die Republik Mexico jetzt zur Ruhe kommen wirk, oder der Anarchie verfällt, das muß die Zeit lehren. Biel- leicht trifft Cie Union, nachdem daselbst wieder der Frieden ein» gekehrt ist und sic freie Hand hat, Anstalten zur Annectirung Mmco's, was für dieses schöne, jedoch unglückliche Land eine wahre Wohlthat wäre, Denn stark urlv kräftig muß die Hand sein, welche diese Horden zügeln will. Die Gefahr eine« In- kianerkrieges mit allen seinen Schrecken und Gräueln rückt für Die Vereinigten Staaten immer näher heran. Obgleich Ge- neral «Herman ungemein thätig ist, dies zu verhindern, so darf man sich koch kaum dieser Hoffnung hingeben, daß e« ihm gelingen wird, denn gar zu vielen Strolchen ist mit solch einer Jagd auf die Rkthhäate gedient.

Darmstadt. Das Regierungsblatt Nr. 27 enthüll:

(Schluß.)

IX. Charaktererthellungen.

Äeine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnüdigst geruht;

1) am 23. Mai dem Salinen - Inspektor bei dem Salinenamt Nauheim Wilheffu Schreiber den Charakter als Bergrath und

2) am 25. Mai dem Minlstcrial-Secretür erster Klaffe bei dem Ministerium de« Großhdrzogllchen Hanfes und des Sleußern Dr. Karl Neidhardt den TitelLegativnSralh" zu verleihen.

X. Dienstentlassungen.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnüdigst geruht:

1) am 18. Mai den katholische« Schutte..»« zu Äpvenheiui, im Kreise Bingen. Peter Roth auf sein Nachsuchen von seiner Dienststelle und

2) am 25. Mai den evangelischen Pfarrer zu Bensheim, im Dekanate Zwingenberg, Friedrich Simon auf sein Nachsuchen von seiner Dienst­stelle zu entlasten.

XI. Bersepungen in den Ruhestand.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnüdigst geruht:

i> 10- Mai den evangelischen Schullehrer zu Steinheim, im Kreise Nidda, Adam Conrad auf sein Nachsuchen,