Ausgabe 
22.9.1866
 
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für die

Sta-t und -en Kreis Gießen.

«rscheint wöchentlich zwei Mal: Mittwochs und Samstags. Preis des Jahrgangs für Einheimische 1 st. 42 kr., für Auswärtige ine). Les vorschrifts­mäßigen Postaufschlags 1 st. 42 ft. Auswärts abonnirt man stch bei allen Postämtern. In Gießen bei der Erpedition (Canzleiberg LU. B. Nr. 1).

Jfo 76.Samstag den 22. September 1S66.

Amtlicher T h e L l.

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Än Mein treues Volk!

Die Ereignisse eines Krieges, des traurigsten der gedacht werden kann, weil er ein Bruderkrieg war, hatten Mich gezwungen, Mein Lantz zu verlassen. Aber Mein Herz war stets bei Meinem guten Volke, und alle Drangsale, die Mein Volk zu ertragen, alle Opfer, die cs zu bringen hatte in einem Kampfe, den wir für eine gerechte Sache zu führen glaubten, habe Ich auf das Tiefste mit ihm empfunden. Der Friede ist hergestellt und Ich kehre zurück in das Vaterland, mit dem Ich in gegenseitiger Treue verbunden bin.

.Ich habe schmerzliche Zugeständnisse machen müssen, um Meinem Hessen den Frieden wiederzugeben. Einzelne Landestheile mußten von Mir abgetreten werden. Mögen die Bewohner derselben Meiner freundlich gedenken und ihrer neuen Regierung mit Brrtrauen und Liebe entgegenkommen. Mögen sie unter dieser neuen Regierung so glücklich sein, wie Ich sie zu machen aufrichtig bemüht war.

Die alte Treue, der alte Muth Meiner wackeren Hessen hat sich im bürgerlichen Leben, wie auf dem Schlachtfelde, in den ernsten Augenblicken der verflossenen Monate glänzend bewährt. Ich danke Meinem Volke, Meinen Truppen, Meinen Beamten für baS, was sie für das Vaterland und für Mich gcthan haben. Ich banke insbesondere den edlen Männern und Frauen, welche durch Werke der aufopferndsten Menschenliebe das Loos der Verwundeten, der Kranken und Rothleidenben erleichtert haben. Die Erinnerung daran gewährt Mir Trost für die Vergangenheit, Muth und Vertrauen in die Zukunft bei dem schweren Werke, welches vor uns liegt.

Wir haben nicht bloS die Wunden zu heilen, welche der Krieg unserem Hessen geschlagen hat, wir haben auch mit der Neu» gestaltung unseres gemeinsamen deutschen Vaterlandes in einer die gerechten nationalen Ansprüche befriedigenden Weise zu beginnen. Der alte Rechteboden, auf dem wir hätten fortbauen können, ist zusammengebrochen. Wir müssen nun die Vervollkommnung des durch die Macht der Thatsachen geschaffenen neuen Rechtszustandes zum Gegenstände unserer Sorge machen. Mein eifriger Wunsch war, den Bund, welcher dermalen den Norden Deutschlands umfaßt, auf das ganze große Vaterland ausgedehnt zu sehen. Rück- sichten, deren Beseitigung nicht in Meiner Macht liegt, standen bis jetzt der Erfüllung Meines Wunsches entgegen. Aber wie Ich stete seil Meinem Regierungsantritte, neben dem Wohle Meines Hessischen Landes, bas Glück und cie Größe des gemeinsamen deutschen Vaterlandes und die Kräftigung des dasselbe umschlingenten Bandes angestrebt habe, so werbe Ich auch für die Zukunft dieses Ziel nicht aus dem Auge verlieren. Ich rechne tabe; auf bas Vertrauen und die Unterstützung Meines guten und bewährten Volkes.

Worms, den 17. September 1866.

LUD WIG.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Lieferung des Fourage-Bedarfs für die Gendarmerie der Provinz Oberhessen.

Der veränderten Zeitverhältnisse wegen nehme ich meine Bekanntmachung vom 10. l. MtS. hiermit zurück.

Gießen, den 20. September 1866.

Großherzogliche Provinzial-Direction Oberhessen.

In Verhinderung des Provinzial-DirectorS:

Pietsch,

Regierungs Rath..

Gerichtliche und Privat - Bekanntmachungen.

Edirtslladungen.

2949) Nachdem Großherzogliches Hof» gericht über das Vermögen des Photo- Sraphen Hans Stix zu Gießen den förm­

lichen Concurs erkannt hat, werden dessen' Mittwoch den 24. Oetober d. I., sämmtliche Gläubiger zur Anmeldung und! Vormittags 8 Uhr,

Begründung ihrer Forderungen sowie zur unter dem Rechtsnachtheil des stillschweigend Geltendmachung etwaiger Vorzugsrechte auf! eintretenCen Ausschlusses von der Coneurs- I mässe geladen.