Ertra-Beilage zu Nr. 7 des Anzeigeblattes.

Aufruf

Gründung einer Mnthilden-Stiktuyg

an die Angehörigen

der Provinz Oberhessen.

^N-nknüpfend an die Aufrufe der Provinzen Starkenburg und Rheinhessen zur Gründung eines Ehren - Denkmals für unsere allerverehrte unvergeßliche Großherzogin Mathilde, ersuchen die Unterzeichneten auch die Angehörigen der Provinz Oberhessen um ihre rege Theilnahme.

Das Denkmal soll kein Monument von Stein oder Erz werden, vielmehr ein wohlthätiges Liebeswerk sein, welches, Zeugniß von den hohen Tugenden der allzufrüh Dahingeschiedenen gebend, nach Ihrem voranleuchtenden Beispiele Ihre edle Wirksamkeit für Menschenwohl und Mildthätigkeit auf alle folgenden Geschlechter fortzupflanzen bestimmt ist.

Nach dem vorliegenden Plane wird zu dem Ende die Gründung einer Mathilden-Stiftung zum Zwecke des Wohlthuns in Ihrem Geiste beabsichtigt.

Es soll dies zunächst durch Verabreichung von Beiträgen an bereits bestehende oder noch üVs Leben tretende wohlthätige Stiftungen und sonstige gemeinnützige Anstalten aus der Kasse der Mathilden-Stiftung geschehen, sowie ferner durch Unterstützung solcher Familien oder einzelner Personen, welche in Folge außerordent­licher Unglücksfälle der allgemeinen Hülfe und werkthätigen Theilnahme bedürftig sind."

Bei allen Verwendungen soll als oberster Grundsatz gelten,daß dabei die Rücksichten allge­meiner Menschenliebe ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses maßgebend sind."

Wir richten nun an alle Bewohner unserer Provinz die angelegentliche Bitte, zur Erreichung des schönen Zweckes dieser Stiftung nach besten Kräften mitzuwirken. Insbesondere ersuchen wir einflußreiche wohldenkende Männer, sich der Sache freundlichst anzunehmen, und vermittelst Bildung von Local - Comito^s und Zweigvereinen dafür thätig zu sein, daß Listen in Umlauf gesetzt werden, in welchen sowohl Beiträge zum Kapitalstock, als jährliche Bei­träge gezeichnet werden können *). Wir sind bereit, allen, welche in der angegebenen Weise wirken wollen, Abdrücke des Statuten-Entwurfs, Formulare zu Einzeichnungen, sowie jede gewünschte Auskunft, zukommen zu lassen.

Zugleich behalten wir uns vor, Alle, welche sich an der Stiftung betheiligen werden, demnächst zu einer Zusammen­kunft einzuladen, um über die Annahme der Statuten, die entsprechende Betheiligung der Zweigvereine an der Verwen­dung der Mittel, und die Wahl eines definitiven Vorstandes zu beschließen.

Gießen, im November 1862.

Das provisorische Comile.

Arnold, Bürgermeister von Grünberg, Dr. Georg Berna, Gutsbesitzer von Büdesheim, Albert von Breidenbach zu Breidenstein, Wilhelm Brill, Apotheker und Bürgermeister von Rödelheim, G- Buderus, Fabrikinhaber von Hirzenhain, C. G- Bücking, Kaufmann von Alsfeld, Ludwig Bücking, Fabrikant von Gießen, Calmberg, Landrichter von Vöhl, Dr. Engel, Geheime - Kirchenrath von Gießen, Dr. Engelbach, Hofgerichtsadvokat von Gießen, W. Fertsch, Kaufmann von Friedberg, Dr. Fluck, Professor und Pfarrer von Gießen, Georg Fnlda, Fabrikant von Gießen, Fuhr, Regierungsrath von Vöhl, Gail senior, Fabrikant von Gießen, Dr. Haberkorn, Oberförster von Ortenberg, Habicht, Decan von Grünberg, Heinrich Homberg er, Fabrikant von Gießen, I. Jakoby VI., Bürgermeister von Rodheim, Theophil Jung, Kaufmann von Freienseen, Seligmann Kaufmann, Kaufmann von Schotten, Kemp ff, Poststallmeister von Gießen, Kißling, Kammerrath von Hungen, Klingelhöffer, Landrichter von Biedenkopf, Küchel, Bürgermeister von Butzbach, Küchler, Gehcimcrath von Gießen, Dr. Freiherr von Lersncr, Gutsbesitzer von Obererlenbach, Dr. Levi, Rabbiner von Gießen, Limpert, Steuer - Commissär von Grünberg, Löwenstein, Bürgermeister von Vöhl, Georg Noll, Hüttendirektor ans der Ludwigshütte, Dr. Ort weilt, Landrichter von Grünberg, Otto, Dekan von Alsfeld, Ploch, Landrichter von Gießen, Preußer, Bürgermeister von Friedberg, Ramspeck, Bürgermeister von Alsfeld, August Reuuing von Nidda, A. Ricker, Buchhändler von Gießen, Adolph Rull mann, Ockonom von Stammheim, Sartorius, Landrichter von Lieh, Dr. Schilling, Professor und z. Rektor der Landes­universität zu Gieße», Schuster, Obereinnehmer von Gießen, C. F- S ch w a r z von Echzell, I. I. S e i p p e l I. von Butzbach, Dr. Simon, Superintendent von Gießen, I. Steinhäußer von Friedberg, Ludwig Thndichum, Dekan von Rödelheim, Trautwein, Stadtpfarrer von Lauterbach, Vogt, Bürgermeister

von Gießen, Weber, Hofgerichts-Direktor von Gießen, Wolff, Bürgermeister von Hörniughasen.

*) Anmerkung. Einzeichnungslisten sind bereits in Umlauf gesetzt. Indem wir dieselben der mildthätigen Theilnahme unserer Mit­bürger empfehlen, halten wir uns zu der Hoffnung berechtigt, das; es der Stiftung vermittelst vereinter Ansammlung von Mitteln gelingen wird, ihrem hehren Humanitätszwecke, der Linderung menschlicher Nvth, in erwünschtem Maaße zu entsprechen. Derselben sind u. a. schon 200 fl. von der Sparkasseverwaltung zu Ortcnberg zugewcndct worden. Möge dieses löbliche Beispiel Nachahmung finden.