700) Ein freundliches Logis von 2 Zimmern mit Kabinet ist durch den Wegzug des Herrn Wenzel alsbald zu vermiethen. Auch kann auf Verlangen noch eine oder zwei Stuben abgegeben werden. _______Georg Lampus, am Kreuz.
715) Zwei Logis sind in meinem Hause zu vermiethen unv können im Juni bezogen werben.___________Gg. Heinr. Lony.
687) Ein möblirtes Zimmer, nach der Straße gehenv, ist zu vermiethen bei Schmiedmeister Unverzagt.
701) Eine Familienwohnung, nebst einer Miststätte, ist zu vermiethen bei
Philipp Schwalb Wittwe.
663) In dem vormals Schneider Schnei- der'schen Hintcrhause ist ein Zimmer zu vermiethen.
688) Mehrere Handwagen und Garten- Eggen sind gegen Vergütung zu verleihen bei Schmiedmeister Unverzagt.
Vermischte Anzeigen.
710) Der Unterricht in meiner Lehranstalt beginnt wieder den 18. April.
Anmeldungen neu aufzunchmender Schüler können täglich bei mir entgegengenommen werben.___________________C. Rahn.
722) Am 27. d. Mts. ist entweder in hiesiger Stadt oder in deren näheren Umgebung ein goldenes Medaillon verloren worden. Der redliche Finder wird gebeten, dasselbe gegen eine gute Belohnung an mich abzuliefern.
Gießen, den 29. März 1861.
Wolf, Hofger.-Avvocat.
707) Anmeldungen zur Ausnahme in die hiesige Großherzogliche Realschule für das mit dem 22. April beginnende neue Schuljahr können vom 14. April an täglich vormittags bei der unterzeichneten Direction gemacht werben. Die Prüfung der aufzunehmenden Schüler findet den 19. April vormittags um 9 Uhr in dem Realschulgebäude statt.
Gießen, am 25. Merz 1861.
Großherzogliche Direction der Realschule zu Gießen.
Dr. Weigand.
4o8) Auswanderer
nach allen Häfen Amerikas befördere ich über Bremen
auf den vorzüglichsten, zur Passagierfahrt eigens erbauten und eingerichteten, mit gutem Proviant reichlichst ausgerüsteten
Dampf- und Segelschiffen
und halte mich zum Abschlüsse von Schiffsverträgen bestens empfohlen.
Carl Spruek,
Wallthorstraße, Lit. A. Nr. 57, Gießen.
§ Mdenlmrger Feuer-Versicherungs-Gesellschaft.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß dem Herrn A. Schultheiß jun. eine Agentur für Gießen und Umgegend übertragen worden ist.
Darmstadt, den 20. März 1861. Die General-Agentur.
Gg. Schwanholz.
Die Oldenburger Feuer-Versicherungs-Gesellschaft, statutenmäßiges Grundkapital 3,500,000 ft., erste Emission 1,750,000 fl.,
übernimmt Versicherungen gegen Feuersgefahr zu festen, der Gefahr entsprechenden Prämien auf Mobilien, Fruchte, Vieh, Maschinen-Fabrik-Etablissements u. s. w. Antrags-Formularien und Versicherungs-Bedingungen werden unentgeldlich verabreicht.
Gießen, den 22. März 1861. Die Agentur.
A Schultheiß jun.
696) Der Wetterauer Bote Nr. 31 berichtet über eine bei mir, dem Unterzeichneten , gehaltenen Versammlung vom 24. Februar d. I. — Es ist wahr, daß diese Versammlung der Baptisten-Gemeinde Fronhausen bei mir stattgefunden hat; nur das, was darüber berichtet ist, muß ich als eine vorsätzliche, böswillige Verdächtigung und Entstellung bezeichnen. In dieser Versammlung wurde allerding ein Vortrag von dem Vorsteher der Gemeinde, dem Schreiner Becker aus Fronhausen, über die Worte Ps. 90 V. 12 gehalten; darauf wurde das Abendmahl gehalten und von ebendemselben verwaltet, wobei Trennung der männlichen und weiblichen Mitglieder stattfindet; am Schluffe des Mahls wird ein der Feier Ausdruck gebender Vers gesungen, wobei die Mitglieder Hand in Hand geschlossen stehen; wann derselbe beendet, geben sich die Nahstehcnden den Bruderkuß mit einem Wort der Ermahnung zur Treue auf den Tod Jesu. Dies die Form der Versammlung der Baptisten-Gemeinven!
Sollte vielleicht der Berichterstatter des „Wctterauer Boten" zu denjenigen Leuten gehören, die aus allzugroßem Eifer für die Wahrheit, dieselbe selbst vergessen, so möchte ich ihm zurufen: Komm und siehe es! — Daß aber derselbe alles, was er berichtet, nicht gesehen, geht aus seiner eigenen Darstellung hervor; wahr scheint bei ihm das Wort zu sein: Weß das Herz voll ist, deß geht der Mund über. Das Umhalsen muß sein Lieblingsthema sein; dabei dürfte er wohl die Stelle eines ersten Liebhabers einnehmen, und mit Zuversicht wäre zu erwarten, ihn auf den ersten Bänken in solchen Versammlungen zu sehen, wenn er wüßte und selbst glaubte, daß das wahr sei, was er berichtet; daher scheint es ihm auch auffallend, ein Frauenzimmer in meinem Hause zu wissen und sich dabei Sitten-Reinheit zu denken, ein solcher Gedanke scheint bri ihm zu dem Unmöglichen zu gehören. Wäre er nur gekommen, um zu sehen — er hätte über Zweck, Alter und Herkunft gewisse Auskunft haben können.
Wenn der Berichterstatter damit den Nagel auf den Kopf treffen will, daß er solche Vorgänge dem Urtheil der öffentlichen Meinung überläßt, so darf ich ihm zur Beruhigung sagen, daß dasselbe längst bei dem wohlgesinnten, urteilsfähigen und wahrheitsliebenden Publikum über die Baptisten gefällt ist, nur leider nicht im Geschmack des Berichterstatters. Denn Niemand bedarf das Urtheil der öffentlichen Meinung weniger zu scheuen, als die Baptisten; weil bei ihnen der Grundsatz fest steht, daß Religion im christlichen Sinne unzertrennlich ist von der höchsten Moral, und wo dies nicht vereint ist, Ausschluß erfolgt. Da die Aufnahme in die Baptisten-Gemeinde nur von einem veränderten Lebenswandel, vereint mit christlicher Gesinnung, abhängig ist, so fällt nicht in Betracht, was die Leute waren, sondern was sie eben sind. Ferner ist wahr, daß die Baptista: bei ihren Gottesverehrungen in den Versammlungen keinen Geschmack daran finden, von einem geistlosen Tugendritter der Neuzeit unterhalten zu werden; das Verhältniß zwischen ihnen und ihrem Gott ist das einzige, was sie hören wollen.
Beuern," den 27. März 1861. PH. Sommerlad.


