Beilage zu Nr. 36 des Anzeigeblattes.
Vermischte Anzeigen.
Zweiundzwanzigster Jahresbericht
Der
Augenheilanstalt zu Darmstadt und der damit verbundenen operativen Clinik
von dem leitenDen Arzt derselben
Dr. II. Kücliler.'
(Wilhelminenstraße I. 117.)
Die Augenheilanstalt besteht zwar fast drei Jahrzehnte und ist eine der ältesten in Deutschland; doch ist sie rüstig vorgeschritten mit dem Geist der Zeit und den Forderungen der Wissenschaft. Die Krankenzimmer der verschieDenen Abtheilungen sind vertheilt im Vorderhaus und in den beiden Seitengebäuden. Zwischen dem Vorderhaus und dem einen Flügel liegt das Operationszimmer und das Cabinet für Augenuntersuchungen. Die ganze Anstalt bildet ein im Interesse der Verschiedenheit der Stände und Ansprüche nur relativ getrenntes Ganze. — Früher fast ausschließend operative Anstalt, war es eine Forderung der Zeit, auch anderen schweren Augenleioen ein Asyl zu geben. Besonders sind es die inneren schweren Augapfelleiden, über welche der Augenspiegel in der neuesten Zeit ein wohlthätigeS Licht zu verbreiten angefangen hat, welche sich heut zu Tage der sorgsamen Pflege des Vorstandes einer Augenbeilanstalt zu erfreuen haben müssen. — Die Verköstigung aus Gast- und Speisehäusern sagt im Allgemeinen den Kranken wenig zu; auch Die sorglichste Controle vermag sie Der eigenen Köche an Zweckmäßigkeit nicht gleich zu stellen; es ist Deshalb die Küche schon längst theilweise in der Anstalt besorgt und jetzt die ganze Bkwirthschaftung Dem Hause übertragen worDen. — Sind auf der einen Seite die Opfer sehr groß, welche die Direction für Alles bringt, was die Erfahrung als gut und nützlich erweist, so ist auf der anderen Seite eine erhöhte Theilnahme auch des gebildeten Publikums in sichere Aussicht zu stellen und namentlich wünschenswerth, daß vorurtheilsloser Die hohe Wohlthat einer wohlorganisirten Augenheilanstalt erkannt unD benutzt werde. Den trefflichen Resultaten gegenüber, welche die Augenheilkunde unserer Zeit gewährt in Behandlung der meisten äußeren und inneren Augenleiden, und beispielsweise zu reden bei der hohen Ausbildung der Operation des Schielens, der Operation der Ausschneidung der Regenbogenhaut und ihren herrlichen Erfolgen für den Gebrauch des Gesichtsorgans mußte billig angenommen werden können, daß die Zahlenreihe dieser Hülfsleistungen dreifach größer würde. Die Oeffentlichkeit und Sorgfalt unserer wissenschaftlichen Nachweise, welche alljährlich in der Deutschen Clinik zu Berlin geschehen, bürgt uns für Das Durchdringen dieser Ueberzeugung. Die Aerzte des Landes finden dort eine große Reihe wissenschaftlicher Ideen im engen Rapport zu Beobachtungen in Der Augenheilanstalt ausgeführt.
Im Jahre 1860 sinD laut offen liegendem Namensverzeichniß 152 selbstständige Operationen in dieser Anstalt ausgeführt worden, ohne Berechnung von Ausziehung fremder Körper am Auge oder Hülfen der niederen Wundarzneikuust. Im Einzelnen stellt sich die Statistik, wie folgt: 1) der Operation Des grauen Staares wurden unterzogen 28 Fälle (Lappenextraction 20, Umlegung 4, Lineare-Ausziehung 1, Auslöfflung 1, Zerstückelung 2.) 2) Der Operation der Ausschneidung Der Regenbogenhaut wurden unterzogen 20 Fälle. Die Operation geschah wegen Leiden Der Hornhaut, der Pupille oder der Gefäßhaut. 3) Der Operation des Schielens wurDen unterzogen 16 Fälle. 4) Der Circumeision des Augapfels 30 Fälle. 5) Der Thränenßstel- Operation 5 Fälle. 6) Der Operation der Querspaltung der Hornhaut 2 Fälle. 7) Der Operation der Auskernung des Augapfels 2 Fälle. 8) Der Operation Der AuswärtswenDung Der AugenliDer 5 Fälle. 9) Der Einwärtswendung der Augenlider 1 Fall. 10) Des Symblepharon 2 Fälle. 11) Von Hypopien und Hernien 2 Fälle. 12) Der Einsetzung künstlicher Augen 9 Fälle.
An diese rein augenärztliche Chirurgie reiht sich: 13) Operation von festen Geschwülsten an Auge unD Hals 4 Fälle. 14) Desgleichen von Biutgeschwülstcn 2 Fälle. 15) Desgleichen von Schleimhautgeschwülsten, Polypen 4 Fälle. 16) Desgleichen von Wassergeschwülsten 2 Fälle. 17) Desgleichen von Fettgeschwülsten 1 Fall. 18) Desgleichen von Krebsgeschwülsten 6 Fälle. 19) Plastische Operationen 1 Fall. 20) Sebnenschnitte und Contracturen 5 Fälle. 21) Operation von Eingeweide-Vorfall 1 Fall. 22) Von Nekrose 1 Fall. 23) Von tiefen Abscesscn an Hal« und Gliedern unD tief eingebetteten fremden Körpern 3 Fälle.
Diesen chirurgischen Handlungen reihen sich an: 24) Die clinische Behandlung von Stasen und Hyperämien der Tiefe des Auges mit folgender Gesichtsschwäche 7 Fälle. 25) Die clinische Behandlung von schweren äußeren Augenentzündungen 8 Fälle. 26) Die clinische Behandlung von Prosopalgie 1 Fall.
Mit wenigen Ausnahmen sind schöne, vollständige, zum Theil seltene Heilungen erzielt worden. Mit Rücksicht auf die Zah- lenverbältnisse sei bemerkt, daß auch noch crne erhebliche Anzahl weiterer Operationen außerhalb der Grenzen der Anstalt ausgeführt worden sind, als: Schieloperationen, Circumcisionen, Ausschneidungen der Regenbogenhaut, Thränenfisteloperationen, Cetropien, Auskernung des Augapfels — und daß die Zahl der außerhalb derselben behandelten Augenleiden mehrere Hunderte betragen hat. Es sei diese Anstalt auf's Beste der Theilnahme des Publikums empfohlen.
Die Personal-Controle über die angeführten Fälle steht Jedem, den es interessirt, zur Einsicht offen.
Dr. Küchler.
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Musik-Capelle.
Fr. Graf.


