Ausgabe 
22.8.1857
 
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Beilage zu Nr. 67 des Anzeigebmttes.

V e r m i s ch t e Anzeigen.

Hulseruf

für die abgebrannten Trarbach er.

Es hat dem allmächtigen Gott gefallen, die Stadt Trarbach an der Mosel mit einem schrecklichen Brandunglück Heimzu­suchen. Am 21. b. M. waren die Bewohner desselben größtentheils in ihren Weinbergen und auf ihren Feldern sorglos beschäftigt, als gegen 5 Uhr des Nachmittags an der Nordwestseite der alterthümlich eng zusammengebauten Stadt eins der ältern Häuser in Hellen Flammen aufloderte. Von der großen Hitze waren die in Fachwerk aufgebauten Häuser ausgedörrt, ihre oberen Räume mit Heu und Holz angefüllt; ein starker wechselnder Wind wehte in solcher Heftigkeit, daß sich das verheerende Element in unglaub­licher Schnelligkeit nach allen Seiten hin fortwälzte. Eiligst war von nahe und fern Hülfe am Platze. Die nachhaltigste, auf­opferndste Anstrengung war vergeblich: In Zeit von kaum vier Stunden lag die Stadt in Asche. Das alte Trarbach ist nicht mehr! Außer der schmalen Moselfronte und weniger Häuser an den entgegengesetzten Thoren ist Alles, Alles, was innerhalb der Stadt­mauern lag, niedergebrannk. Von 250 Gebäuden ist etwa der zehnte Theil verschont geblieben. Aber, was Jedermann für un­möglich gehalten hätte: die hoch auf dem Berge allein stehende Kirche, die wie eine Krone die Stadt schmückte, entzündete sich zuletzt noch durch die ungeheure Glut der Luft; das brennende Heiligthum mit den darunter liegenden Pfarr- und Schulhäusern bot im abendlichen Dunkel einen herzzerreißenden Anblick dar. Bei der reißenden Schnelligkeit, mit der die verzehrende Flamme um sich griff, bei der Enge der Straßen und Gaffen, bei der Verwirrung, die sich der Unglücklichen bemächtigte, konnte nur sehr Weniges gerettet werden, und das Wenige, das man in die Keller geflüchtet hatte, wurde zum großen Theil vom Feuer erreicht.

Das Elend ist entsetzlich; noch ist es nicht in seiner ganzen Größe zu überschauen: von 1700 Einwohnern sind mindestens 1400 obdachlos. Ein Dritttheil hat in dem gegenüberliegenden Traben Unterkommen gefunden, zum Theil bei bedürftigen Leuten; aber für die Andern, die noch zum Theil auf den Straßen und in den Gärten lagern, fehlt das schützende Dach. Wo sollen sie untergebracht werden? Woher die Kleider nehmen für Diejenigen, welche, von der Arbeit heimeilenv, ihr Haus mit Allem, was darin war, vernichtet fanden, woher die Bedeckung nehmen für die armen Kinderchen und Säuglinge, woher die Schuhe, die Strümpfe, die Hemden, die Oberkleider für die Männer, Frauen, Knaben und Mädchen; woher das Lager nehmen, wo die von körperlicher Anstrengung unv .Seelenschmerz erschöpften unv zerschlagenen Leute die matten Glieder, das müde Haupt hinlegen? Die Vorräthe an Nahrungsmitteln sind in den Speichern, Kammern unv eingestürzten Kellern vernichtet!Was sollen wir essen, was sollen wir trinken, womit sollen wir uns kleiden?" so fragen wir nicht in heidnischem Kleinglauben, sondern im zuversichtlichen Vertrauen auf die Hülfe des Herrn, der die Herzen zu Mitleid unv hülfreicher Barmherzigkeit leiten wird. Brüder und Freunde, widersteht denn seinem Zuge nicht, sorget, helfet mit vem, was Gott Euch geschenkt und gnädiglich erhalten hat, jeglicher nach seinen Kräften. Gaben jeglicher Art sind da willkommen, wo es an Allem fehlt und es wird gebeten, dieselben an das Unter« stützungs - Comitv gelangen zu lassen. Trarbach, den 23. Juli 1857.

Halm, Ober - Regierungs-Rath in Coblenz. Ulrich, Landrath in Zell.

Vollmar, Bürgermeister. Ferd. Haack. Peter Merten, Vorsteher von Traben. H. Caspary. L. Kaeß. C. Zimmer.

(£. Korn. T. C. Franz, evangel. Pfarrer. I. W. Huesgen. Claßen, Steuer-Empfänger. H. Knod, Conrrctor am Progymnasium. Fr. v. Kloschinsky, Pastor. Ad. Pfeiffer, Apotheker. C. Faust. Dr. Gross, Pfarrer in Trarbach.

Pfender, Pfarrer in Traben. Bücking. Dr. Graff. D. Staffier, Rector des Progymnastums.

Die Revaction dieses Blattes ist erbötig, etwa eingehende milde Gaben an ihren Bestimmungsort zu befördern.

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Geschäfts - Empfehlung.

1822) Meinen verehrlichen Geschäfts­freunden , sowie dem Publikum, widme ich hiermit die ergebene Anzeige, daß ich außer meinem seither betriebenen Lignenrfabri- kations - Geschäft und meiner Branntwein- und landwirthfchaftl. Producten-Handlnng, auch eine

Wein - Essig - Fabrik eröffnet habe, und empfehle ich mich hierin, unter Versicherung billigster Preise und reeller Bedienung, zu geneigter Abnahme.

Steinbach bei Gießen, den 3. August 1857.

Mayer Katz.

1920) Ein Setzerlehrling wird gesucht. Das Nähere bei der Red. d. Bltts.

1922) Eine brave Magd, welche kochen kann, wird zu Michaeli gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts.

Kirchweihe $ § zu Rodheim. S £ 1915) Sonntag den 23. und g

»"Montag den 24. d. Mts. wird g das Kirchweihfest zu Rodheim ab« H gehalten, wozu ergebenst einladen : g Carl Schlierbach, t*

g Christian Schlierbach. §

Auszuleihen.

1877) 70,000 st. liegen zum Aus­leihen, für Gemeinden, bereit; auch können solche in kleineren Raten, zu 4 pCt., ab­gegeben werden.

Friedberg, im August 1857.

Joseph Straus.