Ausgabe 
14.7.1855
 
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Beherzigeuswerthe D?athsehlags

der deutschen Gesellschaften in Amerika für Diejenigen, welche dahin auswandern wollen:

1) Lasset euch nicht durch Vorspiegelungen von Passage-Agenten zur Auswanderung verleiten.

2) Reiset, wo möglich, nicht vor dem i. Februar und nach dem 15. September von Europa ab.

3) Machet euch auf eine beschwerliche Reise und harte Arbeit in Amerika gefaßt.

4) Verlasset die Hcimath nur, wenn ihr sicher seid, genug Geld mit nach Amerika zu bringen, um Land zu kaufen, oder zu

Freunden und Verwandten zu kommen.

5) Bringt alle eure Gelder in Amerikanischem, oder Englischem oder Französischem Gelde mit, nehmt keine Hayti'sche Dollar's, die hier nur 24 Cents Werth sind.

6) Versprechen euere Verwandten euch Geld nach Amerika zu senden, so ermahnt sie, es ja zur versprochenen Zeit zu thun, und unter Adresse des Consuls oder deutscher Gesellschaft an euch zu schicken.

7) Habt ihr mehr Geld, wie ihr zur Reise braucht, so lasset euch einen Wechsel an ein angesehenes Handlungshaus auf Amerika geben, vertrauet weder Geld noch Wechsel dem Capitain, Steuermann oder sonst Jemand auf dem Schiffe an.

8) Lasset euch mit dem Wechsel einen versiegelten Avis-Brief von dem Aussteller an den Acceptanten in Amerika mitgeben, der euere Unterschrift enthält, damit ihr euch hier als Inhaber legitim.ir.en könnt, ihr vermeidet dadurch viele Um­stände. Wechsel auf deutsche gute Häuser verdienen jedenfalls den Vorzug.

9) Ihr verliert gewöhnlich, wenn ihr schon in Deutschland einen Contract für die Weiterreise in Amerika macht, nnd seht euch außerdem dem Betrug aus.

10) Kaufet auf keinen Fall Land in Amerika, ehe ihr es gesehen habt.

11) Bezeichnet euer Gepäck, Stück für Stück, deutlich und unausiöschlich, wo thunlich mit euerem Namen und Bestimmungsorte und habt ein scharfes Auge darauf beim Ein- und Ausladen am Schiffe sowohl, wie bei der Reise ins Innere, einmal verloren, findet ihr es schwer wieder.

12) Lasset euere Güter am Orte der Abreise durch den Consul versichern, falls ihr cs wünschet, und lasset euch von selbem einen Brief an den Consul in Amerika geben, damit ihr im Fall von Verlust eueren Schaden reelamiren könnt.

13) Bei Ankunft in Amerika sehet euch ja vor, wem ihr traut, wendet euch um Rath an eueren Consul und die deutsche Gesellschaft und trauet keinen falschen Freunden, die euch zu betrügen trachten.

14) Wollt ihr ins Lanv, so haltet euch nie länger, wie nothwendig, in der Stadt auf, und braucht ihr Rath, so geht zum Consul, es kostet euch nichts und er wird eueh sicher zum Besten rathen. Wird euch bei ihm oder in der deutschen Ge­sellschaft für Rath Geld abgefordert, so seid ihr nicht im rechten Hanse, zahlet es keinen Falls.

15) Notirt euch Namen eueres Schiffes und Capitains, sowie Tag der Abreise und Ankunft.

16) Habt auf euere Kinder acht, sie gehen in einer großen fremden Stadt leicht verloren und sind nicht so leicht wieder zu finden.

17) Muß ein Glied euerer Familie ins Hospital, so bringt euere Adresse an die deutsche Gesellschaft oder den Consul, um euch wieder treffen zu können.

18) Nehmet euere Gesundheit in Obacht, nach langer Seereise schmeckt Bier, Obst und Gemüse; aber übermäßiger Genuß davon hat schon manchen den Tod gebracht.

19) Habt ihr ein Unterkommen gefunden, so fügt euch in die Amerikanischen Sitten und Verhältnisse, seid ehrlich, fleißig und genügsam, ohne Das werdet ihr es nie zu etwas in der neuen Welt bringen.

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Haupt - Agentur van I. Lauckert in Gießen

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Gießen. J. Lauckert Wittwe.

1463) Sonntag den 22. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr,

findet im Saale des Herrn Ph. Leib da­hier die Abhör der Rechnung des Kranken- unterstützungs-, Sterbekasse- und Wittwen- unterstützungs-Vereins vom 1. Juli 1854 bis 1. Juli 1855, sowie die Wahl von zwei neuen Vorstands- und vier Ausschuß- Mitgliedern Statt, und soll hierauf wtgcn Abänderung des §. 11 der Statuten Bera- thung und Abstimmung vorgcnommen werden.

Der Vorstand wünscht int Interesse des Vereins, daß sich die verchrlichen Mitglie­der recht zahlreich cinfinden möchten.

Lugleich wird weiter bemerkt, daß die obige Rechnung von heute an 8 Tage lang, des Nachmittags von 1 bis 4 Uhr, in der Wohnung des Unterzeichneten zur Einsicht der Vercinsmitglicder offen liegt.

Gießen am 14. Juli 1855,

In Auftrag des Vorstandes: Gg. Schmitt.