Ausgabe 
29.5.1850
 
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großes Thor, über welchem das Bild der heiligen Jungfrau und die Worte Refugia Peccatorum stehen, bildet den Eingang. Das Pilgerhaus, wo Fremde ihre Wohnung finden, steht auf der rechten Seite des äußern Hofraums, wo sich auch eine kleine Capelle zum Gebrauch für Frauen' befindet, welche die Messe besuchen wollen; denn sie dürfen unter keiner Be­dingung die innern Pforten des Klosters betreten. Auf der linken Seite des Eingangs ist das Hospital, die Kirche für das Refectorium der Fremden, die Stu­ben für die Buchbinder und Weber und viele andere Handwerker, welche zur Brüderschaft gehören. Inner­halb der inneren Thore befinden fich die Ställe und Scheunen, die in einer Art Wirthschaftshof liegen, jenseits welchem, am Ende eines großen Gartens, das eigentliche Kloster, die Kirche und eine Wassermühle steht, welche das Mehl für das Bedürfniß des Hauses liefert. Die Kirche, deren Thurm von jeder Seite deS Thales aus gesehen werden kann, ist bewundernswürdig der Einfachheit und Neuheit ihrer Bauart wegen. Sie gleicht der alten Kirche so sehr als möglich und zeigt in der Form ihres Daches das Bild eines um­gestürzten Schiffsrumvfes, um den Umstand, welcher die erste Gründung des Klosters veranlaßte dem Ge- dächtniß auszubewahren. Das Innere wird durch Bogenfenster, welche in der Nähe «ber Decke angebracht sind, erleuchtet und durch eine Art Schirm in zwei Theile getheilt, in denen sich in den Stunden des Gottesdienstes die zwei Classen der Mönche beünden die freres de choeur, in der Abtheilung, wo der Hochaltar ist, und die freres convers in der hintersten Abtheilung. Die Wände sind übrigens ganz schmuck­los , nur hinter dem Hochaltar steht in einer Nische das Bild der Jungfrau und drei große Nosetten sind in einer Linie in der Mitte der Decke angebracht. Außer dem Hochaltar befinden sich in der Abtheilung für die freres convers zwei kleinere Altäre. Bier kleinere Kapellen sind mit der Kirche verbunden, wo­rin täglich Messen von jedem Bruder, der die Priester­weihe erhalten hat, gelesen werden. Gold, Silber (mit Ausnahme der heiligen Gefäße,) Marmor und Seide sind verboten, dock sind die wollenen oder baum­wollenen Gewänder der Priester und die Stoffe, welche bei den verschiedenen heiligen Handlungen gebraucht werden, mit kleinen seidenen Borden besetzt. Auch die Orgel und jede andere Instrumentalmusik ist nach der

Regel des Ordens verboten, und so gebricht ihrem Gottesdienste gerade diejenige Zierde, welche den katho­lischen Gottesdienst so blendend und herzerhebend macht, doch wird es einigermaßen durch die Wirkung ersetzt, welche das laute Gebet der Brüder hervorbringt und die bei den tiefen Stimmen einer gewissen Würde nicht entbehrt. Nur ihre täglichen Lobgesänge oder Psal­men verdienen kein Lob, denn die Melodie schließt Alles ein, was disharmonisch genannt werden kann.

Das Klostergebäude, das aus den Trümmern des früheren Gebäudes gebaut worden ist, hat keine Spur des Alterthums an sich und gleicht, vom Eingänge aus gesehen, einem anständigen Pachtcrhause, so daß man die Größe und Einrichtung des Innern keines­wegs von außen errathen kann. An den Wänden der Gänge und der Zimmer sind Stellen aus der Schrift, nach der lateinischen Uebersetzung der Vulgata ange­schrieben, welche sich auf die besonderen Gebräuche des Hauses beziehen. Früher hatte jeder Mönch seine eigene Schlafstelle, doch seit ihrer Rückkehr aus der Schweiz ist ein großer Schlafsaal gebaut worden, in welchem die Brüder gemeinsam die Nacht zubringen. Eine hölzerne Gallerte nimmt fast den ganzen Raum des Zimmers ein, und läßt nur einen kleinen Raum für das Fenster und einen Gang zur Communication übrig. Diese Gallerte ist in eine Anzahl kleiner Zel­len geschieden, von denen jede ein Rollbett mit einer Strohmatratze und ein kleines schwarzes Crueifir mit einer bleiernen Figur Christi, einen Kupferstich nach Rafaels Gemälde der Madonna und ein kurzes Gebet enthält, das an die Breitwand an die Seite des Bet­tes angeklebt ist. Ueber dem Eingänge einer jeden Zelle ist der Name des Eigners angeschrieben; sie ist außerdem mit einem Vorhang versehen, der den Tag über aufgerollt ist, damit frische Luft in das Zimmer- chen kommen kann und gewissenhaft jeden Abend herabgelassen wird, wenn die Ruhestunde schlägt. Die einzigen Worte, welche zu irgend einer Zeit in dem Dormitorium gesprochen werden dürfen, sind die des BußpsalmesMiserere welcher jeden Freitag Morgen von allen am Eingang ihrer Zellen stehenden Mön­chen reeitirt wird, wobei sie nach dem Vorgang des Abts, der den Psalm vorsagt, sich auf den entblößten Rücken mit einer kleinen Peitsche geißeln, welche aus drei mit einer Peitsche versehenen Riemen besteht.

(Fortsetzung folgt.)

Für bie Abgebrannten zu Bingen

gingen bei den Unterzeichneten nachstehende milde Gaben ein. _

Geh.-R. Knorr 10 ft., Fr. Schirmer 5 st., G. Fulda 5 fl., Reg.-R. Küchler 1 fi. 45 fr., Überschuß aus per Caffe der Fortbildungsschule 2 fl. 15%. fr., Buchdrucker G. D. Brühl I. 1 fl., Ingen. Eickeineper 3 fl Reg.-R. v. Willich 3 fl., Hofg.-R. Köster 2 fl., Conduet. Heiner 35 fr., W. 18 fr., Postsecret. Maurer 1 fl. 30 fr., Postpr. v. Kuder 1 fl., Postsecret. Hoffmann 1 fl., Postpr. Horn 1 fl., Postm. Schön 3 fl., W. Heinemann 1 fl., A. Drevermann 30 fr., Prof. Zamminer 1 fl., Prof. Kopp 1 ft., Prof. Eckhard 1 fl., Jng. Daudt 1 fl., Lit. Garnier 1 fl., Stork von Cöln 35 fr., Winterstein von Nidda 1 fl-, Fr. Block 1 fl., Windecker 5 fl., Prof. Lhs. 1 fl., P. V. 1 fl., F. V. 12 kr., Prof. Schmidt 4 fl., Prof. Klein 3 fl., Prof. H.Hofmann 1 fl., E. Heinemann 2 fl. un Ganzen 67 fl. 40 %fr. Den edlen Wohlthütern im Namen der Unglücklichen danfend, bemerken wir, daß diese Summe heute an den Unterstützungs-Ausschuß in Bingen abgesandt worden ist, daß wir jedoch zur Empfangnahme weiterer Gaben gerne bereit sind.

Gießen den 24. Mai 1850.

E. Heinemann. Köster. Schöm_____v. W illich. (109Z)

"" ' Druck undlerlag der G. D. Brühl'schm Buch- und Steindruckerei.