Ausgabe 
23.2.1850
 
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Der Reichstagswahlverein in Gietzen

an die

Wähler des Wahlkreises Gießen für den Reichstag zu Erfurt.

Unfer bisheriger Candidat für die Deputirteustelle unseres Wahlkreises am Reichstage zu Erfurt, der unterzeichnete Vorsitzende Professor Ur. Kölln er, ist von seiner Candidatur zurückgetreten, weil es wenigstens zweifelhaft ist, ob er nach der von der Regierung erlassenen Verordnung über die Reichstagswahlen wählbar sei, oder nicht, da er noch nicht 3 Jahre im Lande, der Antrag der L Kammer aber aus Abänderung dieser Bestimmung nicht berück­sichtigt worden ist, wie man, als die Wahl im Reichswahlvereine Statt sand, hoffen durste.

' Er hat geglaubt, es seiner Ehre schuldig zu sein, vor der Wahl zurückzuireten. Er wollte einerseits nicht eine Candidatur fortsührcn, deren Recht wenigstens zweiselhast ist, und wollte andererseits dem Vereine die Möglichkeit geben, einen anderen Candidaten auszustellen, der mit uuzweiselhaftcm Rechte der Wählbarkeit die politischen Grundsätze des Vereins ent­schieden vertrete.

An seine Statt ist von dem Vereine einstimmig Herr

Forstmeister von Dusecsi

zum Candidaten des Wahlkreises Gießen gewählt worden, ein Mann, der nicht bloß im Wahl­kreise sondern im ganzen Großherzogthume viel zu bekannt ist, als daß wir viel von ihm sagen dürsten. Herr v. B u s e ck ist ein eben so großer Freund des Volks und der gesetz­lichen Freiheit, als er durchaus alle Verhältnisse des Staatslebens praktisch genau kennt.

' Herr v. Buseck hat schon aus dem Landtage 1833 als Volksvertreter, ohne Rücksicht auf seine persönlichen Interessen, zum Besten des Volkes gewirkt, und ist von Anfang der deutschen Bewegung m i t E n t s ch i e d e n h e i t für die Freiheit, Einheit und das wahre Wohl des deutschen Volkes aufgetreten, als deutscher Mann sich ofsen bekennend zur constitutionellen Monarchie. Solche Männer bedarf Deutschland, bedarf auch unser Wahlkreis, Männer, die mit Muth und so anerkanntem ehrenwerthen Character auch fähig sind, wenn es noch thut, Opfer zu bringen für die gute Sache.

Darum, Ihr Wähler, prüfet unsere Worte, und wollt Ihr so vertreten sem, so wählet nur solche Wahlmänner, die dem Herrn Forstmeister von B u s e ck ihre Stimmen geben.

Gießen den 17. Februar 1850.

Der Vorstand des Reichswahlvereins.

Der Vorsitzende: Die Schriftführer :

vr. Kölln er, Professor. Rosenberg, Hofgerichts-Advocat.

Der Stellvertreter des Vorsitzenden: vr. Wilbran-, Professor.

G g» P h. Gail, Tabakssabrikant.

Ich erfülle gern die angenehme Pflicht, allen dm Männern des Wahlkreises, welche mir ihre Stimmen zugewendet hatten, für dieses ehrenvolle Vertrauen meinen herzlichen Dank z Gieren den 18. Februar 1850. vr. Köllner, Professor.

297) Gießen. w

Militär - Mellvertretungs - Vertrage

für solche, welche auf den 1. März oder 3. April l. I. zum Dienst einbeordert sind und sich baldigst schriftlich melden, werden noch durch den Unterzeichneten abgeschlossen, der zugleich jebe, auf das Stellver. tretungswesen bezügliche Auskunft mit Vergnügen ertheilt.

6en 15' 8d,",ar 185°- B-r-au d-,

Grasenstraße Lit. £. M 158.