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528) Gießen. In der Einladung zu den in der nächsten Wocke Statt stndenden öffentlichen Schulfeierlichkeiten deö hiesigen Gymnasiums sind Seite 57 und 58 durch ein Versehen der Donnerstag und Freitag als Tage der Prüfungen bezeichnet, während dieselben in Wirklichkeit am Mittwoch und Donnerstag Statt finden werden, was hierdurch zur Berichtigung öffentlich bekannt gemacht wird.
Gießen am 15. März 1850.
Der Großh. Gymnafialdirector Dr. Geist.
539) Gießen. Alle diejenigen welche etwas an meinen Ehemann, den Posamentier Gustav Steup, zu fordern haben, werden hierdurch aufge- fordert, innerhalb acht Tagen ihre Rechnungen spe- cificirt bei mir einzureichen.
Gießen den 14. März 1850.
Dorothea Steup.
546) Gieren.
Verlorenes
Zwei Reste Seidenzeug grün, bläulich, sind Donnerstag Nachmittag vom Kirchenplatz bis in die Ncucnbäuen verloren gegangen. Der redliche Finder wird gebeten, sie bei der Redac. d. Bltts. abgeben zu wollen.
536) Ein braver junger Mann, mit den nöthigen Vorkenntnissen versehen — der die Handlung erlernen will — findet gleich nach Ostern eine Stelle offen. Bei wem? sagt die Red. d. Bl.
547) Gießen. Vergangenen Montag wurde von der Post an, bis in die Neuenbäuen durch die Schloßstraße, ein Schlüsselhaken mit 4 Schlüsselchen, verloren. Der redliche Finder wird ersucht, denselben in dem Hause des Herrn Reallehrer Dicoree abzugeben.
533) Gießen. Sonntag den 17. März
Tanx-^>lusik
bei Theodor Loni,
im Promenadehaus.
531) Gießen. Es wird ein Mädchen, das mit guten Zeugnissen versehen ist, auf Ostern in Dienst gesucht. Das Nähere erfährt man bei der Expedition dieses Blatts.
Auszuleihen.
542) Gießen. In hiesigem Kirchenkasten liegen 120 st. zum Ausleihen gegen gerichtliche Sicherheit und jährl. 5 % Zins parat.
Gießen am 13. März 1850. Der Rechner Lauer.
An die Leute auf dem Lande.
Der Tag zur Wahl der Männer, welche Ihr zu berufen berechtigt seid, damit sie nach bestem Wissen und Gewissen Dem ihre Stimme geben, der Euch für Euren Thcil bei dem Reichstage in Erfurt vertreten fcl(, rückt näher, und baH- wird die Stunde der Entscheidung schlagen.
Werdet ihr wählen? Ja, höre ich manchen sagen, Wahl macht Qual! Haben wir nicht seit Jahr und Tag gewählt, gewählt und wieder gewählt und was haben wir uns damit erwählt? Mögen Die es fertig machen, die das Wahlgesetz gemacht haben. Warum sollen wir, die wir unsere Zeit nöthig zur Arbeit brauchen, warum sollen wir ein Paar Stunden weit an einen andern Ort gehen, um unsere Stimmen abzugeben, an einen Ort, wo wir vielleicht noch nicht einmal freundnachbarlich empfangen werden? Ich weiß wohl, ein Herz, das seine Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen sieht, wird müde. Ich wünschte auch, das Wahlgesetz wäre anders und Ihr könntet zu Hause wählen und hoffe, daß es später so geordnet werden kann, aber das glaube ich, daß darin, daß es einmal so ist wie es ist, kein Grund liegt, um sich bei der jetzigen so hoch wichtigen Wahl nicht zu betheiligen. Mögen Euch die großen und die kleinen Staatskünstler in den Städten verstchcrn — wie sie Euch denn ja schon gar Vieles versichert haben, was nicht in Erfüllung gegangen ist — der Reichstag komme nicht zu Stande, man müsse festhalten an der Reichsverfassung — die nicht eristirt — und an der die Rothen am allerwenigsten festzuhalten gedachten, der Reichstag in Erfurt wird zu Stande kommen, er wird der Anfang einer für die Entwickelung unseres großen Vaterlandes nothwendigen Vereinigung sein. Ja, diese Vereinigung, sie ist nöthig, sie ist die Lebensbedingung unserer Zukunft. Allein sind wir schwach und klein, vereinigt mit den Andern sind wir groß und stark, nach Außen, wie nach Innen. Sind wir aber stark nach Außen, so werden unsere Fluren nicht mehr der Tummelplatz fremder Kriegsgelüste sein, werden unsere Kinder und Enkel nicht, wie wir, die Kosten längst geführter Kriege zu zahlen haben, sind wir stark nach Außen, so werden unsere Schiffe, unser Handel mit den anderer Völkern wetteifern können, und die Ruhe im Innern wird der Landwirthschaft und dem Gewerbsfleiß die Quellen des Reichthums wieder eröffnen, unser Wohlstand zurückkehren. Die schwache Hand des Kindes zerbricht einen Pfeil, ein Bündel Pfeile widersteht der starken Gewalt.
Darum nicht die Hände in den Schooß gelegt, sondern Jeder rege sich und helfe die Steine herbeitragen zu dem Bau der deutschen Verfassung, darum nicht zu Hause geblieben, sondern gewählt!
Gießen den 15. März 1850. f


