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An Gießens Bürger.

Mitbürger!

Die Wahl eines Bürgermeisters für die Stadt Gießen steht bevor. Wie wichtig sie für die ganze Einwohnerschaft ist, möge jeder Wähler beherzigen. Das städtische Haushaltungswesen :c. erfordert gerade jetzt eine weise, geschickte Führung und können wir nicht genug darauf Hinweisen, wie das Bürgermeisteramt einem Manne vertraut werden muß, der Einsicht und die genaueste Kenntniß der städtischen Verhältnisse besitzt: weiter aber und vor Allem verlangen wir daß er neben dieser Einsicht besitze: männliche Ehrenhaftigkeit, Besonnenheit, makellosen Charakter, Bürgertugend im weitesten Sinne des Wortes! Solche Männer sind schwer zu finden, obgleich unsere Stadt nicht arm daran ist. Die größeste Vorsicht thut.Noth. Um ge­wissenhaft zu wählen rolle man den Vorhang der Vergangenheit auf, in ihr verfolge man das Leben und Wirken der Candidaten nicht gar weit haben wir zurückzugreifen, die letzten Jahre gaben Gelegenheit genug, boten der Momente viele dar, die rechten Männer herauszufinden; man blicke auch- in das Haus! solcher Blick ist ein Blick in das Herz des Mannes. Der sei nicht der Mann unserer Wahl, der vielleicht geistig reich, mit seltenen Rede-Talenten zu imponiren vermag, aber der willenlose Spilball po­litischer Parteien ist. Besonnenheit, Festigkeit, klarer Blick in die städtischen Verhältnisse, bürgerliche Tugend, und das Zeugniß der Vergangenheit erprobten uneigennützigen Strebens fürs Wohl und wahre Beste der Stadt, das ift's, was wir wiederholt an unseren Candidaten voraussetzen.

Schließlich aber und mit Rücksicht auf oben geäußerte Grundsätze wagen wir die Herrn:

Kaufmann Heinr. Ferber

Glasermeister und Gemeinderachsmitglied Ph. Fillmarrn und Büchsenmacher L. r o s m a n n,

als Bürgermeister-Candidaten vorzuschlagen und wünschen, daß sich die Stimmen auf diese Männer vereinigen mögen.

Vorstehende Ansprache würden wir nicht in dem Maße ausgedehnt haben, weil die Wichtigkeit der Wahl Jedem schon von selbst klar sein sollte. Aber die am Montag den 11. auf dem Rathhause abgehaltene Versammlung hat uns mit Zweifel erfüllt. Wir wollen das Auftreten Einzelner in jener Versammlung gelind beurtheilen und es statt mit der richtigsten Bezeichnung, nur unüberlegt nennen.

Gießener Bürger.

239) Gießen.

An die Bungee dee Stadt Gieren.

Der Märzverein hat in seiner gestrigen Sitzung den in zwei Bürgerversammlungen mit überwiegender Stimmenmehrheit gefaßten Beschluß als Bürgermeister-Candidaten die Herren

Heinrich Ferber,

Ioh Balth 9t o l l, und

Justus Kunz

aufzustellen, auch zu dem seinigen gemacht und theilt dieses sowohl seinen nicht anwesend gewesenen Mit­gliedern und deren andern hiesigen demokratischen Vereine, als auch allen Wahlfähigen dahier mit, in der Erwartung, daß Keiner den oben angeführten in jeder Beziehung qualificirten Männern seine Stimme entziehen werde.

Gießen den 12. Februar 1850.

Der Vorstand des Märzvereins.

Die zweite Rede zu einer Volksversammlung in Einen Mann von Wissen und Eingcht, einen Gießen ist vielen Einwohnern daselbst aus dem Her- Mann von Gesinnungstüchiigkeit und von Verdienst, zen gesprochen. Ihr habt einen Mann unter Euch, der ein

Die Wahl eines Dritten nach Erfurt und dann Freund des Volks, eine Zierde der Universität und

ein cinmüthiges fröhliches Versöhnungsfest im Ein- als Lehrer der Staatswissenschaft im ganzen deutschen

Horn oder im Rappen! Einmüthig ohne neue Zer- Vaterlande hochberühmt ist.

spaltung! Soll ich ihn erst nennen?

Aber wen wollt ihr den wählen? Stadt Gießen, hast Du vergessen was dein frühe-